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gs:o:1988

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1988 - Starke Spitze

Die Schwerpunkte des Boxsports zu nennen und zu werten fällt immer schwerer. Es gab die internationalen Meisterschaften, an der die Leistungen gemessen werden und die Turniere, die in Vorbereitung auf Höhepunkte eine Standortbestimmung ermöglichen. Aber diese hatten in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen und konnten nur zum Teil besucht werden. Dann gabt es noch den nationalen Sportkalender, der die Grundlage für die internationalen Veranstaltungen legte.

Die Senioren begannen den nationalen Vergleich und die Rangfolgekämpfe mit der Vorrunde der Oberliga vom 10.-13. Februar in Gera (mit Hennigsdorf, Halle und Dyn. Berlin) und in Schwerin (mit KG TSC Berlin/Magdeburg, ASK, Cottbus). Da jedoch nicht alle Mannschaften voll besetzt waren, gab es fast nur die Hälfte der Kämpfe in den Turnieren. Bereits hier zeichnete sich wieder ein Schweriner Sieg ab.

In Wuhan in China starteten erstmals drei DDR Boxer, nach 20 Jahres des Boxverbots in China. Während Berg mit Umstellungsschwierigkeiten zu kämpfen hatte und nicht zu gewohnter Form fand, konnten Leichtgewichtler Zülow und Halbmittelgewichtler Schmitz das Turnier gewinnen. Auch in Vorbereitung auf die Umstellungen für die Olympiade waren die Erfahrungen der 25. Dynamo-Spartakiade in Nord-Korea wichtig, wenn auch nur Schwarz im Halbweltergewicht bis in das Finale vordrang.

33 Boxer testete der DBV beim Chemiepokal 1988, um ein starkes Aufgebot für Olympia zu formen. Hinzu kamen 74 Boxer unter anderem aus der UdSSR, Kuba, Bulgarien, der BRD, Rumänien, der CSSR, Polen und der KVDR.

Die Statistik für den DDR-Verband war mit sechs Gold-, sieben Silber- und neun Bronzemedaillen genauso gut wie im Vorjahr. Die Sieger des DBV: Bantamgew. -R. Breitbarth, Federgew.- Drumm, Leichtgew.- Zülow, Halbweltergew.- Otto, Weltergew.- Mehnert und Halbmittelgew.-Schmitz. Damit war die Situation im Boxlager in Vorbereitung auf Olympia noch nicht klar. Konnte Halbfliegengew. Loch schon die internationalen Gegner besiegen? Wer von den Fliegengew. Hinz oder Tews setzt sich durch ? Im Bantamgew. war Breitbarth der Stärkste. Im Federgewicht standen Drumm und Rudolph aus Cottbus dem Schweriner Berg gegenüber. Im Leichtgew. war Zülow unangefochten. Im Halbweltergew. standen mit Otto, Trenn, Saeger und Heinemann vier Anwärter bereit. Noch keinen gleichwertigen Gegner fanden im eigenen Land Weltergewichtler S. Mehnert, im Mittelgew. Maske und im Superschwergew. Kaden. Dagegen gab es Entscheidungsmöglichkeiten im Halbmittelgew. zwischen Richter und Schmitz, im Halbschwergew. zwischen Suetovius und Ryl. Im Schwergew. standen Heydeck oder Lange bereit. So mussten die Leistungen bei Turnieren und im internen Ausscheid dann die Rangfolge bestimmen. In Kopenhagen sicherten sich alle fünf Starter den 1. Platz (Breitbarth, Zülow, Richter, Heydeck und Kaden). Finalsiege in Tampere erkämpften Heinemann und Heydeck. Dagegen gab es beim IX. Feliks -Stamm-Turnier als beste Platzierung einmal Silber durch Ladewig (TSC). In Sofia wurde Schmitz durch eine Verletzung gestoppt. Die fünf DDR-Starter in Venedig (Breitbarth, Saeger, Heinemann, Schmitz und Ryl ) blieben unter den Erwartungen. Nur Ryl schaffte es bin zum Finale. Beim „Großen Preis von Usti“ war der Verband mit 15 Aktiven vertreten (davon Spitzenboxer wie: Hinz, Drumm, Berg, Otto und Trenn).

Trainer Dietmar Schnieber mit seinem Schützling Diego Drumm vom SC Cottbus, 19 Jahre, Junioren Europameister 1986 und DDR Vizemeister 1987

Doch im Finale war nur der 19-jährige Schweriner Trenn zu finden. Beim Vergleich mit 137 Boxern aus 22 Ländern in Saint Nazaire hielten sich die sieben Starter des DBV (Zülow, Drumm, Saeger, S. Mehnert, Maske, Suetovius und Kaden) gut. Gold gewannen: Zülow und Kaden. Beim TUL-Turnier in Helsinki errangen die sieben Aktiven durch Tews, Heinemann und Schmitz Gold. Silber ging an Hinz und Trenn, ein 3. Platz ging an Ryl.

