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gs:o:1985

1985 - Fünf Europameister

Die Boxhöhepunkte des Jahres waren für alle Alters- und Leistungsklassen ausgeschrieben. Die Spartakiade für den Nachwuchs, das Turnier der Bauschaffenden in Karl-Marx-Stadt für Leistungs- und Breitensport, die festgeschriebenen Turniere von Neubrandenburg, Halle und Berlin für den Leistungssport, die Junioren-Weltmeisterschaften, die Budapester Europameisterschaften bis hin zum Weltpokal geben ein Bild von der Breite der Veranstaltungen.

Das Boxjahr begann mit den Oberligavorrunden in Berlin und Halle als Turnier. Trafen in Berlin Schwerin, SC Dynamo, Hennigsdorf und nur sechs Starter des TSC aufeinander, so waren es in Halle der SC Chemie, der ASK, der SC Cottbus. Die Sieger in diesen beiden Turnieren waren auch die Spitzen im vergangenen Jahr. Aber es gab auch Überraschungen. So gewann der junge Koudele gegen Maske. Es folgte dann das Turnier um den Pokal der Stadt Wittenberg als ein Vergleich nationaler und internationaler Vertreter. Es siegten unter anderem: Gehlhaar -Hennigsdorf, Fliegengewichtler Fried -Halle, Bantamgewichtler Sackers -Schwerin aber auch Mittelgewichtler Schween - Schwerin. Bei dem folgenden VI. Metallurgenturnier in Hennigsdorf testeten die Oberligavertreter ihre Spitzen mit ausländischer Konkurrenz aus Rumänien und Polen.

Das XV. Neubrandenburger Nachwuchsturnier führte 73 Aktive – davon 38 vom DBV- zusammen, als ein Test für die Juniorenmeisterschaften und die Vorbereitungen für die kommenden Jahre. Die Sieger des DBV:

Bantamgew. Guder -SC Cottbus; 
Federgew. Trenn -Schwerin; 
Weltergew. Stange-Neubrandenburg; 
Mittelgew. Nesemann-SC Dynamo; 
Halbschwergew. Monse -TSC
Schwergew. Markert -SG Wismut. 

Ab Februar bestimmten Turniere die Boxwelt: Belgrad- drei Starter – drei Siege (Hunger, Koudele, Kaden) Pernik-Bulgarien: 10 Starter -10 Medaillen. Siege für Kaese, Suetovius, Philipp Gdansk-Polen: Sieger: Schreyer, Th. Schulz, Kondratkow, Balnuweit, Philipp

Mitten hinein in die Turnierzeit erfolgte die Berufung für die Nationalmannschaft durch den Vizepräsidenten Gleißner: Berufen wurden: Breitbarth-Schwerin, Käsebier -Dyn. Berlin, Berg, Knuth-Schwerin, Kirchstein, Prosch -Dyn. Berlin, Zülow -Schwerin, Rauschning -Gera, Koch, Stachewitcz,Benske, Krüger –ASK, S. Mehnert -Halle, Schmitz -Schwerin, Strümpel -Dyn. Berlin, Timm -Schwerin, Richter -Gera, Hunger -Halle, Maske -ASK, Walter -TSC, Koudele, Suetovius, Philipp -Halle, Balnuweit, Kaden -Gera. Damit standen dem DBV zwei Staffeln mit fast gleicher Leistungsstärke zur Verfügung.

Die boxbegeisterte Stadt Aschersleben war der Austragungsort für die XXXV. Juniorenmeisterschaften. Bis zu den Halbfinalkämpfen gab es noch ein starkes Leistungsgefälle, sowohl unter den Kämpfern als auch unter den Clubs. Die Schweriner sicherten sich neun Titel, der TSC hatte mit Ryl nur einen und der ASK blieb ohne Titelgewinner. Das zeigte im Juniorenbereich ein sehr unterschiedliches Bild in der Arbeit mit dem Nachwuchs. Dieses Bild änderte sich auch nicht mit den Wettkämpfen zur Juniorenbestenermittllung in Karl-Marx-Stadt. Die Auszeichnung für den besten Techniker erhielt Mathiske -EAB 47 Berlin und Holtapfel -Erfurt die für den „Besten Kämpfer“.

Die Jugendmeisterschaften der AK 16 sahen 90 Starter im Ring in Schwerin, Neustadt-Glewe und Rehna. Hier konnte der Schweriner Sportklub mit 16 Teilnehmern 12 Medaillen erringen und demonstrierte auch in dieser Altersklasse seinen führende Position. Wieder dominierten die Vertreter der Sportklubs. Die Vertreter der BSG erkämpften einmal Silber (Halle) und sonst nur Bronzemedaillen. Hier fanden wir bereits Namen, die einmal mit entscheidend deutsche Boxgeschichte schreiben. Dazu zählen Tews und der spätere ASK Sportler Schulz.

