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gs:w:1983

1983 - Ein Jahr vor Olympia

Die Auswertungen der Weltmeisterschaften in München mit der Nennung vieler Schwachstellen durch den Bundesleistungsausschuss (z.B.: Niveau der Fähigkeiten und Fertigkeiten unzureichend, geringer Bewegungsradius, unbefriedigendes Niveau und der allgemeinen und speziellen Kraft… ) führte in vielen Ebenen zur Suche nach einem Ausweg. Es fanden sich Stimmen, die eigene Turniere für Westeuropa – ohne die starken Boxer des Ostens – forderten. Andere sahen den unkontrollierten Abgang zum Berufsboxen als einen Weg, der verändert werden sollte, indem Berufsboxen und Amateursport in einem gemeinsamen Verband arbeiteten. Nicht allein das fiel ins Auge, sondern auch die Enge der Terminplanung, die eine zielgerichtete Vorbereitung auf den Jahreshöhepunkt erschwerte. Der Länderkampf gegen Dänemark (Feder-,Halbmittel- und Halbschwergewicht doppelt besetzt) wurde überlegen mit 4:20 gewonnen. Sechs Wochen später konnte die polnische Nationalstaffel mit 12:8 besiegt werden. Es folgte unmittelbar das Turnier in Usti mit einer breiten Teilnehmeranzahl. Die erkämpften acht Medaillen waren beachtlich. Anfang April begann der Intercup in Berlin mit 24 Teilnehmern des DABV. Das war ein internationales Turnier, bei dem aber viele Weltklasseathleten fehlten, denn diente hier der Boxsport als eine Art Testballon für den Stand der politischen Beziehungen um Berlin? Das nutzte der DABV und konnte so in acht Gewichtsklassen die Sieger stellen. Danach begann ein intensives Training als Vorbereitung auf die Reise nach Warna, dem Austragungsort der Europameisterschaften. Nach der Prognose des Verbandes war ein Finalkampf zu erwarten und zwei oder drei Medaillen. Doch die Leistungen der Vorbereitungszeit konnten nicht bestätigt werden. Von den 149 Kämpfern aus 19 Ländern war kein „Westeuropäer“ unter den Siegern. Auch für die Starter des DABV gab es keine Medaille. Die Ursachen waren vielseitig. Waren doch die Sportvereine mit ihren Terminen schwierig in die gesamte Planung einzuordnen. Aber Schwachstellen, wie die Anreise eines Kämpfers mit Übergewicht, prägten neben der fehlenden breiten internationalen Erfahrung das Ergebnis. Anders dagegen beim Akropolis-Turnier. Hier konnten die sechs Starter des DABV unter den 83 Kämpfern aus 11 Nationen einen 1. Platz durch H. Gertel und zweimal einen zweiten und dritten Platz erkämpfen. Diese erfolgreiche Serie setzte sich beim Balatonturnier fort, wo das Sechserteam Medaillen durch Anton, Nieroba, Macht und Broll erkämpfte. Eine Bestätigung des leistungsorientierten Trainings erhielten die Sportler bei den Kämpfen um die Militärweltmeisterschaft in Bangkok. Wenn auch kein Sieger gestellt werden konnte, gab es doch viermal den 2. Platz und auch dreimal Bronze. Erfolge waren beim Ostalb-Turnier zu registrieren. Das war eine gute Grundlage für den im September stattfindenden Länderkampf gegen die USA. Dieser ging zwar mit 13:11 verloren, doch mit einem Sieg hatte keiner gerechnet. Hatte dieser Wettkampf doch eine neue Note bekommen, denn die Amerikaner starteten alle mit Kopfschutz, der in den folgenden Jahren bei allen Wettkämpfen zu tragen war, obwohl sich im DABV noch keiner für diese Sicherheitsmaßnahme aussprach. Mit vielen Starts bereiteten sich die Boxsportler vieler Vereine auf die Landesmeisterschaften und dann folgend über die Gruppenkämpfe auf die Deutsche Meisterschaften vor. Diese 61. Meisterschaft begann am 17.November in Köln. Den Titel erkämpften: (Halbfliegen-bis Superschwergewicht)

