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gs:w:1976

1976 - Schlagzeilen Bundesliga

Zum Jahresanfang prägten die Ergebnisse der Bundesliga und auch die Clubvergleiche die Schlagzeilen. Olympia und deren Vorbereitung waren nicht sehr sichtbar. Dennoch gab es kleine, nicht immer schnell sichtbare Veränderungen. Sie reichten von der Förderung des Schülerboxens bis zur verstärkten Beteiligung an internationalen Turnieren. Die gewachsenen Kampfstärke der Vereine war ein Ergebnis besser Trainingsmethoden und der Verstärkung durch ausländische Wettkämpfer. Wie immer standen auch Fragen der Schäden durch Boxen zur Diskussion, die durch die Untersuchungen von Funke 1) widerlegt wurden.

Die Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele begannen wieder vielschichtig. Sie starteten mit ein Trainerseminar, um die wissenschaftlichen Methoden des Trainings in ein einheitliches Handeln zu überführen. Gleichzeitig erfolgte auch der erste Olympialehrgang. Allerdings waren sich die Funktionäre noch nicht darüber einig, wieviele Boxer zum Olympiaturnier nach Montreal fahren. Es gab unterschiedliche Überlegungen, um diese Kandidaten aus den Vorkämpfen zur Meisterschaft herauszulösen. Dafür sollten sie noch in einem entscheidenden Turnier mit afrikanischen Sportlern starten. Damit folgte man wissenschaftlichen Erkenntnissen, die zwei sportliche Höchstleistungen (Meisterschaft und Olympia) innerhalb kurzer Zeit schwer zu verkraften sind. Als Kandidaten galten Federgewichtler Weller, E. Müller im Halbwelter-, Skricek im Welter-, Gruber im Halbschwer- und im Schwergewicht Hussing. Nach intensiver Vorbereitung starteten aus einem erweiterten Kandidatenkreis acht Boxer beim Budapester Turnier. Sie errichten vier Bronzemedaillen (W.Schäfer, Sadach, Weller, Skricek). Hussing konnte wegen einer Augenverletzung das Turnier nicht fortsetzen. Als die deutsche Delegation das Turnier in Riccione besuchen wollte, stellten sie vor Ort fest, dass sie vier Wochen zu früh angereist waren.

Die nächste Hürde für die Olympiakandidaten waren die Deutschen Meisterschaften. Es gewannen in den 11 Gewichtsklassen: (ab Halbfliegengewicht) Bülten, Schüer, Schäfer,Weller, Hess, Müller, Sixt, Intlekofer, Rodewies, G. Peters, Hussing. Als mit entscheidend für die Nominierung wurde das Hemsbacher Turnier angesehen, zu dem Ghana, Holland und Algerien Kämpfer stellte. War das aber ein Prüfstein für den Kampf mit den Besten der Welt ? Im Olympia-Turnier in Montreal zeigte sich dann, dass ein dominierender Kampfstil gefordert war, der zum Siege führte. Auch robuster sollten die Kämpfer sein und technisch breiter agieren. Dem konnten die DABV- Boxer noch nicht viel entgegensetzen. Sie erkämpften Bronze durch Skricek und 5. Plätze durch Gruber und Hussing. Ausgezeichnete Leistungen waren bei den Titelkämpfen der Junioren am 7. und 8. Mai in Augsburg zu sehen. Dabei ragte Bergerak heraus, der seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigen konnte. Auch Gervasi und Bachl machten durch Leistungen auf sich aufmerksam. Sie waren die Jugendmeister des vergangenen Jahres.

Die Sieger dieser Titelkämpfe waren (vom Halbfliegen- bis Schwergewicht): Löw, Gervasi, Martin, Sukrow, Quaisser, Reichl, Begerak, Rempuszewski, Bachl, Heigl und Wittmann. Aus diesem Kreis sollten die Starter für die Europameisterschaften der Junioren kommen. Auf der Tagung des Europaverbandes wurden die Altersgrenzen für Junioren auf 19 Jahre begrenzt. Diese Information gelangte aber erst fast drei Monate später an die verantwortlichen Trainer, die solange eigentlich die „falschen“ Starter vorbereitet hatten. Aus dem Kreis der Starter Schüer, Martin, Longwitz, Nowak, Bergerak, Rempuszewski, Lehnhard und Wittmann ragte der Mittelgewichtler Lehnhard heraus. Er gewann als erster Vertreter des DABV den Titel eines Junioren- Europameisters. Bis zu seinem Sieg hatte er 105 Kämpfe ausgetragen, davon 83 Siege errungen.

