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gs:w:1969

1969 - Steigerung des Leistungsniveaus

Neben der Europameisterschaft in Bukarest, als dem Jahreshöhepunkt, gab es die nationalen Meisterschaften, Länderpokalkämpfe und Auslandsstarts, die das Boxleben bestimmten. Vielfältige Diskussionen um die Anpassung des Boxens an die modernen Anforderungen (Entwicklung eines Turnierboxers; Wie sieht der moderne Funktionär aus; Aber auch die alte Diskussion um die Gefahr, die mit dem Boxsport verbunden sein soll- Kopfschutz- ja oder nein; Neue Organisationsformen und Ausbildungswege) waren Gegenstand von Überlegungen und der Suche nach Wegen zur praktischen Umsetzung.

Der Aufbau von Trainingszentren in der Bundeswehr, die Bildung eines Leistungszentrums Boxen in Hennef, waren neben Aktivitäten im Verband erste Schritte zur Steigerung des Leistungsniveaus. Gleichzeitig veröffentlichte Völkmann 1) eine Liste mit Gedanken, die dem Boxsport entgegenstanden. Dazu zählt er unter anderem das Absinken des Niveaus im Amateurlager, aber auch die Praktiken des Berufssports und die Wirkungen von Schule und Fernsehen, die Konkurrenz anderer Sportarten und auch Angriffe auf den Boxsport. Doch mit Wemhöner, vielseitig geschult, hatte der neu gewählte Vorstand des DABV viele Veränderungen angegangen.

Die erste Meisterschaft des Jahres war die der Hochschulboxer. Sei begannen mit Vorrunden, um dann in einem Turnier die Meister zu ermitteln. Die Überschrift zum Bericht ging nicht von den guten Leistungen aus, sondern von der Überschrift: „Elf Medizinstudenten…“, um zu zeigen, Gesundheit und Boxen kann eine Einheit sein. Vom 7.-9. Februar wurden in Karlsruhe die Meister vom Feder- bis Schwergewicht ermittelt. Bilsky/Heidelberg; Walz/Darmstadt; Großhans/Marburg; Schlamp/Mannheim; Omonsky/Darmstadt; Buchner/München; Bachmann/Darmstadt; Wurzbacher/Erlangen. Danach folgte ein Länderkampf der Studentenboxer gegen Frankreich (12: 4 für Deutschland).

Gleichzeitig liefen die Landesmeisterschaften, die mit getrennter Vorrunde und den Zwischen- und Endrunden (vom 22.bis 26. April) in Berlin die Deutschen Meister ermittelten. Und da gab es die Überraschung, alle Meistertitel erhielten mit Schubert, Diem, Prause, Schwede, Voß, Fiedler, Spitzenberg, Hornig, Waida und Hussing ein neues Gessicht. Einen Monat später war Dinslaken, vom 20. bis 23. Mai, der Austragungsort der Deutschen Junioren Meisterschaft. Erstmalig mussten die Junioren über eine neue Rundenlänge von 3 mal 3 Minuten boxen, um besser konditionelle Anpassungen an die Senioren zu erreichen. Die Leistungen, die zur Meisterschaft führten, erhielten vielfältiges Lob. Den Meistertitel errangen: Dreyer/Schopfheim, Runpf/Bayer 04 Leverkusen, Köln /SVSüd Braunschweig, Marquardt, Viktoria Dortmund, Schneider/Kaiserslautern, Plotzke/ BC Walsum, Tröster/BC Norden, Neidl/TSV München, Albers/ EBAC Emden, Campen/BC Norden.

Europameisterschaften 1969 in Bukarest: Jarmer (l.) gegen den erfahrenen Mate Parlow

Die Kernmannschaft der deutschen Boxer bereitete sich indessen in einem nur 14-tägigem Trainingslager auf die Europameisterschaften vor. Bereits vor Beginn gab es Diskussionen, ob alle zehn Gewichtsklassen besetzt werden sollten, ob die Meister starten oder erfahrene ältere Wettkämpfer. Es starteten: Schubert, Pillarz, Prause, Schwede, Puzicha, Meier, Münchow, Jarmer, Weida und Hussing. Obwohl der DABV vor den Kämpfen keinen Favoriten in den eigenen Reihen gesehen hatte, erreichte Weltergewichtler Günther Meier den Titel eines Europameisters. Auch Hussing kehrte mit einer Bronzemedaille zurück, dennoch sprach der Boxsport von einer Misere 2) und weist aber auch auf Defizite hin, wie die fehlende Analyse der Kämpfer anderer Länder, die von den Verbänden Osteuropas bereits systematisch vorangetrieben wurde oder von einer zu einseitigen Ausbildung. Auch die gerade erschienene Fachliteratur von Sonneberg: „Fechten mit der Faust“ orientierte nur auf die Grundlagen und gab für den Leistungssport keine Antworten.

