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gs:o:1982

1982 - Vorbereitungen auf die Weltmeisterschaft

Der Sportplan des Deutschen Boxverbandes der DDR erschien als Beilage zum Boxring 1). Entgegen allen anderen Plänen konzentrierten sich die Ausführungen auf die Schwerpunkte in der DDR und auf die Junioreneuropameisterschaft. Die III. Weltmeisterschaften Anfang Mai in München sind dort nicht besonders aufgeführt, obwohl die gesamte Planung dies berücksichtigte. Aber unter den Ausführungen zum Leistungssport ist zu finden, dass nach München: “gut vorbereitete Sportler zu entsenden (sind), die bereit und fähig sind, sportliche Höchstleistungen zu vollbringen…“ 2). Die Ausgangssituation für die Leistungen war gut. Hatte doch die Nationalstaffel gegen Kanada mit 20:4 gewonnen. Sechs Punkte aber wurden bereits wegen der Nichtbesetzung von Geilich und Kaden und durch das Übergewicht des Rauschning-Gegners erreicht. Und auf der gleichen Reise gab es auch zwei Starts gegen die USA. Sie wurden beide mit 16:8 und 14:4 gewonnen. Einmal gab Geilich die Punkte ab, er „boxte gut, wurde aber von den zwei USA-Punktrichtern benachteiligt“ 3). Bantamgewichtler Schäfer ließ seinem Gegner zu viel Raum und vergab damit seinen Sieg. Aber auch Nebring und Kaden konnten nach gutem Beginn die Leistungen nicht über alle Runden halten. Kurzfristig war in Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft ein Länderkampf gegen Dänemark vereinbart worden, bei dem aber meist die DDR-Vizemeister zum Einsatz kamen. Auch dieser Wettkampf konnte mit 14:6 gewonnen werden (es war für die DDR der 116. Länderkampf).

Eine weitere Vorbereitung der besten Boxer sollte durch die Mannschaftsmeisterschaft erreicht werden, als Gewichtsklassenturnier ausgetragen, um den Anforderungen vieler internationaler Veranstaltungen zu entsprechen.

Vom 9.-13.März folgte das Chemiepokalturnier von Halle, zu dem 115 Aktive aus 15 Ländern gemeldet hatten. Der DBV hatte 33 Aktive eingesetzt, von denen 24 eine Medaille erkämpften. Den Turniersieg errangen: Prosch, Kirchstein, Nowakowski, Schroth, Fanghänel und Kaden.

Wenn wir alles über die Siege der Boxer des DBV lesen, könnten wir annehmen, sie wären bereits die Besten der Welt. Jedoch fehlten nach der Weltrangliste 4) noch Plätze bis zur Spitze. Halbfliegengewichtler Geilich stand auf Platz zwei, ebenso Federgewichtler Nowakowski, Halbweltergewichtler Schwarz nahm Rang vier ein, Krüger im Weltergewicht Platz 3, im Halbmittel stand Kästner auf Platz neun, Trauten im Mittelgewicht rangierte auf Platz 10, Halbschwergewichtler Nebring auf Rang sechs, auf dem 3. Platz rangierte im Schwergewicht Fanghänel und auf Rang 6 im Superschwer kommt Kaden.

Es folgte der Höhepunkt des Boxjahres, die III. Weltmeisterschaften vom 4.-15. Mai in München mit 271 Aktiven aus 49 Ländern, mit 259 ausgetragenen Kämpfen (48 Stunden reine Boxzeit). Die besten ‚Boxer kamen immer noch aus Kuba. Allerdings gab es in der Wertung der Länder eine Verschiebung, denn die junge Staffel der USA verdrängte die UdSSR auf Platz 3. Danach folgte die Staffel der DDR. Das drückte sich in den Einzelergebnissen aus: Eine Silbermedaille für Fanghänel, der als erster des DBV in einem Weltmeisterfinale stand. Und Bronze errangen Geilich, Kirchstein und Nowakowski

Begann 1972 das Schweriner Boxsturnier, feierte es nach den nicht so glänzenden Start sein zehnjähriges Bestehen und war im internationalen Wettkampfkalender Fest verankert. Die Sieger der bisherigen Turniere. (Anlage 2)

90 Boxer aus den Sportclubs und den Bezirken bewarben sich in den Titelkämpfen der Junioren Anfang März in Jüterbog. Als erfolgreichster Club verdrängte der SC Chemie Halle den erfolggewohnten SC Traktor Schwerin.

Diese Meisterschaften standen auf einem hohen Niveau, was durch Schlaghärte, Bewegungsschnelligkeit aber auch der Wettkampfausdauer zum Ausdruck kam. Als bester Boxer des Turniers erhielt Wiegrefe (Schwerin) eine Auszeichnung. Die Leistungsdichte im Halbweltergewicht was sehr groß und die Entscheidung Schmitz (Schwerin) gegen Lenz (ASK) sehr knapp.

In der Bestenermittlung in der gleichen Altersklasse (AK 17) hatten sich 64 Boxer aus dem Kreis der 149 Bezirksmeister qualifiziert. Die Meisterschaften und Bestenermittlungen der anderen Altersklassen zogen sich bis zum August hin. Die Sieger dieser Meisterschaft:

Einhorst - Ribnitz, Tews - Rostock, Dervaric - Magdeburg, Grasse - Magdeburg,
Rostek - Ilmenau, Hellmann - Eisenhüttenstadt, Klüglich - HO Berlin, 
Schmude - Strahlsund, Trenn - Ribnitz, Detzner - Nienburg, Böhm - Bützow, 
Panacek - Oelsnitz/E, A.Schulz - Fürstenwalde, Petereit - Ludwigsgfelde, Drolshagen - Wismar.

