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gs:w:1967

1967 - Diskussionen um den Boxsport

Der Bundestrainer Wemhöner schätzte den Leistungsstand des Boxsports ein. 1). Den Spitzenplatz in Europa behauptete die UdSSR, in der 2. Gruppe waren Polen, die DDR und Rumänien zu finden, in der Gruppe 3 die BRD mit Bulgarien und Ungarn. Diese Standortbestimmung war im Jahr der Europameisterschaften und in Vorbereitung auf die Olympiade 1968 in Mexiko besonders wichtig. Eine Rangliste der besten Amateurboxer (mit Freistadt, Rascher, Woytena, Schmitt, Puzicha, Kottysch, Meier, Wichert, Gerber und Peek 2) erleichterte die Orientierung und Förderung.

Beim 17. ordentlichen Kongress des DABV vom 9.-12.02. in Kassel stand aber die Gesamtentwicklung des Boxsports im Vordergrund, wenn auch die Aussprachen über die acht Wochenendlehrgänge für Sportler und Trainer in Vorbereitung auf Olympia herausragten. Eine breite Diskussion wurde durch zwei Todesfälle im Rahmen des Boxsports gegeben, die aber nicht ursächlich auf den Boxsport zurückzuführen waren. Orientiert wurde auf eine gründlichere Untersuchung der Sportler Beginn des Boxtrainings.Eine solche Untersuchung war aber begrenzt aber durch die finanziellen Möglichkeiten der Vereine. Immer wieder waren im Verlauf des Jahres Bemühungen sichtbar, den Boxsport auszubreiten und Mängel benannt, aber nicht immer Lösungen angeboten. So zum Beispiel: Desinteresse am Boxen in den Großstädten, aber viele Zuschauer in den kleineren Gemeinden. Die Skandalgeschichten in der Presse und Vorurteile durch das Fernsehen bei den Eltern ebenso wie spannungslose Kämpfe waren dem Boxsport abträglich. Bereits die Länge der universellen Vorbereitungszeit bis zum 1. Wettkampf hielten viele vom Boxsport ab. Die „Gefährlichkeit“ des Boxens, schien durch die besondere Stellung des Ringarztes untermauert und wurde zum Schaden des Boxsports interpretiert. Gleichzeitig sind aber Untersuchungen zur Verletzungen im Boxsport, die zwischen 1-2 Prozent der Wettkämpfer 3) lagen, nicht genügend in die Öffentlichkeit bekannt. Hervorgehoben wird auch die „Abwerbung“ der Jungen durch die Mädchen, aber nie ist daran gedacht, auch den Mädchen im Boxverein eine Heimstatt zu geben 4). Mit der Ausbildung von Jugendleitern und der Präsentation des Boxens in Schulen und bei Jugendveranstaltungen gab es neue Ansätze. Über die Mannschaftskämpfe und Vierer-Turniere hätte auch ein breiteres Publikum angesprochen werden können. Werden aber lukrative Kämpfe angeboten, sind die Zuschauerzahlen enorm hoch. So zum Beispiel: Boxverein Dachau gegen ABC Hammersmith London (12:4) und 5700 Zuschauer Lohr: Aschaffenburg gegen Aachen 1900 Zuschauer 3500 Sportbegeisterte feierten den Sieg von Augsburg über eine Pariser Auswahl (14: 6) Den Städtekampf Berlin gegen London (10: 10) folgten 5000 begeisterte Boxanhänger

Bei den Meisterschaften vom 25.- 29.04. in Münster konnten sich die sehr guten Faustkämpfer durchsetzen. Den Meistertitel sicherten sich: Freistadt mit der Bemerkung im Fachblatt „kann mehr“, Rascher erhielt das Etikett: „einsame Klasse“ und Ruzicka ließ „dem Gegner keine Gelegenheit…“. Bei Schmitt genügte die Routine, Voß wirkte nüchtern und überlegt und Kottysch manövrierte Gegner aus. Zu Mück hieß es „phantomhaft schnell“, Hornig boxte mit Präzision, Gerber hatte tadellose Reaktionen und Renz sammelte fleißig Punkte 5). Bereits bei den Landesmeisterschaften gab es sehr positive Wertungen: z. B. Hessen: Niveau gestiegen; Weser-Ems: Demonstration für den Boxsport.

