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1952 - Politik und Sport

Die Politik beherrschte das Sportfeld, als es um die Beteiligung Deutschlands an Olympia ging. Die Sportler der Bundesrepublik erhielten eine Einladung, an der auch die Sportler der DDR teilnehmen konnten. Aber für diesen Weg gab es eine Sperre durch die Hallsteindoktrin, also konnten an dieser Olympiade nur die Sportler der BRD teilnehmen. Diese bereiteten sich, gestützt auf staatliche Förderung, intensiv auf dieses Ereignis vor. Bereits im Januar erfolgte der erste Lehrgang in Berlin, als erster Schritt, um die Bindung Berliner Boxer an den DABV zu festigen und gleichzeitig diese Sportler besonders zu fördern, denn durch die Abgrenzungsbeschlüsse ging der Sportverkehr mit dem Umland zurück. Kurze Zeit später erfolgte der nächste Lehrgang in Duisburg, der zum Ende öffentliche Kämpfe der Teilnehmer eingeplant hatte, was für die Beziehungen der Sportler untereinander nicht unbedingt förderlich war. Kämpfe gegen lokale Größen wären günstiger gewesen. In der Sportschule Bassum trainierten die 20 Besten der Meisterschaft in einem einwöchigen Lehrgang, von täglich acht Stunden. Er beinhaltete individuelle theoretische und praktische Unterweisungen und Übungen. Dem folgten die Ausscheidungskämpfe in Berlin. Es standen sich in der Regel die Ersten und die Zweiten der Meisterschaft gegenüber. Folgende Sportler boxten von Fliegen- bis Schwergewicht:

Basel 	 - 	Korschewski; 
Schidan 	- 	Müller; 
Roth 		- 	Bieber; 
Langer 	 - 	Wohlers, 
Schilling 	- 	Wischnewski, 
Heidemann 	- 	Rienhardt; 
Schöppner 	- 	Wagner; 
Wemhöner 	- 	Sturm; 
Pfirrmann 	- 	Kistner; 
Wittgenstein 	- 	Gorgas. 

Nach dieser Veranstaltung wurden Basel, Schidan, Roth, Wohlers, Schilling, Heidemann, Schöppner, Wemhöner, Kistner und Gorgas als deutsche Vertreter für die Olympiade nominiert. In Helsinki sollten sie bei den Aufgebot an Klassefightern zeigen, wo sie in der Rangliste des Amateurboxens standen. Wie hart diese Vorbereitungen verliefen ist aus einem Artikel des Spiegel(30.07.52) zu entnehmen. So erlitt Pfirrmann nach Kämpfen mit dem Profi Szüzina einen Kieferbruch. Schillings Rechte war verletzt und auch Heidemann trat mit einer Augenbraunverletzung an.

Basel konnte durch die Silbermedaille einen Spitzenplatz erringen.

Heidemann gehörte zu den vier Besten der Welt. Schiedan und Wohlers erhielten von den Kampfgerichten nicht die objektive Bewertung, die sie verdient hätten. Nach großem Kampf unterlagen Roth, Schoepner und Gorgas. Schilling, Wemhöner und Kistner fanden nicht zur Normalform. In der Auswertung durch den Sportwart des DABV, Eugen Böhm, war festgehalten, dass die Anforderungen im Training nicht hoch genug waren. Aber auch die Kampfrichter, die bei Profis eingesetzt werden, ließen viele „raue Kampfformen“ zu 1).

Gleichzeitig mit diesem Programm liefen aber auch die Meisterschaften der Länder, bei denen sich die Olympiakandidaten bewähren mussten. Diese Wettkämpfe waren zu unterschiedlichen Zeiten von Februar bis Ende Mai in den Ländern geplant. In Hessen meldeten sich 220 Senioren und 91 Junioren für diese Wettkämpfe an. Da die Länder in Bezirke eingeteilt waren, begannen dort die Kämpfe. Die Rechtsrheinischen Bezirksmeister wurden in Bottrop vor 2600 Anhängern ausgetragen. Es siegten:

Fliegengew. :		Gröne 		über 	Eickelberg
Bantamgew.:		Dietrich	über 	Heil
Federgew.:		Blankenstein	über	Sobzak
Leichtgew.:		Kahlert		über 	Krieg
Halbweltergew..:	Kandel		über	Eggels	(große Proteste der Zuschauer)
Weltergew.:		Könings		über	Todtenhaupt
Halbmittelgew.:	Dahmen		über	Saling
Mittelgew.:		Behrend		über	Cronemeier
Halbschwergew.:	Kuhnert		über	Lapschies
Schwergew.:		Heiermann	über	Fremmer

Danach folgten die Landesmeisterschaften und auf diese die Titelkämpfe des DABV in Stuttgart (5.-8.Juni).

 Es setzten sich  Basel, Schidan, Roth, Langer, Schilling, Heidemann, Schöppner, Wemhöner,   Pfirrmann  und Witterstein durch. 

Doch einige der besten Boxer, wie Kurschat, Bieber oder Bettendorf schieden, wenn auch umstritten, bereits in der Zwischenrunde aus.

Hervorragende technische Leistungen zeigten die Junioren bei den Meisterschaftsfinale in der Schalker „Glückauf-Kampfbahn“, in Gelsenkirchen und Wattenscheid. Hier knüpften sie an bereits vorher gezeigte Leistungen an. Es siegten: Stahl, Rauen, Seidel, Keul, Brauer, Ziegler, Blättner, Horoba, Niche und Mathissen. Das waren in der Regel bereits erfahrene Wettkämpfer. So konnte Stahl von 65 Kämpfen 59 und Rauen von 84 Kämpfen 72 gewinnen.

