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gs:o:1978

1978 - Mit den Höhepunkten Weltmeisterschaften in Belgrad und der Junioren-Europameisterschaft in Dublin

Der Rahmenplan des DBV war fest auf die internationalen Meisterschaften ausgerichtet. Das waren die II. Weltmeisterschaften der Senioren vom 6.-20. Mai in Belgrad und die V. Junioren Europameisterschaften in Dublin. Dafür sollten die erreichten Leistungen stabilisiert werden und die Neuen, die nach dem Rücktritt (Beyer, Sachse, Wittenburg, Gertenbach, Jende…) die Leistungen bringen sollten, den letzten Schliff erhalten. Als neuer benannter Aspekt war die Leistungsstabilisierung besonders durch die Wettkämpfe mit dem Nachwuchs der befreundeten Länder zu erreichen. Das war im gesamten Terminplan abzulesen. Deshalb galt es zunächst, die besten Boxsportler aller Alters- und Gewichtsklassen zu ermitteln. Die Wettkämpfe begannen in den Bezirken mit der Meisterschaft und der Bestenermittlung. Es folgten die Gruppenkämpfe, um das Teilnehmerfeld und die Finalwettkämpfe in überschaubaren Größen zu halten. Das Finale der XXX. DDR- Meisterschaften kam vom 14.-19. Februar 1978 in Gera zur Austragung. 103 Aktive bewarben sich um die 11 Titel. Acht von ihnen wollten ihren Titel verteidigen, was aber nur Förster (errang den Meistertitel zum 8.Mal), Zornow, Bauch und Fanghänel gelang. Die größten Kämpfe in diesem Finale lieferten sich die Fliegengewichtler Henschel und Kegebein und die Schwergewichtler Fanghänel und Meyer. Damit errangen den Meistertitel 1978:

Marx - Schwerin, Hentschel - TSC Berlin, Förster - Gera, 
Nowakowski und Zornow - beide Schwerin, Schneider - Dyn. Berlin, 
Ludwig - Gera, Woge - Magdeburg, Marx - Halle, Bauch -TSC Berlin, 
Fanghänel - Gera.

Die nicht dem Leistungssport zugeordneten Sportler kämpften um den Titel in der Bestenermittlung. In den Bezirken zeigte sich eine so geringe Breite, dass nicht überall Final-kämpfe ausgetragen werden konnten 1). Das Finale der DDR-Bestenermittlung begann am 4. Februar in Grevesmühlen. Dabei konnten die Boxer der Oberliga von Hennigsdorf fünf Titel erringen. So erkämpfte sich im Weltergewicht der 34 jährige Rieger von Stahl Hennigsdorf in seinen 235. Kampf gegen Fiebig von Wismut Karl-Marx-Stadt den Titel. Damit beendete er seine aktive Laufbahn und stellte sich als Trainer in der kommenden Saison vor. Die Sieger der Bestenermittlung:

Marschner-Hennigsdorf, Matthes-Hennigsdorf, Salvers-Königs-Wusterhausen, 
Cierpinski-ASG Halle, Helmbold-Hennigsdorf, Müller-Hennigsdorf, 
Rieger-Hennigsdorf, Woge-Motor Mitte Magdeburg, Bohn-ASG Dabel, 
Fähling-PCK Schwedt, Meissner - ASG Dabel.

Ausgetragen wurde das Finale der XIV. DDR-Jugendmeisterschaften im Kulturhaus „Robotron“ in Sömmerda (12.03.78). Einen nicht erwarteten Sieg schaffte H. Krüger im Fliegengewicht, der den Vorjahresmeister Rauschning und auch den bereits erprobten TSC-Starter Poye besiegte. Auch Leichtgewichtler Röschel (ASK) konnte sich gegen den Vorjahresmeister und Spartakiadesieger Holonics (Gera) durchsetzen. Die Meister: S. Mehnert, Kümmel, Berger, Krüger, Beckert, Sasse, Röschel, Benzmann, Neils, L.Philipp, P.Philipp und Walter.

