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gs:w:1988

1988 - Nur zwei Sportler in der AIBA Weltrangliste

Wurde das Wettkampfjahr durch die nationalen oder internationalen Vergleiche bestimmt? Diese Frage war zu Beginn des Jahres noch nicht deutlich zu beantworten. Obwohl es ein Olympiajahr war, hat bis auf Ottke noch kein weiterer Athlet die Qualifikation erreicht. Für verschiedene Kämpfer gab es die Möglichkeit, die beim Chemiepokal in Halle, in Usti und beim Intercup die notwendigen Punkte zu erreichen. Diese Problematik deutete sich ebenfalls bei den Junioren an. Es gab keinen verantwortlichen Nationaltrainer für diesen Bereich. Damit ist eine gezielte Förderung über den Verein hinaus in der Regel nicht möglich. Aber auch das Problem der hohen Belastung für die Besten ist noch nicht gelöst. Denn durch die Bundesliga, die Kämpfe auf Länderebene und im Nationalkader ergeben sich zeitweilig zu hohe Belastungen, aber es fehlt eine Zeit der Erholung, die nicht ausreichend geplant wird.

Für die Besten beginnt das Jahr mit einem Länderkampfsieg (14:10 ) gegen Dänemark. Für die anderen Spitzenkämpfer veröffentlichte der Boxsport eine Terminliste, die zeigte, wer an welchem Turnier teilnimmt. Das war notwendig, denn in der Weltrangliste der AIBA waren auf den Plätzen acht nur Künzler und Bott aufgeführt. Der DABV hatte auch keine Starter für die Vorkämpfe in Seoul gemeldet- kein Kennenlernen der Bedingungen und kein Vorstellen der Wettkämpfer- weil es angeblich zu Überschneidungen mit der Bundesliga führte. Beim Chemiepokal in Halle reichte es nur zu einem 3. Platz durch Spurgin. Um in Usti dann erfolgreicher abzuschneiden, wurden für die Besten Sparringspartner gesucht und die Mannschaft teilweise noch verändert. Die internationalen Turniere erhielten als Qualifikationen für Olympia und Weltmeisterschaften eine Aufwertung. So war es nicht verwunderlich, dass sich für den Inter-Cup als Qualifikationsturnier und als Test 29 Verbände und fast 200 Kämpfer anmeldeten. Für die 16 Boxsportler des DABV, die in 46 Kämpfen 31 mal den Ring als Sieger verließen, gab es einmal Gold (Bott), fünfmal Silber und sechsmal Bronze. Das war in einem hervorragend organisierten Turnier eine herausgehobene sportliche Leistung für den DABV.Aber um Olympia für weitere Boxer möglich zu machen, waren weitere Turnierbeteiligungen geplant.

Die Landesmeisterschaften boten die Möglichkeit, Ausscheidungskämpfe auf einem niedrigen Niveau ausgetragen und Sportler aller Leistungsstufen zu integrieren. Auch die Jugend und Junioren kämpfen um die nationalen Titel. Gleichzeitig trat eine sechsköpfige Juniorenmannschaft beim Schweriner Turnier an, konnte aber keinen Sieger stellen.

Doch nicht immer waren es nur Siegerleistungen, die für Schlagzeilen sorgten. Unter dem Titel : „Ein Tiefschlag kann immer passieren“ erhielt H.Hohmann eine Fair-Play-Auszeichnung, da er nach einem Tiefschlag nicht liegen blieb und sich somit einen Sieg sicherte, sondern aufstand und dem bis dahin besseren Boxer auch den Punktsieg ermöglichte 1).

Am14./15. Mai fanden in Salzgitter die Deutschen Jugendmeisterschaften statt. Den Meistertitel errangen (vom Papiergewicht A bis Schwergewicht): Haltermann, Schlösser, Hering, Schulze, Weinzierl, Morgenthaler, Stark, Erne, Oepen, Mathews, Witzel, Metzger, Drossel.

