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gs:o:1992

1992 - Und wieder Olympia

International wurde der deutsche Boxsport aufgewertet, denn zwei Ranglistenturniere der AIBA, ausgetragen in Halle und Berlin, sprachen dafür. Denn hier im eigenen Land können sich die Spitzen des Amateurboxsports noch in einigen Gewichtsklassen für Olympia in Barcelona, den Höhepunkt des Sportjahres, qualifizieren.

Die Junioren kämpften um Fahrkarten für die Europameisterschaft in Schottland und die der Weltmeisterschaft in Kanada.

Die internationalen Turniere und die Länderkämpfe waren ein Gradmesser für die Leistungsdichte der Spitzenkräfte. Durch den Einsatz ausländischer Boxer in den Bundesligen erhöhte sich kurzfristig die Werbung für die einzelnen Vereine, langfristig würde es einen Niveauverlust des deutschen Boxsports bedeuten.

Einer der bekanntesten Trainer in Deutschland ist der 60-jährige Günter Debert. Er war DDR- Meister 1953 im Leichtgewicht, der von 130 ausgetragenen Kämpfen 128 gewinnen konnte. Er arbeitete als Cheftrainer beim Berliner TSC, übernahm 1971 die Funktion des Nachwuchsverbandstrainers und seit 1978 Verbandstrainer der Senioren. Seine wissenschaftlichen Qualifikationen erwarb er sich im Fachschulstudium und an der DHfK in Leipzig. Er war einer der erfolgreichsten Cheftrainer in Europa. Sein Einsatz wurde mit nicht begründeten Vorwürfen beendet. Der Boxsport kommentierte: “Größter Blödsinn des Jahrhunderts“ 1). Auch eine Initiative zur Wiedereinstellung brachte kein anderes Ergebnis 2).

Die Wettkämpfe der Bundesliga mit Weltklasseathleten waren eine spannende Auseinandersetzung. Aber bereits hier zeigten sich Probleme unterschiedlichster Art. Am 3. Kampftag, am 21. Dezember, zwischen dem Boxring Brandenburg und BSK 27 Ahlen 17: 13 fanden sich nur 400 Zuschauer ein. In Leverkusen waren es 700 und in Flensburg 1200. Somit war eine Finanzierung über die Einnahmeseite nicht gesichert. Auch die Anzahl der eingeflogenen oder zeitweise hier boxenden Ausländer kostete viel Geld. Dennoch war die 1. Bundesliga so stark wie noch nie. Zum Jahresende führte der Boxring Brandenburg (Stützpunkte Frankfurt und Cottbus), vor TSC Boxring Berlin, BSK Ahlen, CSC Frankfurt, Sparta Flensburg, Bayer 04 Leverkusen und dem Schweriner SC. Um den Sieg in der Mannschaftsmeisterschaft gab es, nach langer Suche in den Ausschreibungen, einen Sieger durch Losentscheid, Boxring Brandenburg, punktgleich mit BR Berlin.

Die 2. Bundesliga setzte sich aus der Gruppe Nord (SV Halle, TSV Glinde, Neuköllner SF, PCK 90 Schwedt und dem Velberter BC ) und der Gruppe Süd (Ringfrei Mühlheim, BC Esslingen, SSV Gera, BC Hückelhoven und dem BC Eichstätt ) zusammen. Hinzu kamen noch die Boxer der Oberliga.

Das 20. Chemiepokalturnier umfasste 106 Kämpfe. Für die deutschen Boxer gab es 5 Turniersiege , sechs 2. und fünf 3. Plätze. Das ist besonders hervorzuheben, denn einige deutsche Spitzenathleten waren nicht am Start. So unter anderem: Th.May, Otto, Ottke, Tews, Saeger, Schmidt und Schmitz. Dieses Turnier war besonders wichtig, da es auch als Qualifikation für Olympia in einigen Gewichtsklassen ausgeschrieben war. Den Olympiastart erkämpften sich: Quast (Halbfliegengew.), Berg (Bantamgew.), Teuchert (Schwergew.).