Die Weltmeisterschaften der Senioren vom 6.-20. Mai in Belgrad sahen die Boxer Kubas und der Sowjetunion vorn. Die Boxer des DBV konnten nicht bis ins Finale vordringen. Knapp war insbesondere die Entscheidung im Weltergewicht, wo Bachfeld gegen den späteren Sieger Ratschkow (UdSSR) verlor. Das Problem lag aber nicht in Sieg oder Niederlage, sondern in der unterschiedlichen Bewertung durch die Kampfrichter. In Belgrad wurden 208 Kämpfe ausgetragen, davon waren 139 Entscheidungen mit einen Punktsieg beendet. 18 Kämpfe endeten durch k.o. und 32 Kämpfe durch RSC und einige wenige durch Aufgabe und Disqualifikation. Wie groß die Belastungen für alle bei einem solchen Turnier sind, lässt sich aus der reinen Kampfzeit von über 38 Stunden ablesen.

Trotz dieser Belastungen erreichten einen 3. Platz bei der Weltmeisterschaft in Belgrad: Förster, Käsebier, Krüger, Bauch und Fanghänel.

In der Auswertung der Leistungen der DDR Boxer in der Weltmeisterschaft brachte der Vizepräsident der AIBA, K.H.Wehr, zum Ausdruck, dass es den Kämpfern an Dominanz aber auch an Schlaghärte fehlte und die Verbindung von Abwehr und Angriff als einheitliche Aktion noch mehr in den Vordergrund gerückt werden muss 2).

208 Jugendliche in der Altersklasse 14 kämpften in 18 Gewichtsklassen in Reutershagen Anfang Mai um den Titel. Davon starteten 83 Sportler für die Sportclubs und 125 für die BSG. Das Finale erreichten 26 Sportler der Clubs und 10 aus den BSG. Die boxerisch besten Leistungen boten in diesem Finale: Lange (SC Schwerin), Körner (Cottbus), Otto (ASK), Brand (Dyn. Berlin) und Haupt (Cottbus).

Bisher waren es immer Sichtungsturniere, die in Gral Müritz stattfanden, um die Besten in der Altersklasse 13 zu ermitteln. Doch nun, im Jahre 1978, ist der Namen dieses Turniers und damit seine Wertung verändert worden. Aus dem Sichtungsturnier wurde eine neue Meisterschaft. Wenn alle Bezirke in jeder Gewichtsklasse Teilnehmer gestellt hätten, wären es 270 Starter. Aber nur 213 reisten an und davon waren noch nicht alle mit ausreichenden Boxwettkampferfahrungen ausgestattet. Aber es gab Leistungssteigerungen gegenüber dem Vorjahr. Hervorzuheben waren die Leistungen von: Hytych, Lentz, Koudele, Roggow, Kießig und Reiter. Der Boxring schrieb über die 28. Juniorenmeisterschaften (16.-19.3.): „Der Glanz des Vorjahres fehlte“. Gemeint war die sportliche Seite der Wettkämpfe in Ludwigslust, die leistungsmäßig noch nicht das Niveau des vorangegangenen Jahrgangs hatten. Dennoch ragten die Leistungen einiger Wettkämpfer über das allgemeine Niveau hinaus. So unter anderem: Hunger, Friedel, Behrendt, Schulz, Siggelkow und Schroth. Diese Meisterschaft gewannen: (Papier-bis Schwergewicht) Fiedel, Erfurt, Koch, Behrendt, Werner, Schreiber, Hunger, Neumann, Siggelkow, Schroth, Pergamenter und Kühnhold.

