Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


gs:w:1986

1986 - Reno in der Diskussion

Der Boxsport wurde nicht immer von zwei Seiten gesehen, von der Seite der Berufsathleten und der Amateure. Obwohl beide viele gleiche Techniken kennen, sind doch Regeln und Vorbereitungen nicht identisch. Unter den Bedingungen, dass immer wieder junge Amateure zu den Berufssportlern wechselten, war ein zielgerichteter langfristiger Aufbau im Amateurlager kaum möglich. Es sei denn, der Staat entschloss sich, die gezahlten Fördergelder mit vertraglichen Reglungen über das Ende der Amateurlaufbahn zu verbinden. Anfang des Jahres, nachdem es bereits gemeinsames Training mit Profis gegeben hat, auch die Sauerland-Boxer sich als Trainingspartner für die Nationalmannschaft zur Verfügung stellten, gab es ein Stopp-Zeichen. Den Berufsboxern wurde der Weg in die Boxleistungszentren verwehrt. Nicht mehr die Profis, sondern die Spitzenkämpfer anderer Länder, die bei Turnieren boxten, waren der Gradmesser für die Leistungen. Es breitete sich die Beteiligung der Boxer an internationalen Turnieren mehr aus.

Alexander Künzler - Deutscher Meister von 1980 bis 1987 und 1989

Für die Boxer der Spitzenklasse begann das neue Jahr mit sieben Wettkämpfen der Bundesliga, hinzukamen noch die Lehrgänge zur Vorbereitung auf internationale Vergleiche. Die Länderkampfserie begannen die Junioren mit dem Wettkampf im Londoner Hilton-Hotel. Aber bis auf Basken und Keusgen konnte keiner des DABV weitere Punkte sichern. Der Vergleich endete 12:4! In der Auswertung wurde deutlich, dass die Vorbereitung auf diesen Vergleich nicht ausreichte. Die Männer des Verbandes bereiteten sich dagegen intensiv auf den Start mit Polen in Stuttgart vor. Doch das Ergebnis von 8:12 bestätigte die bessere polnische Schule. Die Zeitungen aber berichteten wenig über die sportliche Leistung, sondern mehr über die Werbung polnischer Sportler für die Bundesliga. Eine Fortsetzung auf die Vorbereitungen der Weltmeisterschaften in Reno fand sich in den Turnieren von Usti (CSSR) mit dem 1.Platz von Bott und dem 3. Platz von Niketta. Am Chemiepokal beteiligte sich der DABV nicht. Dagegen konnte der DABV beim Intercup durch Gies und Bott die Sieger stellen. Platzieren konnten sich Künzler, Gertel und Leuthner. Die Weltmeisterschaften in Reno waren schwierig zu beschreiben, denn nicht die sportlichen Entscheidungen waren in der Diskussion, sondern die Fehlurteile, die Leistungen der Kampfrichter und die Benachteiligung von Sportlern. Die Überschriften aus dem Boxsport: „WM der Fehlentscheidungen“, „ Umstrittener Sieg für Korea“ und „DDR benachteiligt“ 1). Trotz vieler Fehlentscheidungen waren die Kubaner die überzeugenden Kämpfer und Sieger.

Die Sportler des DABV (Kamm, Niketta, Gies, Künzler, Gertel, Nieroba und Bott) erreichten keine Medaillenränge. Im Boxsport schrieb Mittenzwei: „ Mit Ausnahme von Helmut Gertel haben alle anderen sechs bundesdeutschen Boxer gegen Gewinner von Gold-, Silber – und Bronzemedaillen verloren….Bei einer günstigeren Auslosung….“2).

Doch in einem Sportverband musste der Blick immer auf die Zukunft gerichtet sein, wenn die erreichten Ergebnisse Bestand haben sollten. Die Deutschen Jugendmeisterschaften vom 1.-3. Mai in Itzehoe geben einen Überblick, wo der beste Boxnachwuchs zu finden war. (Ruppert-Saarlouis, Müller-Hamburg, Hanisch-Fürstenfeldbruck, Reindel, Fürstenfeldbruck, Deutsch-Wellersweiler, Hettl- Schöllnach, Kreilinger- Deggendorf, Doktor-Gelsenkirchen, Brenk- Landstuhl, Schlosser-Kaiserslautern, Haracia-Frankfurt, Ermisch-Leverkusen, Dargel-Bremen. Die am 31. Mai in Düren ausgetragenen Juniorenmeisterschaften hatten ein hohes boxsportliches Niveau, obwohl der Rahmen durch die Mamutveranstaltungen von 30 Kämpfen in zwei Veranstaltungen am Tage nicht den Interessen der Beteiligten entsprach. In der Meisterrunde standen sich gegenüber:

48 kg		Efis/Augsburg		-	Horn/Speyer
51 kg		Wagner/Regensburg	-	Fichtner/Oetisheim
54 kg		Schillinger/Speyer	-	Hainzer/Hausham
57 kg		Windgassen/Zellerau	-	Meyer/Duisburg
60kg		Weser/Leverkusen	-	Mühlbauer/Freilassing
63,5kg	Ungermann/Düren		-	Brenk/Landshut
67 kg		Schüler/Bielefeld	-	Kugler/Sindelfingen
71 kg		Frommbeck/FFB		-	Hammann/Warstade
75 kg		Mieling/Oettingen	-	Plath/Hamburg
81 kg		Keusgen/Hamborn		-	Lischka/Ahlen
über 81 kg	Blin/Hamburg		-	Stettinger/Weissenburg 

Ein Vierteljahr später sollte sich bei den IX. Junioren-EM in Broendby erweisen, was die Deutschen Titel im internationalen Rahmen wert sind. Mit fünf Startern (Mühlbauer -Federgew., Ungermann – Halbweltergew., Geier- Weltergew., Keusgen –Halbschwergew. und Stettinger –Schwergewicht ) konnte eine Silbermedaille durch Keusgen­ und Bronze durch Stettinger erkämpft werden. In der Presse fanden besonders die Leistungen von Keusgen Beachtung.

Die Männer bereiteten sich nach den Landesmeisterschaften auf die „Deutschen“ vom 29. Oktober bis 1.November in Bochum vor. Von den 96 Boxern, die maximal starten konnten, gab es 83 Meldungen aus den Landesverbänden. Im Finale standen sich gegenüber (Sieger zuerst genannt):

51 kg		Müller/Steilshoop	-	Wanjura/Regensburg
54 kg		Gailer/Nürnberg		-	Richter/Velbert
57 kg		Niketta/Ahlen		-	Britsch/Nekarsulm
60 kg		Gies/Kaiserslautern	-	Kästner/Ahlen
63,5 kg	Schredle/Heidelberg	-	Baldt/Düren
67 kg		Künzler/Karlsruhe	-	Kopzog/Velbert
71 kg		Nieroba/Ahlen		-	Mieling/Oettingen
75 kg		Ottke/Berlin		-	Unglaub/Amberg
81 kg		Spürgin/Hamburg		-	Bott/Karlsruhe
91 kg		Zegel/Berlin		-	Hoth/Berlin
über 91 kg	Schwab/Heidelberg	-	Schnieders/Haselünne

Das Niveau der Meisterschaft war gut. Es war darauf zurückzuführen, dass ein Teil der Sportler in den Sportfördergruppen der Bundeswehr gute Bedingungen vor fand. Aber noch waren die Rahmenbedingungen nicht optimal. Es fehlten Trainer. Wenn der Bundestrainer mit 20 Aktiven trainierte, war keine optimale Entwicklung möglich 3). Ein weiterer Beitrag zu Leistungssteigerung ging auch mit der Beteiligung an internationalen Turnieren einher, denn das Messen mit den Weltbesten war ein stimulierender Leistungsfaktor. Das stabilisierte Leistungsniveau zeigte sich dann mit den 1. Plätzen in: Istanbul ( Spürgin und Mieling), Warschau (Gies) und Rotterdam (Keusgen). Viele 2. Plätze ergänzten das gute Abschneiden. Aber nicht immer war die Teilnahme an internationalen Veranstaltungen mit den Vereinen abgestimmt, was teilweise zu einer Beeinträchtigung der Deutschen Meisterschaft führte. Aber verbunden mit den Meisterschaften waren viele Probleme. Da es eine Deutsche Meisterschaft war die Nationalität entscheidend für die Zulassung. Somit waren die vielen lange in Deutschland lebenden und boxenden Sportler mit anderer Nationalität von diesen Wettkämpfen ausgeschlossen. Das bedurfe einer Lösung. Darüber hinaus war die hohe Zahl der Verletzten aus vorangegangenen Wettkämpfen bemerkenswert, die deshalb nicht an den Meisterschaften teilnahm.

So ist es Wemhöner zu verdanken, der bereits 20 Jahre Bundestrainer war, der sowohl die Eigenverantwortung der Aktiven für die Leistungen hervorhob als auch die Rahmenbedingungen für das Training verbesserte. Die Anerkennung der Leistungen des DABV, die Zusammenarbeit mit dem Weltverband förderte die Aufnahme von Birkle in das Exekutivkomitee des Weltverbandes AIBA.


1) Boxsport 17/1986, S. 12
2) ebenda, S. 12
3) Boxsport 31/1986, S.7
gs/w/1986.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

Seiten-Werkzeuge