Bei den Juniorenmeisterschaften in Neuss Anfang Juni waren viele Seiten nicht mit dem Kampfgeschehen einverstanden. Die Kampfrichter hatten nicht den besten Tag und auch die Kämpfe strahlen nicht von schöpferischer Aktivität. Im Finale standen sich gegenüber - Sieger zuerst genannt - vom Halbfliegen- bis Superschwergewicht:

Müller/Neu-Seilshoop		-	H.Joos/Schwandorf
Scharf/FC Nürnberg		-	Bottcher/TG Worms
Kohlhage/Kamener BSC		-	Eckstein/Ludwigsburg
Scheibe/CSC Frankfurt		-	Knees/OL.Neumünster
Schultz/BAC Emden		-	Hettl/FC Ruderting
Staske/TSV Plön			-	Hering/BC Kostheim
Deutsch/Wellesweiler		-	Grether/Klettgau-Tiengen
Brenk/FC Kaiserslautern		-	Dittmer/ OL. Neumünster
Hartenstein/Karlsruher SC	-	Frohwerk/BC Hückelhoven
Hufermann/SC Colonia 06		-	Schatta/Wattenscheid
Düsberg/ÖSG Dortmund		-	Halter/1. FC Kaiserslautern

Die Olympischen Spiele und deren Vorbereitung beschäftigte langfristig den Boxverband.

Unter der Leitung der Bundestrainer Ranze und Wemhöner qualifizierten sich für die Olypischen Spiele Bott, Künstler, Gies, Ottke, Nieroba und Schnieders. Die einzige Medaille für den Boxverband gewann Rainer Gies mit Bronze im Halbweltergewicht.

Nach der Auswertung des Weltboxgeschehens und der Deutschen Meisterschaft stelle Mohr im Boxsport 2) einen Fragenkatalog auf, der nicht vom Boxverband allein, sondern von den politischen Trägern beantwortet werden musste. Dazu zählt: Können wir unter den gegebenen Umständen überhaupt noch mit der Weltspitze konkurrieren? Dann folgten untergeordnete Fragen nach der Neugestaltung des Wettkampfsystems, der ausgeglichenen Erholung und Belastung der Spitzenkämpfer, der Koordination nationaler und internationaler Wettkämpfe. Die Fragen nach dem Trainer für den Nachwuchs, warum Boxen nicht mehr im Schulsport vertreten war und auch im Studium nicht angeboten wurde, ergänzten den Komplex. Dieser Katalog zeigte, dass es viele Probleme gab, die nicht innerhalb, sondern auch außerhalb des Boxverbandes diskutiert werden mussten.

Eine breite Runde stellte immer wieder Fragen nach Boxen und Gesundheit. Aber für den Amateursport war sie durch die vielseitigen Schutzbestimmungen und Maßnahmen beispielhaft gegeben. Die Ableitungen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen lassen keine größere Gefahr aufkommen, als in anderen Sportarten. Für den Schulsport ergeben sich, wie die Erfahrungen der DDR zeigten, keinen Gefahren (ausgebildete Sportlehrer und ein ausgewogenes pädagogisches Konzept vorausgesetzt). Die Ausgliederung aus dem Schulsport war wegen der vielen Potenzen, die in der Umsetzung der Sportart stecken, nicht verständlich.

Vielen anderen Diskussionen verdeutlichten, dass sich die Systemträger auch bewusst waren, dass die Ehrenamtlichkeit Grenzen hat, wenn es um die Gestaltung des Leistungssports ging.

Deutlich wird das bereits beim Länderkampf gegen England, der mit 6:18 nicht gewonnen werden kann, weil Leistungsträger nicht zur Verfügung stehen. Besser schlugen sich die Junioren in Wesel, die mit 12:10 den Vergleich gewinnen konnten. Besondere Leistungen zeigte Juniorenmeister Brenk.


1) Boxsport 15/1988, S. 9
2) Boxsport 33/1988, S. 2
gs/w/1988.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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