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gs:w:1956

1956 BRD - Olympiamedaillen

Unter der Leitung des 1. und 2 . Vorsitzenden des DABV Hermann Bruß und Theo Wenz wurde die Jahresplanung für 1956 im Heft 1 des Boxsport veröffentlicht. Zugeschnitten war das Boxjahr auf die Olympischen Spiele in Melbourne. Vergleiche der Nationalkader mit starken Vertretungen aus dem Ausland bestimmten das Geschehen im ersten Halbjahr. Nach dem Start gegen Irland (14: 6 für die BRD) folgte im Februar bereits ein Lehrgang für den kurzfristig vereinbarten Wettkampf gegen die Sowjetunion, der 16: 4 verloren wurde.

Doch das Leben in den 800 Box- Vereinen der Bundesrepublik war so vielgestaltig. Für einen Teil der Aktiven, die nicht zur unmittelbaren Spitze gehörten, waren die Vergleichskämpfe der Mannschaftsmeisterschaft in den einzelnen Ländern der erste Höhepunkt. In der Badenschen Meisterschaft kämpften die Mannschaften von

Blauweis Pforzheim
Kirchhain-Mingolsheim
AC 92 Weinheim
KG Karlsruhe
Mannheim-Hockenheim  um den Meistertitel.

Auch die Vergleiche von Mannschaften beider deutscher Staaten fanden ein begeistertes Publikum. So unter anderem bei folgenden Starts :

Viktoria Dortmund – Wissenschaft Halle 5 : 15 
FC Nürnberg – Wissenschaft Halle 6 : 14
ABC Dillenburg –Dynamo Leipzig 11: 9
HBC Hamburg –Dynamo Berlin 10 : 10

Aber auch hier bestimmten politische Konzepte das sportliche Geschehen. So durfte die Mannschaft von Motor Freiberg nicht in die BRD einreisen 1) Da die Mannschaften aus der DDR meist aus den Trainingsschwerpunkten kamen, zeigten sie gute Leistungen. So ist auch die Klage eines Sportfreundes zu verstehen, der die bessere Unterstützung der Ost-Sportler hervorhob, die unter optimalen Bedingungen trainieren konnten 2).

Im Jahre 1956 setzte die Diskussion um die Gesundheitsgefährdung des Boxens wieder ein, ausgelöst durch einen Redakteur, der einen erfolglosen Profi als Zeugen der Gefährdung benannt. Die Ärzte sind in den Aussagen gespalten. Einige verteidigten das Amateurboxen. Schützenhilfe erhielt der Boxsport durch den Pabst. Denn der heilige Vater hatte selbst einmal geboxt 3). Dennoch gab es erste Reaktionen, um den Gefährdungspegel weiter nach unten zu schrauben. So wurden beim Schweizer Hochschulboxen nur Punktwertungen vorgenommen. Auch der Hochschulsport in der Bundesrepublik orientierte sich auf verstärkten Gesundheitsschutz und veranstaltete Wettkämpfe mit stärker gepolsterten Handschuhen. Das setzte sich in der Breite aber nicht durch.

Die Juniorenmeisterschaften, die von Hedrix, Bley, Müller, Valtinke, Schichte II, Michalski, Grafen, Brenner, Alber und Bruchhäuser gewonnen wurden, zeigten, dass die Leistungsstärksten des Boxnachwuchses an Niederrhein, Westfalen und Niedersachsen zu Hause waren. Alle anderen Länder stellten nur die Hälfte im Halbfinale und in den Endkämpfen.

Die Einzelmeisterschaften der Männer, die erst auf Landesebene ausgetragen wurden, erhielten regen Zuschauerzuspruch. Über 5000 Zuschauer verfolgten Hamburgs Meisterschaften. Doch nicht jeder Landesverband hatte ein umfangreiches Meisterschaftsprogramm. In Niedersachsen gab es 287, in Berlin 121 und im Rheinland 68 Meisterschaftsanwärter.

