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gs:w:1981

1981 - Boxen attraktiver machen

Neben den bewährten Schritten suchen die Leitungen der einzelnen Länder nach Wegen, um den Boxsport für mehr Menschen interessanter zu gestalten und auch um Vorurteile abzubauen. Es gab verschiedene Initiativen, um den Boxsport auch im Schulsport wieder zu integrieren. Doch die pädagogische Front war zu breit, wenn sie auch Argumente brachte, die wenig Kenntnisse über Ziele des Schulsports verrieten 1). In den Landesverbänden gab es Stimmen, die für die Anfänger des Boxsports verkürzte Rundenzeiten fordern, was das Regelwerk zuließ, aber zu wenig genutzt wurde. Gleichzeitig wurde für Jugendkämpfe mehr Aufmerksamkeit gefordert 2), was sich in den vielen Meisterschaften, Nachwuchsveranstaltungen und den Wettkämpfen der kleineren Vereine widerspiegelte. Auch die Ranglisten der besten Boxer in den einzelnen Ländern förderten ein Leistungsstreben und einen Vergleichbarkeit. Der Sportwart hatte zum Jahresbeginn die besten zehn Kämpfer in den Gewichtsklassen (nur drei im Halbfliegengewicht) in einer Rangliste vorgestellt. International stellten die Sportjournalisten Vergleiche an. Dort waren die DABV-Vertreter nicht vorn zu finden. St. Gertel , Weller , Kopzog und E. Müller waren die einzigen Genannten. Über Trainingslager,Wettkämpfe der Bundesliga, Länderkämpfe und die Teilnahme an Turnieren sollten die Vorbereitungen auf die Europameisterschaft im Mai in Tampere verlaufen. Der Länderkampf gegen Dänemark brachte ein 14:10 Erfolg. Mit viermal Silber (Suckrow, Kopzog, M.Jassmann und Seiler) verlief auch das Turnier in Venedig erfolgreich.

Um die Spannung unter den möglichen Startern für die EM aufrecht zu halten, gab es eine mögliche Aspirantenliste von Kämpfern, aber bis Mitte April noch keine Nominierung. Beim großen Turnier der EM, mit 170 Teilnehmern aus 22 Ländern, konnten die Starter die bisherigen Leistungen nicht mit Medaillen untermauern. Der DABV erkämpfte zwei Bronzemedaillen durch H. Gertel und Seiler. Medaillenkandidat Weller unterlag nach großem Kampf dem späteren Europameister Rybakow und M.Jassmann konnte wegen einer Verletzung seinen Punktvorsprung nicht verteidigen. Der Kampf wurde abgebrochen. Damit hatte der DABV seine Stellung im internationalen Rahmen nicht halten können. Wenn auch Ergebnisse bei anderen Veranstaltungen aufhorchen ließen, zum Beispiel bei den Militärmeisterschaften, wo es durch St. Gertel und Herpertz Silber gab, blickte teilweise eine ungenügende Vorbereitung durch, denn Hättig und Malorny brachten auf der Waage nicht das erforderliche Gewicht.

Um die Leistungen zu erhöhen, sind die internationalen Vergleiche wichtig. Der DABV setzte seine Kämpfer beim Akropolisturnier ein und erkämpfte 2.Plätze durch Zielonka (Weltergew.) und Künstler (Halbschwergew. ). Die sieben Starter beim Albena-Cup brachten sechs Medaillen mit nach Hause, davon Gold durch Kopzog. Auch im Balaton-Turnier setzte sich die Erfolgsbilanz mit fünf Medaillen fort, davon 1. Plätze durch Künstler und Weinand.