Beim mit 28 Verbänden gut besetzten Intercup-Turnier von Karlsruhe starteten: Halbfliegengew. Loch (2.Pl.), Fliegengew. Hinz (2.Pl.), Leichtgewichtler Heidenreich, Halbweltergew. Otto (1. Pl.), Halbmittelgew. Schmidt.

Beim auf den 11. bis 17. Juli vorgezogenen TSC-Turnier stellten sich 129 Boxer aus 17 Ländern vor.

Finale im Superschwergew.:Maik Heydeck -bArmando Kampuzuano-Kuba
Finale Leichtgewicht: Andreas Zülowb- Jörg Heidenreich; Ringrichter Neumann
Halbfliegengewichtler Mario Loch Spartakiadesieger und DDR Meister 1987 mit Trainer Rochel
Fliegengewicht: Heiko Hinz DDR Meister 1986 mit Trainer Ramin
Die TSC-Turniersieger von 1989: vorn, von li .nach rechts:Jan Quast, Dieter Berg Eddy Suarez, Raul Gonzales-beide Kuba, Andreas Zülow Stehend von rechts: Andreas Otto, Siegfried Mehnert, Jose Luis Hernandez-Kuba, Sven Ottke, Henry Maske, Jewgeni Sudakow-UdSSR und Maik Heydek

Für den DBV war es die letzte vorgezogene Prüfung auf dem Weg zu Olympia. Empfohlen hatte sich in der Vorbereitung Loch. Die Turniersieger Otto, S.Mehnert, Schmitz und Kaden hatten ihre Positionen gegenüber ihren sportlichen Rivalen gefestigt. Otto war die Nummer 1 nach Siegen gegen Trenn und Heinemann. Richter hatte gegen Schmitz auch Punkte eingebüßt. Ryl konnte sich wegen einer Erkrankung nicht richtig positionieren.

Bei der XXIV. Olympiade in Soul starteten 441 Boxer aus 107 Ländern. Bis auf die Kubaner waren alle Spitzenathleten vertreten. Wenn auch der DDR-Verband zwei Goldmedaillen durch Zülow und Maske und eine silberne durch Tews erkämpfte, blieb in der Berichterstattung doch immer der Nachgeschmack von Abweichungen vom olympischen Geist. So gab es klare Fehlurteile gegen Mehnert, Schmitz und Johnes (USA) und für einen Koreaner Park die Goldmedaille. Viele Gerüchte machten die Runde, aber es gab nur geringe Hinweise auf Manipulationen. (Wehr; Karl-Heinz: Zur Geschichte der AIBA, Entwurf; Das olympische Boxturnier). Das gesamte Abschneiden der Mannschaft war gut, denn Breitbarth und Drumm kamen an ihre Leistungsgrenzen. Otto scheiterte durch Verletzung und Suetovius wurde „überraschend“ in die Ecke geschickt 1).

Dieses Olympiaturnier zeigte viele Probleme auf, die vom Weltverband zu lösen waren. Dazu zählte der Einsatz der qualifiziertesten Punktrichter (einige der Punktrichter sind nach Olympia wegen ihrer Entscheidungen gesperrt worden), die Einführung der Punktmaschine, die Verbesserung der Dämmeigenschaften der Boxhandschuh ebenso wie das Begrenzen der Teilnehmerzahlen.

Erfolgreiche junge Leistungssportler dienten als Vorbild Michael Timm ehrt die Medaillengewinner der Ak15 bis 43 kg.

Die Leistungen der Olympiateilnehmer wurden durch hohe staatliche Auszeichnungen gewürdigt. Der gesamte Nachwuchsbereich erhielt große Aufmerksamkeit. In der DDR ist der Boxsport schon seit langen ein Bestandteil der Ausbildung im Schulbereich (ebenso Ringen und Judo). Dabei war die Vielseitigkeit der Ausbildung und der Erziehungsschwerpunkt besonders im Blickpunkt. Viele Schüler konnten die Leistungen der aktiven Boxer somit besser werten und sie als Vorbilder erkennen. Es gab viele Schulmeisterschaften mit vereinfachten Regeln. Gleichzeitig war der Weg zu Kinder- und Jugendsportschule für viele ein erstrebenswertes Ziel. Daraus entstand eine gute „Nachwuchspyramide“. In den Sportschulen konnte die Einheit von Bildung und Erziehung verwirklicht werden. Es gelang immer besser, sportliche Leistungen und berufliche Ausbildung bzw. die Vorbereitung auf ein Studium in Einklang zu bringen. Abstimmungen zwischen der Sportleitung und dem Ministerium sicherten die Förderung und Unterstützung auch in der Studienzeit .

