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gs:o:1986

1986 - Festigung der internationalen Position

Der Boxsport hatte sich in den vergangenen Jahren stark ausgebreitet, denn der AIBA gehörten nunmehr 147 Mitgliedsverbände an. An dem zum Jahresende stattfindenden Kongress beteiligten sich 99 Verbände. Sie bestätigten Entwicklungslinien zur Förderung und Ausbreitung des Amateurboxens, zur Abgrenzung gegenüber dem bezahlten Boxen und zur Beteiligung aller qualifizierten Sportler an Olympia. Für den DDR-Verband war die Wahl von K.-H. Wehr zum AIBA-Generalsekretär eine Bestätigung ihrer Spitzenposition im internationalen Boxsport.

Was brachte das Jahr an neuen Höhepunkten, wenn wir davon absehen, dass der Terminkalender die festgefügten Turniere in der DDR und die Wettkämpfe der Jugend verankerte. Doch im Blick sind die Weltmeisterschaften in Reno (USA) und die der Junioren in Bröndby (Dänemark). Eine Herausforderung war die Ausrichtung des Kongresses der Europäischen Boxföderation (EABA), denn es mussten Entscheidungen fallen, da die Anzahl der internationalen Turniere wuchs, zu denen der DBV Boxer der unterschiedlichsten Leistungsklassen schickte. Das erforderte eine weitere internationale Abstimmung. Bereits vom 4. März startete das Chemiepokalturnier, wie immer mit einer starken Besetzung von 109 Teilnehmern. Davon stellte der DBV 35 Starter. Es fehlten vor allem die Wettkämpfer aus den westlichen Ländern. Trotzdem war es ein Weltklasseturnier. Die Sieger des DBV: Breitbarth, Zülow, S. Mehnert, Maske, Suetovius und Kaden. Besonders hervorgehoben wurde die Leistung von Superschwergewichtler Kaden, der Stevenson (Kuba) besiegte. Von den Leistungsträgern fehlte Timm wegen einer Verletzung und auch andere hatten krankheitsbedingte Trainingsausfälle (Richter, Walter, Olesch), so dass nicht immer die erwartete Leistung gezeigt werden konnte. Dennoch erkämpfte der DBV die Hälfte aller zu vergebenden Medaillen.

Weniger gut verliefen die Kämpfe im Strandjata-Turnier (Bulgarien) für den DBV. Denn das fünfköpfige Aufgebot errang nur dreimal Bronze. Wobei hervorgehoben werden sollte, dass Halbweltergew. Heinemann innerhalb von 50 Sekunden drei Verwarnungen erhielt und dann disqualifiziert wurde, zum Erstaunen vieler. Bronze gab es für Leichtgewichtler Käsebier und Schwergewichtler Kempf.

Beim großen Preis von Usti (CSSR) siegte nur Kirchstein, doch die sechs Kämpfer konnten noch eine Silber und zwei 3. Plätze belegen. Anders dagegen beim II. Japan-Cup in Chiba, denn die sechs Starter standen immer auf dem Siegerplatz (Berg, Koch, S. Mehnert, Schmitz, Richter und Maske). Das mit 96 Aktiven aus 17 Ländern besetzte „Italia 86“ Turnier von Venedig hatte auch sechs Starter des DBV. Siegermedaillen erhielten Zülow, Suetovius und Kaden. Einen 2. Platz sicherte sich Lange im Halbschwergew. Die Bronzemedaille erhielt Breitbarth.

