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gs:w:1951

1951 -Der Boxsport lebt

Alles was sich an Veranstaltungen im Boxsport in jahrelanger Arbeit herausgebildet hat, ist in diesem Jahr zu finden. Eine Vielzahl von Boxvergleichen bestimmte das Bild, es reichte von den Juniorenwettkämpfen zu den Landesmeisterschaften, den Meisterschaften des DABV, Europameisterschafts-Ausscheidungen, die Wettkämpfe der Polizei und den vielen nationalen und internationalen Veranstaltungen der Vereine.

Doch der Höhepunkt, die Europameisterschaften vom 12. bis 19. Mai in Mailand, war schon vor Jahresbeginn in vielen Vorbereitungen sichtbar, wo Trainer Ziglarski die Überprüfung vieler Talente in internationalen Kämpfen forderte. Es begann mit dem Vergleich gegen Österreich, von Schwer, Rastett, Kurschat, Heidemann, Reinhardt, Könings, Fleck, Ihlein, Kistner und Kross und endete mit 10:10. Es war der erste internationale Start der Staffel des DABV nach dem Kriege. 7000 begeisterte Zuschauer verfolgten diesen Wettkampf, der ohne Fahnen, Hymnen und ohne Blumen ablief. Es folgten zwei Kämpfe gegen Irland, die mit 12:8 nicht gewonnen werden konnten. Doch bereits Anfang März gab es das erste Achtungszeichen, als in fünf Kämpfen gegen Londoner Boxer das Ergebnis 6:4 lautete. Die Vereinsmannschaften standen dem nicht nach und starteten gegen ausländische Vereine. Unter anderem: Kieler Staffel gegen Linköping (16:4) und gegen Arstup (8:11); Malmö gegen Cuxhaven (2:14) und Helios Aachen gegen Dagenham /England (2:14). Gleichzeitig erweiterten sich auch die Kampfangebote gegen Mannschaften aus der DDR. Es gab 143 Vergleiche (Boxsport 4/1953). Auch die ersten politischen Sperren erfolgten. So erhielt Halle für den Start in Wolfenbüttel keine Pässe 1).

Mitte April begannen dann in Kassel das Finale der Ausscheidungskämpfe für die Europameisterschaften in Mailand. Im Fliegengewicht siegte der Trierer Frankenreiter gegen Krümmel, wenn auch das Urteil nicht eindeutig den Kampfverlauf wiedergab. Im Kampf Slojewski gegen Fiebig gewann Slojewski klar. Im Kampf Langer gegen Johann gab es unterschiedliche Bilder. In der ersten Runde überzeugte Johann, dann gewann immer immer mehr Langer durch klare Treffer. Eine knappe Entscheidung gab es im Federgewicht zwischen Hoog und Heidemann für Hoog. In der hart geführten Auseinandersetzung zwischen Einfeldt und Schillig könnte die Verwarnung für Einfeld wohl die Entscheidung für Schilling wesentlich beeinflusst haben. Weltergewichtler Bihler demonstrierte Technik gegen Könings und gewann eindeutig. Überraschend kam der Sieg von Fleck gegen den Essener Jopke. Im Mittelgewicht konnte Meister Sladky den Berliner Wemhöner noch einmal besiegen. Kistner brachte gegen Pfirrmann nicht die notwendige konditionelle Leistung und unterlag nach Punkten. Sicherer Sieger war Gorgas gegen Rau.

Wie gut die Vorbereitungen in den Ausscheidungskämpfen gewesen waren, zeigte sich bei den im Mai stattfindenden Europameisterschaften. Hier errang Schilling den Europameistertitel und Sladky und Gorgans erkämpften einen 2. Platz.

Im gleichen Zeitraum fanden in den einzelnen Landesverbänden die Einzelmeisterschaften statt. Diese erforderten zum Beispiel im Rheinland neue Überlegungen. Um zu verhindern, dass Aktive innerhalb von 24 Stunden vier Kämpfe absolvieren müssen, wurde das Land in Bezirke eingeteilt, die ihren Meister ermittelten. Darauf folgte einen Zwischenrunde und dann die Landesmeisterschaft. So hoffte man, der gewachsenen Anzahl von Aktiven ein gutes Wettkampfangebot machen zu können.

Der Bayerische Verband startete das Finale in einer Freiluftveranstaltung vor 3000 Zuschauern. Den Meistertitel in den zehn Gewichtsklassen errangen: Hofmann (Fliegengew.), Winterstein, Sixt, Appler, Ossenforth, Bommer, Maier, Schwabenbauer, Kistner und Stenger.

Aber auch einzelne Städte führten Meisterschaften durch, unter anderem Rheinhausen und Lintfort, aber natürlich immer auch die großen Städte. Die Meisterschaften des DABV, ausgetragen in zehn Gewichtsklassen, fanden in unterschiedlichen Städten vom 23. bis 29. Juli statt. Wettkampforte waren Hamburg. Kiel, Neumünster, Altona, Lübeck und Ütersen. Das sicherte wohl die Zuschaueranzahl, brachte aber Finanz-, Reise- und Betreuungsprobleme mit sich.

Die deutsche Meisterschaft gewannen: Basel, Schiedan, Bieber, Grabarz, Schilling, Bihler, Borreck, Sladky, Pfirrmann und Rau. Aber die Ausrichtung der Boxer auf die Olympiade in kommenden Jahr ging mit der Auswahl der Länderkämpfe weiter. Die 40 Boxer der vier Gruppen der Olympiaauswahl bereiteten sich unter der Leitung der neuen Trainer Heß, Feldhus und Sänger auf die kommenden Wettkämpfe vor. Der erste große Sieg gelang gegen die USA-Staffel mit 12:8, die vorher bereits gegen England und Schweden gewonnen hatte, obwohl nicht alle Urteile kritiklos waren. Auch gegen Österreich konnte mit dem gleichen Ergebnis gewonnen werden. Nach großen Kämpfen unterlag die Staffel Irlands vor 16 000 Zuschauern in Essen im ersten Vergleich mit 14:6. Der zweite Vergleich in Gießen ging mit einer neuen DABV-Mannschaft verloren. Der noch folgende 3. Vergleich in Helmstedt endete auch mit einem knappen 10:8 - Erfolg der Iren. Es folgten zwei weitere Kämpfe gegen Persien in Teheran, unter ungewohnten Bedingungen, die beide mit 13:7 für Deutschland endeten.

In der gleichen Zeit gab es eine Vielzahl von internationalen Vergleichen der Sportvereine. So zum Beispiel: BC Steele gegen Italienauswahl: 9 : 11; Boxring Düsseldorf gegen diese Italienauswahl : 11:9; Partizan Belgrad gegen Prag Stuttgart: 14:6 und gegen Göppingen 19:1.

Diese Vergleiche boten eine gute Grundlage für die Leistungssteigerung des Amateurboxens. Doch auch viele Fragen innerhalb des Boxverbandes waren noch zu bearbeiten. Es galt, sich mit den neuen AIBA-Regeln auseinander zusetzen. Waren 6- Rundenkämpfe für die Amateure, wie bei den Kämpfen Düren gegen Brühl gut? Wie konnte es in einem Wettkampf des Meidricher SV gegen ABC Rheinhausen möglich sein, das der Kämpfer Telinde zwölfmal zu Boden geht? Auch im Kampf Eintracht Frankfurt gegen Waldhof gibt es zwischen Schüler und Betzga neunmal ein Stopp als ein Kämpfer zu Boden geht, bevor der Abbruch erfolgte.


1) Boxsport14/1951, S. 11
gs/w/1951.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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