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gs:w:1980

1980 - Der verhinderte Olympiastart

Der DABV hatte sich in all seinen Vorbereitungen auf Olympia eingestellt und Planungen bis zum Sommer umgesetzt. Als der politisch motivierte Boykott dann einsetzte, suchte der Verband nach Möglichkeiten, den Schaden für den deutschen Amateurboxsport zu begrenzen, was durch Übertragung für die Ausrichtung der Weltmeisterschaften 1982 in München weitgehend gelang. Durch die Beteiligung und Ausrichtung internationaler Veranstaltungen hatte der DABV im internationalen Rahmen seine Positionen ausgebaut.

Waren aber die Aktiven den Anforderungen von Bundesliga, Trainingslagern, Länderkämpfen der Vereine und denen der Nationalmannschaft gewachsen? Einerseits legte der DABV-Kongress fest, bis zu welchem Alter Wettkämpfe ausgetragen werden könnten und wieviele Kämpfe der Einzelne am Tage austragen durfte. Anderseits veränderte er die Bundesligasaison. Diese pausierte nicht am Jahresende, sondern reichte bis in den April, um so Zeiten zu schaffen, damit die Spitzenboxer für die internationalen Verpflichtungen eingesetzt werden konnten. In zehn Kämpfen hatte die I. Bundesliga (Bayer 04 Leverkusen, TV Krobach, Boxring Berlin,BSV Hannover, TG Worms und Ringfrei Mülheim) den Meister ermittelt. Überlegen siegte Bayer 04 Leverkusen. Die 2. Bundesliga (BC Gelsenkirchen/Erle, BC Eichstedt, Velberter Boxclub 26, Bavaria Lundshut und CSC Frankfurt) stellte nach acht Kämpfen den BC Gelsenkirchen/Erle als Sieger und Frankfurt musste mit dem Sieger der Oberliga zwei Ausscheidungskämpfe um den Klassenerhalt austragen. Auf Grund dieser ständigen Leistungsanforderungen stiegen auch die Ergebnisse der Länderkämpfe (gegen Irland 18:2, gegen Wales 20:2 und gegen Bulgarien 12:8) und die der Turniere, z. B. in Usti mit Sieg durch St. Gertel.

Beim größten Turnier in Deutschland, den Inter-Cup in Duisburg-Hamborn, kämpften die DABV-Boxer um die Chance für den Olympiastart. Der DABV hatte 16 Teilnehmer nominiert. Hier setzten sich jene Aktiven durch, die aus anderen Turnieren bekannt waren, wie: Weller, Kopzog, E. Müller, Intlekofer und Hussing. Gleichzeitig beschickte der DABV auch die CISM-Weltmeisterschaft in Bagdad. Dort erreichten Marlorny, Höhnerlage und Spürgin den Bronzeplatz. Auch beim Akropolisturnier in Athen hielt die Erfolgsserie mit Silber durch Jassmann und Spürgin und den 3. Platz durch Stadtmüller an. Es folgte die Nominierung der Olympiastaffel, obwohl zu diesem Zeitpunkt bereits feststand, dass kein Start in Moskau erfolgen würde. Um die Aktiven zu besänftigen, die jahrelang auf dieses Ziel hin trainiert hatten, sind Prämien für jene vergeben worden, von denen ein Erfolg in Moskau zu erwarten war. Auch ein Start gegen die USA-Staffel und ein Turnier in Kenia sollten als Ersatz dafür stattfinden. Der Länderkampf gegen die USA, kurzfristig geplant, fand in Berlin statt und endete 10:10. In der zweiten Veranstaltung in Korbach, mit teilweise einer anderen Staffelaufstellung siegten die USA mit acht Punkten vor dem DABV. In beiden Vergleichen eingesetzt und siegreich war Weller. Man merkte den Aktiven an, das die „Olympialuft“ , das Streben nach Bestleistungen raus war. Dennoch glaubt der Sportwart Birkle, dass der DABV mit den Leistungen seiner Aktiven mit zu den Besten der Welt zählt 1), wenn es auch in einigen Gewichtsklassen Lücken gäbe. Zur weiteren Motivation hatten die vorgesehenen Olympiastarter nachgeprägte Olympiamedaillen als Erinnerung erhalten und bereiteten sich nun auf die Wettkämpfe in Kenia vor. Jener Veranstaltung, die von den USA finanziert,als Ausgleich für Olympia diente. Hier belegten der Mittelgewichtler Heymann den 1. Platz und der Halbschwere Pflugrandt erkämpfte Bronze. Auch beim im Oktober gestarteten Londoner Turnier gab es mit Weller und Müller Turniersieger.

