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gs:w:1990

1990 - Der DABV und die Vereinigung

Trainer Ulli Wegner mit Mike Hanke - Halbschwergewicht TSC Turnier 1990

Bereits in den ersten gemeinsamen Gesprächen wurde betont, dass man sich mit den Vertretern des DDR-Boxverbandes gut kennt und viele gemeinsame, vor allem internationale Entscheidungen mitgetragen hat. Die ersten Überlegungen gingen davon aus, freundschaftlich nebeneinander zu wirken. Übersiedler aus der DDR sollten eine Freigabe vom DBV erhalten. So kämpfte Volke bereits in der Bundesliga und Richter und Kaden wollten umsiedeln. Um die Einsätze von Boxern des DBV zu begrenzen, durften nur zwei in einer Ligastaffel eingesetzt werden. Sie sollten mit den Startunterlagen des DBV an den Wettkämpfen teilnehmen.

Für 1990 wurden gemeinsame Turniere vereinbart. So der Chemiepokal in Halle, das Juniorenturnier in Schwerin, der Inter-Cup in Frankfurt /Main und das wegen finanzieller Probleme verkürzte TSC-Turnier in Berlin. Für Ende des Jahres 1991 war ein Kampf beider Staffeln vorgesehen, bei dem der DBV nur nationale Boxer und der DABV auch Sportler anderer Nationalität einsetzen konnte.

Bei Vereinswechsel war festgelegt, dass die Wechselgelder nicht an den Athleten zu zahlen sind, sondern an die Mannschaft gingen 1) und es immer der Zustimmung des DBV bedurfte.

Um die Objektivität der Kampfurteile zu verbessern, hatte die AIBA festgelegt, dass ab September 1990 bei allen internationalen Turnieren die Punktmaschine eingesetzt werden sollte. Aber auch der Kampf gegen Doping wurde von der AIBA begonnen, vom europäischen Verband aber nicht für notwendig gehalten und der DABV erklärte, er habe keine Mittel dafür.

Bereits kurz nach der Veröffentlichung erschien ein überarbeiteter Jahresplanung mit der größten Veränderung, denn der Inter- Cup fiel wegen finanzieller Probleme aus.

Marco Rudolph und Tibor Rafael
TSC Turnier 1990 Sven Ottke -Dirk Eigenbrodt, mit Ringrichter Konrads

Der Höhepunkt im Boxsport auf deutschen Boden stellten die Wettkämpfe zum IV.Challenger-Cup in Berlin dar, bei dem sich die besten Boxer der Welt vorstellten. Dabei gab es eine nicht unumstrittene Neuerung, die fünfmal 2 Minuten Wettkampfzeit und die Wertung mit dem Boxcomputer. Die Rundenzeiten waren ein Streitpunkt, denn ging es um die Möglichkeiten einer größeren Werbeeinblendung oder um den Schutz der Aktiven? Der Weltverband war auf der Suche nach den besten Lösungen. In den Finalkampf konnte Ottke im Mittelgewicht einen unangefochtenen Sieg über Lentz (Dänemark) erringen und Teuchert musste sich im Schwergewicht dem besseren Savon aus Kuba beugen. Anders dagegen beim Chemiepokal in Halle, hier stellte der DABV im Halb- und Schwergewicht mit Michalczewski und Teuchert die Sieger. Bereitz zu diesem Zeitpunkt wurde deutlich, dass sich viele Bundesligaclubs Kämpfer aus dem nicht mehr über volle Autorität verfügenden DBV holen. Im Boxsport war zu lesen:“ …50 DDR-Boxer für unsere Klubs…registriert…“ 2).

Die Jugendmeisterschaften vom 28.-30.04 in Celle gewannen folgende Kämpfer: Krane/BC Wangen, Szikura/ASV Wuppertal, Thoma/DJK Rosenheim, Edis/MBB Augsburg, Rosenow/Polizei-SV Berlin, Brors/Polizei SV Duisburg, Oleksy/KS Lüneburg, Kumschlies/Solingen, Rölli/Friedrichshafen, Kaminski/Haselünne, Wertheimer/KS Lüneburg, Tischler/Polizei SV Berlin, Krumm/BC70 Wetzlar. Den Titel bester Techniker erhielt der 1989er DDR Meister Brors, der Boxen im Sportinternat erlernt hatte.