Dubielzig RSC-S. 2. Rd. 		über A. Metz
Nießen 5:0 PS Sieg 			über Kamm
St. Gertel Aufgabe-S. 2. Rd. 		über B. Metz
Niketta 3:2 PS 			über  Hainzer
R. Gies 5:0 PS 			über Borczuch
Junger RSC-S 2. Rd. 			über Buck
Künzler 5:0  PS 			über H.Gertel
Standschuss RSC-Sieg 1. Rd. 		über Zilonka
Weinand K.o.Sieg 2. Rd. 		über Leuthner
Bott RSC-S. 2. Rd. 			über Bäßler
Gallwe 3:2 Ps 			über Keller
Husing RSC-S. 3. R. 			über Geuß

In der Auswertung dieser Wettkämpfe und mit Blick auf die Olympiade gab es breite Kritik, da sich die Kämpfer zusehr auf Einzelschläge orientierten, aber der Welttrend Serien von Schlägen in allen Distanzen forderte. Welchen Stellenwert hatten diese Leistungen aber im internationalen Vergleich? Eine Antwort dazu sollte der Kampf der Nationalmannschaft gegen England in Hull Anfang Dezember geben. Gab es bereits Schwierigkeiten beim Aufstellen der Mannschaft, so konnten die Leistungen nicht überzeugen und das Ergebnis von 16:6 entsprach dem Kampfverlauf. Nur die Brüder Gertel und Gies konnten einen Sieg erringen. Wenn es das Urteil „unentschieden“gegeben hätte, wäre die Bilanz doch noch etwas besser ausgefallen. Auch dieses Ergebnis führte zur Ansicht des Bundesleistungsausschusses , der zum gegenwärtigem Zeitpunkt keine Boxsportler zu Olympia entsenden wollte.

Zum Jahresanfang bestimmen die Mannschaftsmeisterschaften das Boxgeschehen. In der I. Bundesliga standen die Kämpfe von Eichstätt gegen Mülheim und Korbach gegen Leverkusen auf dem Programm. In der II. Bundesliga starten Velbert gegen CSC Frankfurt, Baden gegen NSF Berlin und AV Speyer gegen Flensburg. In der Oberliga traten Köln-Kalk gegen Hockenheim, Kaiserslautern gegen Ahlen und Berlin gegen Dachau an. Damit waren die Boxer alles Leistungsebenen in den Wettkampf eingebunden. Am Ende stellte die Mannschaft von Leverkusen den Sieger in der I. Bundesliga. CSC Frankfurt, Velbert, Flensburg, Baden, NSF Berlin und der AV Speyer war die Rangfolge in der II. Bundesliga. In der Oberliga siegte der Boxring Berlin.

Aber bereits ab September standen die neuen Kandidaten für die Mannschaftsmeisterschaften wieder fest. Interessant war es zu beobachten, welche Boxer die Vereine wechselten und auch welche Ausländer in die Kämpfe einbezogen waren.

Einen vollen Terminplan gab es für die Junioren. Er begann mit einem Länderkampf gegen England, der mit 8:8 endete. Einen Monat später, im März, folgten zwei Starts gegen die CSSR, die beide mit 12:10 siegreich endeten. Danach begannen die Landesmeisterschaften mit den Staffelausscheidungen und den Wettkämpfen am 17. und 18. Juni in Mannheim. Diese Deutsche Meisterschaft hatte zwei Gesichter. Bis zum Weltergewicht überwogen die boxerischen Elemente. Danach siegte die Härte. Die Ergebnisse der Finalkämpfe: ( Halbfliegen- bis Schwergewicht)

Griegel RSC 2. Rd. 			über Gailer
Diederich 3:2 -PS 			über Schwahn
Bonn 5:0-PS 				über Reiss
Kästner K.o. 1.Rd. 			über Weis
Neumann 3:2 PS 			über Fellner
Mrozinski RSC 3. Rd. (Verl.) 		über Fischer
Mager Disqu. Sieg 			über Weinand
Broll 5:0 PS 				über Pompe
Macht 5:0 PS 				über Buchmeier
Hoth RSC Sieg 1. Rd. 			über Krüger
Honhold K.o. 1. Rd. 			über Müller

