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gs:w:1977

1977- Kleine Schritte zum Erfolg

Nicht nur die großen Ziele, wie die Europameisterschaft in Halle standen im Blickpunkt, sondern auch die vielen kleinen Schritte, die für die Stabilisierung des Boxens notwendig waren. Leistungssport ohne Unterstützung ist nicht möglich, deshalb war die Erstattung für Lohnausfall bei Länderkämpfen eine Absicherung der Leistungsträger. Gleichzeitig ist das Urteil des Bundesarbeitsgerichts hervorzuheben, das dem Amateursport unter der Leitung eines Trainers bescheinigt: Boxen ist keine gefährliche Sportart ! 1).

Die umfangreichen Vorbereitungen auf die EM in Halle hatten sich ausgezahlt. Als einziger Verband Westeuropas erkämpften die Boxer des DABV Medaillen. Diesem Ziel dienten viele Veränderungen in der Vorbereitungszeit. Dazu zählte die Neuausschreibung für die Bundesliga, die Organisation internationaler Vergleiche, aber auch die Verbesserung des Stützpunkttrainings. Ebenso ist die Schrift Funkes: „Boxen im Verein“ eine wertvolle Argumentation, wenn auch der Vorschlag, einen Kopfschutz einzusetzen, noch nicht die Mehrheit bei den Boxfunktionären fand.

Im Unterschied zu früheren Jahren fanden die Meisterschaften nicht vor den internationalen Höhepunkten statt, sondern erst im November. Die Kandidaten für die Europameisterschaft in Halle waren nach den Länderkämpfen im März: Schäfer, Ott, Weller, Sixt und Peters. Nach dem Länderkampf gegen Frankreich (13:7 für den DABV) und dem Turnier in Bukarest (Ott erkämpfte den 3. Platz) erfolgte die Bestätigung der Starter, die in den Stützpunkten weiter intensiv trainierten. Bei den Kämpfen um den Chemie-Pokal in Halle starteten 146 Boxer aus 23 Verbänden. Der DABV hatte folgende Sportler gemeldet: König, Ott, Weller, E.Müller, Sixt, Intlekofer, Jassmann, Peters und Gruber. In diesen Wettkämpfen konnte Halbmittelgewichtler Intlekofer eine Silber- , König im Bantam- und im Leichtgewicht Weller eine Bronzemedaille erkämpfen.

Die nationalen Meisterschaften, ausgetragen in Münster vom 2.-4. November, hatten einen anderen Austragungsmodus. Es starteten nur die Meister der 4 Regionalbereiche. Somit gab es in jeder Gewichtsklasse ein Viererfeld. Durch diesen Schritt erfolgte die Aufwertung der Regionalmeisterschaften und die Verkürzung der Titelkämpfe auf eine Wochenende. Die Träger des Meistergürtels wurden (von Halbfliegen- bis Schwergewicht): Böll, Latten, H.Schäfer, Weller, Müller, Sixt, Intlekofer, Dietz, Peters und Hussing. Hussing gewann damit die neunte Meisterschaft hintereinander. Gleichzeitig aber musste er sich kritische Worte gefallen lassen , da er nicht in Bestform diese Kämpfe absolvierte. Auch das Niveau der anderen Leistungsträger war nicht überzeugend, obwohl siebenmal ein 5:0 Urteil und drei Abbruchsiege zu verzeichnen waren.

Wenig Kommentare waren über die Jugendmeisterschaften in Heitersheim zu finden, die doch ein ansprechendes Niveau aufwiesen. Den Titel eines Jugendmeisters sicherten sich (Halbfliegen- bis Schwergewicht): Weinand, Kliebisch, Rosenmeier, Kibik, Kargl, Huber, John, Junkherr, Seidl, Phillipp, Winge, Kreizenberger und Streichert.

„Klasse Leistungen“ kennzeichnete der „Boxsport“ die Titelkämpfe der Junioren, ausgetragen vom 24.-26. November in Hameln. In diesen Kämpfen gab es fünfmal eine RSC-Entscheidung. Drei Kämpfe endeten mit 5:0 und zwei mit einer 3:2 Entscheidung. Die Sieger: Gertel, Steer, Heide, Kopzog, Kerscher, Ries, Claudi, Kaleyta, Künstler, Pflugradt und Herzog. Die Tendenz zur Gestaltung von Schülermeisterschaften auf regionaler Ebene fand breitere Unterstützung als in den vergangenen Jahren. Besonders publiziert wurden die Wettkämpfe in Esslingen, Schelswig-Hollstein und Böblingen. Um entsprechende Impulse für den gesamten DABV zu geben, reichte das aber nicht aus.

Das Zugpferd der Amateurboxer, die I. Bundesliga bestand nur aus drei Clubs, dem BSV Niedersachsen, Bayer 04 Leverkusen und Ringfrei Mühlheim. In der II. Bundesliga kämpften acht Vereine. Ergänzt wurde das Wettkampfsystem durch die Westdeutsche Liga und die Verbandsliga.

International gab es viele Starts. So konnten bei den Britischen Polizeimeisterschaften die Starter des DABV durch F. Peters, Sixt und Todtenhöfer den Sieger stellen. Auf den 2. Platz kam Schwergewichtler Scholz. Auch bei den Militärweltmeisterschaften in Kairo sicherte sich R. Peters einen 2. Platz und Bronze ging an Hugl.

Das Erstarken der Boxer zeigte sich aber besonders in den Länderkämpfen. Ein Sieg gegen Dänemark (14:6) wurde erwartet, aber das 12:8 gegen Rumänien setzte ein Achtungszeichen. Das 13:7 gegen Frankreich bestätigte die Leistungssteigerung, wenn auch der Länderkampf gegen Ungarn, 10 Tage nach der Meisterschaft nicht siegreich ausfiel.

Wie in jedem Jahr organisierten die Vereine internationale Vergleiche. Wieder lud sich Mülheim unbekannte und starke Gegner ein, so die Staffel aus Usbekistan und die Warschauer Boxer. Beide Vergleiche konnten nicht siegreich gestaltet werden. Köln hatte die Prager Staffel zu Gast und verlor mit zwei Punkten Unterschied.

In der Berichterstattung des Boxen fallen immer Besonderheiten ins Auge. So die Kritik an Weller (und den Verband), der sich nicht an die vorgeschriebene Kleiderordnung hielt, aber zum Boxer des Jahres gewählt wurde. Verdient hervorzuheben sind auch solche Sportfreunde, wie der Oldenburger Dölken, der seinen 389. Kampf auch noch gegen einen viel jüngeren Kämpfer siegreich gestaltete.


1) Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 1.12.76- 5 AZR 601/75
gs/w/1977.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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