Die Juniorenstaffel des DABV hatte vorher in den Länderkämpfen des Jahres gut abgeschnitten. Sie konnte Siege gegen Dänemark (8:14), Griechenland (12:18) und Bulgarien (8:12) erkämpfen. Nur gegen England gab es eine Niederlage.

Der Box-Club Speyer organisierte die Durchführung der Deutschen Jugendmeisterschaften von 18./19. Juni 1976. Sie waren ein Erfolg für die Durchführung des technisch guten Boxens. Als bester Techniker ausgezeichnet werden konnte der Papiergewichtler Wollinski. Dem Jugendtrainer Schwarz gefiel besonders das Boxen des Weltergewichtlers Neffgen. Die Meisterschaft gewannen: Willinski, Kubik, Zielonka, Kerscher, Wiegand, Weinand, Koch, Varela, Neffgen, Hollstein, Kaleyta, Merle und Jung. Auch die Schülermeisterschaften erhielten breitere Unterstützung der Landesverbände. In Siegburg kämpften die Schüler von Westfalen, Niederrhein und Mittelrhein um den Titel.

Traditionell fanden auch wieder Polizeimeisterschaften statt. Diesmal von 1.- 4. Mai in Kassel. Vom Feder- bis Schwergewicht sicherten sie den Titel: Königs, Prause, Peters, Sixt, Todtenhöfer, Orth (der zum Wettkampf bereits das 39. Lebensjahr erreicht hatte), Albers und Brandenburger.

Den 5. Platz in der Nationenwertung erkämpften die Boxer bei den Militärweltmeisterschaften in Accra (Ghana). Aus 14 Nationen lagen die Meldungen bei diesem Turnier vor. Für den DABV gewann Skricek den Titel eines Militärweltmeisters im Weltergewicht. Silbermedaillen gingen an Intlekofer im Halbmittel- und Dellas im Schwergewicht. Für die meisten Schlagzeilen sorgte die Bundesliga, denn es wurden sehr gute sportliche Leistungen geboten und der BSV Niedersachsen errang verdient den Meistertitel. Doch viel Aufregung gab es um die Wechselbestimmungen von Boxern von einem zum anderem Verein. Das versuchte der DABV einzudämmen. Die kleineren Vereine der anderen Ligen lösten das Problem der fehlenden leistungsstarken Boxer durch die Bildung von Kampfgemeinschaften. So boxten in der Oberliga-Staffel von Berlin (BV Berlin) Kämpfer von acht Vereinen. Sie traten in der Gruppe Nord gegen den BV Schleswig – Holstein, den BC Velbert und den BV Hamburg an. Die Gruppe Süd setzte sich aus den TV Korbach, dem BC Eichstett und den Boxring Niederbayern, BV Südwest und BV Dachau zusammen.

In der Baden-Württemberg-Liga kämpften vier Gemeinschaften (Munderkingen, Ludwigsburg, Karlsruhe und Gmünd/Göppingen um den Emil-Kübler-Wanderpokal. Die Boxliga Nord umfasste 11 Gemeinschaften, die gegeneinander antraten. Den 1. Platz erkämpfte sich der BSV Niedersachsen II vor der KG Lübeck.

Die Kämpfe der Vereine gegen starke ausländische Mannschaften weiteten sich aus, aber es wurde immer mehr darauf geachtet, auch „gleichstarke“ Gegner zu verpflichten. So kämpfte Mülheim gegen Uganda (6:14), gegen Dukla Prag (8:12), gegen Warschau (8:12) und gegen Schwerin (9:11). Ganz falsch hatte man das Kräfteverhältnis beim Kampf Österreich gegen Saarland (20:0 ) eingeschätzt. Zum Jahresende stand die Wahl des „Boxers des Jahres“ an. Diese Auszeichnung gewann Skricek vor Weller, Sixt und Hussing. Sie standen auch in der von Sportwart Birkle herausgegebenen Rangliste in ihrer Gewichtsklasse auf dem I. Platz. Außer Sixt, der im Weltergewicht noch Skriceck vor sich hatte.

Bereits im Dezember begannen die Vorbereitungen für das kommende Wettkampfjahr und der DABV benannte in jeder Gewichtsklasse jene Boxer, die für die Europameisterschaften in Halle vorgesehen waren, während die Vereine sich noch nicht über den Start in der Bundesliga einig waren.


1) Boxsport 3/1976, S. 16
gs/w/1976.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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