In Vorbereitung auf die IV. Weltmeisterschaften in Reno (USA)hatten sich aus dem Stamm 10 Aktive durch die Leistungen für dieses Turnier empfohlen. Dazu zählten: vom Fliegen- bis Superschwergewicht- ohne Schwergewicht)

Berg, Schwerin		103 Kämpfe	 85 Siege
Breitbarth, Schwerin	133 Kämpfe	107 Siege
Zülow, Schwerin		124 Kämpfe	 98 Siege
Koch, ASK		162 Kämpfe	130 Siege
S. Mehnert, Halle	153 Kämpfe	140 Siege
Schmitz, Schwerin	129 Kämpfe	115 Siege
Richter, Gera		181 Kämpfe	132 Siege
Maske, ASK		109 Kämpfe	 94 Siege
Suetovius, Halle	118 Kämpfe	101 Siege
Kaden, Gera		164 Kämpfe	136 Siege

Vom 18.-28.Mai fanden dann die Weltmeisterschaften mit 235 Aktiven aus 37 Ländern statt. Die Kämpfer des DBV der DDR erreichten dreimal Silber durch: Breitbarth, Richter und Maske.

Trainer Manfred Wolke mit Henry Maske

Den 3. Platz erstritten Zülow und Schmitz. Damit bewiesen die Aktiven ihr gewachsenes Können und eine Stabilität im Kampf mit den Besten der Welt mithalten zu können. Im Kommentar von Boxringberichterstatter Denz im Boxring 6/1986, S. 5 wird auf Fehlurteile (Zülow/ Nowak(Polen)/Nasarow(UdSSR) und Schmitz) verwiesen, auf die Möglichkeiten der Manipulation und die unzureichenden Rahmenbedingungen. Nach dieser Weltmeisterschaft äußerte sich der Präsident der AIBA Chowdhry (Pakistan).Er machte deutlich, dass es eine Niveauverbesserung der Kampfrichter geben muss, und dass es eine gute Perspektive für das Amateurboxen bei Olympia gibt. Er argumentierte gegen den vom IOC vorgeschlagenen Athletencod und die Möglichkeit der Einflussnahme durch den Berufssport auf das olympische Boxen 1).

Wenn es um die Junioren ging, dann interessierten vor allem jene Aktive, die in den kommenden Jahren die Spitze bilden sollten. Die Kämpfer der Bestenermittlung bestimmten wohl das Niveau der Betriebsportgemeinschaften, jedoch ist hier bereits ein Riss zu den Leistungen der Clubsportler zu erkennen.

An der Bestenermittlung in Erfurt beteiligten sich nur 40 Aktive aus den 12 Bezirken. Das zeigt, wie dünne die Decke der nicht im Leistungssport erfassten Boxer in den Bezirken war. Die besten Leistungen demonstrierten: Federgewichtler Jahn (Ilmenau), Leichtgewichtler Grosser (Halle-Neustadt), Halbweltergewichtler Klüglich (Berlin) und Mittelgewichtler Schlegel (Halle-Neustadt).

Mit den Siegern der Bestenermittlung und den Nachwuchs der Sportclubs bewarben sich 77 Aktive um den Meistertitel in der AK 17 im Kulturhaus in Unterwellenborn. Erneut dominierten die Schweriner, doch nicht mehr so stark wie in den vergangenen Jahren. Cottbus hatte aufgeholt und Gera war mit einigen starken Kämpfern nicht vertreten. Dennoch wurde deutlich, dass es in den oberen Gewichtsklassen an Bewerbern fehlte. Die Meisterschaft gewannen: Grüning - TSC Berlin, R.Schmidt - Schwerin, Steinmetz - Halle, Rudolph - Cottbus, Drumm - Cottbus, Trenn - Schwerin, Zelinka - Cottbus, Wolter - Schwerin, Ladewig - TSC Berlin, Nesemann - Dyn. Berlin, Schulz - ASK, Beckström - Schwerin und Packheiser ASK. In der Altersklasse 16 kämpften die „Besten“ in Karl-Marx-Stadt und um die Meisterschaft in dieser Altersklasse hatte sich Grevesmühlen beworben.

