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gs:w:1948

1945 bis 1948 - Boxen in der amerikanischen, englischen und französischen Besatzungszone

Sehr differenziert verlief der Aufbau der Sportorganisationen in den einzelnen Besatzungszonen. Auch für die Organisatoren des Sports galt die Direktive 23 des Kontrollrats, die eine Auflösung faschistischer Organisationen vorsah. Das betraf auch die Box-Sportverbände. Bereits unmittelbar nach dem Ende der Kämpfe fanden sich ehemalige Sportler und Funktionäre zusammen, die ihren Sport wieder betreiben wollten. In der amerikanischen Zone konnten die Sportler die unpolitischen Versammlungen, zu denen auch der Sport gehörte, bereits ab September 1945 wieder durchführen. In der englischen Zone erfolgte ein Beschluss am 17. Dezember, der die die Wirksamkeit der Kontrollratsdirektive 23 begrenzte. In der französischen Zone galt dieses Verbot weitgehend bis Januar 1948.

Die Berufsboxer gaben für den Boxsport die meisten Impulse. Sie waren als Berufsstand in ganz Deutschland nicht verboten. Sie galten nicht als Sportler sondern als Künstler. Im Osten erhielten sie Lebensmittelsonderkarten, die sie in die Gruppe der Schwerarbeiter einordnete. Sie waren es, die zuerst in fast allen großen Städten Wettkämpfe austrugen. Viele ehemals aktive Amateure suchten den Weg zu den Berufsboxern, um sich eine „berufliche“ Einkommensquelle zu sichern.

Die Neugründungen der Boxvereine auf lokaler Ebene und auf Landesebene erfolgte mit alten Fachkräften.

Der Aufbau von Arbeitersportgruppen, die vor 1933 einen breiten Einfluss hatten, wurde durch das Wirken SPD naher Kräfte nicht als wünschenswert betrachtet 1) Über die Organisation, Struktur und Zielsetzungen der Sportorganisationen gab es breite Diskussionen. Die ersten Vereinigungen erfolgten auf Landesebene.

Die Sparte Boxen des Badenschen Sportbundes unter Leitung von Gustel Leinz und der Mitwirkung von 20 Delegierten aus 20 Vereinen erfolgte im Mai 1946. (Eine Namensänderung erfolgte 1948 in Badener Amateurboxverband. Der südliche Teil Badens war unter Einfluss der französischen Zone und konnte erst später mit dem Boxen beginnen. Dort bildete sich ein eigener Verband. Beide Verbände vereinigten sich 1971 zum Amateur- Box- Verband Baden. 2)

Der Bayerische Amateur-Box-Verband unter der Leitung von Josef Königsberger konnte bereits 1946 mit 21 Vereinen die Wettkampftätigkeit aufnehmen 3). Ein Jahr später gründete sich die Süddeutsche Arbeitsgemeinschaft mit über 100 Vereinen.

Der kommissarisch eingesetzte erfahrene Karl Pepper führte die Sparte Amateurboxen in Hamburg, die sich später in einen Fachausschuss für Amateurboxen umwandelte und die Grundlage für die Bildung eines Fachausschusses Boxen in der britischen Zone legte.

Der Hessische Amateur-Box-Verband erlebte seine Geburtsstunde in Frankfurt 1946 unter der Leitung von Georg Dietrich.

Unter der Leitung von Theo Wenz, des bereits vor dem Kriege wirkenden Vorsitzenden des Bonner Boxklubs begann der Aufbau des Mittelrheinischen Amateur-Box-Verbandes.

Durch das Wirken der Wuppertaler Schmitz, Schulz und Kurzhals, der Duisburg-Miedericher Metes und Vögler ist der Niederrheinische Amateur-Box-Verband in der britischen Zone entstanden.

Verwirrend waren die Zielstellungen bei der Gründung des Niedersächsischen Amateur-Box-Verbandes, der sich 1946 aus den Verbänden von Braunschweig, Hannover und Weser-Ems zusammensetzte. Diese Organisation lebte nur zwei Jahre und entstand dann 1951 neu.

