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gs:w:1950

1950 - Innerdeutsche Vergleiche

Mit der Veröffentlichung eines Arbeitsprogramms im „Box-Sport im Bild“ waren die Höhepunkte auf die Vergleiche und Meisterschaften im Lande ausgerichtet und auch gleich Inhalte der einheitlichen Kampfrichterausbildung festgelegt. Die Meisterschaften der Junioren, der Senioren, der Vereine und die Länderpokalturniere bildeten den Schwerpunkt.

Gleichzeitig begann aber auch der 1. Vergleichskampf der Auswahlstaffel der BRD gegen die Staffel der DDR. Es waren Starts in Erfurt und Leipzig vereinbart. Es kämpften-für die BRD zuerst genannt:

Grabarz		-	Martin
Weller		-	Knöpel
Hoog		-	Scherler
Einfeld		-	Heinrich
Königs		-	Barthel
Ihlein		-	Eckhadt
Bettendorf	-	Haney	
Stenger		-	Recklebe

Beide Veranstaltungen zeigten den Vorlauf im Können, in der Technik und Taktik der Sportler der ehemaligen Westzonen, denn sie siegten mit 13 : 3 in beiden Vergleichen. Es folgten 74 Vergleiche zwischen den beiden Verbänden 1). So kämpften unter anderem: Göttingen gegen Gotha (11:9)und gegen Mühlhausen (14:4), Lübeck gegen Fortschritt Schwerin (9:7), Oldenburg gegen Leipzig (8:9) und die Faustkämpfer Dortmund gegen eine Sachsenauswahl (2:12).

Bereits im Februar gab es den Gedanken für die Einführung von 10 Gewichtsklassen bei den Senioren, aber auch der Einführung der offenen Wertung bei dem Boxkämpfen. Die großen Veranstaltungen fanden meist in nichtüberdachten Wettkampfstätten statt. Damit waren sie der Witterung voll ausgesetzt. So folgten 15 000 Zuschauer der Vorrunde zum deutschen Meisterschaft in Barbeck bei Gewitterregen. Diese Vorrunde war wieder auf unterschiedlichste Veranstaltungsorte aufgespalten, um viele Zuschauer an den Boxring zu ziehen und damit Geldmittel einzunehmen. Das Finale in Essen sahen 25 000 Zuschauer. Es standen sich gegenüber: (Sieger zuerst genannt).

Fliegengew.		Paffrath	-	Dietrich
Bantamgew.		Slojewski	-	Fiebig
Federgew.		Hoog		-	Bachöfer	
Leichtgew.		Einfeld		-	Ehmann
Weltergew.		Bihler		-	Bommer
Mittelgew.		Ihlein		-	Sladky		
Halbschwergew.	Pfirrmann	-	Schmidt
Schwergew.		Salfeld		-	Kiessner

Die Vorbereitung der Aktiven leiteten die Trainer in den Heimatorten. Doch mit dem Aufbau der ersten internationalen Kontakte und der Bildung einer Nationalmannschaft wurde ein einheitliches Lehrkonzept immer dringender. Die Erarbeitung und die Führung der besten Boxer wurde dem in 320 Kämpfen erprobten ehemaligen Nationaltrainer Zyglarski, als Olympiatrainer übertragen. Über die früheren internationalen Kontakte waren erste Überlegungen für internationale Wettkämpfe entstanden und die Aufnahme in den Boxweltverband angestrebt. Diese Planung beschäftigte den mit der Meisterschaft verbundenen DABV Kongress, weil eine Aufnahme in den Weltverband eine Beteiligung an der Europameisterschaft 1951 und an der folgenden Olympiade ermöglichte. Auch die Zusammenarbeit mit dem Sportausschuss der DDR, mit dem Ziel der Durchführung gemeinsamer Meisterschaften und die Förderung der Jugendarbeit waren Tagesordnungspunkte. Die für Juli geplanten Juniorenmeisterschaften wurden verschoben. Sie hatten bis Anfang August ihre Gruppenkämpfe abgeschlossen, so dass sich vier Gruppen (Süd-, West- , Nordeutschland und Berlin) für die Finalkämpfe vom 2. bis 4.September in Berlin vorbereiteten. Die Junioren der DDR nahmen an diesen Veranstaltungen nicht teil, da die Sektion Boxen die Regelung von k.o. bei Junioren nicht akzeptierte und der DABV nicht zu Veränderungen bereit war, obwohl es auch in der Boxpresse 2) gefordert wurde. Es siegten: Albrecht, Rauen, Ensel, Heckhaus, Mehling, Kolz, Rühr, Todsen, Dickescheid, Fedder, Löschebach, Keuschel und Lahr.

Einen Seltenheitswert hatte der Ausgang des Länderpokalturniers zwischen Mittelrhein und Hessen. Dort stand es nach dem Hin- und Rückkampf unentschieden. Die Regel sah vor, in zwei Gewichtsklassen, die ausgelost wurden, Wiederholungskämpfe in der gleichen Veranstaltung auszutragen. Das Fliegen- und die Schwergewichtler kämpften erneut gegeneinander. Am Ende hieß es dann 11: 9 für die Hessen. Dabei kam es zu Zuschauerprotesten, weil man mit dem Urteil in Schwergewicht nicht einverstanden war. Der Ringrichter konnte erst nach Polizeieinsatz aus dem Ring „befreit“ werden.

Hatten doch die Ringrichter noch umfangreiche Arbeit zu leisten, denn nicht immer waren die Kämpfer gleichwertig im Können. So endete der Kampf des BC Wittlich gegen Betzendorf 14 : 4. Die 1400 Zuschauer sahen sechs k.o.- Siege. Als im November der BR Alperbeck gegen Viktoria 08 Dortmund antrat (10:8), konnte Berg nach fünf Niederschlägen zum Sieger erklärt werde.

Ein Ereignis spielte leider in der Presse keine große Rolle, obwohl es eine neue Qualität der Sportbeziehungen zeigte. Der Hessenmeister Rosenberg war zu Maccabiade nach Tel Aviv eingeladen und siegte. Er wurde dort als deutscher jüdischer Sportler gefeiert.


1) Boxsport 52, 1950
2) Boxsport 37/1950,S.8
gs/w/1950.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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