Die Junioren kämpften ihre Meister vom 9. bis 12. Mai in Wilhelmshaven aus. Der leistungssportliche Höhepunkt war die vom 22. bis 29. Mai ausgeschriebene Europameisterschaft. Das Titelblatt des Boxsport vom 29.Mai 1967 war: EM-Silber für Rascher, Wolke und Gerber. Mit der Nennung des DDR Boxers setzte sich ein Trend des vergangenen Jahres fort, der eine „Entspannung“ des Umgangs der beiden Boxverbände signalisierte.

Die meisten Zuschauer kamen zu Wettkämpfen, die nicht alltäglich zu sehen waren. So gab es auch ein „volles Haus“ bei ABC Flensburg gegen Motor Babelsberg (6:12) und KG TSV Wedel/SV Polizei Hamburg gegen DHfK Leipzig (11: 9).

Meist gelang es auch, die besten Faustkämpfer für die Auswahl des DABV bei Länderkämpfen aufzustellen. Die umfangreichsten Vorbereitungen gab es für den Länderkampf gegen die USA, den die BRD unerwartet mit 14: 6 gewinnen konnte. Nicht so gut gelang der Vergleich mit der CSSR, der mit 8: 12 verloren ging. Waren es die 10 Unzen Handschuhe und der ungewohnte Kopfschutz oder das nicht gut besetzte Kampfgericht? Klarer wurde 7: 13 und 9: 11 gegen Rumänien verloren.

Das Boxgeschehen in der Bundesrepublik war schon immer vom Leben und der Kraft der einzelnen Vereine bestimmt, deren Interessen bis in die Besetzung der Nationalmannschaft reichten. Sie waren es auch, die in einer Vielzahl von Vergleichen ein buntes Leben in das Boxgeschehen brachten. So unter anderem: SV 1860 München – SC Ichtenhausen (12 : 8) BC Bav. Landshut – BC Salzburg (12 : 8) Doch auch eine Vielzahl von „kleinen“ Meisterschaften ermöglichten Erfolge für Sportler, die nicht im Leistungssport eingebunden waren. So trugen die Hochschulen bereits Anfang 1967 ihre Meisterschaft in Clausthal in acht Gewichtsklassen aus. (Sieger vom Feder-bisw Schwergewicht: Saleh, Nyiondi, Kehres, Noeske, Hülk, Riepen, Beckmann, Wurzbacher). Fast zur gleichen Zeit fand der 1. Vergleichswettkampf der Eisenbahnerboxer statt, an dem sich 40 Aktive beteiligten. (Die Sieger vom Bantam- bis Schwergewicht: Fansch, Jucceös, Pawel, Feuchthofen, W. Lang, Runge, Seebauer, Lembke, Nietnecker ) Eine Bundeswehrauswahl startete bei den Militärmeisterschaften mit sieben anderen Nationen in Fort Made (USA). Bei den schweren Kämpfen, die durch kein neutrales Kampfgericht geleitet wurden, konnte sich nur Meier behaupten.

Im Dezember 1967 erschien die Rangliste der besten Boxer des DAVB. Sie lautete – vom Fliegen- bis Schwergewicht: Freistadt, Rascher, Rudzicka, Niewöhner, Voß, Kottysch, Jarmer, Hornig, Gerber und Renz. Kuriositäten? Auch in diesem Jahr machten die Kämpfer die Familie Johannpeter wieder auf sich aufmerksam, denn zum 18. Male holten sich die Boxbrüder einen Landesmeistertitel. Der DABV kaufte vom DDR Verband einen Lehrfilm zum Boxsport. Den hatte jedoch ein findiger Geschäftsmann noch nicht gesehen. Er bot ein Boxferntraining per Post an. Nach zwei Jahren erfolgte dann der 1. Wettkampf, bei dem alle drei Teilnehmer des Fernlehrgangs K.o. gingen.


1) BS, 1, 1967, S.11
2) vgl.: BS 2, 1967, S. 12f
3) Boxsport 42 / 1967, S. 20
4) vgl.: BS 38, S.16 f
5) BS 17,1967, S. 13 ff
gs/w/1967.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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