Die herausragendsten Leistungen in der Bestenermittlung der AK 16 in Karl-Marx-Stadt demonstrierten: Kwiatkowski -51 kg / Karl-Marx-Stadt, Hübner -60 kg/ Oelsnitz/Vogtl. und Wowra -67 kg-Erfurt . In der Meisterschaft der AK 16 in Grevesmühlen konnten wir 75 Aktive sehen, die sich um die 13 Titel bewarben. Als stärkste Vertretung erwies sich Berlin, die mit 18 Startern 12 Medaillen sicherte (5x Gold, 5 x Silber, 2 x Bronze). Die gute Ausbildung in der BSG Köthen und Sangerhausen konnte mit Silber belohnt werden. Dritte Plätze gingen an Olesnitz/Vogtl. und Saalfeld. Die Meister: Loch -Gera, Protschko -ASK, Hinz -Schwerin, Wutzke -ASK, Schenk -TSC Berlin, Rostek -Dynamo. Berlin, Weck -Schwerin, Zelinka -Cottbus, Oberschorfheide -TSC Berlin, Liebing -TSC Berlin, Zimmermann -Gera, Grade -TSC Berlin und Packheiser -ASK. Einige Meister hatten an den Titelkämpfen in der Altersklasse 17 teilgenommen und gewonnen.

In Kirchmöser, einer kleinen Stadt im Bezirk Potsdam, kämpften die 55 Starter um die Bestenermittlung in der AK 15. An dieser Veranstaltung beteiligten sich Sportler aus allen Bezirken. Am erfolgreichsten waren die Sportvereine von Dynamo Leipzig und Fortschritt Burg.

Die Meisterschaften der AK 15, die in Schwerin und der Umgebung stattfanden,lernten wir erstmals Namen kennen, die auch später Boxgeschichte schrieben. So kämpfte im Gewicht bis 39 kg M.Beyer gegen R. Friese erfolgreich. Doch auch Schenk, Sobecki und Neutzel erhielten Siegerurkunden.

37 Kämpfe waren notwendig, um die Sieger der Bestenermittlung der AK 14 in Gröditz zu finden, denn in den Gewichtsklassen 33 und 37 kg gab es nur eine Meldung. Aus der Anzahl der gemeldeten Kämpfer verdienten sich Heym -Wittenberg und Torbeck -Greifswald die besten Noten. Zu den Meisterschaften der AK 14, ausgetragen im Kreis Sangerhausen, hatten 113 Starter gemeldet. Aus dem Kreis der erfolgreichsten Boxsportler hoben sich noch F. Huste - 43 kg - SSG Berlin, Torbeck - 51 kg - Greifswald und Landwehr - 60 kg- Nordhausen heraus.

180 Boxer der Altersklasse 13 bewarben sich in 16 Gewichtsklassen in Graal-Müritz um den Titel, denn er war eine gute Empfehlung für die Aufnahme in die Sportschulen. Doch hier zeigte sich deutlich, welche Bezirke und welche Sportgemeinschaften besonders gut mit den Kindern gearbeitet hatten. Den 1. Platz errang Halle vor Rostock, Leipzig und Cottbus. Als beste Sportgemeinschaften stellten sich Einheit Wittenberge und Lok Greifswald vor Motor Ammendorf vor.

Snolnok, eine kleine ungarische Stadt war der Austragungsort der XXII. Jugendwettkämpfe der Freundschaft mit 80 Aktiven aus neun Ländern (Kuba, UdSSR, DDR, Korea, Bulgarien, Ungarn, Rumänien, Mongolei, C`SSR). Die Starter dieser Länder verkörperten einen Teil de Weltspitze. Erstmalig war die Altersgrenze auf die Vollendung des 17. Lebensjahres gerichtet (bisher 18). Die zehn Athleten des DBV errangen 2 Gold-, eine Silber- und 4 Bronzemedaillen. Der Sieger im Federgewicht Drumm kam aus Cottbus und der Mittelgewichtler Eigenbrodt vom ASK. Doch auch Verlierer (Liebung und Elsner) erhielten vom Verbandstrainer Haubrich nach dem Ausscheiden gegen Spitzenathleten ein Lob. Auch beim Juniorenturnier in Florenz konnten mit Trenn - Schwerin, Zelinke - Cottbus und Packheiser - ASK die Boxer gewinnen, die sich durch taktisch-technisches Können, eine ausgezeichnete Kondition und eine gute Kampfeinstellung auszeichneten.

