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gs:w:1989

1989 - Zwei Europameister

Drei große Wettkämpfe bestimmen den Ablauf dieses Jahres. Die Europameisterschaften in Athen, die Weltmeisterschaften im September in Moskau und die Junioren-Weltmeisterschaften.

Die Teilnahme an internationalen Turnieren und die Kämpfe der Nationalmannschaft dienen der Standortbestimmung und der Vorbereitung für die Jahreshöhepunkte. Im nationalen Rahmen waren es die Wettkämpfe der Bundesligen und die Meisterschaften auf Bezirks- und Landesebene, die wesentlich das Boxgeschehen prägten. Die Bundesliga unterteilt sich in:

1.Bundesliga mit den Vereinen: BSK 27 Ahlen, CSC Frankfurt, Boxring Berlin, 
Bayer Leverkusen, Sparta Flensburg
2. Bundesliga  vertreten durch: Ringfrei Mühlheim, BC Erle, BC Eichstedt, 
BC Kamp-Lintfort, BC Dortmund
Oberliga: BR Hanau-Hessen, VfB Oldenburg, Velberter BC 22, 
KG Hamburg, NSF Berlin
Regionalliga Süd gebildet durch: BC Esslingen, BC Wangen, BC Singen, 
Boxstaffel Speyer
Regionalliga West : TuS Gerresheim, BC Hückelhoven, Boxstaffel Köln, 
BS Karlsruhe/Pforzheim 

Die Vereine waren es, die Sportler werben, vorbereiten, betreuen und langfristig aufbauen sollten. Damit ergaben sich bestimmte Rechte auf den Einsatz für den Verein, auch wenn es nicht immer den Interessen der Sportler oder denen der Nationaltrainer entsprach. Im Bundesland wurden sie höchstens mit Wochenendlehrgängen für kommende Aufgaben vorbereitet. Für eine sportliche Höchstleistung war das aber nicht ausreichend. Dazu bedurfte es anderer Formen. Dazu zählen auch Turniere.

Um den Turniercharakter etwas hervorzuheben, waren die ersten Länderkämpfe an zwei aufeinander folgenden Tagen geplant. Nach vielen Jahren gelang es, ein Unentschieden (12:12) gegen Ungarn zu erreichen und gegen Holland ein 16: 4. Da hier auch die Spitzenkönner Piseddu, Löwe, Bott, und Teuchert in beiden Vergleichen als Sieger den Ring verließen, gab es nur positive Berichterstattungen.

Auch die Junioren konnten beim Länderkampf gegen die CSSR mit 12:12 ein gutes Ergebnis erringen.

Das folgende große internationale Turnier, der Chemiepokal von Halle, mit den Kadern für die Europameisterschaft, brachte nur einen 3. Platz im Halbmittelgew. für Gusnick. Beim Turnier im eigenen Land, der Inter-Cup vom 18.-22. April, stellt der DABV nicht wie andere Ausrichter zwei komplette Staffeln, sondern bis auf drei Gewichtsklassen immer nur einen Starter. Nur im Halbwelter-, Mittel- und Schwergewicht sind zwei Boxsportler gemeldet. Wäre hier nicht die Möglichkeit gewesen, dem Nachwuchs eine Startmöglichkeit zu geben?

Die Jugend sah ihre 51 Besten bei der 17. Meisterschaft in Bochum (4.-7.Mai), an der sich 14 Landesverbände beteiligten. Es siegten (von Papier- A bis Schwergewicht):

  • *Schüler, Hollweck, Haltermann, Richter, Ryschka, Hoffmann,

Stein, Broll, Neumann, Strube, Heckroth, Williams und Drossel. Der Höhepunkt für die Junioren, die Meisterschaft vom 25.-27. Mai in Frankfurt, verzeichnete 60 Meldungen. Den Meistertitel errangen (vom Halbfliegen- bis Schwergewicht): Hahne - Fürstenfeldbruck, Frei - Schwetzingen, Scheibe - Frankfurt,

Hettl- Ruderling, Smid – Berlin, Üdema – Papenburg, Brenk – Kaiserslautern, 
Hartenstein – Karlsruhe, Frohwerk - Hückehoven, 
Halter – Kaiserslautern, Fischer – Frankfurt.**

