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gs:w:1975

1975 - Europameisterschaften ohne Medaillen für den DABV

Der Rahmen für den Boxsport veränderte sich. Die Kinder und Jugendarbeit erhielt mehr Aufmerksamkeit, denn die leistungssportlichen internationalen Erfolge waren ein Ziel, das Veränderungen erforderte. Staatliche Instanzen und Parteien bekräftigten die weitere Förderung des Boxsports, da sich bestätigte, dass Boxen nicht zu den verletzungsintensiven Sportarten zählt. Deshalb entstanden zur Förderung des Leistungssports Stützpunktketten. Auch die Vorbereitung der Olympiakader erfolgte erstmals unter längerfristigen Bedingungen und Anforderungen. Besonders wurde auf den Besuch von internationalen Turnieren orientiert, aber in der Praxis noch nicht umgesetzt.

Das erste Kräftemessen begann in jedem Jahr in den Landesverbänden mit den Meisterschaften. Sie umfassten den Zeitraum von Mitte Februar bis Mitte März. In vielen Landesverbänden waren die Meisterschaften ausgeschrieben für die Ermittlung des Schülerbesten, der Jugend-, Junioren- und Senioren-Landesmeister. Die Hessischen Landesmeister des Jahres 1975 wurden (Fliegen- bis Schwergewicht): Yildirim, Mengler, Käsemann, Schülbe, Schwertel, Henry, Jassmann I, Schütze, Schreibweis. Diese stellten sich dann in den Gruppenkämpfen, um danach zu den Finalkämpfen nach Berlin zu fahren. Die Auslosung der Finalteilnehmer erfolgte erst nach der Anreise am Wettkampfort Berlin, um ein „Aussteigen“ von Boxern zu verhindern, wenn sie gleich gegen einen Favoriten antreten sollten. Das hatte sich bereits im Vorjahr bewährt. Bis auf Halbfliegen- (drei Bewerber) und Bantamgewicht (sieben Starter) waren alle anderen Gewichtsklassen bei den 53. Deutschen Meisterschaften (23.-26.04.75) mit 8 Kämpfern besetzt. Der Schlagabtausch überwog, die Technik war seltener zu sehen. So könnten die Kämpfe charakterisiert werden, bei denen sich folgende Boxer durchsetzten (ab Halbfliegengewicht): Schrödingen, Penzler, Yadigar, Weller, Schweigert, E. Müller, Sixt, Steinherr, Klemke, Morwinsky und Hussing. Damit waren sie die Anwärter für den Einsatz zur Europameisterschaft. Doch davor standen noch Ausbildungslehrgänge und interne Vergleiche. Trotz der guten Vorbereitung scheiterten Müller, Schäfer, Sixt und Ott bereits in der Vorrunde der Europameisterschaft. Pech hatte dabei Müller, der nach einem Kopfstoß eine Augenverletzung erlitt. Doch auch Schweigert und Hussing ( er konnte nur einen Kampf gegen einen Bulgaren siegreich gestalten) konnten keine Medaille gewinnen. Die Fußballwoche schrieb dazu: “..mit dem Trainings-Schlendrian einiger Boxer geht es nicht mehr weiter“1). Eine geplante Filmanalyse der Wettkämpfer durch mitgereiste Fachleute scheiterte an den Veranstaltern. Hier, bei der EM, zeigte sich eine nicht erwartete Überlegenheit der Boxer des Ostens, insbesondere jener der UdSSR.

Die nationalen Meisterschaften begannen am 30. und 31. Mai in Neu-Anspach mit den III. Deutschen Jugendmeisterschaften. Es siegten in nicht immer technisch ausgeprägten Gefechten (von Papier A-bis Schwergewicht): Kopzog, Gervasi, Titze, Wiegand, Koch, Gigold, Rinau, Hahn, K:-D Schmidt, Hollstein, Kaleyta, Bachl und Rechenbach. Die Junioren begannen bereits am Anfang des Monats in Merkstein ihre Wettkämpfe. Bis auf die herausragende Leistung des Berliners Eipel waren die Einschätzungen zurückhaltend. Es siegten: Bülten, Jäger, Schuer II, Miedtank, Ferchl, Begerack, Meissner, Lehnhart, Büchtmann und Gress.

Die Bundeswehr hatte an der Sportschule in Sonthofen eine eigene Staffel. Das tägliche Training war im Dienstplan verankert. Diese Staffel bereitete sich neben den nationalen Wettkämpfen auf die Militärweltmeisterschaften in den USA vor. Dabei erkämpfte der 110 kg schwere Dellas und Skricek, eine Silbermedaille, Bronze gewannen R. Schäfer und Klose. Die anderen sieben Teilnehmer hatten gegen die Amerikaner und gegen die starken Koreaner keine Chance.

Von den fünf Länderkämpfen, die der DABV 1975 absolvierte, errang die Nationalstaffel drei Siege (gegen die CSSR 16:4, gegen Dänemark 16:4, gegen Türkei 14:6). Sehr positiv äußerte sich der Vorstand über das Unentschieden (10:10) gegen die USA. Viele erhofften sich, dass damit eine Schritt zur weiteren Leistungssteigerung verbunden war, doch Trainer Wemhöner dämpfte die Erwartungen. Auch der Vertreter des Leistungssportausschusses sah noch keine Entwicklung. Er diskutierte sogar um die Notwendigkeit zur Beteiligung an internationalen Turnieren. Aber nur so konnten ausgewählte Sportler gezielt auf internationale Aufgaben vorbereitet werden, besser als in Mannschaftsvergleichen. Beim folgenden Turnier in Riccione, an dem sich fünf Länder beteiligten, siegten Schüer, Jäger und Hömens. Bei den Turnieren in Ostrau und Athen, die stärker besetzt waren, gelang noch kein großer Leistungssprung.

Die Bundesliga leistete für den Boxsport die Öffentlichkeitsarbeit. Leider waren die Medien nur begrenzt bereit, interessante Berichte zu gestalten. Anders jedoch beim Bundesliga-Finale von Ringfrei Mühlheim und BSV Niedersachsen Hannover. 2600 Zuschauer folgten diesem Kräftemessen, das 11:9 an Mülheim ging. Den III: Platz sicherte sich Leverkusen mit 17:3 gegen Berlin.

Für die Vereine waren die Vereinsvergleiche das Aushängeschild. So startete die Eisenbahnerauswahl der UdSSR gegen Oberhausen (12:6), in Duisburg ( 14:4) und in Ratingen (10:8). Die Rosenheimer hatten eine US-Staffel eingeladen und unterlagen 2:18. Die Auswahlboxer von Hamburg und Danzig trennten sich 6:14. Dagegen sicherte sich Landshut einen 15:9 Erfolg gegen Cadiff Landdaff. Doch immer mehr Vereine achteten auf die ausgeglichene Besetzung in der Kampfzusammenstellung. Eine Rarität war auch weiterhin der Vergleich von Staffeln vom DABV und DBV. Die Kämpfer von Velbert und Halle trennten sich 7: 13.

Mit dem Jahr 1975 verbunden ist das Ableben der international anerkannten Boxerpersönlichkeiten Sänger und Krause, die viel für die Entwicklung und Festigung des Amateursports geleistet hatten.


1) Fußballwoche24/1975, S. 23
gs/w/1975.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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