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gs:w:1958

1958 – Eine breite Boxbasis

Das Boxjahr hatte keine internationalen Meisterschaften. Damit rückten die üblichen sportlichen Aktivitäten in den Vordergrund. Schwerpunkte bildeten aber trotzdem die internationalen Boxvergleiche. Zeigten sie doch, ob die Entwicklung des nationalen Sports mit den internationalen Tendenzen übereinstimmt. Dabei blieb auch ausreichend Zeit, sich mit den internen Problemen das Boxsports zu beschäftigen. Ein Artikel von 1)geht der Frage nach: Ist Boxen gesundheitsschädlich? Darin fordert er unter anderem die Nutzung medizinischer Erkenntnisse, prophylaktische medizinische Betreuung und eine bessere auch auf die Physis orientierte Ausbildung im Boxsport. Darüber hinaus gab es eine Vereinbarung über erweiterte Schutzbestimmungen zwischen Sportärzten und dem DABV, der für beide Seiten ein größtmöglichen Grad von Sicherheiten bot. Im 2) äußerte sich Prof. Grebe, wie bereits in der Fachzeitung Sportmedizin, positiv zum Boxsport, den dort wurden alle verpflichtet, wie in keiner anderen Sportart, den Weisungen des Arztes zu folgen.

Die Juniorenmeisterschaften, vom 21.-25. Mai in Iserlohn und Arnsberg ausgetragen, bildeten den ersten Höhepunkt im nationalen Boxsport. Eingeteilt in 8 Gruppen gab es ein volles Teilnehmerfeld bis auf Niedersachsen, das kein Schwergewicht gemeldet hatte. Damit konnte die Meisterschaft mit vier Veranstaltungen durchgeführt werden. Sie erreichten ein boxsportlich hohes Niveau. Im Fliegengewicht siegte Paul Budde, ein Talent, wie es nicht alle Tage geboren wird, wie der Boxsport berichtete 3). Im Bantamgewicht gewann der schnelle und bewegliche Jürgen Schröder. Der Federgewichtler Dieter Schwarz, bei den Juniorenmeisterschaften in Westfalen als bester Techniker ausgezeichnet, gewann den Titel. Der Fighter Wolfgang Tepper konnte den Sieg erringen, obwohl er zwei Mal zu Boden musste. Doch Härtetreffer wurden ja bei den Junioren nicht gewertet und so reichte es zum Punktsieg. Im Halbweltergewicht demonstrierte der Sieger im Finalkampf, Dieter Jacobsen, technisches Boxen in Vollendung. Bereits in der 2. Runde konnte Klaus Szemkus sich als Meister im Weltergewicht feiern lassen. Ewald Wichert sicherte sich im Halbmittelgewicht durch ein gutes Distanzgefecht den Titel. Sieger durch Disqualifikation in der dritten Runde wurde Armin Sommer. Überlegener Halbschwergewichtsmeister Ulrich Kauffmann errang mit Geraden einen eindeutigen Sieg. Nach der zweiten Runde bereits konnte sich Klaus Matthiessen als Sieger im Schwergewicht feiern lassen.

Die 36. Deutschen Amateurboxmeisterschaften fanden vom 16.- 21. Juni in Dortmund statt. Einen Sieg errangen: Manfred Homberg- Düsseldorf, Werner Bittner-Melle, Peter Goschka –Hamburg, Horst Herper-Düsseldorf, Horst Johannpeter- Hamm, Karl-Heinz Johannpeter- Hamm, Ulrich Kienast-Hamborn, Karl Schönberg-Hamburg, Karl Mildenberger-Kauserslautern, Dieter Plischka- Marl. Sie mussten sich alle in einem harten Fünf-Tage-Turnier durchsetzen. Gab es im Bantamgewicht ein krasses Fehlurteil, so waren die Zuschauer im Federgewicht mit der Entscheidung nicht einverstanden. Die Begegnungen im Welter- und Halbschwergewicht endeten vor Beginn der dritten Runde.

Einen breiteren Raum erhielten die Meldungen über die Aufnahme der Hochschulmeisterschaften. Auf der 18.Vollversammlung des Allgemeinen Deutschen Hochschulsports (ADH ) im April 1957 in Saarbrücken erhielt der Boxsport wieder die Erlaubnis, Hochschulmeisterschaften auszutragen. Auch Regelveränderungen, die einen größeren Schutz der Boxer sichern sollten ,( größere Handschuhe und auch verkürzte Rundenzeiten) waren festgelegt. 54 studentische Wettkämpfer aus zwölf Universitäten und Hochschulen stellten sich dem auf zwei Tage festgelegten Boxturnier.

Die ersten Titel eines Deutschen Hochschulmeisters im Boxen errangen (vom Feder- bis Schwergewicht): Hennemann -Uni Göttingen, Birkle -TH Karlsruhe, Börzel -TH Karlsruhe, Gerz -TH Aachen, Wiek -Uni Gießen, Brändle -TH Karlsruhe, Volz -Uni Mainz, Kolowos -TH Karlsruhe. Die boxsportlichen Erfahrungen waren recht unterschiedlich. Leichtgewichtler Birkle mit über 100 Kämpfen war eine Ausnahme. Die meisten anderen Sportler hatten aus 30 bis 50 Wettkämpfen Erfahrungen in das Geschehen einbringen können.

