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gs:o:1991

1991 - Umstellungen

Die Vereinigung der beiden unterschiedlichen Boxverbände und die Probleme zeigen sich in diesem Jahr deutlich. Den Posten des Verbandstrainer besetzt Bundestrainer Ranze. Spitzentrainer Debert amtierte als Sportdirektor und die Trainer Haubrich und Wemhöner führen gemeinsam den Nachwuchs. Durch gemeinsame Seminare werden die Ost-Vertreter in die gängige West-Struktur eingewiesen. Damit konnten aber die Probleme nicht gelöst werden, die durch den wirtschaftlichen Umbau entstanden und Auswirkungen auch auf die Stellung des Sports in der Gesellschaft und damit auf die Finanzierung hatten.

So hatte z. B. der SC Schwerin in den 35 Jahren seiner Entwicklung 20 Goldmedaillen bei Olympia, Welt- und Europameisterschaften, aber auch 83 Meistertitel in der DDR errungen. Jedoch ohne die private Unterstützung des Unternehmers Simonis, der 20 Arbeitsstellen besorgte und die Arbeit der Trainer Ramin, Timm und Röwer absicherte, hätte sich der erfolgreichste Box-Club der Welt auflösen können.

In der Boxhochburg Halle wurde der Chemiepokal wegen finanzieller Probleme abgesagt. Leere Kassen, sinkende Mitgliederzahlen, arbeitslose Übungsleiter und steigender Beitrag aber auch die Werbewirkung neuer Sportarten wirken sich aus. Anderseits wird die neu renovierte Sportstätte in Gröbers als Lagerraum ins Auge gefasst 1). Die Thüringer Boxer standen auf dem Verbandstag vor dem Problem weniger werdender Übungsleiter und dem Wechsel von Spitzensportlern in West-Vereine. Dagegen konnten in Brandenburg die Boxzentren gehalten werden, nur der Oberligavertreter Hennigsdorf musste die Arbeit im Leistungssport einstellen. Da die Angestellten des DTSB entlassen worden waren, fehlten Trainer für alle Altersklassen, sowohl im Nachwuchs- als auch im Leistungssport. Um den schlimmsten Einbruch im Leistungssport zu verhindern, erhielt der DABV für den Ost-Bereich vorerst Gelder aus dem Innenministerium um acht Ost-Trainer in den Schwerpunkten Berlin, Schwerin, Cottbus, Frankfurt und Halle einzustellen. Damit sollten folgende große Wettkampfereignisse abgesichert werden: Chemiepokal vom 6.-10-3. 91 in Halle Challenger Cup vom 09.03 in Bangkok Länderkampf gegen USA am 28. und 31.03 Europameisterschaft vom 07.-12. Mai in Göteborg Inter-Cup in Schriesheim vom 11.-14. 09. TSC Turnier vom 18.-22.09. Deutsche Meisterschaft vom 23.-26. 10. in Köln Weltmeisterschaft vom 15.-24. 11. in Sydney Bereits hier wurde die Termindichte für die Spitzenkräfte deutlich und eine intensive Vorbereitung fraglich. Denn auch die Vereine brauchten die besten Kämpfer für ihre Veranstaltungen, die nicht immer mit den nationalen Wettkämpfen abgestimmt waren. So zeigte sich bereits im März eine hohe Verletzungsrate und Ausfälle von Künzler, Prosch, Schenk, Stegemann, Saeger, Zülow und Kubat. Es gab nicht nur eine Wanderung von guten Boxern gegen Westen, sondern auch das Einfliegen von Leistungsträgern aus dem Ausland 2). Damit fehlten Gelder für die beste Vorbereitung des Nachwuchses, was langfristig eine Niveausenkung bedeutete. Um die Leistungsentwicklung zu halten, waren Regeländerungen zu beobachten. So entstand der Begriff des Vertragsamateurs 3). Das sind Boxer, die als Ausgleich für das Training eine Summe vom Verein erhalten, aber Amateure bleiben. Auch das war ein Weg, um guten Boxsportlern die weitere Ausübung des Sports zu ermöglichen, da die bisherigen Finanzunterstützungen im Osten weggefallen sind.

Die sportliche Welt schien aber in Ordnung zu sein, obwohl der Chemiepokal wegen mangelnder Meldungen abgesagt werden musste. Der Länderkampf gegen die USA erwies sich als Luftnummer, weil er keine Bestätigung des Leistungsstandes zeigte. Denn die USA reiste ohne Bantam- und Weltergewicht an und verlor mit 24:0 und im Zweitstart mit 18:2. Aber zur gleichen Zeit hatte die USA einen Länderkampf mit der UdSSR.