Für den ersten Jahreshöhepunkt, die Europameisterschaften vom 25.Mai bis 3. Juni in Athen, stellte der DABV eine Staffel vom Bantam- bis Schwergewicht. Nur der Schwergewichtler Teuchert konnte seine Leistungen mit einer Medaille bestätigen. Die Suche nach den Ursachen dieser Niederlagenserie schienen vielseitig. Präsident Maurath erklärte, dass die Mannschaft zu groß war und für „ Maczuga, Abdelghaffar und Gusnick war diese EM auch ein Dankeschön“ 1). Anderen Probleme, von der Zusammensetzung der Delegation bis zum Anreisetermin, kamen zur Sprache, um für den nächsten Höhepunkt besser gerüstet zu sein.

Der Präsident des BSK 27 Ahlen stellte im Boxsport kritisch fest, wo der DABV als drittklassiger Verband in Europa sich einordnen muss und forderte vielseitige Veränderungen 2).

Erstmals seit Einführung der Juniorenweltmeisterschaften 1985 in Bukarest gab es für den DABV keine Medaille (1985-3. Platz Mieling; 1987 Havanna-3. Pl. Stettinger). Die Gegner erwiesen sich für die Boxer des DABV körperlich als viel zu stark.

Sven Ottke- 335 Amateurkämpfe- 286 Siege – 11 x Deutscher Meister, Europameister 1991 und 1996, Weltmeisterschaft 3. Platz 1989

Nach einem Weltmeisterschafts-Test in Karlsruhe (18.08.1989) bot das Berliner TSC- Turnier nochmal die Möglichkeit, sich im internationalen Vergleich vorzustellen und eine Formüberprüfung vorzunehmen. Das gelang überzeugend nur Ottke, der den Turniersieg errang. Erstmals erkämpfte ein Boxer des DABV in einem Turnier des DBV einen Sieg. Die anderen Vertreter des DABV (Kästner, Özcoban, Abdelghaffar, Künzler, Stettinger) schieden vorzeitig aus. Die Vorzeichen für die Weltmeisterschaften in Moskau waren damit nicht besonders gut. Aber Abdelghaffar (im Halbwelter) schied gegen Kelb aus, Künzler gegen den ägyptischen Starter Kabbarim. Kästner erkämpfte einen Sieg aber konnte den zweiten Kampf gegen den Mongolen Bayarsykhan nicht gewinnen. Ottke errang die erwartete Medaille. Allerdings „ nur“ Bronze, da er gegen gegen den späteren Sieger Espinosa aus Kuba noch nicht stark genug war. Teuchert im Schwergewicht scheiterte im Halbfinale (3. Platz) an dem beweglicheren Sudakov (UdSSR). Mit diesem Ergebnis war die Zielstellung des Verbandes um 100 Prozent übertroffen.

Bereits vier Wochen später begannen in Berlin die Titelkämpfe um den „Deutschen Meister“. Und das waren die Titelträger (vom Halbfliegen- bis Superschwergew.): Joos - BC Speyer, Edis - MBB Augsburg, Vural - Herta Berlin, Kosedowski - Hanau, Nowakowski - Frankfurt, Gies - Frankfurt, Löwe - Leverkusen, Künzler - Karlsruher SC, Ottke - Berlin Spandau, Schoberth - Bayreuth, Stettinger - Weisenbg., Schnieders - Oldenburg. Die im Anschluss an die Meisterschaft stattfindende Wahl zum Boxer des Jahres fiel, auf Nowakowski. Das mag wohl eher eine politische Entscheidung gewesen sein, denn im sportlichen Bereich hatte er bis zu diesem Zeitpunkt wenig für den DABV geleistet. Dagegen waren die ersten Verhandlungen zwischen dem Präsidenten des Berliner Boxverbandes Miesner und den Leiter des TSC Turniers Bergs bereits auf die Gestaltung der zukünftigen gemeinsamen Arbeit gerichtet 3).


1) Boxsport 18/1989, S. 2
2) Boxsport 21/1989, S. 6 f
3) Boxsport34/1989, S. 3
gs/w/1989.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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