Das der Boxsport auch unter der akademischen Jugend Einzug hielt, und das gerade in der Zeit als verstärkt Angriffe gegen den Boxsport liefen, erhöhte die Bedeutung des Studentenboxens.

Nach dem Krieg hatte die Staffel der Bundesrepublik bisher 41 Länderkämpfe ausgetragen. Die Bilanz : 22 gewonnen, sieben unentschieden und 12 verloren.

Da der DABV sich als Vertreter der Boxtradition verstand, war es in der Gesamtwertung aller Wettkämpfe (auch jener vor dem Krieg) der 130. Länderkampf, der allen Verantwortlichen viel Kopfzerbrechen bereitete. Dieser Länderkampf startete am 24. November in Moskau gegen die wohl stärkste Vertretung Europas. Nachdem 1956 der Vergleichskampf mit 16 : 4 in Moskau verloren ging und eine andere Vertretung ein Jahr später in Hamburg ein unentschieden erreichte, wurde dieser Wettkampf zu einem wichtigen Kräftemessen aufgebauscht. Die Gründe für den Optimismus lagen bei den Ergebnissen der Europameisterschaften, wo die UdSSR drei und die BRD zwei Titel errangen. Das Wettkampfergebnis von 16 : 4 bestätigte sich auch im Kampfverlauf. Homberg und Herper gewannen ihre Kämpfe. Dieter II unterlag der Physis des Europameisters Jengibarian . Auch der Halbschwergew. Plischka blieb 3 Runden im Ring, den die anderen deutschen Vertreter vorzeitig verließen. Beim zweiten Start, auch im Moskau, gegen eine anders sowjetische Staffel hieß es 14 : 6. Neben Homberg und Herper konnte sich auch Kienast in die Siegerliste eintragen. Erstmalig bei diesem Länderkampf stellte ein Verein, der Boxring Düsseldorf, gleich vier Starter für die Nationalmannschaft.

Neben diesen internationalen Kämpfen gab es viele Vergleiche innerhalb der deutschen Länder. So Südwest gegen Saarland oder das süddeutsche Länderturnier, das in zwei Gruppen ausgetragen wurde. Dort standen sich in der Gruppe I die Mannschaften von Württemberg, Bayern, Nordbaden und Süd-Baden gegenüber. In der Gruppe II kämpften: Südwest, Rheinland, Saarland und Hessen.

Hinzu kommen viele Vergleiche mit Box-staffeln aus dem Ausland, so der Wettkampf Hamburg gegen Warschau (12 : 8), Schleswig Holstein – Warschau (5 : 15 ). Auch der Sportverkehr zwischen den beiden deutschen Staaten funktionierte, wenn auch nicht ohne Reibungsverluste. So kämpfte der SC Rotation Berlin gegen „Faustkämpfer Neuß“ (14 : 4), gegen BC Hilden (13 : 5 ), jedoch spielten diese Wettkämpfe in der Presse nicht mehr die Rolle wie in den vergangenen Jahren.

In vielen Vergleichskämpfen gab es erfahrene Kämpfer, die jahrelang im Boxring gestanden hatten und nun jüngeren Platz machten. So wird von den Hamborner K.O.-König Herbert Koch berichtet, der über 300 Kämpfe ausgetragen hatte von denen er über die Hälfte vorzeitig gewann.

„Alte Probleme“ galt es weiterhin zu beachten. So waren die Verhältnisse zwischen dem Amateur- und den Berufsboxverband nicht immer ohne Spannungen. Der Berliner- (Amateur)Box- Verband sah sich gezwungen, einen Bannstrahl gegen Abwerber auszusprechen und Personen einen Zutritt zu Veranstaltungen und Räumen zu untersagen, die bisher für den Nachwuchs im Berufslager geworben hatten 4). Der Amateurboxsport fürchtete um seine guten Athleten, die er nicht schnell genug ersetzten konnte. In den vergangenen beiden Jahren hatten 34 Amateure das Lager gewechselt (wobei über zehn Sportler sich dort nicht etablieren konnten). Der Boxverband befand sich in einer krisenähnlichen Situation.

Ein Drittel einer Zeitungsseite widmete der Boxsport der Tatsache, dass in Schweden eine Frau, Margarethe Sjölin, die Lizenz als Punkt – und Ringrichter erworben hatte. Nachdem es bereits boxende Frauen, Sekundanten und Manager gegeben hatte, stellte das Neuland dar 5). Von deutscher Seite gab es keinen Kommentar dazu, jedoch blieben die Worte stehen, dass damit des Ende der Amateur-Box-Sportbewegung beginnen könne.


1) Konrad Stein im Boxsport 1/1958, S. 10f
2) Boxsport Nr.52/58, S. 12
3) vgl.: Boxsport 21/58, S. 12
4) Boxsport 17/ 58, S. 19
5) vgl.: Boxsport, 2/58, S. 15
gs/w/1958.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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