Sehr zeitig sind die Kinder in der Schule auf ihre sportliche Leistungsfähigkeiten überprüft und für einzelne Sportarten auf der Grundlage vorgegebener Parameter vorgeschlagen worden. In den lokalen Trainingszentren begann dann die allgemeine Vorbereitung auf den Wettkampfsport und den Übergang zu Sportschule, wenn die sportlichen Leistungen eine erfolgreiche Laufbahn erwarten ließen.

Um ausreichend Zeit für die Vorbereitung der Junioreneuropameisterschaften in Gdansk zu gewinnen, begannen auch die Auswahlkämpfe mit den Meisterschaften sehr zeitig. Die Kämpfe der BSG-Vertreter fanden in Schwedt statt. Dabei setzten sich Federgewichtler Elsner (Ludwigsfelde) und Hanke (Babelsberg) durch. Sie sicherten sich damit die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften der AK 17 in Riesa. Zu diesem Wettkämpfern hatten 75 Teilnehmer gemeldet. Die Sieger: Platzsack - Cottbus, Quast - ASK, Sygmund - ASK, Rohde - Dyn., Elsner - Ludwigsfelde, Misgayski - TSC, Gessner - Wismut, Schenk - TSC, Doering - TSC, Kühn - Halle, Hanke - Babelsberg, Rüdiger - Halle, Gerhardt - Dynamo. Bei den 10. Junioren-Europameisterschaften vom-8.-14.August in Gdansk gab es den Titel für Beyer und Rudolph, 2. Plätze für Misgayski und Gerhardt und Bronze für Kühn und Siebert. Pech hatten die TSC-Sportler Sobecki und Schenk, die beide gegen die späteren Titelträger aus der UdSSR bereits in der Vorrunde ausscheiden mussten.

Die BSG-Bestenermittlung der AK 16 mit 39 Startern begann in Eilenburg. Die ansprechendsten Leistungen in diesen beiden Tagen boten Brauer, Schade, Mähler und Höhne. Aber die Gesamteinschätzung zeigte noch Reserven in der inhaltlichen Ausbildung. Bei der Jugendmeisterschaft in Gera trafen dann die Besten der BSG auf die Auswahl der Sportclubs zu den Meisterschaften der AK 16. 86 Aktive, darunter die 10 stärksten Kämpfer der AK 15, stellten sich dem Kampfgericht. Hervorzuheben ist Prunkl - Gera, der auch in der AK 16 als 15-jähriger siegte. Einige der Spartakiadesieger und Meister des vergangenen Jahres konnten sich durchsetzen. So unter anderem: Ochsmann - Wismut, Schwank - Schwerin, Winter - Wismut, Kleinsorg und Berger - Schwerin, Mair - Dyn., Hildebrandt - Dyn., Hülsmann - Schwerin und Kaja - TSC.

Die Wettkämpfe der AK 15 fanden für den BSG-Bereich in Limbach und für die Clubsportler in Demmin statt. Für die beste technische Leistung erhielt Kaiser (Gera) eine Auszeichnung. Als bester Kämpfer wurde Wolf (Dyn.) geehrt.

In der AK 14 ermittelten die Nord- und die Südbezirke ihre Kandidaten, die dann in Leipzig ihre Besten vorstellten. Bei den anschließenden Meisterschaften der AK 14 in Schwerin setzte sich Putschko - Wismar auch unter den Clubsportlern durch. Für herausragende Leistungen erhielten Kleinsorg - Schwerin und Weigler - Cottbus einen Preis.

In der Altersklasse 13 starteten in Graal-Müritz 185 Aktive in den 16 Gewichtsklassen. Traten hier vor allem jene jungen Boxer auf, die sich in den Trainingszentren auf die Wettkämpfe vorbereitet hatten. Nach dem Vielseitigkeitstest begannen die Wettkämpfe im Boxen. Die besten Leistungen erreichten: Weiser - Niesky, Keitel - Berlin Treptow, Mahling und Kotschmar - Schwarze Pumpe, Stammnitz - Görzig und Poller - Rostock. Gab es für die Schüler Vergleichskämpfe auf der Basis der Bezirke und der Clubs oder der Sportgemeinschaften, waren für die Junioren internationale Tests ausgeschrieben. Die Jugendwettkämpfe der Freundschaft fanden im bulgarischen Haskowo statt. Nach einer komplizierten Anreise und Tagestemperaturen von über 40 Grad fanden die Jungen noch nicht zur gewohnten Leistungsstärke. Die besten sportlichen Leistungen erreichte Weltergewichtler Bartholmeß - Halle, mit dem 1. Platz und Doering - TSC und Kaja - TSC mit 2. Plätzen. Jedoch die Leistungen der Kampfrichter reizten Trainer Zornow zum Widerspruch, weil die Urteile von Hülsmann, Hildebrandt und Doering nicht den sportlichen Kampfgeschehen entsprachen 2).


1) Boxring 12/1988, S. 3
2) Boxring 10/1988, S. 3
gs/o/1988.1290342232.txt.gz · Zuletzt geändert: 2012/09/24 12:28 (Externe Bearbeitung)

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