Eine gute Übersicht über die Jugendförderung im Boxsport gaben die Jugendmeisterschaften in Cottbus. Eingeteilt in acht Gruppen bildeten die starken Landesverbände, wie Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern jeweils eine eigene Gruppe. Einige Landesverbände waren nicht vertreten: Baden, Bremen, Mittelrhein, Rheinland, Saarland, Württemberg. Von den 100 angereisten Sportlern kamen 15 aus den alten Bundesländern. Aber nur Th. Ruhmer konnte einen Titel erringen, alle anderen gingen an Sportvereine im Osten. Die Jugendmeister 1992 (Papier-Superschwer):

Lehmann - Cottbus, Hammer - Schwerin, Link - Schwerin, Kulbe - Halle, 
Fuchs - TSC Berlin, Brückner - Schwerin, Ruhmer - 1880 München, 
Karow - TSC Berlin, Rosomkiewicz - Frankfurt, Pleger - SC Berlin, 
Müller - Cottbus, Bieschkowski - Schwerin, Günther - Cottbus, 
Siemann - Halle

Die deutschen Juniorenboxer (vom Halbfliegen- bis Superschwergew.-ohne den verletzten Ulrich im Mittelgewicht-): Hamann, Brennführer, Küchler, K.Huste, Thormann, Fröhlich, Antoniok, Knabe, Müller, Tischler, Hoffmann starteten Anfang April zu den Europameisterschaften nach Edinburgh. Von den neun erkämpften Medaillen waren die 1. Plätze von Brennführer und Küchler besonders hervorzuheben. Doch bereits vier Wochen nach diesen Titelkämpfen mussten sie sich der Konkurrenz im eigenen Land stellen und nicht alle konnten an die Leistungen bei den Europameisterschaften anknüpfen. Es siegten:

Schulz - Berlin, Sanowski - Berlin, Müller - Königsbrunn, Küchler - Halle, 
Scholz - Königsbrunn, Fröhlich - Berlin, Brors - Duisburg, Knabe - Halle, 
Ulrich - Berlin, Müller - Schwerin, Tischler - Berlin, Hoffmann - Halle. 

Das Internationale Ranglistenturnier, die Boxgala 1992 in Berlin, sollte die Einsatzmöglichkeiten für das Olympiaturnier aller deutschen Spitzenboxer bestätigen. Doch viele blieben dem Turnier fern. Sie wollten in der Bundesliga Geld verdienen, waren durch die Einsätze überfordert oder die Planungen von Verband und Heimtrainer nicht ausreichend koordiniert 3). So ist es nicht überraschend, wenn nur Weltergewichtler Saeger, Halbschwergew. Th. May und Schwergewichtler Teuchert auf dem Siegertreppchen standen.

Nach Vorbereitungen im Olympiastützpunkt und im Höhentrainingslager in St. Moritz- ein Training in der Höhe nutzten die Sportler des ehemaligen DBV bereits seit Jahren- erfolgte die Aufstellung für Olympia. Nominiert waren nach internen Leistungstests: Quast, Loch, Berg, Tews, Rudolph, Zülow, Otto, Beyer, Ottke, May, Teuchert, Fischer. Die Ergebnisse für die Deutsche Mannschaft waren herausragend, hätten aber noch besser sein können, wenn nicht Zülow, Ottke, Beyer und Teuchert bereits vorzeitig an den späteren Olympiasiegern aus Kuba gescheitert wären. Auch Otto unterlag dem späteren Olympiasieger Carruth (Irland) bereits im Viertelfinale. Dennoch war die Bronzemedaille von J. Quast, der 1. Platz von A. Tews, die Silbermedaille von M. Rudolph und die Goldmedaille von Th. May ein hervorragendes Ergebnis für den Deutschen Amateuerboxsport. Mit diesem Ergebnis könnte Deutschland als die zweitstärkste Boxnation der Welt – hinter Kuba- „gehandelt“ werden.

Für die Junioren galt es vom 26.September bis 4. Oktober in Montreal die Stärke bei den 7. Junioren-Weltmeisterschaften nachzuweisen. Geplant war ein Starterfeld von acht deutschen Boxern, vorbereitet von den Trainern Wemhöner und Haubrich. Durch Spendenmittel konnte die Teilnehmerzahl auf 10 erhöht werden. Es starteten:

Halbfliegengew.: Schulz - SC Berlin, 
Fliegengew.: Brennführer - Frankfurt, 
Federgew.: Küchler - Halle, 
Leichtgew.: K.Huste - SC Berlin, 
Halbweltergew.: Fröhlich - SC Berlin, 
Weltergew.: Brors - Duisburg, 
Halbmittelgew.: Knabe -Halle, 
Mittelgew.: Ulrich -Spandauer BC Berlin, 
Schwergew.: Müller -Schwerin, 
Superschwergew. Hoffmann Halle. 

