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gs:w:1985

1985 - Suche nach neuen Wegen

Die Veränderungen im laufenden Jahr waren nicht sofort sichtbar. Wie immer liefen Bundesliga, internationale Wettkämpfe, Vereinsvergleiche und Turniere. Für die besten Faustkämpfer kamen Lehrgänge zur Vorbereitung auf die internationalen Höhepunkte hinzu. Doch die Intensität der Lehrgänge hatte zugenommen. Wissenschaftliche Methoden des Trainings wurden gefordert und eine Auseinandersetzung um die Stellung der Sicherheit im Boxsport vorangetrieben.

Als Ausgangspunkt für die zu fördernden Boxer stellte Sportwart Birkle eine Rangliste auf 1). Die Besten waren in dicht gedrängter Form in die Trainingslager einbezogen, die in Vorbereitung auf Höhepunkte meist als Wochenendlehrgänge ausgeschrieben waren. Das Fachorgan Boxsport berichtete sogar von einem Höhentrainingslager (über 3 Tage) am Feldberg. Hier zeigten sich Unklarheiten über Wirkungsweisen des Höhentrainings. Diese Form der Vorbereitung konnte nur leistungsstimmulierend wirken, wenn die Trainer auf den unterschiedlichen Stufen eng zusammenwirkten.

Für die Leistungsträger begann das Jahr mit Länderkämpfen in Afrika. Uganda sicherte sich mit zwei Punkten Vorsprung den Sieg. In Kenia dagegen wurden beide Vergleiche gewonnen. Verstärkt waren auch die Junioren in internationale Turniere eingebunden. In Dänemark starteten Mieling, Fikara, Blin, Pipa und Parthenis. Sie konnten aber keinen Turniersieg erringen. Erfolgreicher waren Ottke und Fahnert vier Wochen später beim Turnier in Polen, wo sie den 3. Platz belegten.

Nach den Meisterschaften der Jugend und Junioren stellte Maurath Ranglisten der Jugend und Junioren auf 2). Die ersten Plätze belegten in der Jugendklasse (Papier-bis Schwergewicht): Reindel - Fürstenfeldbruck, Hanisch - Fürstenfeldbruck, Edis - Augsburg, Mühlbauer - Cham, Sabato - Lahr, Baurmann - Berlin, Meyer - Duisburg, Ungermann - Düren, Steege - Gerresheim, Trimborn - Düren, Frommbeck - Fürstenfeldbruck, A. Mieling – Ries - Ottingen, Hahn - Neumünster.

In der Juniorenklasse gab es folgende Reihenfolge: Müller - Hamburg, Besken - Dortmund, Meilinger - Kostheim, Weser - Leverkusen, Pipa - Hamburg, Stneck - Berlin, Strauch - Berlin, H,-G. Mieling - Ries-Oettingen, Fikara - Kamp-Lintfort, Bürger - Hückelhoven und Fahnert - Berlin.

Nach weiterer intensiver Vorbereitung konnten dann Mieling und Unglaube die Bronzemedaille bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Bukarest erringen.

