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gs:w:1992

1992 - Erfolg bei Olympia

Die Bundesliga war der Blickpunkt zum Jahresanfang.Doch Dichtgedrängt waren die Termine, um genügend Zeit zu haben für die Vorbereitungen auf die Höhepunkte, die mit dem Chemiepokal begannen und mit der Boxgala in Berlin fortgesetzt wurden. Im Juli und Anfang August sollte sich die gute Vorbereitung bei Olympia in Barcelona durch mindestens eine Goldmedaille auszahlen. Im Herbst ging es um die Deutsche Meisterschaft, danach folgten die Kämpfe der Bundesliga. Zwischen diesen Wettkämpfen und Vorbereitungen waren noch Turniere und Vereinswettkämpfe zu bestreiten. Auch für die Auswahl der Junioren gab es mit der Europa- und Weltmeisterschaft zwei Höhepunkte. Für die größte Zahl der Wettkämpfer war somit ein guter Platz bei der Internationalen Deutschen Juniorenmeisterschaft das Ziel.

Doch auch andere Themen wurden zum Jahresanfang diskutiert. So das Ausscheiden des DDR-Erfolgstrainers Debert, die Arbeit mit der Punktmaschine und das von der AIBA ausgearbeitete Ranglistensystem. Durch dieses Ranglistensystem sollten nur die besten Boxer bei den Olympischen Spielen und den Welttitelkämpfen starten. Dazu wurden weltweit Turniere ausgeschrieben.

Die I. Bundesliga begann mit sieben Mannschaften (Brandenburg, Ahlen, Berlin, Schwerin, Frankfurt, Leverkusen, Flensburg). Nach dem Abschluss aller Kämpfe gab es eine Punktegleichstand zwischen Brandenburg und Berlin. So musste erstmals in der Geschichte der Meisterschaften das Los entscheiden. Die glücklichen Gewinner waren die Brandenburger.

Die 2. Bundesliga war in zwei Gruppen eingeteilt. In der Gruppe Nord kämpften Halle, Schwedt, Velbert, Berlin-Neuköln und Glinde. Die Gruppe Süd vereinte Mühlheim, Esslingen, Gera, Eichstätt und Hückelhoven.

Als dritte Leistungsgruppe galt die Oberliga mit der Gruppe Süd-Ost (Singen; Nürnberg, Chemnitz und Königsbrunn) und der Gruppe Süd-West (Kamp-Lintfort, Hanau, Aschaffenburg-Kreuznach und Geresheim). Diese Wettkämpfe bestimmtem von Dezember bis März das Boxgeschehen.

Das erste Großereignisse des Boxjahres, der 20. Chemiepokal vom 4.-8. März in Halle war ein Qualifikationsturnier für Olympia im Halbfliegen-, Bantam- und Schwergewicht. Aber gleichzeitig war es wie immer auch ein Turnier zum Vergleich mit der Weltspitze. Und dieser Vergleich sollte auch in Zukunft erhalten bleiben. Die neue politische Prominenz aus Halle und Sachsen-Anhalt unterstützte das Projekt ideell und finanziell. Darüber hinaus führte die AIBA in der gleiche Zeit auch einen internationalen Trainerlehrgang durch und praktizierte die offene Wertung (offene Anzeige des Punktstandes nach jeder Runde) in diesem Turnier.

Die Qualifikation für Olympia strebten Quast, Berg und Teuchert an, die am Ende auch das Ziel erreichten. Von den 13 Olympiabewerbern im Halbfliegengewicht setzte sich Quast in Finale gegen den Ungarn Lakatos durch. Die 16 Teilnehmer des Bantamgewichts waren zum Teil in den Leistungen sehr ausgeglichen. Das Finale zwischen dem Irländer Mc Collough und dem Schweriner Berg endete 9: 8. Im Finale des Schwergewichts besiegte Teuchert den Kroaten Marovic ebenfalls mit 9:8. In den anderen Gewichtsklassen fand das Turnier im bewährten Rahmen statt.