Der Erfolgskurs hielt auch weiter an, wenn sich die Medaillen bei der IX. Junioren-Europameisterschaft in Brandby, einen kleinen Ort unweit von Kopenhagen auch auf 12 Länder verteilten. Für den DBV erkämpften Drumm und A. Schulz den Europameistertitel. Im Fliegengewicht unterlag nach einem 3:2 Urteil Tews den UdSSR Boxer Golojan . Auch Trenn -Leichtgew. und Teiche -Halbweltergew., Wolter -Weltergew. und Mittelgewichtler Nesemann konnten einen 2. Platz erringen. Damit bestätigte der DBV seinen vorderen Platz in der europäischen Boxsportspitze.

Wie bereits in den vorausgegangenen Jahren war auch das XXII. Berliner Turnier vom 1. bis 7. Oktober wieder eine Veranstaltung für 20 nationale Verbände. Erstmals wurde der 3. Platz ausgekämpft. Für die 32 Boxer des DBV war der Start gegen die 101 Wettkämpfer aus anderen Ländern, mit vielen Medaillengewinnern von Kontinental- und Weltmeisterschaften, aber auch Olympiateilnehmern, ein Prüfstein für den gegenwärtigen Stand. Und es gab mit acht ersten, sieben zweiten und drei dritten Plätzen die beste Bilanz in der Turniergeschichte. Hinzugefügt werden sollte noch, dass mit Rauschning, Schmitz und Kaden starke Boxer nicht eingesetzt waren. Die Siege in den einzelnen Gewichtsklassen gingen an (nur DBV genannt): Berg, Zülow, Heinemann, S. Mehnert, Richter, Maske, Ryl und Heydeck.

S. Mehnert-Weltergew. Mit Trainer H.-JürgenWitte
D. Berg-Fliegengew.mit Trainer Fritz Sdunek
Enrico Richter mit Trainer Rudolf Rochel
Sieger Halbwelter. 1.Jan Heinemann, 2.Wilko Saeger, 3. Antholz Mwamba-Sambia- 4. Ingo Benske

Nach dem Berliner Turnier starteten 33 Aktive bei neun internationalen Turnieren (u.a.: in Warschau, Tampere, Ulan-Bator, Saloniki, Eger, Wien, Amsterdam und Dänemark). Sie errangen dabei 19 erste, sowie je sechs zweite und dritte Plätze. Damit wiesen sie ihr internationales Format nach.

Höhepunkt zum Jahresende war die XXXVIII. DDR- Einzelmeisterschaften vom 2.-7. Dezember, wie bei vielen Boxvergleichen wieder im Schweriner Land. 97 Meisterschaftsteilnehmer - davon allein 20 aus Schwerin- bewarben sich um die Meistermedaillen. Darunter befanden sich 26 Boxer aus den BSG, die fünf Medaillen gewannen. Die Ergebnisse der Finalkämpfe lauteten: (vom Halbfliegen- bis Superschwergewicht)

Hinz - Schwerin	 	Schmidt		- Schwerin	5:0
Berg - Schwerin		Tews		- Schwerin	4:1
Breitbarth - Schwerin	Kirchstein	- Dyn.Berlin	5:0
Zülow - Schwerin	 Rauschning	- Gera		5:0
Koch - ASK		Hohn		- Schwerin	5:0
Saeger - Schwerin	Upplegger	- Schwerin	5:0
S. Mehnert - Halle	W.Schmidt	- Schwerin	5:0
Richter - Gera		M.Olesch	- Halle		5:0
Maske - ASK		Koudele		- Halle		5:0
Suetovius - Halle	Ryl		- TSC Berlin	3:2
Lange - Schwerin	Heydeck		- Dyn.Berlin	5:0
Kaden - Gera		Philipp		- Hennigsd.	RSC

1) Boxsport 7/1986, S.12
gs/o/1986.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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