Kontinuierlich gute Leistungen waren im Männerbereich noch nicht zu erreichen. Beim Turnier in Maestre mit dem Sieg von Bott und den 3. Plätzen von Dubelzig und Spürgin gab es aber ein Achtungszeichen. Beim Turnier in Usti reichte es wieder nicht für eine Platzierung. Dagegen waren die Aktiven beim Inter-Cup in Sindelfingen erfolgreicher. Im Finale standen: Jünger (Berlin), Künzler (Karlsruhe), im Halbmittel Zilonka (Düren) und Nieroba (Gelsenkirchen), Bott (Karlsruhe). Dieses Turnier war die letzte Vorbereitung auf die Ende Mai stattfindende Europameisterschaft in Budapest. Dort schaffte es Bott bis ins Finale und zur Silbermedaille. Für Künzler gab es wegen einer Augenverletzung ein vorzeitiges Aus. Da nur die besten Boxer in die Auswahlmannschaften berufen wurden, kämpfte die Mehrzahl der Faustkämpfer in Ligen und Vereinsvergleichen. Die 1. Bundesliga stellte meistens die Kandidaten für die Nationalstaffel. Die 2. Bundesliga und die Oberliga sind gute Bewährungsmöglichkeiten für Sportler auf dem Weg in die Leistungsspitze. Die umfangreichste Arbeit aber leisteten die vielen Vereine. Sie hatten in der Boxsport-Zeitung gute Publikationsmöglichkeiten und waren ein Anreiz und eine Werbung. So lauteten Titelüberschriften: „Schwergewichtler Rabold ein Talent“, „Engel erhielt Techniker-Pokal (aus Speyer gegen Worms), „Schäfer mit Pinter über die Runden“ (Oetisheim-Oberkochen) oder „Dienst ging vor, Hoppe gab auf“ (Lüneburg-Lübeck). Auch die Vereinsnachrichten waren wertvoll, jedoch Anregungen für die Gestaltung des Trainings fehlten weitgehend. Diese kamen auch vom DABV Kongress nicht. Er hatte mit dem neuen Kopfschutz, der Zulassung von Ausländern in der Bundesliga und der vielen internen Probleme wenig Zeit, sich mit Fragen der Ausgestaltung des Boxens zu beschäftigten. Dennoch gab es viele Aktivitäten, um das Ansehen des Boxsports und die Verbesserung der Leistungsfähigkeit zu erreichen. Hervorzuheben war die Tagung in Berlin (West) zur Fragen von Verletzung und Sport. Hier konnte belegt werden, dass der Boxsport nicht zu den verletzungsintensiven Sportarten zählt.

Breite Beachtung fanden immer die Landesmeisterschaften. In der Aufstellung der Meister wurde dann allerdings deutlich, dass es nur Württemberg schaffte, alle Gewichtsklassen zu besetzen. Halbfliegen- und Fliegengewichtler fehlen fast überall. Auch bei den 14 Superschweren sind vier Landesverbände ohne Meister. Die Gruppenkämpfe in Vorbereitung der Deutschen Meisterschaft sind stark besetzt. Dennoch gab es im Finale recht eindeutige Urteile. Es kämpften vom Halbfliegen- bis Superschwergewicht (Sieger zuerst genannt): Dubelzig - Müller; Kamm - Besken; Maczuga - Gailer; S. Gertel - Hainzer; Gies - Häusl; Tencer - Junger; Künzler - H.Gertel; Nieroba - Herrmann; Ottke - Zielonka; Bott - Spürgin; Schwab - Künstler; Hussing - Geuss. Bis auf die Aufgabe von Häusl gab es „nur“ Punktsiege, die zeigten, wie ausgeglichen das Feld doch war. Hervorgehoben sollte der in diesem Jahr noch bei den Junioren gestartete Ottke, der sich nun bei den Senioren den Titel sicherte. Die Spezialisten sahen bereits eine Lücke, denn mit dem zum Jahresende aus Altergründen ausscheidenden Hussing war noch kein Nachwuchsmann in Sicht.

Neue Chancen und Probleme kamen auf dem Boxsport zu. So bedient sich die neue Fitnesswelle der Elemente des Boxsports. Die Frauen waren angehalten, sich an den Boxgeräten zu versuchen. Eine Werbung für die Einführung des Frauenboxens aber gab es nicht, wenn in anderen Ländern bereits Frauenkämpfe stattfanden. Schon die Tatsache, dass der TG Worms die Punktrichterin S. Lösch einsetzte, war dem Boxsport eine Notiz wert.

Aber auch viele andere Themen hatten den Verband beschäftigt. So erforderte die Einführung von Kopfschutz und neuen Handschuhen - mit einer Prüfmarke durch den Verband - viel Geld und Kraft.


1) Box-Sport 2/1985, S.5
2) Boxsport 20/1985, S. 12f
gs/w/1985.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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