Sehr guter Boxsport war bei den 1. gesamtdeutschen Juniorenmeisterschaften vom 2.- 4.Mai in Hamburg zu sehen. Hier trat ein geschlossenes Achter-Feld in allen Gewichtsklassen an. Es setzten sich durch: Schmol, Bechmann, Richter, A. Schulz, Jentsch, Knabe, P.Schulze, E. Schulz, Schütz, Fischer, Breitbarth und Bussmann.

Der I. Boxhöhepunkt des Jahres, die Europameisterschaft in Göteborg, war ein großer Erfolg. Wenn auch Spitzenboxer gleich in den ersten Wettkämpfen gegen die Favoriten antreten mussten, erkämpften Ottke und Michalczewski die Goldmedaille. Silber ging an Loch, Zülow, Schmitz und Schnieders. Tews und Rudolph gewannen Bronze. Damit rangierte der DABV hinter der UdSSR und vor Bulgarien auf dem 2. Platz in Europa. Dieses Abschneiden sicherte den Medaillenträgern die Teilnahme an den Weltmeisterschaften. Hinzu kam noch für das kommende Jahr das Chemiepokalturnier, das als Qualifikationsleistung für Olympia eine Aufwertung erhielt.

Als im Mai in Kaiserslautern die Deutschen Jugendmeisterschaften starteten, waren nicht alle Landesverbände mit Sportlern vertreten. Die neuen Landesverbände stellten die Mehrzahl an Kämpfern. Die Meister:

bis 42 kg	Hamann/ Gera
bis 45 kg	Trommer/Gera
bis48 kg	Sanowski/ TSC Berlin
bis51 kg	Bachmann/Kaiserslautern
bis 54 kg	Küchler/Halle
bis 57 kg	Thormann/Schwerin
bis 60 kg	Kurzawa/Chemnitz
bis 63 kg	Laux/Saarlouis
bis 66kg	Michael/MBV Frankfurt
bis 69 kg	Rimkus/Schwerin
bis 72 kg	Frank/Frankfurt-Oder
bis 75 kg	Ulrich/Berlin-Spandau
bis 81 kg	Klauke/Neubrandenburg
über 81 kg	Tischler/Berlin Polizei-SV

Für die Aktiven im Boxsport brachte das Jahr 1991 erstmals eine „Gesamtdeutsche“ Meisterschaft. Sie fanden drei Wochen vor den Weltmeisterschaften in Sydney statt. Mit diesen Wettkämpfen war wohl ein Test zur Feststellung der aktuellen Leistungsfähigkeit möglich, aber eine gute Vorbereitung auf die Welttitelkämpfe sicher nicht (Boxsport 17/1991, S.15). Die 69. DABV Titelkämpfe oder die 1. Gesamtdeutschen Meisterschaften wurden in Köln ausgetragen. Im Finale standen sich gegenüber: (Sieger zuerst genannt -vom Halbfliegen- bis Superschwergewicht)

Stefanos /Schriesheim		-	Joos/Speyer
Quast/Leverkusen		-	Loch/Gera
Berg/Schwerin			-	Pielert/Cottbus
Tews/Schwerin			-	Hinz/Schwerin
Rudolph/Cottbus			-	Huste/Frankfurt-Oder
Heidenreich/Leverkusen		-	Kästner/Ahlen
Otto/Ahlen			-	Saeger/Schwerin
Schmitz/Schwerin		-	Schmidt/Schwerin
Ottke/Berlin			-	Nieroba/Ahlen
Th.May/Frankfurt/O		-	Lange/Schwerin
Teuchert/Freyburg		-	Monse/TSC Berlin
Schnieders/Haselünne		-	Fischer/Frankfurt/M

Die Leistungsstärke der Deutschen Amateure konnte trotz der engen Zeitplanung bis zu den Weltmeisterschaften in Sydney gehalten werden. So erkämpften der Cottbuser Rudolph im Leichtgewicht und der Frankfurter May im Halbschwergew. die Goldmedaillen. Der 2. Platz im Weltergew. ging an Otto-Frankfurt- und ein 3. Platz an Schmitz –Schwerin. Damit bestätigten die deutschen Boxer ihren hervorragenden Ausbildungsstand im Spitzenbereich des Amateursports. Waren es bis zu diesem Zeitpunkt noch vorwiegend Sportler, die über die Förderstufen des Ostens gekommen sind, deutete sich durch die Anwendung modernster Trainingsmethoden und die Möglichkeiten der Förderung ein Angleichen der sportlichen Leistungen zwischen Ost und West an.


1) Boxsport :6, 1991, S. 10ff
2) Boxsport 16/1991, S.4
3) Boxsport 13/1991, S.17
gs/o/1991.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:21 (Externe Bearbeitung)

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