Die Ilmenauer Sporthalle war der Austragungsort für die 48 Teilnehmer der Bestenermittlung der AK 16. In diesen Wettkämpfen glänzten einige Sportler durch sehr gute Leistungen, insbesondere: Schramm -Gotha, Lanz -Eisleben, Dreßler -Rudolstadt, Kupla -Görzig, aber auch Schade -Niesky und Heise -Nordhausen.

Die Bestenermittlung der Altersklasse 15 in der Magdeburger Dynamo-Sporthalle vereinte 57 Aktive. Sie kämpften um den Titel und um die Teilnahmeberechtigung für die DDR-Meisterschaft. Die Ergebnisse: (Papiergewicht A bis Schwergewicht) Rang -Gera, Fischer -Rostock, Mundt -Schwerin, Romberg -Rostock, Diecke -Halle, Lehsten -Leipzig, König -Berlin, Grodon -Frankfurt, Wallat -Magdeburg, Gödecke -Berlin, Teubner -Schwerin, Born -Gera, Wolst -Berlin, Neumann -Cottbus, Lorenz -Schwerin. Die Altersklasse 15 kürte unter 107 Teilnehmern ihre Meister in Weißwasser. Die Starter der Bestenermittlung konnten sich hier nicht durchsetzen. So verlor der Berliner Halbweltergewichtler Gödecke gegen Th. May -ASK und dieser dann im Finale gegen Zilinka -SC Cottbus. Doch auch in dieser Siegerliste fanden wir bereits weitere Namen, die später mit Titelseiten füllen (Rudolph, Rosteck, Koch und Hanke).

Vom 26.-31. März sollten beim Chemiepokal in Halle die Vorentscheidungen für die Teilnahme der DBV-Boxer an der Europameisterschaft in Budapest fallen. Und sie sind gefallen, denn bei diesem Turnier mit 121 Aktiven waren unter anderem auch die kubanischen Spitzenathleten vertreten. Von den 36 gestarteten Kämpfern (bis auf die verletzten Kaden-Superschwer- und den Halbweltergewichtler Benske waren die Spitzenboxer vertreten) des DBV kamen 24 auf die Medaillenränge. Die Sieger des DBV in diesem Turnier waren: Berg, Kirchstein, Timm, Maske und Suetovius. Dabei gab es auch hochklassige Endkämpfe der DBV-Boxer untereinander. So der Kampf der beiden Rechtsausleger Timm gegen Hunger, der mit 3:2 für Timm gewertet wurde, oder der Sieg von Maske gegen Koudele und Suetovius gegen Strümpel. Erstmalig eingebunden in ein Boxturnier war ein wissenschaftliches Symposium zu den persönlichkeitsbildenden Potenzen des Amateurboxens. Deutlich hervorgehoben wurde, dass olympisches erfolgreiches Boxen moralische Qualitäten und psychische Eigenschaften herausbildet und ausprägt, die über den Boxsport hinaus wirken.

Die XXVI. Europameisterschaften in Budapest brachte den DBV Boxern eine Spitzenposition in Europa, denn erstmalig konnten sie den „Johannes-Hofmann-Cup“ für die beste Landesvertretung in Empfang nehmen. Vorausgegangen waren die Europameistertitel für: Breitbarth, Berg, Timm, Mehnert und Maske. Hinzu kam noch die Silbermedaille für Koch und die Auszeichnung für Mehnert mit dem Denissow-Cup für den „Besten Boxer“. Einige Entscheidung blieb trotzdem umstritten, zum Beispiel die Urteile Bott (BRD) gegen Suetovius (DDR). 1)

Der mit den Titelkämpfen verbundene Kongress des Europäischen Boxverbandes (EABA) bestätigte für das Jahr 1986 44 internationale Turniere. In der DDR waren es die Turniere von Berlin, Halle und das Schweriner Juniorenturnier. Doch auch Regelveränderungen gab es wieder. So wurde die Jury, die bei 3:2 Urteilen das Ergebnis revidieren konnte, teilweise wieder abgeschafft.

Die DDR hatte mit der Spartakiade im Boxen mit 496 Teilnehmern eine größer Breite als die Olympischen Spiele. Es war die größte boxsportliche Veranstaltung der DDR, geleitet von 184 Mitarbeitern. So wurde bis zum Halbfinale in drei Ringen in der Spielhalle des Berliner TSC geboxt. Gewertet wurden nicht nur die Leistungen der Kämpfer, sondern auch festgehalten, aus welchem Bezirk und aus welchen Club die Kämpfer stammen. Aus der umfangreichen Liste der internationalen Ehrengäste und der lokalen und politischen Prominenz lässt sich die hohe Wertschätzung ablesen.

