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gs:w:1973

1973 – Meisterschaften von der Jugend bis zu den Senioren

Eine Vielzahl von Problemen bedurften der Lösung. International war die Zustimmung des DABV für die Ausschreibung von Weltmeisterschaften gefragt. Sollten sie in Japan, den USA oder Kuba ausgetragen werden? Verbunden damit waren Fragen nach den Teilnehmerzahlen. Nur Kuba garantierte einen Starter in jeder Gewichtsklasse für jedes AIBA-Mitglied. Doch die Probleme im Wirkungsbereich des DABV waren viel gravierender. So musste sich der Verband gegen Angriffe auf den Boxsport wehren, unter anderem auch von der Zeitschrift „Olympische Jugend“. Dabei leistete Prof. Grebe eine verdienstvolle Arbeit, der Angriffen sachliche Argumente entgegenstellte.

Mit dem Jahreswechsel waren einige gute Boxer ausgeschieden. So konnte die Diskussion um die Reamateurisierung von Profis mit weniger als fünf Kämpfen wieder Boden gewinnen. Deshalb stand in einigen Landesverbänden die Zusammenarbeit mit den Berufsboxern auf der Tagesordnung. Es gab aber keine übergreifenden Vereinbarungen.

International sorgte die Teilnahme einiger Boxer-wenn auch ohne Zustimmung des Verbandes- an Vergleichskämpfen in Süd-Afrika für Irritationen, für die beteiligten Boxer gab es zeitlich begrenzte Sperren.

Innerhalb des DABV verstärkte sich das Bemühen, die Erfahrungen des Verbandstrainings auf die Vereine zu übertragen und theoretische Fragen, wie Höhentraining und Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit, bekannter zu machen. Auch das Gewinnen von Schülern für den Boxsport erhielt in einigen Landesverbanden größere Beachtung. Die Jugendlichen hatten dabei noch einen kleinen Vorlauf, denn erstmals fanden für sie Deutsche Meisterschaften (seit 1944 ausgesetzt) in Merkstein am (26. und 27. Mai) statt. Sie starteten in 13 Gewichtsklassen und waren nach dem Regionalprinzip organisiert, so dass an den Finalkämpfen nur vier Starter in jeder Gewichtsklasse teilnahmen. Den Titel eines Jugendmeisters errangen: (Papier-A bis Schwergewicht) Rehkessel, Deutscher, Schuer, Orawiec, Radtke, Fleischer, Fröhling, Lewerang, Uhrhammmer, Domitrache, Vorbuchner, und Einfeld.

Die Wettkämpfe um die Deutschen Juniorenmeisterschaften vom 4.-9.Juni in Villingen gewannen: Schäfer, Helmut, Reinartz, Lehnhardt, Lauenburger, Bonhagen, Helber, Wissenbach, Freimuth, Emler, Grabsch und Kläsener. Der Nachwuchstrainer stellte eine Mannschaft zusammen, für die bestand die Möglichkeit, am Turnier in Riccione (Italien) teilzunehmen. Unter den 42 Teilnehmern konnten die sechs DABV Boxer mit einem 1. Platz (Hofbauer) und drei Silbermedaillen (Schauerte, Freimuth, Liebermann) recht gut abschneiden. Die Länderkämpfe der Junioren, die im Verlauf des Jahres stattfanden, gingen verloren (Gegen Frankreich 7:13, gegen Italien 8:12, gegen England 6:16 und 4:18 und gegen Polen 10:12). Obwohl sich in diesem Jahr eine Verbesserung der Arbeit mit dem Nachwuchs abzeichnete, reichten die Vergleichsmöglichkeiten für starke Junioren nicht aus. Wenn sich auch ausführlicher als in vergangenen Jahren Berichte in der Fachpresse finden, sind lukrative Turniere für Junioren selten. Das trifft auch für die Jugendauswahl zu. So boxte die Berliner Schüler/Jugend/Junioren-Mannschaft gegen die Bayern Auswahl (14:12) und gegen Mittelrhein (17:11).Diese Einzelwettkämpfe ohne Turnierform entsprachen nicht modernen Anforderungen.

