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gs:o:1984

1984 - Schutzbestimmungen

Das Programm für den Boxsport 1984 war so umfangreich, wie das der vorausgegangenen Jahre. Die Termine hatten sich verändert und die Anforderungen steigerten sich. Aber auch die Kritik am Boxsport wurde größer und verlangte Korrekturen, die sich in unterschiedliche Richtungen bewegten. So ging es um die Gesundheit der Boxer, die durch Zahn- und Kopfschutz besser vor Verletzungen geschützt werden sollten. Besonders die Einführung eines Kopfschutzes führte in der AIBA zu Auseinandersetzungen. Eine amerikanische Firma wollte sich ein Monopol für die Produktion sichern, obwohl noch keine wissenschaftlichen Untersuchungen vorlagen. Es folgte die Zeit, in der ein Kopfschutz getragen werden konnte, denn das Material des Kopfschutzes fing durch die Elastizität einen Teil der Schlaghärte ab. Somit war der k.o., von dem die Gefahr der Hirnschäden ausgehen könnte, weitgehend eingeschränkt. Aber die Zahl der Treffer an den Kopf stieg, da sie von den Kämpfern nicht mehr als so gefährlich bewertet wurden. Aber ein Großteil von Verletzungen im Gesicht war damit gebannt. Dafür sahen die Zuschauer kaum noch Regungen im Gesicht der Kämpfer, da der Kopfschutz alles verdeckte. Das erforderte ein Nachdenken über eine andere Technik. Auch die Boxhandschuhe unterlagen Experimenten. Sie sollten eine schlagdämmende Wirkung haben. Doch die Versuche dazu liefen noch und so wurde nach Möglichkeiten gesucht, das Gewicht der Handschuhe (Polsterung) in den schwereren Gewichtsklassen zu erhöhen.

Über die erzieherischen Funktionen des Boxens wurde geforscht, erprobt. In der Resozialisierung von Strafgefangenen fand der Boxsport Eingang. Auch im Schulsport einiger Länder sollten die Potenzen des Boxsports genutzt werden, doch darüber gab es sehr auseinander gehende Ansichten. Im Schulsport der DDR konnten die erzieherischen Inhalte des Boxsports gut genutzt werden, denn die meisten Sportlehrer hatten in der Ausbildung eine Boxlehrgang durchlaufen. Gleichzeitig erfolgte sehr deutlich eine Abgrenzung vom Berufssport. Das machte auch Professor Hans Grebe in seinem Buch: “Die bösen Boxer“ deutlich.

Da es im internationalen Boxsport bedingt durch die differenzierten Regelauslegungen und auch das Wissen der Kampfrichter über das Bewerten des Boxens immer wieder Fehlentscheidungen gab, wurde das Kampfgericht durch eine übergeordnete Instanz, die Jury erweitert. Ihr oblag ein endgültiges Urteil über die Boxbewertung eines jeden einzelnen Kampfes. Es gab somit bei internationalen Veranstaltungen „zwei Kampfgerichte“.

Der VII.Verbandstag des DBV in Leipzig reagierte unter der Leitung von Präsident Prof. Schwidtmann und Generalsekretär Dr. Schan auf diese Entwicklungen mit den Veränderungen der Wettkampfbestimmungen.

Die sportlichen Wettkämpfe begannen mit den Turnieren für die Junioren. Die erste Prüfung des Leistungsstandes erfolgte beim XII. Internationalen Schweriner Turnier. 94 Boxer aus 14 Verbänden, davon 25 Vertreter des DBV traten an. Diese erkämpften 7 Gold, 6 Silber und achtmalmal Bronze. Die Sieger:

Fliegengew.: Berg, 
Federgew.: Wiegrefe, 
Leichtgew.: Saeger, 
Halbweltergew..:W. Schmidt, 
Mittelgew.: Ryl, 
Halbschwergew.: 
Ebeling, 
Schwergew.: Petzold. 

Fünf Starter (Gittner, Muß, Lange, Markert, Teske) schickte der DBV zum III: „Italia 1984“ nach Sassari (Sardinien). Dabei errangen im Feld der 51 Starter Gittner und Muß Goldmedaillen. 3. Plätze gab es für Halbmittelgewichtler Lange und Schwergewichtler Markert.

