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gs:w:1972

1972 - Olympiakampfstätte in München

Die Teilnahme an der Olympiade war das Ziel der Aktiven. Jüngere Boxer kämpften um die Fahrkarten zu den Junioren-Europameisterschaften im Juni in Bukarest.

Im Januar ergab es mit dem Vergleichskampf gegen Finnland (6:14 gewonnen), später mit den zwei Kämpfen gegen Jugoslawien (beide Male 10:10 ) eine gute Bilanz. Doch innerhalb des Verbandes gab es Kritik. Die Länderkämpfe bringen für die einzelnen Sportler in Vorbereitung auf München nicht genug, besser wären Turniere. Der Boxsport ging sogar soweit, Kandidaten für eine solche Turnierbesetzung vorzustellen, die die besten Kämpfer der Gewichtsklassen zusammenführen sollte 1). Der Kongress des DABV, dessen Schwerpunkte sich um München 72 rankte, bestätigte die Vorbereitungen der Olympiaboxer in Trainingslagern und die Beteiligung an Turnieren, aber auch die Möglichkeit des gemeinsamen Sparrings von Hussing (der zu jenem Zeitpunkt keine gleichwertigen Gegner im Lande hatte) mit Profiboxer Blin. Die Gelegenheit für das erste große Kräftemessen der Spitzenkräfte gab es bei den 50. DABV-Meisterschaften in Heidelberg. Im Finale standen sich gegenüber (von Halbfliegen- bis Schwergewicht):

	Pichl, K.o. Sieger 3. Rd. über	Strauß
	Freistadt, 5:0 Ps über		Schubert
	Weller, 4:1 Ps über 		Pillarz
	Prause, 5:0 Ps über		Dreyer
	Heß, 5:0 Ps über		Henatsch
	Puzicha, 5:0 Ps über		Philippi
	Meier, 5:0 Ps über		Münchow
	Kottysch, 5:0 über 		Dagge
	Jarmer, 4:1 Ps über		Peters
	Hornig, Aufgabe 3. Rd über	Laroche
	Hussing, Aufgabe 2. Rd über	August

Obwohl das Niveau der Meisterschaften im Vergleich zu dem Vorjahr gestiegen war, äußerte sich der Vertreter des Bundesausschusses für Leistungssport sehr pessimistisch: „Nur in den Gewichtsklassen Schwer-, Halbmittel-, Welter- und Leichtgewicht müssen wir eine Auswahl treffen. In allen anderen Kategorien ist es egal, wen wir nach München schicken“ 2). Es gab zu diesem Zeitpunkt noch kein einheitliches Konzept für die Aufstellung der Olympiamannschaft. Darüber hinaus wurden auch Überlegungen diskutiert, für Dagge oder Münchow die Gewichtsklasse zu wechseln. Nach einem Konditionstraining in den Pyrenäen und einem Lehrgang in Freiburg sollte der Olympiatest in Berlin folgen. Es folgte das „Olympia-Test-Turnier“ in Berlin, das aber nicht genügend Spitzenkräfte aus dem Ausland aufbieten konnte, um als Leistungstest gelten zu können. Internationale Spitzenturniere, wie das in Halle, waren bisher nicht in die Planung aufgenommen worden. So blieb auch eine Auseinandersetzung um die Anzahl der eingesetzten Boxsportler bis zuletzt offen, was für einige Aktive eine große psychische Belastung darstellte. Doch die Ergebnisse von München versöhnten alle. Die Goldmedaille für Kottysch und Bronze für Hussing waren ein sehr gutes Ergebnis für die Aktiven und den Trainerstab, der ein erfolgreiches Konzept umgesetzt hatte. Aber es hätte auch noch eine Medaille mehr sein können, doch Verletzungspech tritt öfter auf. Diese Ergebnisse zeigen, dass mit diesem Konzept weiterhin gegen die starken Boxer aus dem Osten erfolgreich gearbeitet werden kann.

Olympiasieger Kottysch mit Bundestrainer Wemhöner
Tranining in Hennef-von links nach rechts: Hussing, Wemhöner, K.-H. Johanpeter, Hess, Fiedler Foto:privat
Deutsche Meisterschaft 1972 mit dem Sieger Jarmer gegen Peters Foto: privat
Jarmer und Bundestrainer Wemhöner

Die kleine Delegation, die zu den Militärmeisterschaften (CISM ) nach Castel-franco gestartet war, kam ohne eine Finalteilnahme wieder nach Hause. Deutete sich hier an, dass die militärische Führung nicht mehr soviel Aufmerksamkeit auf die traditionelle Sportausübung der Soldaten Wert legt ? Oder reichte das Niveau der 40 vorher im Trainingslager zusammengefassten Aktiven nicht aus, obwohl bekannte Namen, wie de Vries, Rölli, Wagner und Larmann darunter waren.