In der Altersklasse 13 war eine ausgeprägte Leistungsbereitschaft vorhanden, die teilweise die technische Ausbildung verdeckte. Sehr gute Leistungen gab es in den mittleren Gewichtsklassen, während in den leichteren und schwereren noch starke Leitungsunterschiede auftraten. Besondere Beachtung fanden die Leistungen von Marco Barucker (33 kg von Motor Zerbst) und Henry Querengässner (51 kg von Lok Halle). In der Altersklasse 14 fielen die Boxer auf, die es verstanden hatten, ihre athletischen Voraussetzungen und ihre individuelle taktisch-technische Kampfesweise zu verbinden. So gelang es auch zwei Boxern aus dem BSG Bereich (Patzig Empor Magdeburg, 41 kg und König Fortschritt Burg, 67 kg) die Klubsportler von der Leistungsspitze zu verdrängen und Spartakiadegold zu holen. Aber auch ein Marcus Beyer sicherte sich eine Goldmedaille.

Zur Ak 15 schrieb P. Thomas im Boxsport dass die Athleten sich „mit beispielgebenden boxerischen Niveau“ 2) darstellten. Zu den Besten zählten: Fischer, Hinz, Haupt, Rudolph und Zimmermann.

Die Leistungsstabilität in der AK 16 zeigte sich darin, dass die Meister dieses Jahrganges auch in der Spartakiade die vorderen Plätze belegten (Schmidt, Tews, Dietrich, Wolter, Beckström, Schiller und Vizemeister Ruhe). Die AK 17 verzeichnete 72 Teilnehmer, doch fünf starteten in der gleichen Zeit bei den Jugendwettkämpfen der Freundschaft und sieben bei der Juniorenweltmeisterschaft. Trotzdem bestätigte Verbandstrainer Debert den Startern ein gutes Niveau. Besonders gutes boxerisches Können bescheinigte er Seeger (Schwerin), Heidenreich (Halle) und Schimanski (Schwerin).

Die XXI. Jugendwettkämpfe der Freundschaft in Ulan Bator sah zehn DDR Boxer am Start, die neun Medaillen erkämpften. Gold ging an Trenn - Schwerin, Silber an A.Schulz - ASK, Schmidt und Ladewig - beide TSC Berlin. Bronzemedaillen errangen: Teiche - TSC, Kortstock, Nesemann - beide Dyn. Berlin, Neumann - Halle und Markert - Gera. Es hätte noch besser kommen können, denn die Kampfrichterurteile benachteiligten in den Kämpfen von Teiche und Kortstock und bei A.Schulz die DBV-Athleten.

Bei den III. Junioren-Weltmeisterschaften, vom 1.-8. September in Bukarest, starteten 198 Boxer aus 29 Ländern. Erstmalig nahmen die DDR-Junioren an einer Weltmeisterschaft mit 11 Startern teil. Weltmeistertitel errangen Teiche und Saeger. Bronzemedaillen gab es für Gittner, Heidenreich, Lange und Petzold. Krause von Schwerin konnte wegen einer Erkrankung nicht starten. Mit einer Rekordbeteiligung von 128 Aktiven begann das XVI. Boxturnier von Berlin. Der DBV setzte bei diesem Wettkampf 36 Aktive ein. Für viele war dieses Turnier der Höhepunkt vor den Meisterschaften, aber für die Starter des Weltcups (Berg, Koch, Mehnert, Timm und Maske) war es eine Standortbestimmung, denn sie starteten aus dem vollen Training heraus.

Vorn die drei Boxer aus KDVR, Pek En Nam-Halbfliegengew,-Dson Kaug Mo-Fliegengew.-und Kim Myong-Chen -Federgew.-, Klaus Dieter Kirchstein-Bantamgew. -2.von l.- und Andreas Brunnert -Halbwelter . Rechts- Stehend v.l.n.r.:D.Boligusow-UdSSR- Mittelgew., Michael Timm-Halbmittelgew.-Renne Ryl-Halbschwer-Siegfreid Mehnert-Welter, Torsten Koch-Leicht, Teofilo Stevenson-Kuba/Superschwer und Peter Philipp Schwergew.

Die Sieger des DBV: Bantamgew. - Kirchstein; Leichtgew. - Koch; Halbweltergew.- Brunnert; Weltergew.- S.Mehnert, der Schmitz besiegte; Halbschwer - Ryl, der den Meister Suetovius knapp geschlagen hat; Schwer - P.Philipp.

Hervorzuheben ist der Sieg Stevensons - Kuba- (der bereits von 14 Jahren den ersten Turniersieg erkämpfte) über Kaden (DBV).