Das XIII. Chemiepokalturnier 1984 in Halle sah 120 Aktive aus 15 Ländern am Start. Es war eines der am stärksten besetzten Turniere, im Vergleich zu den Vorjahren. Der DBV setzte 35 Aktive zur Leistungsüberprüfung für Olympia und andere internationale Vergleiche ein. Der DBV errangen in diesem Turnier sechs Gold-, acht Silber- und elf Bronzemedaillen. Die Sieger:

Knuth - Fliegengew., 
Zülow - Bantamgew., 
Koch - Leichtgew., 
Schmitz - Weltergew., 
Timm - Halbmittelgew. 
Maske - Mittelgewicht. 

Im Finale nicht angetreten war Geilich, wegen einer Nasenverletzung. Aber auch Spitzenleistungen zeigten Kirchstein, S. Mehnert und Kaden.

Der Sieg bei den Meisterschaften der Altersklasse 17 bildete eine Voraussetzung, um in die Nationalstaffel des Nachwuchses berufen zu werden. Deshalb fanden die Titelkämpfe, kurzfristig nach Wismar verlegt, besondere Beachtung. Dass Schwerin die Hochburg des Boxens war, bestätigten die 11 Finalteilnehmer (von 26). Sieben von ihnen gewannen auch das Finale:

W.-D.Schmidt, Breitbart, Berg, Berndt, Wiegrefe, Saeger, und Sobecki. 
Hinzu kamen Wolf und Petzold von der SG Wismut Gera, Ryl und 
Kling vom TSC und Clausnitzer vom SC Cottbus. 

Die Bestenermittlung führte in Riesa 49 Boxer zusammen. Der Gastgeber gewann auch einen ersten und zwei dritte Plätze und gehörte mit zu den erfolgreichsten Sektionen. Den Titel: „Bester Boxer „ erkämpfte der Riesaer Bantamgewichtler Seidel. Gewürdigt werden konnte die beste kämpferische Leistung von Laub aus Karl-Marx-Stadt.

Die letzte Überprüfung der Junioren erfolgte in einem Länderkampf gegen Ungarn (22:2 und im Zweitstart 12:8). Bei den VIII. Europameisterschaften in Tampere, im Vergleich mit 116 Boxern aus 19 Verbänden, bestätigten sie die gewachsene Leistungsfähigkeit. Gold ging an Breitbarth, Berg, Schmidt und Ryl, Silber an Petzold und Ebeling. Die Bronzemedaille erkämpfte Kling. Dabei ist hervorzuheben, dass Wiegrefe durch eine Augenbrauenverletzung ausschied und Leichtgewichtler Saeger bei den Punkturteilen nicht korrekt bewertet wurde 1).

Die XX. Jugendmeisterschaften in der AK 16, organisiert vom Bezirksfachausschuss (BFA) Gera führte 76 Aktive zusammen (davon 54 aus den sieben Sportclubs). Die Meister:

Stegemann, Seeger, W.-D.Schmmidt, Fried, Trenn, Haubold, Großer, 
Teiche, Wolter, Schaminski, Koudele, Monse, Wetel und Thiel. 

Dagegen fanden sich im Kulturhaus in Lauchammer die „Besten „ 50 Sportler aus den Sportgemeinschaften aus 13 Bezirken ein. Den Titel in der Bestenermittlung errangen:

Langer - Wittenberg, Frank - Neubrandenburg, Richter - Bischhofswerda, 
Edelharter - Perleberg, Bresser - Grenze Rostock, Pannewitz - Schwarzenberg, 
Popper - Sangerhausen, Straphel - Rostock, Hucke - Nordhausen, 
Wille - Burg, Simm - Könnern, Holzapfel - Erfurt, Zeisler - Görlitz, und Faustmann. 