Herzogenrath-Kohlscheid war der Austragungsort für die 42. Deutschen Junioren-Meisterschaften, wo sich sehr gute Kämpfer vorstellten. Die Sieger: Richardon/BC Wangen, Ludwig/Geislingen, Ruder/Hockenheim, Frei/Schwetzingen, Dollinger/Sparta Flensburg, Morgenthaler/BC Riegel, Üdema/ TV Papenburg, Golderew/ BC Zellerau, Th.Fischer/ WBR Bremerhaven, Drossel/BC Erle, Graf/Waldhof Mannheim, W. Fischer/CSC Frankfurt.

Anfang Juni deutete sich an, dass die Vereinigung beider Boxverbände schneller von der Politik gefordert wurde, als zu Jahresbeginn. Das erforderte für die geplante Deutschlandliga – sechs Vereine vom DABV und vier vom DBV- Absprachen, um ein Ausbluten der Ost-Vereine zu verhindern. So sollten die bereits beim DABV gemeldeten Kämpfer auch weiterhin für ihren Verein starten können, aber die aktuellen Vertreter des DBV sollten keine Freigabe für Vereine in der BRD erhalten. Unter der Sicht der kommenden Vereinigung sollte ein weiterer Bundestrainer eingesetzt werden. Aus den 15 Bewerbern, darunter erfahrene DDR-Trainer, erhielt der in der BRD lebende Shilagi den Vorzug.

Eine gemeinsame Vorbereitung der Junioren auf die Junioreneuropameisterschaften in Usti stärkte die sportliche Zusammenarbeit und hatte auch erste Erfolge durch den Sieg von Fischer im Superschwergewicht. Diese stellten sich auch bei den Junioren –Weltmeisterschaften in Lima durch die 3. Plätze von Halbweltergew. Morgenthaler und Fischer im Superschwergewicht ein.

Auch die DABV Meisterschaften in Hamburg waren durch den Vereinigungsstempel gezeichnet, denn viele der ehemaligen DDR Kämpfer prägten wesentlich das Niveau. Im Finale standen sich gegenüber (vom Halbfliegengen- bis Superschwergewicht):

Quast 	und 	Joos
Lexow		und 	Soares
Vural		und 	Müller
Kosedowski	und	R.Breitbarth
Özcoban	und	Rostek
Otto		und	Piseddu
Löwe		und	Mattheis
Berger	und	Doering
Ottke		und 	Nieroba
Suetovius	und	Schobert
Teuchert	und	Stettinger
Schnieders	und	Mloch

Das Auflösen des DBV und der Übergang der geschaffenen Landesverbände in den DABV war nicht nur eine politische, sondern vor allen auch eine leistungssportliche Entscheidung. Im Boxsport 3) schrieben Denz und Mittenzwei über den deutschen Boxsport. „Ende des DBV-Abschied von Erfolgen? und DABV: Maxi-Erfolg mit Mini-Aufwand“ Sie charakterisierten damit die unterschiedlichen Sportsysteme und die Stellung der Gesellschaft zum Sport (und der Jugend?). Am 7. Dezember gab es dann den Wettkampf DABV – DBV, der 16: 8 endete. Je nachdem, was der Betrachter herausstellen will, lässt sich das Ergebnis interpretieren. Für die Verantwortlichen des Boxsports ging es aber vor allem um die Sichtung der Aktiven für die kommenden Aufgaben. In diesem „Vereinigungskampf“ standen sich gegenüber:

Quast (Ahlen)			-	Meukow(Schwerin)
Prosch (SC Berlin)		-	Stefanos (Schriesheim
Tews (Schwerin)		-	Vural (Herta Berlin)
Kosedowski(Flensburg		- 	Hinz (Schwerin)
Ozcoban( Vikt. Berlin)	-	Hildebrandt (SC Berlin)
Zülow (Schwerin)		-	Piseddu (Karlsruhe)
Otto (Ahlen)			-	Saeger (Schwerin)
Schenk (Spandau)		-	Schmidt (Schwerin)
Ottke (Spandau)		-	Schmitz (Schwerin)
Michalczewski (Leverkusen)	-	Th. May (Frankfurt/O.)
Lange (Schwerin)		-	Teuchert (Freiburg)
Schnieders (Oldenburg)	-	Heydeck (SC Berlin)

1) Boxsport 2/1990, S. 4
2) Boxsport13/1990, S. 9
3) 31/1990, S. 5
gs/w/1990.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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