Daneben gab es weitere Meisterschaften. So war das Oldenburger Stadion der Austragungsort für die Polizeimeisterschaft. Im Finale standen sich gegenüber (Sieger und Meister zuerst genannt):

Federgew.:		Arndt		-	Raphelt
Leichtgew.:		Schimpf		-	Boysen
Halbweltergew.:	Clear		-	Batschkus (technisch schönster Kampf)
Weltergew.:		Nikolaus	-	Palka
Halbmittelgew.:	Bremer		-	G.Müller
Mittelgew.:		Sawitzki	-	van Vügt
Halbschwergew.:	Benda		-	Kopischke
Schwergew.:		Wosgien		-	Bettendorf

Viele Vereine beteiligten sich an der Mannschaftsmeisterschaft. Doch sie wurde nie so breit ausgetragen, denn nicht jeder gemeldete Verein konnte eine Mannschaft stellen. Ein Beispiel dafür lieferte Bayern. Es hatte 143 Boxsport betreibende Vereine. Acht meldeten zur Mannschaftsmeisterschaft und davon stiegen fünf wieder aus.

Die Wettkämpfe mit Vereinen aus der DDR spielten eine immer kleinere Rolle. Die Berichte in der Fachzeitung waren informativ, aber nicht mehr so umfangreich. So kämpften unter anderem gegeneinander: Bayern Hof gegen Fortschritt Oelsnitz (11:9); BC Rüsselsheim gegen BSG Stahl Riesa (14:6); BC Steele gegen Leipziger Auswahl (9:11) und die Sachsenauswahl gegen Flensburg (10:10). Bereits im Boxsport 2) wurde darauf verwiesen, dass Vereinbarungen ohne Meldung an den DSB und ohne die Unterzeichnung des „Verpflichtungsformulars“ nicht möglich sind. Auch die Gefahr, gegen ehemalige Profis antreten zu müssen, die in der DDR den Profistatus verloren hatten,wird hervorgehoben.

Es gab viele Auslandsstarts. So kämpfte der BV Trier gegen eine französische Auswahl (20:4); SG Kirchheim gegen die Auswahl von Brüssel (11:7) und Mainz gegen Basel (11:7). Auch die Stadtmannschaften von Berlin (West) und London standen sich gegenüber und trennten sich unentschieden.

Die Länderkämpfe waren ein guter Leistungsvergleich der besten Boxer und zeigten den Stand im internationalen Vergleich. So starteten die Gewinner der Golden Gloves der USA in Berlin. Um die auf drei Positionen verstärkten Berliner Boxen zu sehen, fanden sich 12 000 Zuschauer in der Waldbühne ein. Es hatte sich gelohnt, denn sie sahen mit Kurschat, Heidemann und Besmanoff Sportler, die über sich hinauswuchsen. Die Amerikaner mussten sich mit einem 10:10 begnügen.

Die Vergleiche gegen Ländermannschaften begannen gegen Iran in Dortmund, die mit 17:3 für den DABV und in Hamburg und Hannover mit Niederlagen von 9:11 endeten. In Heilbronn traten die Iraner gegen Württemberg an und unterlagen mit 8:12.

Gegen die Finnische Nationalstaffel gelang den Auswahlboxern des DABV ein viel beachtetes 12:8. Dabei konnte der Neuling in der Nationalmannschaft Sturm (Mittelgewicht) nach anfänglicher Dominanz nicht sein Können beweisen. Der Halbschwergew. Pfirrmann überzeugte durch einen Siegeswillen, dagegen konnte Schwergewichtler Kalbfell gegen den besten Mann der Finnen Koski kein gleichwertiges Können entgegensetzen.

„Wemhöner überragend“ stand in den Zeitungen beim Länderkampf gegen Irland. (10:10), der nicht wie erwartet mit einem Sieg endete. Die zweite Mannschaft von Irland unterlag aber dann der Staffel des DABV deutlich mit 4:14.

Der an die Meisterschaften gebundene Kongress des DABV hatte neben den Planungen für die weitere Arbeit auch eine Entschließung formuliert, die sich gegen die Einschränkung des Sports mit der DDR wand 3). Darüber hinaus wurden auch viele Auszeichnungen (Ehrennadeln) vergeben. Es gab ja viele Grunde dafür. Herausheben möchten wir solche Aktive, die über lange Zeiten im Boxring standen, aber nicht immer die Nationalfarben vertraten. Dazu zählen Gänserig, der über 500 Kämpfe bestritt, Feldermann mit 428, Eskes mit 375 und Bauer mit 325 Kämpfen.

Viele weitere Probleme beschäftigten den Verband. Auf der einen Seite waren es die vielen Kämpfe, die von den besten Boxern zu leisten waren und auf der anderen Seite bereits Empfehlungen für die bessere Sicherheit zu sorgen, mit dem Kopfschutz zu arbeiten.

Europaauswahl mit den DABV-Kämpfern Wemhöner-3.v.l. Und Pfirrmann-3.v.r.vor dem Start in den USA

1) Boxsport 39/1952,S. 14
2) 6/1952, S.11
3) Boxsport 401952, S. 10
gs/w/1952.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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