Der Weltcup vom 1.- 6.Nov. in Seoul vereinte in Form von Kontinentalmannschaften 85 Aktive aus 19 Ländern. Sechs Boxer der UdSSR, fünf der DDR und einer aus Jugoslawien bildeten das Europateam. Koch und Maske wurden Weltcupsieger, Berg und Mehnert errangen den 2. Platz, Rang drei gab es für Timm. Die Mannschaft Europa erkämpfte den Gesamtsieg und erwarb damit das Recht, beim nächsten Cup mit zwei Mannschaften an den Start zu gehen. Verbunden mit dem Weltcup tagte das Exekutivbüro der AIBA. Es beschäftigte sich unter anderem mit Fragen von Olympia 1988, wo in zwei Ringen gleichzeitig geboxt werden sollte. Über den Antrag der Amerikaner, den Beginn auf fernsehträchtige Zeiten (in den USA) festzulegen, wurde beraten. Aber auch die Auswechslung des Begriffes „Amateurboxweltmeisterschaft“ zur Formulierung: „Offene Weltmeisterschaften“ wurden diskutiert. (Steht doch dahinter der Antrag für die Zulassung der Berufsboxer.)

Nach dem Länderkampf gegen England (22:2 gewonnen), folgten viele internationale Turniere. So die SKDA Wettkämpfe in Bydgoszcz, bei dem nur ein 3.Platz durch Th. Koch erreicht wurde. Ein Dreiländerturnier in Nord-Korea (Gastgeber Nord-Korea, Mongolische Volksrepublik und DDR) endete mit Siegen für die DBV-Kämpfer: Benske, Maske, Koudele und Kaden. Das Pressefest der Wiener „Volksstimme“ ehrte Sieger Kaden. 2. Plätze gab es für Stranz und P.Philipp. Weiter erfolgreich bleiben die Boxsportler beim XXI. Prochazka Turnier in Ostrava. Der Cottbusser Brand erkämpfte den 1. Platz und 3. Plätze gab es für Guder (Cottbus) und Steinbrecher (Hennigsdorf).

Die XVI. DDR-Studentenmeisterschaften, jedes Jahr an einer anderen Universität ausgetragen organisiere die Humboldt-Universität (HUB) in Berlin. Wie in den vergangen fünf Jahren waren auch hier wieder die Sportstudenten der DHfK aus Leipzig die erfolgreichsten Kämpfer. Die Meister ab Leichtgewicht: Eckhard (HUB), Haddenbrock (DHfK), Glagowski (Fachschule Binnenhandel), Mommert, Bernau ( beide DHfK), Orgel (HUB), Schumann (Institut f. Verkehrswesen), Mommerz (DHfK).

Hervorragend organisierte Veranstaltungen sahen Aktive und Zuschauer bei der XI. DDR-Bestenermittlung in Köthen. Die 64 Wettkämpfer hatten unterschiedliche boxerische Klasse. So war es der verantwortlichen Tätigkeit der Kampfrichter und der Sekundanten in den Ecken zu verdanken, dass mehr als die Hälfte der Kämpfe zum Schutz der Kämpfer vorzeitig endeten. Die Sieger: Steinbrück-Schöneweide/Berlin, Werner-Hennigsdorf, Wille-Magdeburg, Eichhorn-Magdeburg, Balzuweit-Wittenberge, Hain-SchwarzePumpe, Steinbrecher-Hennigsdorf, Stoll-Hennigsdorf, Bierbaum-Schwedt, Gebauer-Magdeburg, Monse- 17 Jahre -Magdeburg, L.Philipp-Henningsdorf.

Höhepunkt zum Jahresende waren die XXXVII DDR-Meisterschaften im Bezirk Rostock. Wie im vergangenen Jahr starteten 108 Boxer. Von den Spitzenboxern fehlten: Krause, Timm, S.Mehnert, Teiche, Saeger und Trenn. In spannenden und boxerisch hochklassigen Kämpfen konnten sich die Meister des vergangenen Jahres: Berg, Kirchstein, Zülow, Th. Schmitz, Suetovius und Kaden wieder durchsetzen. Maske sicherte sich den Titel nach 1983 erneut. Und zum ersten Mal erkämpften sich den Deutschen Meister-Titel: Tews, Koch, Brand, Richter und Lange.

Mit der Wahl des „Boxer des Jahres“ ging ein erfolgreiches Sportjahr zu Ende. In der Öffentlichkeit waren die Bilder von den besten Boxern des Jahres geprägt, von Maske -ASK Frankfurt/Oder, S. Mehnert -SC Chemie Halle, Timm -SC Traktor Schwerin, T. Koch -ASK Frankfurt/Oder, Berg -SC Traktor Schwerin und Kirchstein -SC Dynamo Berlin.


1) Boxsport 7/1985, S. 6
2) Boxsport 9/1985, S. 9
gs/o/1985.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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