Im Jahr 1984 waren viele angeregt, über den Zusammenhang von Sport und Politik nachzudenken und das Primat der Politik anzuzweifeln. Für Sportler brachen Träume zusammen, denn sie hatten sich über mehrere Jahre hin auf Olympia vorbereitet und sahen sich durch die Nichtteilnahme an der Olympiade in Los Angeles um die Früchte ihrer langjährigen sportlichen Entbehrungen und Bemühungen gebracht. Aber auch der Gedanke der Olympischen Bewegung erlitt Schaden. Das konnte nicht durch die späteren Kritiken an den Austragungsmodalitäten gemildert werden: Punkturteile zugunsten der Ausrichter 2). Viele der aussichtsreichen Kandidaten erscheinen somit nie in den olympischen Analen. Als „Ersatz“ und mit der politischen Wertung eines Olympiaturniers startete ein großes Turnier „Amistad 84“ in Havanna. Das führte 94 Aktive aus 12 Ländern zusammen. Dieses Turnier zeigte deutlich die Dominanz der Kubanischen Boxer, die in 11 der 12 Gewichtsklassen den Sieger stellten. Bis auf das Weltergewicht, wo Thorsten Schmitz den Kubaner Hernandez bezwang. Weitere sechs DBV Boxer sicherten sich Bronze (Geilich, Kirchstein, Benske, S. Mehnert, Timm und Kaden). Die Leistungen der Sportler fanden die Anerkennung der Regierung durch die Verleihung staatlicher Titel.

122 Aktive aus 14 Ländern hatten für das XV. Boxturnier von Berlin gemeldet. Davon waren 34 meist junge Boxer aus dem DBV. Sie gewannen sechsmal Gold (Berg, Prosch, Krüger, Mehnert, Maske und Kaden), siebenmal Silber und fünfmal Bronze. Die Ausgeglichenheit in der Leistung zeigte sich auch in der Kampfbewertung. 81,8 Prozent aller Kämpfe gingen über die Zeit. Besonders ragten die Leistungen von Rauschning, dem Federgewichtler aus Gera heraus.

Die Meisterschaften der Senioren begannen wie immer mit der Bestenermittlung. 71 Aktive hatten für das Turnier in Jüterbog gemeldet. Hier setzte sich die Jugend wieder gut ins Bild, denn die Hälfte der Finalisten waren jünger als 20 Jahre. Die Leistungen der Aktiven waren sehr unterschiedlich. Gleichwertige Gegner waren für den Magdeburger Fliegengewichtler Wille, den Weltergewichtler Steinbrecher und den Superschweren Karberg (beide Hennigsdorf) in diesem Turnier nicht zu sehen. Die weiteren Besten:

Steinbrück – Halbfliegengew., Töpfer -Bantamgew., Sörensen -Federgew., 
Quenzel -Leichtgew., Ch. Winter -Halbweltergew., Alms -Halbmittelgew., 
Schroth -Mittelgew., Gebauer -Halbschwergew., Pätzel-Schwergew. und 
Karberg -Superschwergewicht.

Als Qualifikationsleistung für die Deutsche Meisterschaft diente die XV. DDR- Studentenmeisterschaft in Leipzig. Doch die Mehrzahl der studierenden Spitzenboxer des Leistungssports waren nicht am Start. An diesem Turnier beteiligten sich erfahrene Kämpfer, die nicht mehr im Hochleistungstraining verankert waren. Sie kamen meist von der Leipziger Sporthochschule (Leonhardt - Bantamgew., Hilscher - Leichtgew., Schäfer - Federgew., Haddenbrock - Halbweltergew. Mommert – Halbmittelgew., Bernau - Mittel, Hoffmann – Halbschwergew, und Mommert-Superschwergew.). Zwei Sieger stellte die Humboldt-Uni Berlin mit Weltergewichtler Roßberg und Schwergewichtler Oergel.

Zur Leistungsentwicklung und Stabilisierung gehörte die Teilnahme an internationalen Turnieren, so Ostrava (Siege durch Brand, Muß und Nebrig), zu den USIC-Meisterschaften nach Moskau (Sieger: P.Philipp), zum Turnier nach Wien (Sieger: Prosch, Maske, Strümpel), an die Schwarzmeerküste nach Constanta (Sieger Walter) und Warschau (Sieger Heydeck).

Und zum Jahresausklang vom 5. bis 9. Dezember erwartete die Berliner Dynamo-Sporthalle die besten Boxer zur XXXVI. DDR-Meisterschaft. Die Namen der Meister:

Breitbarth, Berg -beide Schwerin, Kirchstein -Dynamo, Zülow -SC Traktor, 
Rauschning -Gera, Krüger -ASK, Schmitz, Krause -beide Schwerin, 
Walter TSC Berlin, Suetovius, Philipp -beide SC Chemie Halle, 
Kaden -SG Wismut Gera.

1) Boxsport 7/1984, S. 3
2) Vgl.: Boxsport 10/1984, S.11
gs/o/1984.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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