Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


gs:w:1959

1959 – Zwei Europameister

Der „Jahreskalender“ für den Boxsport war anders als in den vorausgegangenen Jahren. Es fanden die internationalen Wettkämpfe der Europameisterschaft vor den nationalen Meisterschaften statt und Ausscheidungskämpfe dazu fielen wegen fehlender Rahmenbedingungen aus. Doch die vielen Veranstaltungen auf nationaler Ebene und Vorbereitungen auf hochrangige Vergleichskämpfe bestimmten das Bild. So stand der Wettkampf gegen die polnische Nationalmannschaft im Zentrum der Aufmerksamkeit. Mit einem Ergebnis von 10 : 10, einem „Traumergebnis“ 1) gegen die nach der UdSSR stärkste Vertretung in Europa hatte keiner gerechnet. War der Boxsport aus dem Tief heraus ? In den vergangenen beiden Jahren wechselten 34 Amateure zu den Profis, davon die Hälfte der Nationalmannschaft. Konnte die Substanz des Amateurboxens das verkraften? Es schien fast so, denn die Siege von Homberg, Herper, Graus, Kienast und Haschka gegen die polnische Spitze war doch ein guter Baustein für die weitere Arbeit. Auch die Linien in der Leitung des DABV waren mit dem Berliner Kongress (im Februar 1959) des DABV klar gezogen. Besonders angespannt war die finanzielle Situation. Mit dem geplanten Länderkampf gegen Frankreich im April in der Berliner Deutschlandhalle und den Zuwendungen durch das Fernsehen war auch hier eine Entlastung vorgesehen. Gleichzeitig konnten die Sportler vor den Europameisterschaften einer Überprüfung unterzogen werden. Vor 6000 Zuschauern gelang dann ein 13 : 7 Erfolg ohne einen Schwergewichtskampf. Die Sieger waren Paul, Schnellenkamp, Rascher, und Hans-Heinrich Dieter III.

Die Zeit bis zu den Europameisterschaften nutzten alle gut. Mit Homberg und Rascher stellte der DABV zwei Europameister. Und auch die Begegnung Goschka gegen den polnischen Boxer Adamski sah zwei Runden lang den DABV-Mann vorn, ehe er sich in der dritten Runde nach großem Kampf mit einem sehr guten 2.Platz begnügen musste. Den 3. Platz erkämpfte sich Leichtgewichtler Herper. Es fällt bei der Betrachtung der Ergebnisse auf, dass die sportlichen Leistungen in den oberen Gewichtsklassen noch nicht dem Niveau der unteren entsprachen. Aber insgesamt eroberte sich der DABV wieder einen Spitzenplatz im europäischen Boxsport.

Bereits in der Zeit der Europameisterschaften begannen die nationalen Wettkämpfe um die Landesmeistertitel. Der ABV Braunschweig war wohl der erste Verband, der mit Meier, Höppner, Neufeld, Höfs, Janzik, Schauß, Hane und Ostrowski vom Bantam- bis Halbschwergewicht die Meister ermittelte. Da Höppner und Neufeld kampflos den Titel errangen, zeigte sich die unzureichende Breite sehr deutlich.

Die Hessischen Meisterschaften gewannen (Fliegen- bis Schwergewicht): Kaiser - Offenbacher Kickers, Hennemann - ESV Jahn Kassel, Hahn - Condor Limburg, Mayer - Darmstadt 75, Simaon - ABC Dillenburg, Niesalle - Kassel-Wilhelmshöhe, Schmidt - BC Zeilsheim, Reeg - TV Aschaffenburg, Scheuch - TG Darmstadt - Bessungen und Schuldt - Eintracht Frankfurt. Die Bantam-, Feder- und Leichtgewichtler konnten dabei ihren Titel aus dem Vorjahr verteidigen.

Die Deutschen Juniorenmeisterschaften fanden in Freising und Dachau statt. Sie waren hervorragend organisiert. In den acht Gruppen gab es ein voll besetztes Teilnehmerfeld.

 Mit Klee, Hiller, Wilde, Meier, Ratajczak, Gronwald, Szemkus, Sommer, Benedes und Biermann setzten sich die Besten durch.

Erwähnenswert ist die Leistung des besten Technikers des Turniers, der Fürther Leichtgewichtler Meier. Einen großen politischen Wert hatte die Durchführung der Hochschulmeisterschaften vom 24./25 Jan. in Aachen. Der Trainer und die Aktive der TH Karlsruhe hatte in umfangreicher Arbeit für die Wiederbelebung bereits 1958 gesorgt. Sie waren auch diesmal wieder die entscheidende treibende Kraft, unterstützt vom Direktor des Instituts für Leibesübungen.

Über 80 Aktive kämpften um den Titel eines Deutschen Hochschulmeisters. Er wurde vom Feder- bis Schwergewicht vergeben an: Zimmermann -Karlsruhe, Birkle - Karlsruhe, Scherzer -Frankfurt, Gerz -Aachen, Fröhlich -Aachen, Berg -Gießen, Volz I -Mainz und Kotischke Aachen.

Immer wieder feierten Landesverbände die Großen ihrer Zeit. So konnte der württembergische Boxer Paul Bauer auf 407 Kämpfe zurückblicken. Davon erreichte er 334 Siege. Neben Landesmeistertiteln konnte er auch auf den 2. Platz beim DASV verweisen. Seit 1947 wirkte er dann als Kampfrichter und Übungsleiter. Die Verleihung der Golden Ehrennadel des WABV war eine Dankeschön für ein langes Wirken zum Wohle des Boxsports.

Eine politisch wichtige Entscheidung zum Vereinswechsel, innerhalb der beiden deutschen Staaten, erfolgte in der Beratung zwischen DABV und DBV am 19.12.59 in Berlin. Dabei einigten sich beide Seiten auf die Reglungen der AIBA, um einem Sportler den Wechsel in den anderen Verband zu ermöglichen. Wird ein Sportler freigegeben, kann er für den anderen Verband starten. Ohne Freigabe gibt es keine Startmöglichkeiten. Die Freigabe erteilt für den DBV der Generalsekretär und für den DABV der Sportwart. Die Anträge für eine Freigabe müssen nach 2 Monaten beantwortet sein. Es entscheidet im Zweifelsfall der Präsident oder bei Nichteinigung die AIBA.


1) Boxsport, 6/59, S. 10 f
gs/w/1959.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

Seiten-Werkzeuge