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gs:w:1968

1968 - Härteste Juniorenmeisterschaft

Unter der Führung von Präsident Krause, Sportwart Konrads und Cheftrainer Wemhöner galt es im Verlauf des Jahres viele Probleme zu lösen. Einige Aufgaben waren für „Ehrenamtliche“ eigentlich nicht lösbar, aber für die Einstellung von Mitarbeitern fehlte dem Verband das Geld. Zuerst jedoch waren die „Landesfürsten“ am wirken. Sie mussten die Landesmeisterschaften gut organisieren. Nicht überall gab es eine starke Teilnehmerzahl. Berlin hatte z. B.: 112 Boxer in der A- und B- Gruppe. Die Berichte zu den Meisterschaften waren überschrieben: „Viele neue Talente bringen Auftrieb“ (Endrunde Südwest); „Hörning weiterhin ein Klassemann“ (Endrunde Rheinland); 13. Titel im 424. Kampf“. In der Endrunde der Südbadischen Meisterschaft hatte es May im Weltergewicht zum 13. Male mit einem Abbruchsieg zum 13. Titel geschafft. Nur fünf Landesverbände ( von 15 ) konnten im Fliegen- und zwei im Bantamgewicht keinen Meister ermitteln. Die 152 Wettkämpfer starten in den Vorrunden in Bremen, Koblenz und Ketsch, um Ende April in Köln die Meister zu küren. Die Teilnehmer der Endrunde bildeten den Stamm der Kernmannschaft für Olympia, aus denen nach intensiven Lehrgängen die Olympiastarter ausgewählt wurden. Die Deutschen Meister 1968 waren: Körper - Pforzheim, Rascher - Villingen, Ruzicka - Hildesheim, Henatsch - Berlin, Puzicha - Essen, Kottysch - Hamburg, Meier - Schongau, Wichert - Duisdorf, Reimers - Hamburg, Renz - Bottrop.

Gleichzeitig mit den Meisterschaften der Männer fanden auch die Wettkämpfe der Junioren statt. Zum Finale in Emmerdingen schrieb der Pressewart des DABV Graf:“ Härteste Juniorenmeisterschaft seit Jahren“ 1). Den Titel errangen:

Müller (Kassel) 		über Talarek (Hannover)
Köln (Braunschweig) 		über Hager (Pfarrkirchen)
Schroth (Wuppertal) 		über Müller (Hanau)
Hasmann (Wesel) 		über Schreiber (Berlin)
Skowron (Zeilsheim) 		über Plotzke (Walsum)
Kakolewicz (Berlin)  		kampflos da Schumann (Soest) verletzt
Peters (Meiderich) 		über Wietelmann (Wagenfeld)
Neidl (München) 		über Gelmbin (Gifhorn)
Sauerwald (Dillenburg) 	über Albers (Emden)
Seidel (Sleb) 		über Weiner (Velbert)

Eine der ersten Prüfungen für den Leistungsstand der Junioren sollte der Länderkampf mit Frankreich sein. Aber die französischen Boxer erwiesen sich noch nicht als stark genug, um das 11: 3 Punkteverhältnis zu ihren Gunsten zu verändern.

Die eigenständigen (unter Planung und Leitung des adh) Hochschulmeisterschaften begannen am 19. Jan. in Frankfurt. Es bewarben sich 90 Teilnehmer aus 25 Einrichtungen. Die ersten Ausscheidungskämpfe wurden im Wartesaal in Frankfurt ausgetragen. Das Finale startete am 9. und 10 Februar in Köln vom Feder- bis Schwergewicht mit je vier Bewerbern in der Gewichtsklasse. Die bekanntesten Boxer waren der Berliner Amateurmeister Witthüser und der Erlangener Schwergewichtler Wurzbacher.

Dann lief der Spitzensport auf das Ereignis des Jahres (mit Lehrgängen –ein Lehrgang musste um einige Tage verschoben werden, da die Halle nicht zur Verfügung stand- und Höhentrainingslager) zu. Es waren die Olympischen Spielen im Mexiko. Bereits bei der Nominierung der Boxer (Henatsch und Kannewurf) gab es unterschiedliche Auffassungen. Die Ergebnisse formulierte Boxsport 2) so: Gold für Wolke, Bronze für Meier. Aber auch einen 5. Platz für Rascher. Die Analyse für das Abschneiden bei diesem Weltereignis war recht unterschiedlich. Die Boxer hatten nur gegen spätere Medaillenträger verloren. Aber es fehlte ihnen an Turniererfahrung. Ohne den Besuch von Turnieren war der Vorsprung der „Ost-Boxer“ nicht aufzuholen. Aber auch über andere Wege wurde nachgedacht. Die Organisation der Meisterschaft sollte verändert werden. Die Frage der Aufwertung des Boxsports durch eine Einführung in den Sportunterricht der Schulen erhielt Anregungen. Aus den Beispielen von England, der Sowjetunion und auch der DDR waren Ableitungen vorstellbar. Neu wären auch Gebietstrainer, diese könnten das Niveau verbessern und kontinuierliche Lehrgänge für die Spitze vorbereiten.

Die folgenden Länderkämpfe zeigten den aktuellen Leistungsstand: DABV-Staffel – CSSR 6 : 14 DABV-Staffel – Finnland 13 : 7 DABV –Staffel – Schottland 8 : 12 Nachdem die Bewerbung des DABV um die Austragung der Europameisterschaft 1969 wegen fehlender Garantien für das Zeigen politischer Symbole (Hymnen, Flaggen) bei den Siegerehrungen von der AIBA abgelehnt wurde, war die Zusage für die Austragung der Olympischen Spiele 1972 ein großer Erfolg. Der Boxsport in der Bundesrepublik wehrte sich im Verlauf des Jahres gegen unterschiedlichste Anfeindungen, auch die Funktionäre hatten teilweise noch mit den neuen Regelungen der AIBA (Kopfschutz, größere Handschuh) Probleme. Hinzu kam die Ausstrahlung eines 19 Jahre alten Profifilms und statistisch nicht voll abgesicherte Untersuchungen über die sogenannte Gefährlichkeit des Boxens. Sie bremsten den Zulauf junger Sportler.


1) Boxsport 23/1968, S. 15
2) 44/1968
gs/w/1968.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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