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gs:w:1962

1962 - Die Boxbasis ist stabil

Der DABV mit seinen ca. 43 000 Mitgliedern lebte nicht nur von der Vereinsarbeit, sondern umfasste auch Sondergebiete, wie der Hochschulsport, den Wehr- oder Polizeisport und auch den Schulsport. Diese sind in den Landessportverbänden unterschiedlich vertreten. Die Aktivität der Landesverbände geht weit auseinander. In Schleswig –Holstein beteiligten sich 825 Einzelkämpfer an den 52 Veranstaltungen 1). Die 50 Vereine Hessens brachten es auf 242 Boxvergleiche. Die ein Jahr zuvor befürchtet starke Einschränkung des Interesses am Amateurboxsport hatte sich nicht bestätigt, denn die durchschnittliche Zahl der Veranstaltungen lag in jedem Landesverband bei 10 und mehr im Monat.

International wurde das Jahr mit einem negativen Wert belegt, denn der DABV beteiligte sich nicht an der Auslosung im Dezember 1962 um den Europapokal. Begründet wurde es mit einer fehlenden breiten Spitze. Doch der politische Rahmen war für diese Wettkämpfe insgesamt noch zu eng. Frankreich verweigerte der DDR-Staffel die Einreise und zog sich damit aus diesen Wettbewerben zurück. Italien meldete die Staffel ab, da sie gegen die UdSSR keine Chance sahen. Der Ende des Jahres stattfindende AIBA Kongress brachte für den Wettkampf nicht die erwarteten Impulse, sondern Formulierungen zur Wertung, die einheitliche Interpretationen erschwerte. Der Boxverband dagegen unternahm alles, im durch eine „offene Wertung“ und die Ausformung der Schutzbestimmungen das Boxen sicherer und durchschaubarer zu machen. Aber vor allem in der Umsetzung der neuen Trainingsmethoden, der Intervall- und Kraftarbeit, setzte eine bisher in dieser Breite nicht bekannte Lehrgangs- und Schulungsarbeit ein. Auch der „Boxsport“ beteiligte sich mit Publikationen über Flüssigkeitszufuhr oder Wettkampforganisation an dieser Fortbildung.

Anderseits hatten sich die Vertreter des Boxens auch gegen Presseaktionen zu wehren, die eine Schädlichkeit des Boxens für das Gehirn, aber auch Todesfälle heranzogen, um die Gefährlichkeit des Boxens zu belegen. Dass Boxen aber nach einer Versicherungsuntersuchung an 16. Stelle in der Unfallstatistik lag 2), fand wenig Gehör. Das Mitteilungsblatt der Sporthilfe, „Sozialwart“ informierte die Leser im Heft 12/1962, dass von den 49 Todesfällen 1961 keiner auf den Boxsport entfiel. Aber auch die Schadensleistungen, die für Boxer entrichtet werden mussten, waren mit 0,6 Prozent minimal im Vergleich mit den anderen Sportarten.

Den Wettkampfreigen der Meisterschaften eröffneten die Studenten mit den drei Vorrunden in unterschiedlichen Orten mit über 100 Meldungen. Wie in den vergangenen Jahren wurden die Vorrunden mit 12 Unzen-Handschuhen ausgetragen. Die besten Boxer wurden nicht gesetzt. Auch der 3. Platz ist ebenfalls ausgeboxt worden. Den Titel Hochschulmeister errangen in Clausthal-Zellerfeld (Feder-Schwergewicht): Schneidewind, Malek-Afsali, Buxbaum, Hennemann, Glave, Krückemeyer, Edelmann und Evers.

Kiel war im Juni 1962 der Austragungsort der Deutschen Juniorenmeisterschaften. Es gab recht eindeutige Finalkämpfe, die meistens mit 5:0 für die späteren Meister endeten. Vom Fliegen- bis Schwergewicht sicherten sich den Titel: Freistadt, Werner, Spitzenberg, Flor, Maus, Millich, Gerber, Hinz, Donner und Dellas.