Wenn die Leistungen der Clubsportler richtig bewertet werden sollen, ist zu bedenken, dass diese bereits ein Trainingszentrum durchlaufen haben oder gerade dort Mitglieder sind. Das heißt, sie haben ein mehrmaliges wöchentliches Training nach fest abgestimmten Trainingsplänen zu absolvieren. Und die Clubs hatten eine relativ große Anzahl von guten Nachwuchsathleten. So zum Beispiel:

SC Traktor Schwerin		57
SC Chemie Halle		45
TSC Berlin			57
Wismut Gera			46
SC Dynamo Berlin		39
SC Cottbus 			39
ASK Frankfurt/Oder		40

Vom 4.-12. September 1982 kamen aus 22 europäischen Ländern 136 junge Boxer, um sich den Titel eines Junioren-Europameisters zu erkämpfen. In bereits neun internationalen Turnieren hatten sich die Athleten des DBV auf diese Titelkämpfe eingestimmt. Das gesamte Leistungsniveau war ausgeglichener und hatte sich verbessert. Die zielgerichtete Vorbereitung durch Trainingslager und den Besuch internationaler Turniere hatten sich für den DBV ausgezahlt. Er stellte mit Mehnert und Schmitz zwei Europameister. Silber gewann Karberg vom TSC Berlin. 3. Plätze gingen an Pätz, Lange, Koudele, Flaig und Witte.

Nach der Weltmeisterschaft war das XII. Berliner Boxturnier das erste internationale Kräftemessen und die Probe für die jungen Kämpfer des DBV, die zukünftig die Farben vertreten sollten. In den Kämpfen zeigte sich eine gute athletische Ausbildung und eine ausgewogene taktisch-technische Kampfesweise. Unter dieser Sicht sind die Siege für Kirchstein, Rauschning, T.Schulz, Poye, Friese und Schmid über die 100 anderen Mitbewerber aus 13 Ländern recht hoch einzuschätzen.

Für den Neuaufbau der Staffel gab es aber noch einen weiteren Höhepunkt. Sie reiste zum vierten Ländervergleich in die USA, nach Biloxi. Dort gab es ein 14:10 für die USA, wobei die Urteile von Mehnert und Kohnert wohl nicht dem realen Kampfverlauf entsprachen. (Boxsport 12/1982,S. 3) Viele Turniere folgten in den Monaten nach der Europameisterschaft und den Kämpfen der Junioren und wieder Siege für die Boxer des DBV. So beim V. Felix-Stamm- Turnier. In diesem Turnier waren neben den polnischen Boxern nur noch die Vertreter aus Kuba und der DDR in den Finals vertreten. Einen 1. Platz erkämpften Th. Schulz und Käsebier.

In Szeged gewann als einziger Ausländer Handik im Federgewicht. Beim Honved-Turnier war Poye einziger Vertreter des DBV im Finale. Moritz und Käsebier siegten in Vilnius.

Die Wettkämpfe für die Boxer, die nicht in der Spitze standen, breitete sich immer mehr aus. So vereinte das 2. Delitscher Nachwuchsturnier 56 Wettkämpfer aus vier Bezirken. Höhepunkte dieser Veranstaltungen waren die Kämpfe: Drumm gegen Dörner, Baumgärtel gegen Ranow und Faland gegen Hermann.

Am Jahresende folgte die DDR-Meisterschaft in Cottbus. Zum ersten Mal holten sich den Meistergürtel:Geilich, Kirchstein, Krüger, Mehnert, Demmler und Schmid. Der zweite Titelgewinn war es für Rauschning, Hunger und Woge. Zum dritten Mal standen auf dem obersten Podest Prosch, Marx und Kaden.

Mit der DDR Meisterschaft verbunden erfolgte die Ermittlung der Besten im BSG-Bereich. Denn sie erhielten die Möglichkeit an den Meisterschaften des DBV teilzunehmen. Diese Titelkämpfe wurden in Bernburg ausgetragen. Besonders ragten die Leistungen von des Schwedter Halbschwergew. Rabe und des 18jährigen Federgewichtlers Sörensen heraus. Die Sieger (ab Fliegengewicht): Pieper, Krug, Deringer, Rentsch, Sörensen, Henry, Stoll, Bierbaum, Woge, Rabe, L.Krüger und Schröder.

Die XIII. DDR Studentenmeisterschaften, vor der Bestenermittlung in Leipzig ausgetragen, hatten mit der DHfK, unter der Leitung des erfahrenen Achim Brauske, die Siegermannschaft gestellt. Sie bestimmten wie in den vorangegangenen Jahren das Niveau.

Doch auch in den internationalen Organisationen hatte die kontinuierliche Arbeit des DBV Anerkennung gefunden. Für das langjährige Wirken zur Verbesserung des Amateurboxsports erlangte Karl-Heinz Wehr das Vertrauen der Mehrheit für die Wahl zum Vizepräsidenten der AIBA.


1) Boxring Nr. 2/1982
2) ebenda
3) Boxsport 3/1982, S. 3
4) Boxsport 4 / 1982, S. 11
gs/o/1982.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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