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gs:w:1954

1954 - Der Boxsport mit vielen Zuschauern

Die Vorbereitungen auf die internationalen Aufgaben der kommenden Jahre bestimmten den Wettkampfkalender von 1954. Zur Standortbestimmung dienten internationale Wettkämpfe, die in anderen Ländern ausgetragen werden sollten. So starteten die Boxer des DABV gegen Italien mit 8 : 12. Die deutsche Mannschaftsleitung war mit den Kampfbewertungen so unzufrieden, dass sie sogar eine vorzeitige Abreise ins Auge fasste 1). Gegen die starke Mannschaft aus Jugoslawien brachten die Boxer aber dann ein Sieg mit 13 : 7 mit nach Hause. Weitere drei Länderkämpfe im Jahresverlauf demonstrierten die Stärke der DABV Boxer. So gab es in Irland (16: 4), in Dänemark (18: 2) Siege und in England rettete ein Fehlurteil das Unentschieden für England. Damit bewiesen die Boxsportler den hohen Stand der sportlichen Leistungsfähigkeit.

Die nationalen Wettkämpfe erfolgten wie in den vorausgegangenen Jahren mit den Wettkämpfen um den Landesmeistertitel. Diese Wettkämpfe bildeten den Höhepunkt im lokalen Boxsport. So beobachteten 4500 Zuschauer die Bezirksmeisterschaften in Hessen. Herausgehoben werden sollte dabei besonders der 43- jährige Willi Stasch, der schon vor dem Krieg in der Nationalstaffel stand und auch hier noch zum Siege kam. Auch die Berliner starteten das Finale wie in den vergangenen Jahren auf der Freilichtbühne in den Rehbergen und trotz des nassen Wetters verfolgten 6000 Zuschauer den Sieg von Schwer, Richter, Lind, Kurschat, Roll, Heidemann, Claer, Wemhöner, Sawitzki und Wolff.

Die in Turnierform ausgetragenen Deutschen Meisterschaften - mit 170 Aktiven - vom 6. - 11. Juli in Berlin ermittelten mit Basel, Schweer, Mehling, Kurschat, Reithmeier, Oldenburg, Walter, Wemhöner, Pfirrmann und Janssen die neuen Meister. Nicht kritiklos waren die Wertungen der Punktrichter. Die Regeln orientierten nur auf die Treffer. Sieger aber wurden meist diejenigen, die den erfolgreichsten Stil zeigten. Dazu gehörten der Angriff, die Trefferzahl, die Härte der Treffer, die Taktik und die Verteidigung. Je Runde konnte der Kämpfer fünf Punkte erreichen (International 20 Punkte). Erfolgte eine Zusatzrunde, konnten sieben Punkte vergeben werden. Auch für die Amateure waren Kämpfe bis zu zehn Runden möglich.

Die Juniorenmeisterschaften starteten vom 2. bis 6. Juni in der Pfalz. Nach den Landesmeisterschaften schrieb der Boxsport: „Zu viel Härte“ (in Niedersachsen). Viele neue Gesichter“ (Nordbayern) und „Kienast und Plischka überragten“ 2). Aus den Vorwettkämpfen gingen die acht Gruppenvertreter hervorgegangen, die am 3. und 4. um den Einzug ins Finale kämpften. Dann folgte ein wettkampffreier Tag. Am Sonntag, dem 6. Juni starteten die Finalkämpfe. Vor 2000 Zuschauern im Ludwigshafener Südweststadion errangen den Titel eines DABV- Juniorenmeisters: Seemann, Johannpeter IV, Winkler, Friedrichs, Frahm, Kienast, Maday, Nitschmann, Plischka und Schneider. Wenn auch nicht alle Urteile zwischen Funktionären und Kampfrichtern die gleich Beurteilung erhielten, war die saubere technische Ausbildung nicht zu übersehen. Die Kampfrichter sprachen keine Verwarnung wegen unsauberen Boxen aus 3).

Die Begegnungen mit Mannschaften aus der DDR nahmen in der Boxpresse einen breiten Raum ein. So „Reutlingen in Görlitz“ 4), „DDR Boxer gefielen“ 5), „Beispiellose Gastfreundschaft“ des BC Rottach-Egern in Dresden und bei Stahl Coswig 6). Die Anzahl der Vergleiche hatte zugenommen. Es starten nicht nur Spitzenmannschaften gegeneinander, sondern auch viele kleine Vereine.

Der Boxsport unter der Leitung des DABV stand auf einer breiten Grundlage. Selbst Fünfzigjährige wollen noch starten. So gab es Demonstrationskämpfe „alter Hasen“ wie Herta Trainer Schellin gegen Jahnke (ASV ), Sowatzki gegen Danielczik und auch der 48 jährige Buchholz (Heros) gegen den jüngeren Schimanski. Sie zeigten, dass der Boxsport auch bei guter Vorbereitung noch im höheren Alter betrieben werden kann.

Nicht alle Veranstaltungen auch kleinerer Vereine ließen sich genau planen und festlegen. So kam es, dass nicht alle vorgesehenen Kämpfer – wegen Krankheit, Arbeit oder fehlender Freistellung – eingesetzt werden konten. Als Ausweg wurden dann Kämpfe über sechs Runden durchgeführt, um die Zuschauer zu beruhigen. So war die Kampfzusammenstellung von Halbschwergewichtler Lüdemann - Bären Berlin gegen Ruhdorf -Nordstern Berlin zu werten. Denn Lüdemann reiste von Trainingsring direkt zu Wettkampf an. Auch Olympia Neumünster konnte bei einer Veranstaltung nur sechs Kämpfe zusammenstellen. Als „Ausgleich“ folgte noch ein Kampf mit fünf Runden a zwei Minuten von Fischer gegen Neuenburg 7).

Mit welcher Dynamik sich der Boxsport zeigte, ist abzulesen auf der Seite 18 aus dem Boxsport vom 29.11.54. So wird aus den norddeutschen Ringen berichtet. : „Neun k.o.-Siege ..“ der Lüneburger Kraftsportboxer, „Nachwuchs-Schwergewichtler bewährten sich“ , Jäger erzielte gegen Preuß Unentschieden“. Dabei muss man wissen, dass nur sechs Kampfpaarungen zustande kamen und Preuß den 10 Pfund schwereren Jäger in einem 5-Rundenkampf noch ein remis abtrotzte. „Jubiläum beim BC Sportmann“, „Erstlingskämpfe in Schlutup“, „Polizeimeister Arndt k.o. Sieger“ (in einen Vergleichskampf Trave–Boxring – BC Heros Hamburg ) und „Es geht aufwärts in Husum“.

Da der Boxsport aber viele Gegner hatte, waren Abwehrargumente immer gefragt. Seit Beginn des Boxsports steht die Frage nach den Verletzungen an 1. Stelle. So war die Statistik von Landessportbund Nordrhein- Westfalen (1953) eine befreiende Argumentation8), die zeigt:

Boxen hat		        240 Verletzungen
Leichtathletik		446	„
Turnen		       1658	„
Schwimmen		        149	„
Tennis			115	„
Fußball	              12134   	„	

1) Boxsport, Nr. 18/1954, S.11
2) Boxsport 21/54, S.12
3) Boxsport 23/54, S. 13
4) Boxsport, 24/54, S.13
5) Boxsport23/54, S. 16
6) Boxsport42/54, S. 11
7) Boxsport 46/54, S.17
8) Boxsport, 51/54, S.17
gs/w/1954.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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