Zu den Deutschen Meisterschaften vom 28.05. - 2.6.1962 in Iserlohn besetzten zehn Landesverbände alle Gewichtsklassen. Durch die DABV Trainer sollten alle Wettkämpfe beobachtet werden, um auch den manchmal recht unglücklichen Verlierern, die aber durchaus Talente sein konnten, durch intensivere Schulungen eine Weiterentwicklung zu ermöglichen. So hoffte man, den Stamm der Kernmannschaft um weitere 50 – 60 Boxer zu erweitern. Trotz der nicht günstigen Bedingungen im Festzelt gab es gegenüber dem Vorjahr eine Leistungssteigerung. Im Fliegengewicht konnte sich Titelverteidiger Geisler sicher gegen Friedrich behaupten. Eine Gewichtsklasse höher setzte sich Rascher mit 5:0 gegen Müller durch. Federgewichtler Maehs, 1961 noch Meister der DDR und des DABV, erreichte durch eine Kraftleistung in der dritten Runde den Sieg. Der Mainzer Schmitt erkämpfte zum 2. Male den Titel. Eine Revanche schaffte der Berliner B. Dieter gegen Vorjahresmeister Mundt. Eine Gewichtsklasse höher sorgte H.-H. Dieter gegen Mück für den zweiten Berliner Erfolg. Nicht leicht hatten es es die Kampfrichter im Halbmittel um den Sieger Lagarden (gegen Heindl) zu ermitteln. Zum 3. Mal erkämpfte sich Mittelgewichtler E.Schulz den Titel mit 5:0. Als Sieger stand nach der zweiten Runde der Halbschwergew. Benedens fest. Mit einem 3:2 Urteil eroberte sich Regenauer im Kampf gegen Brandenburger den Meistergürtel.

Die internationalen Starts hatten zwei Höhepunkte, die zur Leistungsbestätigung vorgesehen waren. Es war der Start gegen Polen zum Jahresanfang und der Kampf gegen eine Mannschaft der Sowjetunion. Bei beiden Starts war sich die Sportleitung sicher, diese Wettkämpfe noch nicht gewinnen zu können. In Würzburg wurde dann auch mit 4:16 gegen Polen verloren. Aber zum Aufbau der Kernmannschaft waren weitere Starts notwendig, die dann gegen Tunesien, Nigeria und die Elfenbeinküste (20:0) mit Siegen endeten. Nicht ganz so eindeutig fielen die Siege gegen Österreich aus. Als sich im Dezember die A-Staffel mit 6:14 von der UdSSR trennte, waren sich alle einig, trotz der Niederlage sehr gute DABV-Boxer gesehen zu haben. Auch der Zweitstart der UdSSR gegen die B-Mannschaft ist mit 4:16 in den Punktwertungen schlechter dargestellt,als es die Kampfverläufe zeigten.

Neben der Nationalmannschaft waren viele Vereine bemüht, internationale Starts zu organisieren. Die Württemberger hatten eine Länderauswahl mit drei Starts gegen Irland aufgeboten, mussten sich aber immer mit ein oder zwei Punkten geschlagen geben. Die Rosenheimer gewannen Radniki Belgrad für zwei Starts, die 10:10 und 9:9 endeten.

Die Mannschaften der Bundeswehr kämpften erfolgreich. In Paris starteten die Vertreter der Luftwaffenboxer, die dann bei den folgenden Kämpfen in London mit Hillmann, Mück und Abramzik die Sieger im General-Nordstad-Pokal stellten. Gab es doch bereits vorher Vergleiche zwischen Heer und Luftwaffe(16:4) und die Panzergrenadiere aus Wetzlar schlugen den Box-Klub Zürich mit 14:6. Über Wettkämpfe innerhalb Deutschlands gab es keine Berichte im Boxsport. Für den DDR-Sport hatte sich der Begriff Zone und Zonensportler durchgesetzt.

In vielen Zeitungen wurden immer wieder die Boxer herausgehoben, die nicht die großen Erfolge erreichten, aber über viele Jahre mit das Niveau der Staffeln mit bestimmten. So sind die Namen: Freiheit mit 450 Kämpfen, Malter mit 325 Kämpfen, Pack und Dietl mit 250 und Abzug mit 225 Kämpfen sehr bekannt.


1) Boxsport1/1963, S. 15
2) Boxsport1962/49, S. 14
gs/w/1962.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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