Für die Deutsche Meisterschaft in der BRD mussten 2107 Kämpfe ausgetragen werden. Dabei waren die Teilnehmer auf die Gewichtsklassen wie folgt verteilt :

Fliegengew.		81   Kämpfer		Weltergew.		309  Kämpfer
Bantangew.		139 	„		Halbmittelgew.		296	„
Federgew.		194	„		Mittelgew.		242	„
Leichtgew.		247	„		Halbschwergew..		180	„
Halbweltergew..	286	„		Schwergew.		133	„

Die Deutschen Meister der BRD 1956 : Basel, Hahner, Mehling, Kurschat, Roth, Hass, Kienast, Peters, Wittner und Ritter.

Aus den Finalpartnern der Meisterschaft setzte sich die Kernmannschaft für internationale Aufgaben zusammen.

D. Meister 2. Platz 3. Platz 4. Platz 5. Platz
Fliegen:Basel (Mannheim)Homberg (Düsseldorf)Goschka (Hamburg)Wächter (Leverkusen)
Bantam:Hahner (Essen)Albrecht (Hamburg)Malchow [Weinheim)Scbmitz (Dormagen)
Feder:Mehling (Celle )Schwarz (Hamburg)Lagarden (Goch)Müiller (Leverkusen)
Leicht:Kurschat (Berlin)Herper ( (Leverkusen)Rudhof (Rüsselsh.)JohannpeterI (Hamm)
H.-Welter:Roth (Mannheim)Rogosch (Schalke)Kolz (Köln)Winkler (Stuttgart)
Welter:Haß (Misburg)Johannpet. II Oldenburg (Hamm) (Hamburg)Koch (Bottrop)Kraus (Saarbrück.)
H.-MHtcl:Kienast (Witten)Keul (Düsseldorf)Borgmann (Neckarsulm)Krammer (Rosenheim)
Mittel:Peters (Dortmund)Wemhöner (Berlin)Vogt (Nürnberg)Meyer (Han.Mfind.)Sechting (Hamborn)
Halbschwer:Willer (Leverkusen)Krenz (Essen)Busse (Hamburg)Mildenberger (Bad Diirkh.)Pfirrmann (Weinheim)
Schwer:Ritter (Mannheim)Witterstein (Kempten)Horoba (Dortmund)Pautz (Hannover)Lahr (Rüsselsb.)

Die ersten beiden in jeder Gewichtsklasse bereiteten sich auf die Ausscheidungswettkämpfe mit den Sportlern der Sektion Boxen der DDR für die Teilnahme an den Olympischen Spielen vor. Vom 13. bis 15. September 1956 fanden im West-Berliner Sportpalast und in der Ost–Berliner Werner–Seelenbinder–Halle die vom IOC vorgeschriebenen Ausscheidungskämpfe für die Olympiateilnahme statt. Im Überkreuzvergleich standen sich die besten 40 Boxer in den 10 Gewichtsklassen gegenüber. Unter der Leitung eines internationalen Ring- und Kampfrichters erhielten die beiden deutschen Kampfrichterobleute Paul Idziok und Horst Hertel das Vertrauen als Unparteiische zu wirken.

Die Olympiaausscheidungskämpfe wurden von Homberg, Behrendt, Schroeter, Kurschat, Roth, Posorski, Kienast, Wemhöner, Nitzschke und Witterstein gewonnen. „Sechs westdeutsche – vier ostdeutsche Siege“ überschrieben die Zeitungen die Berichte über die Wettkämpfe. In der gemeinsamen Sitzung der beiden deutschen Verbände, wo hart um jede Position gerungen wurde, konnte für das Welter- und für das Schwergewicht kein international reifer Wettkämpfer benannt werden.

Bein Olympische Turnier in Melbourne konnte im Bantamgewicht Wolfgang Behrendt die Goldmedaille und Harry Kurschat im Leichtgewicht die Silbermedaille erringen.


1) vgl.: Boxsport, 33/1956, vom 13.08.56, S.13
2) vgl.: Boxsport Nr. 12/1956, S. 20
3) vgl.: 25/1956, S. 6
gs/w/1956.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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