Bereits im Juli deutete sich an, dass die Spitzenboxer durch die Kämpfe der deutschen Ländermannschaften, internationalen Verpflichtungen und Vereinswettkämpfen überfordert waren. Wenn sich das auch gegen Mannschaften wie im Länderkampf gegen Frankreich (17: 3 für Deutschland) und Irland (11: 9 für Deutschland – der zweite Start erfolgte wegen vieler Probleme ohne Wertung) noch nicht zeigte.

Die Polizei ermittelte wieder die Deutschen Polizeimeister, ein Wettkampf, der bereits 1925 begann und mit Pausen immer wieder neu geboren wurde.

Polizeimeister von 1925 bis 1969

Jahr Feder Leicht H-welter Welter H.-Mittel Mittel H.-Schwer Schwer
1925Blümel Maske - R.Pautz - Gaikowski DollSchwertz
1926Blümel Rusch - Kopperschmidt - Gaikowski AnsorgeSchwertz
1928 - Lundt - Thorey - PautzGaikowskiDaniel
1929 - Lundt - Thorey - PautzGaiskowskiDaniel
1930 - Lundt - Thorey - PautzGaikowskiDaniel
1932 - Donner - Campe - Bernlöhr - Voosen
1950Boysen Bodamer - Müller - Jürgens Bettendorf Garbe
1951Arndt HintzeClearMalterMüllerSawitzki BettendorfWosgien
1952Arndt Schimpf ClearMalterBremerSawitzkiBenda Wosgien
1953RapheltArndtBartschkusNicolausFascherMeyerBettendorfTredop
1955SchmitzBieberOrth Zander KrögerHoghKopischke Pautz, W.
1957WormWeichertOrth Zander HoghTeuscherMöllerPautz, W.
1959WelhelmusMellerTrappeThees, W.SchichtaGerberKopischkePautz, W.
1961BergnerWilhelmusStümpflThees,WSchichtaHogh BrennerBrandenburger
1963TheesWilhelmus StümpflThees,WMinuthHoghSchickBrandenburger
1965Thees, P .WilhelmusJungPerpliesGula SchmidtGerberBrandenburger
1967v.HachtLabinschusWilhelmusPerpliesSchumacherJacobsenGerber Brandenburger
1969 - LabinschusWilhelmusBeiselSchumacherSchmidtGerberBeuschel

Die vielfältigen Aktivitäten der einzelnen Sportvereine ließen sich nicht darstellen, zu breit wäre die Thematik. Jedoch das Boxen der Jüngsten fand immer mehr Eingang in die Sportarbeit der Vereine und in kleinen Passagen in die Boxsportpresse.

Aber viele kleine Ereignisse bewegten den Boxsport. So die Siege von Koschmann beim Turnier in Ungarn. Wenn ein Peter Paffen für den 100. Kampf geehrt wird, ist das nichts besonderes, denn ein Toni Virnich von SC Colonia Köln hatte 430 Kämpfe ausgetragen. Der vielseitigste deutsche Boxer soll nach dem Boxsport 3) Hein Müller gewesen sein, der in allen Gewichtsklassen an den Start ging. Auch die Gründung des Europabüros der AIBA hatte kaum eine Resonanz, obwohl es doch das Boxgeschehen der 572 Vereine mit bestimmt.

Einen aber nicht so sichtbaren Erfolg errang der DABV mit der Absicherung der geförderten Sportler durch die Deutsche Sporthilfe. Sie übernahm jene Kosten, die nicht durch die Versicherung der Vereine und Landessportversicherung abgedeckt waren. Damit schuf sie für Spitzensportler eine zusätzliche Sicherheit.

Eine wichtige Initiative zum geregelten Nebeneinander von Amateuren und Profis gab es bereits zu Jahresbeginn. Die in diesen ersten Verhandlungen an gesprochene Themenliste war lang. Sie betraf die Terminabstimmung, die Regelung des Übertritts zu den Profis, zu der beide Lager ihre Zustimmung geben sollten, aber auch Fragen der Rückkehr von Profis ins Amateurlager und das gemeinsame Auftreten von Amateuren und Profis in einer Veranstaltung. Sie führte aber nicht zu festen Vereinbarungen.


1) Boxsport8/1969, S. 6
2) Boxsport 22/1969, S. 7
3) 22/1969, S. 7
gs/w/1969.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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