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gs:w:1953

1953 BRD – Medaillenflut

Die Vorbereitungen auf die Europameisterschaft im Mai in Warschau bestimmten den Terminkalender. Wie sollte gegen die Sportler des „Ostblocks“ gewonnen werden, die unter optimalen Bedingungen – und in der Regel noch ohne ausreichende Vergleiche mit den Sportlern des Westens- trainieren und sich auf die Wettkämpfe vorbereiten konnten? Überlegt wurde auch, sich nicht an den Europameisterschaften zu beteiligen. Die Boxer des DABV sollten über regelmäßige Kurzlehrgänge auf die Höhepunkte vorbereitet werden und so den „Staatsamateuren“ gewachsen sein 1).

 Die Erfahrungen, die breite Spitze und die gute Vorbereitung bestätigten das Konzept, denn ** Dieter   Wemhöner konnte den Europameistertitel erringen. Der zweite Platz von Resch und die Bronzemedallien von Schreibauer, Mehling und Pfirrmann vervollständigten den Erfolg.**
 

So wundert es auch nicht, wenn für die Europastaffel, die gegen die Amerika antrat, mit Heidemann, Wemhöner, Pfirrmann und Schriebauer gleich vier deutsche Boxer eingesetzt waren. Doch nur Heidemann konnte seine Siegesserie fortsetzen. Wemhöner und Schreibauer wurden benachteiligt, schrieb der „Boxsport“.

Wie stark der Boxsport in der Bundesrepublik war, zeigte sich im Länderkampf gegen Frankreich, denn Siege errangen die Deutschen bereits 1929 in Dortmund und 1935 in Köln, der mit 15 : 5 gewonnen werden konnte. Somit erhöhte sich die Zahl der gewonnen Länderkämpfe nach dem Krieg auf 10. Einmal waren die Irländer Sieger und ein Mal reichte es gegen Irland und Österreich nur zum Unentschieden. Die Breite des deutschen Boxsports beruhte auf über 3000 aktiven Boxern, die in den 15 Landesverbänden die 150 Landes-Meister ermittelten . In jeder Gewichtsklasse gab es somit theoretisch 300 Aktive. Jedoch die Gewichtsklassen waren unterschiedlich stark besetzt. Es gab wenige Fliegen- und Schwergewichtler. Sie waren dazu noch unterschiedlich auf die Landesverbände verteilt. Trotzdem fand der Boxsport bei den Zuschauern großen Zuspruch.

Reutlingen war der Austragungsort der Württembergischen Meisterschaft. Hier zeigte sich der Generationswechsel im Boxsport. Nur drei Starter der vergangenen Endrunde waren noch im Finale dabei. Den Meistertitel errangen: Ab Fliegengewicht: Warme - Stuttgart, Floten - Ebingen, Kaimonoff - Reutlingen, Fick - Ebingen, Theurer - Stuttgart, Rienhardt - Neckarsulm, Letsch - Ebingen, Rupp - Stuttgart, Kißling - Eningen , Eder – Stuttgart.

Bereits am Nachmittag des gleichen Tages und in der gleichen Halle fanden die Juniorenmeisterschaften statt. Über 800 Reutlinger Schüler feierten die Juniorenmeister: Korziara - Gmünd, Vetter - Aalen, Federgewicht- nicht ausgetragen, Schäfer - Stuttgart, Hartmann - Friedrichshafen, Kröner - Göppingen, Simon Nekarsulm, Merkle - Untertürkheim, Ott - Kornwestheim, Vees – Ulm.

Die West-Berliner Meisterschaft setzte die in Warschau gegebenen Anregungen, die den Einsatz von fünf Kampfrichtern vorsah, bereits in die Praxis um. Bei diesen Wettkämpfen vor 4000 Zuschauern auf der Freilichtbühne in den Rehbergen erkämpften sich den Titel: Schwer, Richter, Stutz, Kurschat, Sendowski, Mikolajewski, Sahlmann, Hoth und Kross.

Die Deutschen Meisterschaften der BRD - die in Turnierform ausgetragen wurden- zogen 10 000 Zuschauer in die Bochumer BV- Halle. Sie feierten die Meister: Warme, Schidan, Schweer, Kurschat, Wagner, Rienhardt, Breil, Wemhöner, Westphal und Kistner. Auch um die 3. Plätze ist hart gekämpft worden. Doch sollte es weiterhin einen Kampf um den 3. Platz geben? Denn dieser Wettkampf brachte sowohl dem Sportler als auch dem Zuschauer nach den harten Vorrunden keine sportlichen Höchstleistungen mehr . Viele Überlegungen waren diesen Wettkämpfen vorausgegangen. Der Boxsport hatte sich als technisch-kämpferischer Sport durchgesetzt. Die Leistungsdichte in der Spitze war gestiegen. So war der Schritt zu fünf Kampfrichtern, die diese knappen Wettkampfentscheidungen zu bewerten hatten ein Schritt zu mehr Objektivität.

Der DABV verfügte über vier bis fünf fast gleichstarke Boxer in jeder Gewichtsklasse, die dann für die Kernmannschaften berücksichtigt werden konnten.

Herfuhrt mit 2500 Besuchern war der Austragungsort für die Juniorenmeisterschaft. Dabei setzten sich Malchow, Friedrichs, Neuke, Kienast, Keul, Nitschke, Plischka, Jansen II, und Niche durch. Auch andere Meisterschaften im Boxen fanden regen Zuspruch. So die Boxmeisterschaften der Polizei des Landes Nordrhein-Westfalen, die das Finale im Kölner Williamsbau austrugen. Den Titel eines Polizeimeisters errangen:

Leichtgewicht:		Basel		-	Bork
Halbweltergew.:		Malter		-	Düsseldorf
Weltergew.:		        Stolorz		-	Düsseldorf
Halbmittelgew.:		Müller		-	Arnsberg
Mittelgewicht:		Haltern		-	Münster
Halbschwergew.:		Hageleit	-	Essen
Schwergew.:		        Beckmann	-	Bochum

Nach zwei Vorrunden startete das Finale der Polizeiboxmeisterschaften vor über 1500 Zuschauern in der Lübecker Auktionshalle. Dem Auftreten der Sieger (ab Federgewicht aufwärts ): Raphelt,Arndt, Batschkus, Nicolaus, Fascher, Meier, Bettendorf, Tredop) aus den verschiedenen Bundesländern folgte reichlicher Beifall 2).

Der Rahmen für die Vergleiche von Mannschaften beider deutschen Boxverbände war durch Neugier - was können die anderen - und von Objektivität in der Beurteilung sportlicher Leistungen getragen 3). Für das Werben von Sportlern aus den Vereinen innerhalb der Bundesrepublik gab es feste Reglungen. Sportler aus der DDR konnten ohne diese Festlegungen in den DABV integriert werden. So unter anderem Lüdecke - 2. Platz bei der DDR Meisterschaft 1951 oder Kampfrichterobmann Tuphorn aus Erfurt.


1) Boxsport 22/53, S.9
2) Boxsport 44/1953, S. 13
3) vgl.:Boxsport, 51/53, S. 13, 45/53, S.17, 43/53, S. 9
gs/w/1953.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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