Anders dagegen bei den Studenten. Dort hatten bereits im Dezember des Vorjahres die Meisterschaften für 1972 stattgefunden, mit der Begründung, wir brauche rechtzeitig die Kämpfer, die uns in Studentenländerkämpfen vertreten sollten. Die Sieger des Studentenboxturniers waren (vom Feder -ohne Leichtgewicht ): Sitthaida-Boon-voran-Yao, Naderschahie, Schlamp, Kramer, Duchard, Wensing und Gehrke. Im Mai kämpfte dann eine Studentenstaffel siegreich gegen Frankreich (11:9). Aber sonst gab es kein Eigenleben innerhalb des Studentenboxens.

Mit dem Blick auf die Junioreneuropameisterschaften vom 3.-10. Juni bereiteten sich die Besten des vergangenen Jahres bereits im März und im Mai im Höhentrainingslager auf die kommenden Aufgaben vor. Aber bei den internationalen Wettkämpfen war nicht das 18. Lebensjahr wie in Deutschland die Begrenzung für das Juniorenalter, sondern es reichte bis 21. Somit war davon auszugehen, dass nicht die Juniorenmeister bei den Weltmeisterschaften auftreten, sondern die stärksten Boxer im Alter bis 21 Jahren. Bei den Finalkämpfen der Junioren am 19. Mai in Wetzlar standen sich vom Halbfliegen- bis Schwergewicht gegenüber:

Stork  RSC1. Rd.	 	über 	Lembach
Schuster 5:0  Ps		über	Sperlich
Willinger 4:1 Ps 		über	Jäger
Reimann 4:1 Ps 		über	Wildanger
Müller Disqual. 2. Rd 	über	Rodewies
Stahlschmidt 5:0 Ps 		über 	Schauerte
Freimuth 5:0 Ps		über 	Homfeldt
Schmitz RSC 1. Rd. 		über 	Gries	
Stanitzki 5:0 Ps		über	Weygand
Diewock 5:0 Ps		über	Zinnecker
Haibauer RSC 3. Rd. 		über	Willwohl

Aus der Gruppe dieser Meister fand nur Müller den Weg zu den sieben Auswahlboxern, die für den DABV bei den II. Europameisterschaften in Bukarest starten durften (Schäfer, Dreyer, Müller, Mattukat, Borst, Wulf, August). Von den 130 Kämpfern aus 19 Ländern aber konnten sich nur zwei Vertreter aus westlichen Staaten bis ins Finale kämpfen. Einer davon war der Schwergewichtler August aus Berlin, der seinen Kampf gegen Subbotin (UdSSR) mit 3:2 verlor.

Die letzten Länderkämpfe des Jahres der Junioren fand gegen Polen statt. Sie konnten gegen diese starken Gegner nicht gewonnen werden. Sie endeten 6:12 und 8:12. Aber ist es richtig, sich die stärksten Gegner zu suchen ? So kämpfte die Mittelrheinauswahl in der Türkei und unterlag mit 16:4 . Die Hamburger Auswahl war von der jungen Schweriner Staffel richtig überrollt worden.

Eins der großen Probleme des Boxsports gab es bei den Hochschulmeisterschaften, die im Dezember für das Kommende Jahr ausgetragen wurden. Der Hochschulmeister des vergangenen Jahres, Kramer von der Uni Bochum, erlitt im 3. Kampf einen Zusammenbruch und wurde in der in der Nähe gelegenen Klinik behandelt. Sein Leben konnte nicht gerettet werden. Das war ein schwerer Schlag für den Studentenboxsport, obwohl bei Kramer Vorschädigungen vorlagen, die nicht bei einer einfachen Untersuchung festgestellt werden konnten. Als Folge dieses Unfalls verschärfte der Studentenboxsport die Sicherheitsbestimmungen, konnte aber einen Rückgang des gesamten Studentenboxsports nicht aufhalten. Dieser Wettkampf wurde abgebrochen und es erfolgte keine Vergabe von Hochschulmeistertiteln 1973.

Großen Diskussionsbedarf gab es innerhalb des DABV um die Bundesliga. Viele Vereine wollten eine Liga mit vielen Heimstarts, um die finanzielle Grundlage für den Verein zu verbessern. Das aber führte zu Überschneidungen mit internationalen Terminen und einer Überlastung der Boxsportler. Deshalb waren Korrekturen der Leitung und Planung des Boxsports notwendig, die im Statut verankert waren. Diese Regelungen, die Anfang 1973 vorlagen, sollten den DABV stärken und die Landesverbände in der Einflussnahme auf die zentralen Aufgaben beschränken.

Am Jahresende erfolgte die Auswahl des „Amateurboxer des Jahres“ auf der Grundlage von Punkten, die in nationalen und internationalen Vergleichen errungen wurden. Es siegte Kottysch mit einem Punkt Unterschied vor Hussing, der bereits 1971 diese Auszeichnung erreichte. Zuvor erreichten diesen Ehrenplatz Heß (1970), Meier (1968 und 1969) und Renz (1967).


1) Boxsport4/1972, S. 3
2) Boxsport 10/1972, S. 4
gs/w/1972.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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