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gs:w:1961

1961 - Rückgang des Boxens?

Das vom Hauptausschuss des DABV im November 1960 beschlossene Mannschafts- Boxturnier startete am 21. Februar. Dabei konnten die Vereine, die im Bereich einer Startergemeinschaft wirkten, die besten für diese Mannschaft stellen. Es gab vier Startergemeinschaften (Nord, Süd, West und Südwest ). Es waren Hin- und Rückkämpfe vereinbart. Das Fernsehen übertrug erstmals im größeren Umfang diese Boxveranstaltungen. Vielseitige Auswirkungen für den Boxsport waren mit diesen Veranstaltungen verbunden. So sollte insbesondere ein Anreiz geschaffen werden, sich die Veranstaltungen nicht nur im Fernsehen anzuschauen. Davon ausgehend könnte auch eine Werbewirkung für die Jugend einsetzen. Erst am Ende der Veranstaltungsreihe, im Mai, zeichnete sich ab, dass Fernsehen und Sport zu völlig anderen Sportkonsumgewohnheiten führte, die nicht immer ein volles Haus bei Veranstaltungen unterstützte. Auch der Werbeeffekt blieb aus.

Gewonnen werden konnte dieser Länderpokal von der Gruppe Süd durch ein besseres Punkteverhältnis vor der Gruppe West. Seit dieser Zeit wird über die Möglichkeiten und Grenzen der Übertragung von Amateuerboxkämpfen gestritten.

Die Beziehungen zur DDR waren durch Standpunkte des DSB in einen Rahmen gesetzt, der festlegte.

  • keinen Flagge der Zone
  • kein Emblem an der Kleidung
  • keine Sportlerforen

Gleichzeitig erschienen Berichte über den DDR Boxsport in unterschiedlicher Form im „Boxsport“. (Januarausgabe Boxsport über Wettkampf vom 28. Oktober in Riesa, objektiver Bericht im April 1961, Juni 1961- Frankfurt gegen Senftenberg –6 : 10 ). Dann werden die Notizen spärlicher.

Sehr beschäftigt ist der DABV mit eigenen Problemen, deren Lösung sich nicht in die allgemeine internationale Sportlandschaft einpasste oder die schon längst gelöst werden sollten. So unter anderem mit den Fragen von Winter – oder Sommerpause. Obwohl international mehrheitlich eine Sommerpause für die Boxer eingehalten wurde, gab es im Rahmen des DABV noch einen Winterpause, die auch weiter bestehen blieb.

In der Leitung des DABV vollzog sich eine Wachablösung. Der langjährige Boxfunktionär Eugen Böhm kandidierte nicht mehr für den Vorsitz und Hermann Krause folgte ihm im Amt. Mit Eugen Böhm trat ein Funktionär zurück, der über 40 Jahre im Boxsport aktiv wirkte. Von 1920 an war er fünf Jahre aktiver Faustkämpfer. Mit der Kampfrichterlizenz 1925 begann sein Weg in die Funktionärslaufbahn. Als Sportwart in Württemberg, Sportwart im DASV wirkte er und konnte nach dem II. Weltkrieg seine Sportverbindungen nutzen, um den DABV wieder schneller in das internationale Sportgeschehen zu integrieren.

Die Suche nach einer zuschauerfreundlichen Deutschen Meisterschaft fand mit der Begrenzung auf ein Achter-Feld einen zeitgemäßen Rahmen. Die Fragen der weiteren Neuordnung des Boxens in Anpassung an die internationalen Veranstaltungen konnten noch nicht umgesetzt werden. So blieben die Deutschen Meisterschaften im Herbst, obwohl vorher die besten Kämpfer bei der Europameisterschaft starten sollten. Die Auswahl der Sportler und deren systematische Vorbereitung waren somit nicht optimal gesichert 1). Es gab dann bei den Europameisterschaften für das in der Vergangenheit mit die europäische Spitze bestimmenden Verband nur einen 3. Platz für Erich Schichta im Halbmittelgewicht.

Einen breiteren Platz in der Berichterstattung erhielten die Juniorenmeisterschaften, ausgetragen von 16. bis 19. Mai in der Wuppertaler Sporthalle. Aus den 15 Landesverbänden konnten acht Gruppen gebildet werden, deren Sieger bei dieser Meisterschaft antraten. Typisch für diese Zeit sind die relativ wenigen Kämpfe, die fast alle Aktiven bisher bestritten hatten.