Die Deutschen Turniersieger in Halle waren: Fliegengewichtler Loch, Leichtgewichtler Rudolph und Mittelgewichtler Schenk.

Als Gastgeber der Internationalen Boxgala Berlin 92 konnte der Verband zwei Starter in jeder Gewichtsklasse für das erste Weltranglistenturnier der AIBA stellen. Doch mehrere der Aktiven starteten nicht,da gesundheitliche Probleme dem entgegenstanden. Der Boxring kommentierte: Die Box-Budesliga als „Knochenmühle“-…als einen Grund für das Absagen 1). Für die Starts der Bundesliga gab es Geld und die Sportförderung blieb bestehen. Hier zeigten sich unterschiedliche Interessenlagen, die eine ausgereifte Planung voraussetzte, um zu Höhepunkten mit dem besten Boxern aufzutreten. Die Sieger des DABV in der Boxgala Berlin 92 waren: Weltergewichtler Saeger, Halbschwergewichtler T. May und Schwergewichtler Teuchert.

Bert Teuchert Sieger der Boxgala Berlin 1992

Dort, wo es die besten Boxer der Welt gibt, wo Boxen ein Nationalsport ist, wo unterschiedliche Sparringspartner für die deutschen Kämpfer möglich sind, auf Kuba, begannen die Vorbereitungen auf den Länderkampf gegen die USA. Die USA hatten sich sehr gut auf diese beiden Vergleiche vorbereitet. Sie gewannen den ersten Kampf mit 14:10 und mussten den Deutschen den Sieg im zweiten Vergleich mit 12:8 überlassen. Als Sieger in beiden Vergleichen konnten sich Zülow, Otto und Ottke feiern lassen.

Nach Verpflichtungen in den Vereinen begannen erstmals mit dem Höhentrainingslager in den Schweizer Alpen – die DDR hatte in Bulgarien unter einfacheren Bedingungen immer die Wettkämpfer so eingestimmt - die Vorbereitungen auf den Olympiastart in Barcelona 1992. Der Bundestrainer und vier weitere Trainer betreuten die komplette Staffel mit den Nachrückern Schade und Beyer. Somit war eine intensive Vorbereitung gegeben. Mit einer kurzen Unterbrechung begann danach das Trainingslager in Hennef. Hier waren auch die Vergleichsmöglichkeiten im Trainingskampf unter anderem mit Boxern aus Kuba, Australien, den Niederlanden und Griechenland gegeben. Daraus ergaben sich Veränderungen in der Staffelaufstellung. Die Trainer hatten sich zwischen Schmidts und Bayer zu entscheiden. Die Wahl fiel auf Bayer, der in der Vorbereitungszeit die ausgeglichensten Leistungen erreichte.

Am 25. Juli fanden die Auslosungen der Kampfpaarungen statt. Halbfliegengewichtler Quast konnte sich bis zum Viertelfinale mit wenig bekannten Gegnern auseinandersetzen. Dagegen musste Fliegengew. Loch bereits in der Vorrunde gegen den starken Thailänder Kapdo antreten. Für Ex-Europameister Berg hatte die Lostrommel die schweren Brocken anderen Gegnern zu gelost. Federgewichtler Tews traf gleich in der ersten Runde auf den bulgarischen Weltmeister Kirkorow. Im Leichtgewicht stand Rudolph dem rumänischen Europameister Nistor gegenüber. Der Weg von Halbweltergewichtler Zülow war schwer, denn der Kubaner Vinent und der GUS Boxer Nicolajew sperrten den Weg zu einer Medaille. Mehr Glück mit dem Los hatte Weltergewichtler Otto, zumindest im ersten Kampf, mit Lewis aus Guyana. Für Halbmittelgewichtler Bayer war der erste Kampf gegen den aus Neuseeland stammenden Figota lösbar, doch dann folgt der kubanische Weltmeister Lemus. Ottke hat im Mittelgewicht im ersten Kampf den Protoricaner Santiago, doch dann folgte der Kubaner Hernandez- zweimaliger Junioren-Weltmeister. Halbschwergewichtler May hat nur im ersten Kampf einen „leichteren“ Gegner mit dem Nordkoreaner Kim. Bereits im zweiten Kampf traf Schwergewichtler Teuchert auf den wohl stärksten Boxer dieser Gewichtsklasse, den Kubaner Savon. Erst muss der Argentinier Ibarra geschlagen werden. Etwas leichter schien das Los für den Superschweren Fischer zu sein, der sich erstmal mit unbekannten Gegnern auseinandersetzen konnte.