Nach einer kurzen Pause begannen bereits die Landesmeisterschaften, mit den Finalkämpfen von 19.-22.Nov. in Hemsbach. Im Finale standen sich gegenüber - ab Halbfliegengewicht:

Böll		        4:1 PS 		über 	Dubielzig
Rebler		K.o. 1.Rd		Engelhardt
Gertel		5:0 			Gier
P.Sukrow	        5:0			Ott
Weller		5:0			Zuch
Kopzog		5:0			W. Schäfer
Müller		5:0			Borczuch
R. Jassmann	        3:2			Bauer
M.Jassmann	kampflos        		D. Weinand
Seiler		Aufg.2. Rd.		Bott
Pichmann	        RSC 3. Rd.		W. Gruber
Hussing		RSC 2. Rd.		Herpertz

Diesen Wettkämpfen folgte wieder die Bundesligasaison, die bis Mitte April des kommenden Jahres reichte. Während viele Vereine in Vergleichen die Kräfte maßen, luden sich die Spitzenvereine ausländische Kämpfer ein. So kämpfte die Auswahl Usbekistans gegen Düren und Mühlheim erfolgreich. Die verstärkte Staffel von Flensburg siegte gegen die Auswahl von Danzig, während Aschaffenburg gegen Roter Stern Belgrad mit 7:13 unterlag. Jugendwart Maurath gab Ende des Jahres eine Junioren-Rangliste heraus, die eine zielgerichtete Arbeit mit den besten Junioren erleichterte. Aus diesem Kreis setzte sich auch die Staffel zusammen, die gegen Ungarn im Erststart ein 12:10 Sieg erkämpfte und danach eine 8:12 Niederlage kassierte. Als am 28.April in Saarlouis die Finalkämpfe um den Juniorentitel begannen, hatten sich über die Landes- und Regionalmeisterschaft und in der Vorrunde die zwei Besten in jeder Gewichtsklasse das Startrecht erkämpft. Es siegten (ab Halbfliegengewicht): Sukrow, Huppertz, R.Gies, Boldt, Künzler, U.Ruland, Binner, Schneider, R. Rocchigiani, Bott und Claßen. Sie bereiteten sich intensiv auf die Junioreneuropameisterschaft in Rimini vor. Und mit Silber durch Weinand und die 3. Plätze durch Sukrow, Huber und Baumann war die aus acht Startern bestehende Mannschaft dann auch recht erfolgreich. Diese gewachsene Stärke demonstrierten sie auch im Länderkämpfen gegen Irland , wo sie in in Dublin (14:8) und in Belfast (12:6) gewannen.

Bei den Jugendwettkämpfen in Preissenberg erkämpften folgende folgende Sportler den Meistertitel (ab Papiergewicht A): Kaltenhäuser (17Kämpfe), Weinand (58 Kämpfe), Kliebisch (61Kämpfe), Kästner (34 Kämpfe), Broll (64 Kämpfe), Ginnow (28 Kämpfe), Mattukat (60 Kämpfe), Becking (46 Kämpfe), Vieting (20 Kämpfe), Leugner (23 Kämpfe), Missum (24 Kämpfe), Phillipp (73 Kämpfe) und Köhne (7 Kämpfe). Weitere Wettkämpfe der Jugend fanden auf Vereinsbasis und im Ländervergleich statt.

Die Schülermeisterschaften hatten in den Ländern eine größere Breite erreicht und zeigten gute Leistungen. Die Mittelrhein-Meisterschaft war eingebettet in die 3. Kölner Kinder- und Jugendolympiade. In den 22 Kämpfen mit siebenmal RSC startete ein recht ausgeglichenes Feld. Das gleiche Bild zeigte sich auch bei den Westdeutschen Schülermeisterschaften. Hier fällt aber besonders auf, dass es die Kinder der in Deutschland lebenden Ausländer sind, die sich dem Boxen verschrieben haben. Neun von 11 Titeln gingen an sie. Auch der beste Techniker Marella (aus Italien) kam aus der Gruppe, die in Deutschland zu Hause ist. Besken und Mateoi waren die einzigen Deutschen, die den Titel gewannen. Diese Entwicklung setzte sich in den kommenden Jahren auch bei den Männern durch. Die Studenten machten, wenn auch mit einem kleinem Pokalturnier wieder auf sich aufmerksam, fanden aber noch keine breite Unterstützung.

Und ein anderes Thema war neu im Boxsport, denn Frauen als Kampfrichter gab es erst im DABV seit diesem Jahr, aber noch gab es keine weiteren Zugänge für Frauen im Boxsport.

Frauen als Ring und Punktrichter. Liselott von Büchan, Michela Perschke, Ulrike Geyer und nicht im Bild Renate Ziesche – von li. n. rechts -

1) Boxsport 35/1980, S. 3
gs/w/1980.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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