Der spätere Sieger im Fliegengewicht Peter Angst aus Wuppertal hatte bisher 13 Kämpfe bestritten. Viel mehr Kämpfe nachweisen konnten die späteren Sieger in den anderen Gewichtsklassen (vom Bantamgew. aufwärts ) meist auch nicht. So

Jürgen Labinschus aus Travemünde, 16 Kämpfe
Lothar Abend aus Kiel, 23 Kämpfe
Rüdiger Knoll aus Wattenscheid, 14 Kämpfe
Dieter Kottysch aus Hamburg, 18 Kämpfe
Manfred Klein aus  Gelsenk.-Erle, 16 Kämpfe
Lothar Loitz aus Solingen, 28 Kämpfe
Dieter Kramer aus Köln, 13 Kämpfe
Günter Wolff aus Altenbögge, 11 Kämpfe
Horst Koschemann, 6 Kämpfe

8 200 Zuschauer waren bei den Seniorenmeisterschaften im Berliner Sportpalast Zeugen des besseren sportlichen Niveaus 2) als vor einem Jahr.

Den Meistertitel errangen  (vom Fliegengewicht bis Schwergewicht ): Geisler, Homberg, Maehs , Schmitt, Mundt, Dieter, Schichta, Schulz, Morwinsky  und  Krenz.
  

Die Auswertung zu diesen Titelkämpfen ergab, dass die aktiven unter den unterschiedlichsten Bedingungen antraten. So hatten einige ein vorbereitendes Trainingslager absolviert und andere mussten am Wettkampftag schon vor sechs Uhr am Morgen ihren beruflichen Pflichten nachgehen.

Die Boxmeisterschaften anderer „eigenständiger“ Gruppen vervollständigten die Palette von Wettkämpfen. Der Studentenverband organisierte Hochschulmeisterschaften 3). Die Titel wurden in der Bergakademie Clausthal ausgekämpft. Es siegten (Vom Feder- bis Schwergewicht): Zimmermann - TH Karlsruhe, Rügamer - Uni Frankfurt, Janicek - FU Berlin, Iwers - BA Clausthal, Stoltenforth - Mainz, Seiler - Uni Frankfurt, Hohensee - TU Berlin, Volz - Uni Mainz.

Die Polizei führte Meisterschaften vom 26.11. bis 1.12. im Saarland für die 51 Bewerber ( Feder- bis Schwergewicht ) durch. Die Sieger dieses Turniers hießen : Bergner, Wilhelmus, Stümpfl, Thees, Hogh, Brenner, Brandenburger. In der Luftwaffe war das Boxen noch aktuell. So kämpften Mühlmeyer, Blenk Duitsch, Abramzik und Krumsick bei den Air Gent Wettkämpfen 4). Der Boxsport konnte auch in anderen Teilen des Militärs noch auf Unterstützung rechnen. Es beteiligte sich ein Mannschaft der BRD 1961 zum zweiten Mal an den Militär- Boxmeisterschaften in Fort Dix (USA) mit: Mühlbauer, Seehafer, Dietze, Schneider, Rügamer, Mück, Dietl, Elze, Herrmanns, Mühlemeyer.

Es ist in diesem Jahr eine sehr unterschiedliche Tendenz zu beobachten. Auf der einen Seite eine Unterstützung für den Boxsport, der mit 12 995 Mitgliedern 5)eine beachtliche Stärke hatte. Jedoch ist auch ein Zurückgehen des Interesses am Boxen zu verzeichnen. Die Ursachen dazu mögen vielgestaltig sein. Jedoch hatten Berichte über Gesundheit und Boxen, Gesundheit und k.o.-Schäden sehr zur Verunsicherung der Sportler beigetragen. Durch Untersuchungen und Gegenargumente sollte dieser Trend aufgehalten werden. Das gelang aber nur teilweise. Erst 20 Jahre später sind vergleichende Untersuchungen veröffentlicht, die auf die unseriösen Arbeiten hinwiesen und neue Fragen aufwerfen 6).

Die politischen Ereignisse nach dem 13. August führten zum Abbruch der allgemeinen Sportbeziehungen zur DDR, denen auch der DABV folgte.


1) Boxsport. 25/1961, S. 12f
2) Boxsport 46/1961, S. 18
3) Boxsport 8/1961, S. 14
4) Boxsport 50/1961, S. 1
5) Boxsport 34/1961, S. 12
6) Kemp, P.L.:A critique of published studies into the effects of amateur boxing, In: journal of the Royal Naval Medical Service, 9 / 1995, S.182ff
gs/w/1961.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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