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gs:w:1965

1965 - Medaillensegen

Wer wird der Nachfolger des Cheftrainers Oskar Sänger ? Diese Frage bestimmte im Verlauf des Jahres die Diskussionen. Viele meldeten sich zu Wort. Der eine wollte einen Fachmann aus der Profiszene, der andere einen erfahrenen Boxer, einen Mann mit Trainerschein 1). Erst am 25. 10. 65 wurde mit Hans Weinbuch eine Trainerpersönlichkeit vorgestellt, auf die sich viele einigen konnten. Gedanken über zwei Trainer, die vom Bund bezahlt wurden, um die Ausbildung mit kleinen Gruppen zu realisieren, waren nur bis Jahresmitte im Gespräch.

Dann überdecken die aktuellen Fragen und das Boxgeschehen alle Probleme. Die Deutschen Meisterschaften vom 14. – 19. April in Hannover hatten bis auf das Fliegengewicht volle Teilnehmerzahlen (16 in jeder Gewichtsklasse). „Hannover brachte endlich den Durchbruch“ war die Überschrift zum Meisterschaftsbericht. Boxsport Berichterstatter Robert Biewer schrieb:“.. die besten Endkämpfe…., die seit Jahren stattgefunden haben.“2) Im Finale besiegten alle ihre Gegner (bis auf Renz) mit einer 5: 0 Punktwertung: Die Endkampfpaarungenen :

	Freistadt	-	Kannewurf
	Rascher		-	Geisler
	Labinschus	-	Klee
	Zettier		-	Niewöhner
	Flor		-	Hanstein
	Kottysch	-	DieterIII
	Meier		-	Piaskowy
	Hornig		-	Brunnhölzl
	Gerber	 	-	Stengel
	Renz		-	Regenauer

Die Meisterschaft in Verbindung mit dem DABV-Kongress bot sich an, Fragen des Neuaufbaus der Kernmannschaft, der weiteren Gestaltung des Lehrgangssystems und auch die internationalen Verpflichtungen anzusprechen. Sehr eng waren die internationalen Aufgaben auch an Reglungen in Deutschland gebunden. So konstatierte ein Hamburger Arbeitsgericht: Boxen ist ein gefährlicher Sport 3), nach Untersuchungen des Hamburger Sportbundes rangierte der Boxsport doch erst an 13. Stelle, hinter Fußball…Judo, Basketball, Hockey und der Schwerathletik 4). Eine breite Gesprächsrunde erfolgte unter den Ringärzten. Sie folgten den Vorschlägen der AIBA und boten eigene Ansätze. Besonders hervorgehoben ist der Vorschlag, Boxer ohne eine ausreichende Deckung zu verwarnen und auch einen rechtzeitigen Abbruch zu gewährleisten, wenn viele Treffer durchgekommen sind. Auch in einer K.o. Sperre sollte keine sportliche Betätigung erfolgen. Das Tragen eines Kopfschutzes ist noch weitgehend abgelehnt und Prof. Grebe wollte noch weitere wissenschaftliche Untersuchungen abwarten 5).

Erst nach der Meisterschaft erfolgte eine Zustimmung für den Start bei den Europameisterschaften. Bis dahin war ein Start in Ost-Berlin noch fraglich. Die Ergebnisse bei den Europameisterschaften stimmten alle optimistisch für die kommende Zeit. Freistadt erkämpfte den 1. Platz, eine Silbermedaille errang Gerber und fünf weitere Bronzemedaillen vervollständigten das hervorragendes Ergebnis. Dabei konnten die Deutschen Meister, die Bundeswehrangehörigen Kottysch und Meier, wegen der politischen Rahmenvorgaben nicht starten.

Die Ergebnisse weiterer Meisterschaften wiesen auf die gestiegene Leistungsfähigkeit der DABV-Boxer hin. So konnten bei den Militärmeisterschaften (die Boxer der BRD waren seit 1958 beteiligt und erreichten seither 3 x Gold , 6 x Silber und 23 x Bronze) Wichert den 1. Platz, Meier ( nach Kieferbruch ) und Larmann den 2. Platz belegen.

Nach Vorkämpfen in Heidelberg, Hamburg, Darmstadt und Münster startete das Finale um die Deutsche Hochschulmeisterschaft im Boxen am 20./21. Februar im Bonn. Den Titel errangen:(ab Bantamgewicht) Münch, El Gussein, Schneidewind, Buxbaum, Drochner, Treumann, Krückemeyer, Riepen und Böse.

Nicht in allen Landesverbänden hatte die Polizei auch ausreichend boxende Sportler. In Nordrhein-Westfalen aber fanden die Meisterschaften statt. In sechs Gewichtsklassen sah das Finale wie folgt aus:

Leichtgew.:			Kubel		-	Bachmann
Weltergew.:			Rothkegel	-	Langkebel
Halbmittelgew.:		Wegener		-	Meisinger
Mittelgew.:			Ralph		-	Eberhardt
Halbschwergew.:		Lemm		-	Kayss
Schwergew.:			Brandenburg	-	Hutknecht		

Das Finale der Deutschen Polizeimeisterschaft begann mit 8000 Zuschauern im Berliner Sportpalast. Im Federgewicht war das Urteil recht umstritten, beim dem Thees über den Berliner Niestroy zum Sieger erklärt wurde.

Die Sieger vom Leicht bis Schwergewicht: Wilhelmus (Saarbrücken), Jung (Saarland), Perplies (Baden-Württemb.), Gula (Bremen), Schmidt (Nordrhein-Westf.), Gerber (Bremen), Brandenburger (Baden-Württemb.).

Die Vergleiche gegen Mannschaften aus anderen Ländern spielten eine große Rolle im Leben des DABV. Auf der Seite 6) allein sind folgende Überschriften zu finden: „ Prächtiger Hessenstaffel gelang Revanche gegen London“ , „SH ABV gegen Belgrad 10 : 10“, „Stadtmannschaft Köln gegen Auswahl Rom“, „Schülervergleichkampf Berlin- Grenoble“.

Doch auch die Vergleiche der Nationalmannschaft dienten vor allem der Bestimmung des Leistungsstandes, so die Kämpfe gegen Polen und Rumänien (Ergebnis:10: 10). Bereits von 1922 bis 1943 gab es mit Polen 89 Vergleiche. Mit dem ersten Start beider Mannschaften nach dem Krieg, 1956, konnten bis 1965 acht Wettkämpfe ausgetragen werden, aus denen der DABV zweimal als Sieger hervorging.

Doch Kurioses gibt es aus diesem Jahr zu berichten: Der Sportfreund Willi Harke konnte sein 39. Jubiläum als Vorsitzender der Boxabteilung von Westfalia 08 feiern. Polemischer war schon der Einsatz von Frauen im Rahmen des Boxens. Sie sollten, auch wenn sie Kampfrichter waren, nur als Zeitnehmer und Protokollführer eingesetzt werden. 7). Eine sensationelle Meldung durfte dabei auch nicht fehlen. So belegte die gesundheitsfördernde Wirkung des Boxens der Thailänder Boxer Amnou Sark. Bei einem Autounfall hatte er die Sprache verloren. Nach einem k.o. in einem Boxkampf fand er sie wieder.


1) vgl.: Box-Sport 3, 8, 19,32/ 1965
2) Box-Sport 16/1965, S.3
3) Boxsport2/65, S. 17
4) Boxsport 8/65, S.17
5) Boxsport22/1965, S. 4
6) 14/15 des Boxsport 37/1965
7) Boxsport 41/1965, S. 12
gs/w/1965.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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