An dem eigentlichem Jahreshöhepunkt, den Weltmeisterschaften der Junioren, konnte aber wegen Geldmangel kein Vertreter des DABV teilnehmen. Den Jahresabschluss bildete der Länderkampf in Polen, der mit 6:16 endete. Auch der zweite Start hatte das gleiche Ergebnis. Einen festen Stellenwert hatten die Jugendmeisterschaften im Wettkampfkalender der Länder. Jedoch waren es nicht immer breit ausgebildete Jugendliche, die sich hier bei den Meisterschaften vorstellten. Dennoch setzen Anfänger mit fünf Kämpfen, wie der Berliner Ottke bereits Achtungszeichen. Den Ausgang der Titelkämpfe beeinflussten sie aber nicht. Den Sieger und Meistertitel erkämpften sich ab dem Papiergewicht A :

Vries  5:0 PS 		über Plössner
MeilingerRSC 1. Rd. 		über Salis
Besken RSC. 2. Rd. 		über Kreitz
Jansen RSC.1.Rd. 		über Ryschka
Pipa 3:2 PS 			über Machschefes 
Parthenis 5:0 PS 		über Roßkopf
Sucker 4:1 Ps 			über Koller
Stickenreuther Aufg.-S 2.Rd.  über Bürger
Mieling RSC 1. Rd. 		über Dehn
Unglaube Aufg. -S- 2. Rd. 	über Wernecke
Fikara 5:0 PS 		über Heinrich
Fahnert RSC-S. 2. Rd. 	über Schäfer

Zum Teil waren diese Jugendlichen bereits in ein Fördertraining einbezogen, obwohl nur wenige in den großen Vereinen trainierten.

In den Vereinen gab es viele Bemühungen, internationale Wettkämpfe auszurichten. Dabei fiel es immer noch schwer, die Kampfkraft der Gegner vorher richtig einzuschätzen. So startete eine Auswahl von Mittelengland in Bayern mit 13:15, Berlin Spandau gegen Budapest mit 7:13 und 8: 10, Union Linz gegen Landshut mit 4:14, Mülheim gegen eine Auswahl Usbekistans mit 6:10 und der Weseler BC gegen Algier mit 12:6. Dennoch waren diese Vergleiche ein Motor für die Werbung und für die Freundschaft der Sportler untereinander.

Immer noch problematisch war die optimale Eingliederung der Ausländer und ihrer Kinder. Besonders sichtbar wurde das in Vereinen, die 12 Nationen im Trainingsraum vereinten aber nicht an allen Meisterschaften teilnehmen konnten. Doch dazu gab es regional unterschiedliche Ansätze zur Lösung. In vielen Vereinen überwogen zum Teil die Boxer ausländischer Herkunft. Der Boxsport war bereits ein Vorbild für die Integration ausländischer Sportler! Das Problem des Übergangs von leistungsstarken Amateurboxern zu den Berufssportlern wurde mehr oder weniger diskutiert. Anlass dafür waren die Übertritte von Rocchigiani und Classen ins Profilager. Unkommentiert druckte der Boxsport eine Vereinbarung aus Österreich ab, weil es auch innerhalb der Verbandsspitze Vertreter gab, die für eine enge Zusammenarbeit mit den Professionals eintraten. Aber um einen Bruch mit dem Weltverband zu vermeiden, wurden deren Regeln eingehalten. Wie in den vergangenen Jahren gab es auch wieder Angriffe gegen den Boxsport aber es fanden sich auch mehr Befürworter.

Obwohl sich andeutete, dass der Kopfschutz eingeführt wird, fanden sich nur wenige, die schöpferisch die Übergangszeit nutzen und die Aktiven, aber auch alle jene um den Ring, auf die Veränderungen vorzubereiten. Gleichzeitig leisteten die Trainer des DABV bei der Vorbereitung türkischer, syrischer und israelischer Boxer Ausbildungshilfe.

Neben staatlichen Ehrungen gab es auch eine Auszeichnung des Verbandes, den Goldenen Boxhandschuh mit Brillanten. Diese erhielt in diesen Jahr K. Seiler für 40 Starts in der Nationalmannschaft. Bisher hatten diese Auszeichnung Hussing, Weller, E. Müller und W. Schäfer erhalten. Zum Boxer des Jahres wurde Künzler gewählt.


gs/w/1983.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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