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gs:w:1960

1960 – Zwei Kernmannschaften

Wenn es Olympische Spiele gibt, prägen die Vorbereitungen darauf den gesamten Jahresablauf. Um internationale Vergleiche anstellen zu können, wurden viele Länderkämpfe geplant. So gegen die Schweiz, England, Frankreich, Polen und Bulgarien. Sie dienten der Vorbereitungen der Olympiakader, des Kreises, der für die Ausscheidungskämpfe mit dem DBV vorgemerkt war, oder der längerfristigen Vorbereitung auf kommende Aufgaben. Eine große Beachtung fanden die unter politischem Druck stehenden Ausscheidungskämpfe. Zum Jahresende folgten noch die Deutschen Meisterschaften und ein Länderkampf gegen die UdSSR. Der nationale Rahmen war durch die Landesmeisterschaften, Juniorenwettkämpfe und die vielen Vergleiche der Vereine und Ländermannschaften gekennzeichnet.

Die ersten internationalen Wettkämpfe begannen zwischen Westfalen und Irland (14: 6). Im Februar begannen die Hochschulmeisterschaften mit Vorrunden in Aachen und Karlsruhe und dem Finale (18./19. 02) in Saarbrücken. Die Meister vom Feder- bis Schwergewicht: Zimmermann -TH Karlsruhe, Birkle -TH Karlsruhe, Scherzer -Uni Frankfurt, Gerz -TH Aachen, Treumann - Uni Frankfurt, Spieckermann - Uni Köln, Hohensee - TU Berlin, Böser - TH Karlsruhe. Diese Kämpfer hatten jedoch keinen Einfluss auf das nationale Boxgeschehen.

Der im Februar in Homburg/Saar stattfindende 10. DABV Kongress beschäftigte sich vor allem mit den Vorbereitungen auf Olympia. Als Test im ersten Länderkampf gegen die Schweiz stellte der DABV mit Rascher, May, Johannpeter I, Wichert, Stroer, Maas und den kampflosen Radtke die Sieger (14 : 6 für den DABV). Sie waren Teil der ersten Kernmannschaft. Es erfolgte die Aufstellung von Kernmannschaften und einer Reservemannschaft. In jeder Mannschaft und jeder Gewichtsklasse sind vier Teilnehmer nominiert. Im Halbmittel wurden so zum Beispiel nominiert: A-Mannschaft: Niederau - Köln, Koch II - Bottrop, Wichert - Hamm, Hellwig - Berlin: B Mannschaft: Schista - Göppingen, Schulz - Kaiserslautern, Kienast - Hamborn und Kilas - Plettenberg.

Der Länderkampf gegen England brachte ein 12: 8 Erfolg und im Vergleich mit der B-Staffel beim Zweitstart ein 10: 10. Einige Wochen später gab es in Frankreich ein 10:10. Beim Länderkampf gegen Polen startete nicht immer die Nr. 1. Die Vereine und Länder hatten Kämpfe vereinbart und so ihre Spitzenboxer bereits verplant. Kurioser verlief der Freiluftländerkampf in Bulgarien. Beim Stand von 6:4 für den DABV musste die Veranstaltung wegen Regen abgebrochen werden. Die restlichen Kämpfe erfolgten, auch wieder bei Regen, am folgenden Tag. Das 10:10 am Ende war nicht nur von sportlichen Urteilen geprägt. Gegen Dänemark gab nur Wytena die Punkte ab, und es hieß 18: 2 für den DABV.

Nachdem die beiden deutschen Verbände sich nicht einigen konnten, hatte das IOC festgelegt, die Ausscheidungskämpfe für die gemeinsame Olympiamannschaft finden am: 1.07. in Berlin (West) mit DABV I gegen DBV II, am 2.7. in Schwerin (Freiluftveranstaltung) DABV II gegen DBV I, und am 03.07. 10.00 Uhr in Schwerin die Kämpfe im Bantam-, Leicht-, Welter-, Mittel- und Schwergewicht statt, und um 20.00 Uhr in der Schöneberger Sporthalle in Berlin (West) die restlichen Kämpfe. Im Finale in Schwerin standen sich gegenüber: Rascher (DABV) gegen Schulz (DBV)- mit 2: 1 für Rascher Leichtgewichtler Zettier kämpfte gegen Lempio (DBV) –Kommentar der Boxzeitung: Zettier unterlag den Punktrichtern. Im Weltergew. kämpfte Guse gegen Lehmann (beide DBV), den Guse eindrucksvoll gewann. Im Mittelgew. kämpften Radzik gegen Nagel (DBV), der Kampf endete 2: 1 für Radzik mit den größten Punktunterschieden zwischen den Kampfrichtern. Im Schwergewicht hatte der junge Markgraf (DABV) gegen Siegmund keine Chance. Die Sieger von Berlin: Homberg besiegte Milek (DBV) Kirsch besiegte Behrend (beide DBV) Im Halbweltergew. erkämpfte Busse den Startplatz. Der Kampf Willer gegen Nagel fand wegen Verletzung Nagels nicht statt. Sieger: Willer Im Halbmittelgew. kämpfte R. Caroli gegen Posorski (beide DBV). Sieger: Caroli. Bereits unmittelbar nach den Kämpfen traten die Kritiker auf, die falsche Vorbereitungen, fehlende Trainingslager feststellten. Ja sie sprachen sogar vom „ verheizen“ der Kämpfer durch die vorausgegangenen Länderkämpfe. Andere sprachen vom parteilichen Kampfgericht oder sogar von Schiebung. Und die Olympischen Spiele in Rom brachten dann auch nur eine Medaille, durch Siegmund im Schwergewicht, wenn auch manche Urteile umstritten waren, so Guse gegen Radonyak (UdSSR) mit 2: 3. Besonderes Pech hatte Kirsch, der wegen einer Gelbsucht nicht starten konnte.

Eine politische Entscheidung wurde auf dem Treffen der Innenminister am 27./28. Mai in Schleswig-Holstein getroffen. Sie besagte, wenn Sportler des DBV mit Emblem, Flagge oder Hymne starten, ist in Hinsicht auf Olympia dort nicht mehr einzuschreiten. Bisher war ein Start mit Emblemen der DDR in der BRD nicht gestattet. Ehe sich dieser Beschluss verbreitete, wurden aber Kämpfe abgesagt (Kohlscheid, Aachen, Bonn).

Die 38. Deutschen Amateurmeisterschaften begannen am 2. November 1960 in Köln. Sie zeigten ein höheres Niveau als noch vor einem Jahr, weil vorwiegend technisches Boxen dominierte. Die Meister: Engel, Rascher, Schlaudraff, Tepper, Dieter II, Frahm, Niederau, Schulz, Morwinski und Brandenburger. War das der letzte Höhepunkt des Boxjahres oder können wir die Länderkämpfe gegen die Schweiz oder die Kämpfe gegen die UdSSR in Kiew (2:18) oder die in Moskau (4:16) als die entscheidenden Vergleiche zur Standortbestimmung nennen?


gs/w/1960.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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