Durch Analysen der Kämpfe stellten die Verantwortlichen fest, dass es zur Weltspitze in einigen konditionellen Bereichen Defizite gab. Diese ließen sich durch Training beseitigen. Deshalb sollte die Beteiligung an teuren internationalen Turnieren eingeschränkt werden. Auch die Vergleiche der Vereine stellten hohe Anforderungen in der Zeit nach internationalen Turnieren. Hinzu kam noch die Vorbereitung auf den Länderkampf gegen Schweden mit einem Sieg von 20:2 endete. Mit den Kämpfen auf Länderebene begannen die Meisterschaften, mit ihren Höhepunkt von 18.-21. November in den Titelkämpfen von Hanau. Hier setzten sich durch: Dubielzig, Niketta, St. Gertel, P.Sukrow, Warczak, Künzler, Zielonke, Malorny, Weinand, Seiler, Pichmann und Hussing. In diesem Turnier zeigte sich die Veränderung des Boxens. Die meisten Urteile waren Siege nach Punkten. Denn wenn ein Boxer sichtlich unterlegen war, brachen die Ringrichter den Kampf ab. Den 42 Punktentscheidungen standen drei k.o. gegenüber.

Für die Junioren gab es im Verlauf des Sportjahres weniger Höhepunkte. Zuerst mussten sich die Besten auf Landesebene durchsetzen, um an den Deutschen Meisterschaften vom 18.-20. Juni in Berlin teilzunehmen. Diese Meisterschaft gewannen (ab Halbfliegengew.): Nießen, Niketta, R.Gies, Böckstiegel, Hess, Rix, G. Rocchigiani, R.Rocchigiani, Kossendey und Dahlmanns. Wie gut diese Junioren wirklich waren, galt es im internationalen Vergleich zu ergründen. Beim Karpatenturnier gab es neben dem Sieger G. Rocchigiani sieben weitere Medaillen. In den Länderkämpfen gegen Polen (8:14 und 14:8 ) und gegen Schweden (16:4) zeigten sich bereits hervorragende Leistungen durch R. Rocchigiani und Gies.

Auf der Landesebene kämpften die Jugendlichen im März und April um den Meistertitel und die Fahrkarten zu den „Deutschen“ vom 22. und 23. Mai in Hamm. Den Jugendmeistertitel erwarben (ab Papiergew. A): Griegel, Fellner, Schwahn, Hess, W. Weinand, Kästner, Broll, Pompe, R.Mattkat, Macht, Caruso, Bohnhof und Honhold. Sie sammelten weitere Kampferfahrungen in den Vergleichen der Länder. In der 1. Bundesliga ( Leverkusen, Korbach, Gelsenkirchen/Erle, Boxringe Berlin,Worms) siegte nach Hin- und Rückkampf Bayer 04 Leverkusen und wurde damit Deutscher Mannschaftsmeister.

Viele Vereine lebten von zugkräftigen Veranstaltungen, um genügend finanziellen Spielraum zu erreichen. Der Leistungssport allerdings erhielt von der Sporthilfe Unterstützung. So sind für die Förderung der Leistungsträger fast 239 000 DM aufgewendet worden. Manchmal lebte die Finanzkraft auch von der Sensation, wenn diese Wettkämpfe auch nicht immer die gewünschten Aussagen trafen. So boxten unter anderem: Auswahl Niedersachsen - Gdansk 6:14, Bayern gegen Kenia 6:12, Mülheim gegen Usbekistan 2:14, Bayern gegen eine japanische Auswahl 14:8. Diese Veranstaltungen füllten die Kassen. Um jedoch auch die Vergleiche der Sportler untereinander anzuregen und die Besten öffentlichkeitswirksam vermarkten zu können, kreierte der Verband den Titel: „Boxer des Monats“. So erhielten den Titel der Hamburger Prox für den Monat September und Weinand für Oktober. Als Normalität hatte sich auch in diesem Jahr wieder gezeigt, dass gute Boxer in das Lager der Profis wechselten. Wenn sich mit Unterstützung der Sporthilfe dieser Prozess etwas verlangsamte, so bliebt er doch ein ständiger Begleiter, der auch das nationale Ansehen des Amateursports einschränkte.


1) Boxsport33/1981, S. 2
2) 9/1981, S. 5
gs/w/1981.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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