Olympiasieger Torsten Mey und Trainer Karl-Heinz Krüger

Im Verlauf des Turniers konnten dann die Kämpfer Zülow, Otto, Beyer, Ottke und Teuchert gegen die späteren Olympiasieger den Ring nicht als Sieger verlassen. Durch die vier errichten Medaillen mit Gold von Tews und May, der silbernen von Rudolph und der Bronzemedaille von Quast bestätigte sich die gewachsene Position des deutschen Boxsports.

Doch kaum zurückgekehrt musste das Präsidium über den weiteren Weg des Amateurboxens nachdenken. Es war zu entscheiden, ob der internationale Vergleich im Vordergrund stehen sollte oder der nationale Wettkampfkalender. Dieser hätte dann den Landesverbänden und den Vereinen einen größeren Spielraum gelassen.

Die Entscheidungen für die weitere Entwicklung waren auch von den Vorstellungen des Weltverbandes und des IOC abhängig. Galt es doch, bei internationalen Turnieren und Olympia die Teilnehmerfelder zu reduzieren und gleichzeitig die Olympische Idee zu wahren. Das erforderte die Beteiligung an Ranglistenturnieren, um für die weltumfassenden Veranstaltungen qualifiziert zu sein.

Siegerehrungen Federgewicht – Olympiasieger Tews Deutschland

Innerhalb des Landes standen andere Schwerpunkte im Mittelpunkt. Vom 30.April bis 4. Mai waren es die 2. Jugendmeisterschaften in Cottbus. Von den 111 Startern waren nur 20 in den alten Bundesländern beheimatet (Boxsport 9/1992, S. 10). Kein Wunder, wenn sich Bundestrainer Wemhöner und Honorartrainer Haubrich eine Weiterführung der Sportfördermaßnahmen wünschten. Die Ergebnisse vom Papiergewicht aufsteigend: Lehmann (Cottbus), Hammer (Schwerin), Link (Schwerin), Kulbe (Halle), Fuchs (TSC Berlin), Brückner (Schwerin), Ruhmer (1860 München), Karow (TSC Berlin), Rosomkiewicz (Frankfurt), Pleger (SC Berlin), A. Müller (Cottbus), Bieschkowski (Schwerin), Günther (Cottbus), Siemann (Halle). In diesen Kämpfen war die Schattenseite war nicht zu übersehen, denn nur sechs Finals gingen über die volle Rundenzahl,weil die Härte überwog.

Die Junioren hatten Ende April ihren ersten internationalen Höhepunkt mit den Europameisterschaften in Edinburgh der 122 Aktive aus 19 Verbänden zusammenführte. Die deutschen Boxer traten ohne der verletzten Ulrich an, besetzen aber sonst alle Gewichtsklassen. Die Ergebnisse waren überraschend. Die deutsche Mannschaft gewann den 2. Platz. Mit 11 Startern konnten 9 Medaillen errungen werden. Gold ging an Kuchler (der auch für die beste Leistung geehrt wurde) und Brennführer. Hamann, Knabe, Fröhlich und Hoffmann belegten einen 2. Platz. Bronzemedaillen erkämpften K.Huste, P.Müller und Tischler.

