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gs:w:1966

1966 Trainersuche

In der Planung für die kommenden Jahre konnte auf den Erfolgen von 1965 aufgebaut werden. Es gab ein einheitliches Konditionstraining. Spitzenathleten und einige talentierte Junioren trainierten gemeinsam in den Lehrgängen. Zur langfristigen Vorbereitung auf Olympia wurden nach den Meisterschaften vier Kämpfer in jeder Gewichtsklasse ausgewählt, aus denen dann die Kernmannschaft – Nationalmannschaft - entstand. In einem Höhentrainingslager in den Pyrenäen erfolgte die konditionelle Vorbereitung. Sieben Kämpfe der Nationalmannschaft vervollständigten das Programm. Neben diesem perspektivischen Herangehen gab es aber auch destruktive Momente. Die Suche um den Nachfolger des langjährigen Cheftrainers Oskar Sänger gestaltete sich schwierig, da nicht nur die Boxer darüber zu entscheiden hatten. Der Präsident des DABV Hermann Krause hatte sich mit dem Vorstand bereits für Hans Weinbach entschieden, konnte ihn aber gegen den Willen des DSB nicht einsetzen. Etwas später fiel der Name Köbelin. So ging die Suche weiter. Erst im Sommer einigten sich alle auf Wemhöner, einen Mann, der im Amateur- und Berufssport zu Hause war. Der Kongress des DABV brachte nichts strategisch Neues, wenn von der Hamburger Initiative zur Förderung des Kinder- und Jugendsports abgesehen wird.

Nach den Landesmeisterschaften gab es die erste größere Leistungsschau bei der Vorrunde zur „Deutschen“. Sie wurde am 15./16.April im Kölner Eisstadion, im Berliner Sportpalast und im Münchner Circus Krone ausgetragen. Schwierig war es, die Aktiven mit den besten Betreuern an den unterschiedlichen Orten zu versehen.

Die besten Boxer traten dann bei den Finalkämpfen in Duisburg an (25.-29.04.). Die Deutschen Meister des Jahres 1966: Kannewurf, Rascher, Woytena, Schmitt, Puzicha, Kottysch, Meier, Wichert, Gerber und Peek. Den Kommentar zu diesen Meisterschaften fasste J. Biewer so: „.. das Kämpferpotential ist..gut, aber.. weit verbesserungsfähig. Was not tut, ist..ökonomisches Arbeiten im Ring,-wissenschaftliche (begründete) aufbauende Förderung..“ 1).

Mitte des Jahres verliefen die Diskussionen um das Boxen auf verschiedenen Ebenen. Um die Sicherheit vor Verletzungen zu erhöhen, sollte ein Kopfschutz eingeführt werden. Ein Großteil der Funktionäre war dagegen. Gleichzeitig verstärkten sich die Bemühungen, den Boxsport in der Schule zu verankern. Denn die positiven Werte werden von vielen hervorgehoben ( franz. Romancier Girandaus hebt Selbstbeherrschung hervor: Diem. Selbstbewährung durch das Boxen; Vatikan- sittlichen Werte des Amateurboxens anerkannt, Boxen als Therapiemittel- 2). Dem gegenüber standen dann die Untersuchungen von Unterharnscheidt, die spätere Untersuchungen der AIBA nicht bestätigten. Gleichzeitig erfolgten die Untersuchungen des Österreichischen Sportärzteverbandes, wo formuliert wurde: „ Boxen ist ein gesunder Sport, wenn die Bedingungen eingehalten werden“ 3). Alle einigten sich im Jahresverlauf auf die Einführung des Kopfschutzes, den Einsatz von Handschuhen mit größerem Gewicht und damit besserer Schlagdämmung und einem Ringbelag, der beim Sturz elastisch reagiert. Die Sportmedizin forschte in Vorbereitung auf Olympia bereits in Mexiko, um eine optimale Vorbereitung der Sportler zu sichern.

Die Juniorenmeisterschaften- in der Boxpresse wurden nicht die positiven Seiten dieser Wettkämpfe hervorgehoben- fanden vom 24.- 27.Mai in Ketsch statt. Das Teilnehmerfeld bestand aus 78 Kämpfern. Den Titel eines Juniorenmeisters errangen: Störck - Hamburg, Lutz - Hamburg, Kress - Worms, Emmerich - Frankfurt, Süss - Baden-Baden, Skricek - Gelsenkirchen, Strotkamp - Troisdorf)-, Geisler - Hamborn, Naplwotzki - Bremerhaven, Laroche - Herten. Es gab viele gute und gleichwertige Kämpfe und nur eine einzige Verletzung. Der Sommer brachte aber noch mehr Neuigkeiten. Erstmals seit dem Abbruch der Sportbeziehungen gab es wieder Boxvergleiche zwischen Mannschaften aus Ost und West Der BC Westen Köln startete beim SC Chemnitz (5:15) und ABC Dillenburg in Eisenhüttenstadt (10:8). Der Boxsport berichtete dann nur über menschliche Kontakte und nicht über politische Grundsätze.

Dass das Amateurboxen nach 1949 so schnell wieder Kontakte im internationalen Wettbewerben erhielt, war auch auf einen Mann zurückzuführen, der bereits vor dem Krieg für das Boxen in unterschiedlichen Funktionen arbeitete: Eugen Böhm. Ein Nachruf würdigte ihn als Sportler und Funktionär im nationalen und internationalen Rahmen. Zusammen mit Georg Dietrich erreichte er die internationale Anerkennung des DABV. Die Sportler trugen auch ihren Teil zur Anerkennung bei, denn in vielen Berichten wird das auf den Sport und die Leistung gerichtete Verhalten der Sportler deutlich. Sie nehmen Urlaub für das Training, verzichten auf Lohn und das Zusammensein mit dem Partner, trainieren sechsmal in der Woche – im Vergleich mit anderen Ländern ist das aber noch zu wenig- und starteten auch bei Verletzungen ( Woytena boxte trotz Verletzung, Meiderich boxte mit Kapselriss im Daumengelenk und im Kampf Heide gegen Freistadt wird trotz der der Fraktur des Mittelhandknochens nicht abgebrochen). Geboxt wurde auch bei Freiluftveranstaltungen im Regen. Das alles zeugt von einer hohen Moral und der ausgeprägten Liebe zum Sport.

In den Länderkämpfen des Jahres gab es ein Auf und Ab. Im Kampf gegen die US Staffel hieß es bereits 10:0 für die US-Boxer und dann kam jedoch der Umschwung zu einem 10:10 mit den Siegen von Koysch, Meier, Jarmer, Gerber und Peek.


1) Boxsport 18/1966, S. 10
2) vgl. Bader: in Boxsport 20/1966, S. 22
3) Boxsport22/1966, S.20
gs/w/1966.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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