Und die Ergebnisse konnten die hoch gesteckten Erwartungen erfüllen. Lutz Brors wurde Weltmeister. Silbermedaillen gewannen Fröhlich und Ulrich. Bronze sicherten sich Schulz, Brennführer, Küchler, Knabe, Müller und Hoffmann.

Ende Oktober (28.-31.10.) war der Termin für die Austragung der Deutschen Meisterschaft. Die Finalpaarungen- vom Halbfliegengew.: Sieger zuerst genannt:

Quast/Leverkusen	-	Schulz/SC Berlin	21: 13
Loch/Gera		-	Schade/Cottbus		17 : 6
Kubat/Leverkusen	-	Berg/Schwerin		K.o. 2.Rd
Tews/Schwerin		-	Hinz/Schwerin		26 : 7
Rudolph/Cottbus	-	Platzack/Cottbus	28 . 6
Zülow/Schwerin	-	Heidenreich/Leverkusen	14 : 7
Otto/Ahlen		-	Saeger/Schwerin		19 : 9
Schenk/TSC Berlin	-	Berger/Flensburg	16 : 8	
Nieroba/Ahlen		-	Schmidt/Schwerin	15 : 7
Ottke/Karlsruhe	-	Th. May/Frankfurt	21 : 7
Teuchert/Freiburg	-	Fuhrmann/Esslingen	RSC(Ü) 2. Rd.
Schnieders/Haselünne	-	Fischer/Frankfurt	19 : 11

Diese Ergebnisse zeigen: Schwerin ist trotz der vielen Veränderungen im Club immer noch der Spitzenclub, Frankfurt und Cottbus sind sehr stark. Die Berliner Boxhochburg ist nicht mehr so breit vertreten.

Der 18.-21. November war in Gera der Termin für die I.Internationalen Deutschen Meisterschaften der Junioren. Damit wurde dem hohen Anteil der Ausländer in vielen Vereinen Rechnung getragen, diente als eine Möglichkeit der weiteren Integration und stärkte den Boxsport. Den Titel: „Internationalen Deutscher Juniorenmeister“ errangen:

Baumann /TSC Berlin; Kulbe / SV Halle; Sanowski / TSC Berlin; 
Küchler/Halle; Rygala/Gera; A.Krüger/Schwerin; Gül/Leverkusen; 
Häußler/Frankfurt BC; Ulrich/TSC Berlin; Tischler /Polizei Berlin; 
Aksu/ Rosenheim; Breihahn/Greifswald. 

Diese Auflistung zeigt, der Boxverband ist mit nationalen Boxern gut aufgestellt, wenn sie durch kontinuierliche Wettkampftätigkeit gefordert und gefördert werden. Dem wirkte aber der Einkauf von ausländischen Boxern entgegen, die von der Bundesliga bis in die Vergleiche der kleinen Sportgemeinschaften hin eingesetzt werden.

Der Leistungsstand der deutschen Boxer im Weltmaßstab wurde unter Berücksichtigung des größten Sportereignisses des Jahres in der Weltrangliste der AIBA dargestellt. Sie benannte acht deutsche Boxer unter den ersten zehn in jeder Gewichtsklasse. An erster Stelle im Halbschwergew. steht T. May. Im Leichtgewicht steht Rudoph auf Platz zwei, Tews im Federgewicht auf Platz drei. Weiter sind vertreten: Otto (Platz vier) und Brors (Platz sechs), Quast (Platz sieben), Fischer (Platz sechs) und Teuchert (Platz sieben). Damit bestätigte Deutschland auch 1992 seine beachtenswerte Position im Weltboxsport.


1) Boxsport1/1992, S. 6
2) Emmerich-Initiative für Debert, Boxsport 9/1992, S. 6
3) Boxsport13/1992, S. 7
gs/o/1992.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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