Über 4000 Zuschauer in der Kölner Sporthalle verfolgten die 51. Deutschen Meisterschaften. Viele hatten nach dem Olympiajahr nicht mit den guten Leistungen der Boxer gerechnet. Den Meistertitel erkämpften (vom Fliegen- bis Schwergewicht): Schubert, Schäfer, Weller, Schoth, Habermayer, Münchow, Spitzenberg, Lehnhard, Peters und Hussing. Die Kämpfe endeten vier mal durch Abbruch, fünf erreichten einen Punktsieg, wobei der von Schoth mit 3:2 sehr knapp ausfiel. Im Schwergewicht war es wegen der Verletzung von Seidel nicht zum Kampf gekommen.

Einige Wochen nach den deutschen Titelkämpfen begannen in Belgrad die Europameisterschaften. Aus 22 Verbänden stammten die Meldungen von 148 Kämpfern. Das waren weniger als 2 Jahre vorher, aber nach Olympia kommt immer ein „Generationswechsel“. Der DABV hatte Schubert (Fliegengew.), Weller (Federgew.), Schoth (Leichtgew.), Habermayer (Halbweltergew.), Scheibner (Weltergew.), Peters (Halbschwergew.) und Hussing (Schwergew.) nominiert. Sie erkämpften eine Silbermedaille (Hussing) und Bronze gab es für Schubert und Schoth.

Ebenfalls erfolgreich startete die kleine Mannschaft der Bundeswehr zu den Militärweltmeisterschaften vom 11.-14. Mai in Seoul. Skricek konnte den 1. Platz und Schrauf die Silbermedaille erkämpfen.

Die letzten Meisterschaften im Jahr 1973 waren die ersten für das kommende Jahr. Vom 14. - 16. Dezember trugen die Studenten ihre Meisterschaften für 1974 in Erlangen aus. Verbunden damit war auch ein DABV- Turnier der unteren Gewichtsklassen.

Die Bundesliga mit ihren acht Boxklubs zog eine großes Publikum an den Ring. Den Mannschaftsmeister Herta BSC Berlin unterstützten 5000 Zuschauer in der Saison. Die Vereine jedoch hatten viele Probleme mit Boxern, die nicht in unmittelbarer Nähe vom Verein wohnten oder trainierten. Ihre Leistungen ließen sich vor Wettkämpfen schlecht einschätzen. Auch die Verbindung zum Bundestrainer, der seine Leistungsträger vorwiegend in diesen Reihen suchte, war noch nicht optimal. Dennoch war die Bundesliga der Motor in der Förderung des Leistungssport und des Boxens. Jedoch trainierten die jungen erfolgreichen Sportler noch vorwiegend in den kleineren Vereinen und hatten wenig Verbindung zum Leistungssport.

Sind Länderkämpfe ein Spiegel der Leistungsfähigkeit? Wir glauben nicht daran. Einige von den Länderkämpfen ragten heraus. So endeten die Kämpfe gegen eine Staffel der USA mit Siegen (14:6, 8:4 und 14:4). Zeitgleich gab es auch eine Niederlage gegen Italien mit 6:18 (teilweise bedingt durch zeitliche und klimatische Umstellungen). Sehr deutlich zeigten sich die Schwierigkeiten beim Aufstellen der Mannschaft im 9. offiziellen Länderkampf gegen England. Obwohl es sich im Ergebnis von 12: 8 für den DABV nicht widerspiegelt. Stephanie und Mertens gaben alle drei Runden ab. Gies verlor durch Abbruch und Jarmer mit 1:2 Richterstimmen. Es siegten Weller, Heß, Baranowski, Skriecek, Schrauf und Peters. Hussing wurde nicht besetzt.

Viele Vereine suchten für die Heimkämpfe attraktive ausländische Mannschaften. Die Rosenheimer hatten sich Lazio Rom eingeladen und erkämpften eine 10:10. Der BC Duisburg schaffte gegen die Kanada Auswahl ein 8:12. Der Berliner Verband handelte sich gegen Kasachstan eine 4:14 Niederlage ein, Rosenheim unterlag der Auswahl von Konstanta mit 3:19 und im Zweitstart mit 7:11.


gs/w/1973.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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