1. Platz Lutz Brors bei den Weltmeisterschaften der Junioren

Vom 25. September bis 4.Oktober fanden die Weltmeisterschaften der Junioren in Kanada statt. Zu dieser Veranstaltung hatten 35 Verbände 186 Boxsportler gemeldet. Nach der Medaillenwertung reihte sich der deutsche Verband an 3. Stelle ein. Er erkämpfte einen 1. Platz ( Brors) zwei Silbermedaillen ( Fröhlich, Ulrich) und sechsmal Bronze (Küchler, Knabe, R. Schulz, Brennführer, P.Müller und Hoffmann). Gera, die Boxhochburg der BSG Wismut war der Austragungsort der 1.Internationalen Deutschen Juniorenmeisterschaft (19.-21.Nov.).Somit konnten Sportler, die nicht die deutsche Nationalität besaßen, an den Wettkämpfen teilnehmen. Der Boxverband bestätigte mit dieser Entscheidung eine Entwicklung, die sich seit Jahren andeutete. Viele ausländische Bürger hatten sich dem Boxen zugewandt. Das erhöhte die Teilnehmerzahl und brachte eine gewünschte Konkurrenz. Es ermöglichte aber auch eine bessere Integration der aus dem Ausland kommenden Sportler.

Die Sieger und damit die 1. Internationalen Deutschen Juniorenmeister waren (vom Halbfliegengewicht aufsteigend):

Baumann (TSC Berlin), Kulbe (Halle), Sanowski (TSC Berlin), 
Küchler (Halle),   Rygala (Gera), A. Krüger (Schwerin), 
Gül (Leverkusen), Häusler (Frankfurt/Oder), Ulrich (TSC Berlin), 
Tischler (Polizei Berlin), Akse (Rosenheim), Breuhahn (Greifswald).

Der Boxsport hatte durch das erfolgreiche Auftreten im In- und Ausland das Interesse vieler Menschen geweckt. Vom kleinsten Verein bis zu den Ligamannschaften waren die Meisterschaften und die Förderung von Leistungen Ziel der Aktivität. Es deutete sich eine neue Bewegung an, die den Boxsport in vielen Ausprägungen als ein Fitnessprogramm betrachteten. Sich gesund halten durch Boxen, ohne öffentlichen Wettkampf, erforderte die Angliederung von Freizeitboxgruppen. Zu dieser Zeit gab es überall in der Welt Versuche, das Frauenboxen zu etablieren. Aber noch sperrte sich der Weltverband und in Deutschland sah keiner die Notwendigkeit einer Förderung.

Viele Probleme belasteten den Boxverband. Einige, wie das Fehlen ausreichender Trainerstellen, konnten zumindest teilweise durch befristete Stellenplanungen bis zur folgend Olympiade 1996 verschoben werden. Dennoch war die bisherige Förderung des Sports nicht mehr gewährleistet. Das Auswahlprinzip für die Nachwuchsathleten nicht mehr haltbar. Die Anzahl der Trainerstellen im Osten verringerten sich. Großen Sportclubs, wie Schwerin und Halle, fehlten die finanziellen Mittel. Für die bisher in Deutschland ausgetragenen Turniere fehlte die Unterstützung. Sie konnten nur mit großen Schwierigkeiten am Leben erhalten werden. Doch wo blieben die internationalen Vergleichsmöglichkeiten für die große Anzahl von Nachwuchsboxern? Mit einer kleinen Anzahl konnte der Verband im Ausland teilnehmen. Aber die gesamte Spitze wäre nur bei nationalen Veranstaltungen unterzubringen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Berufsport erforderte eine neue Grundlage, die ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Amateursport verhinderte. Denn jeder „Beruf“ erfordert eine Qualifikation und die sollte im Interesse der Berufs- und Amateurboxer wohl an Siegen bei internationalen Turnieren gemessen werden. Eine Prüfungskommission könnte da hilfreich sein. Wie wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, sollte der zukünftige Leistungssportler, der sich auf Weltklasseleistungen vorbereitet, bereits mit 16 Jahren das technische Rüstzeug erworben haben. Das erfordert ein Umdenken in der weiteren Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Diese bleiben aber nur dem Leistungssport treu, wenn sie als Spitzenkräfte dann auch perspektivische Möglichkeiten sehen, Beruf und Sport zu verbinden. Der Sport bedurfe einer gesellschaftlichen Aufwertung. Der Leistungssportler erwartete eine soziale Anerkennung und gesicherte Perspektiven.


1) Box-Sport 13/1992, S.7
gs/w/1992.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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