Der Trierer Peter Strahl lenkte die Geschicke bei der Entstehung des Amateur-Box-Verbandes Rheinland. Eugen Böhm war bis zum Kriegsende der Gausportwart im Saarland. 1946 erhielt er vom Landessportverband den Auftrag, den Boxsport wieder aufzubauen, die Sparte Boxen zu gründen. Wie erfolgreich diese Arbeit war, zeigte sich bei den ersten Meisterschaften an der Saar, wo es eine große Beteiligung in den einzelnen Gewichtsklassen gab.

Am 3. Mai 1947 in Kiel war die Geburtsstunde des Schleswig-Holsteinischen Amateur-Boxverbandes, der nach den Zuwanderungen der Flüchtlinge aus polnischen Gebieten und Ostpreußen sich kurzzeitig vieler Mitglieder erfreute, die aber dann zu anderen industriellen Gebieten abwanderten.

Bis Ende des Jahres 1948 galt das Boxverbot der französischen Besatzungsmacht für den Südwestdeutschen Amateur-Box-Verband, dem sich 1954 noch die Verbände von Rheinhessen anschlossen.

Der Württembergische Amateur Box-Verband führte bereits im September 1946 im Stuttgarter Zirkus seine Meisterschaften durch.

So hatten sich bis zum Jahre 1948 die wesentlichen Strukturen für die Organisation des Boxens in den westlichen Besatzungszonen herausgebildet.

Im Box-Brevier von B.E. Lüthge von 1948 4) wird berichtet, dass es bereits 1946 eine Deutsche Meisterschaft gab. Als Titelträger werden genannt: (Fliegen- bis Schwergewicht) Obermauer, Emminghaus, Hoog, Heese, Starosch, Imbsweiler, Schirmer, Hagmann.

Überall dominierten aber die Berufsboxer. Sie waren es, die auch in diesem Jahr die meisten Boxaktivitäten zeigten.

Ein Jahr später fanden Zonenmeisterschaften statt, aber noch keine Deutschen Meisterschaften. Dennoch gab es große Veranstaltungen. So standen sich im Herbst in einem Vergleichskampf die Staffeln von Schleswig-Holstein und Niedersachsen gegenüber (11:5), von 7000 Zuschauern stimmungsvoll verfolgt. Vor ausverkauften Haus traf in Hannover die Jugendmannschaft auf Bremerhaven (16:10). In Harburg begann ein Anfängerturnier, in dem die Härte dominierte und trotz des Regens wurde es von 400 Zuschauern begeistert verfolgt 5). Die allgemeine wirtschaftliche Lage spiegelte sich in einem Aufruf wieder, der alle aufforderte, Altpapier zu sammeln und es dem „Boxsport“ zuzusenden, um das weitere Erscheinen der Zeitung – von 4 Seiten- abzusichern. Trotz vieler Unzulänglichkeiten bemühten sich viele Vereine um Vergleiche: z.B.:

Buer		-	Recklinghausen	14:4
Gladbeck	-	Castrop		15:3
Marl		-	Bochum		 9:9
Kohlscheid	-	Achen			11:7
Jugend Niedersachsen- Jugend Niederrhein	15:9

Der Verwaltungsapparat festigte sich und Anschriftenverzeichnisse entstanden, für die Startausweise erfolgte eine Registrierung und die Gauleitungen vermittelten die Kampfgerichte. Jedoch Hindernisse, wie die 40 % Vergnügungssteuer auf Boxveranstaltungen der Amateure mit auswärtigen Mannschaften erschwerten den Start. Aber mit lokalen Pokalkämpfen, zu denen auch auswärtige Faustkämpfer eingeladen waren, ließ sich diese „Zwangssteuer“ umgehen. Als die Staffel von Colonia Köln in Stuttgart antrat, kämpfte sie auf einer Ringermatte unter der 5 cm Sägemehl gestreut war, um den Boden weich zu halten und um beim Sturz Verletzungen zu vermeiden. Der Kampf endete unentschieden. Die Vereine warben Aufwand, selbst mit Nachtveranstaltungen.


1) vgl.: Strych, Eduard: Der westdeutsche Sport in der Phase der Neugründung 1945- 1950, Schondorf 1975, S. 25
2) Vergleiche: Der DABV und seine Landesverbände im WM Jahr 1982, S. 20
3) ebenda, S. 35
4) Box-Brevier von B.E. Lüthge von 1948, S. 62f
5) Boxsport Nr. 61/62, vom 9.10.1947
gs/w/1948.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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