8.-17. Juni 1978 Dublin - V. Junioren-Europameisterschaften Der Boxverband hatte neun Boxer für dieses Turnier ausgewählt, die einen kampfstarken Eindruck hinterließen. Da die Altersgrenzen im internationalen Wettkämpfen höher lagen als beim DBV, konnten einige Senioren noch bei den Junioren starten. Damit starteten die stärksten Wettkämpfer, nicht aber immer die aktuellen Meister. Aber wie auch bereits bei anderen Turnieren, entsprach die Urteilsfindung nicht immer der sportlichen Leistung. Im Halbfliegengewicht gewann überlegen der DDR-Meister Marx aus Schwerin den Europameistertitel. Vizemeister wurden Schroth, Pergamenter und Kaden, Bronze erkämpfte Lieser.

Der VI. Verbandstag des DBV der DDR eröffnete am 22. April 1978 in Halle unter der Leitung von Prof. Dr. Schwidtmann die Diskussion über vergangene Erfolge und zukünftige Aufgaben in der Breitenentwicklung und im Leistungssport. Für die kommenden vier Jahre galt es, 8000 neue Mitglieder zu gewinnen, die durch 350 neue und zu qualifizierende Übungsleiter betreut werden sollten. Über eine Verbesserung der Wettkampftätigkeit sollte der Boxsport populärer werden (Boxen war bereits Schulsport und nutzte die einfachen Formen des Kampfes für die körperliche Ausbildung und kameradschaftliche Erziehung).

Das VII. Boxturnier um den Chemiepokal in Halle vereinte diesmal nur 79 Starter aus zehn Ländern, da einige Verbände kurzfristig abgesagt hatten oder einfach fernblieben. Der DBV hatte mit 34 Aktiven das stärkste Aufgebot nominiert, allerdings ohne die Weltmeisterschaftsteilnehmer. Die Sieger des DBV dieses Turniers : Bantamgew.: Fox, Federgew.: Fink, Halbweltergew.: Petznik, Weltergew.: Vogelreuter, Mittelgew.: Marx, Halbschwergew.: Seefeld und Schwergew.: Kohnert

Das traditionelle IX . Internationale Boxturnier von Berlin sah 97 Teilnehmer aus 14 Ländern am Start. Dabei schnitt das Aufgebot des DBV, der 34 Aktive stellte, mit vier Gold, sieben Silber und acht Bronzemedaillen am erfolgreichsten ab. In drei Gewichtsklassen gab es nur DDR Finalteilnehmer und Siege von: Hentschel- Fliegengew., Kästner- Halbmittelgew., Fanghänel- Schwergewicht. Nur Krüger konnte einen Ausländer (den Kubaner Meino) schlagen. Die Leistungen vieler erfolgreicher Kämpfer (Förster, Alms, Seefeld, Bauch und auch Nowakowski) reichte nicht für einen Turniersieg im eigenen Land. Einige hatten bereits eine lange und kräftezehrende Saison hinter sich und noch waren Starts bei einigen Turnieren vorgesehen.

Zwei Turniere sollen für den Breitensport genannt werden. Das 3. Internationale Boxturnier um den Erdölpokal in Schwedt ist typisch für viele Boxveranstaltungen. Die Starter kamen aus Slask und Szczecin, aus Eisleben und Babelsberg und natürlich vom Gastgeber aus Schwedt. Und es siegten: (ab Fliegengewicht) Pieper-Schwedt, Flügge- Babelsberg, Wiszak- Slask, Karmanski- Slask, Scheibe- Babelsberg, Bierbaum -Schwedt, Richter -Schwedt, Bohn- Schwedt, Schulze -Mansfeld. Das andere Turnier ist der Wettkampf der Studenten. 46 Aktive aus 12 Institutionen sandten ihre Boxsportler zu den IX. Studentenmeisterschaften nach Mühlhausen. Auch hier waren die bekannten Klubsportler, die noch im Leistungssport fest eingebunden waren, wieder nicht am Start. Dennoch waren es Wettkämpfe auf einem hohem Leistungsniveau, denn viele hatten in den vergangenen Jahren doch recht deutlich in der Leistungsspitze mitgekämpft. Die Meisterschaft gewannen: (Leicht- bis Schwergewicht) Helmbold, Marschner, Jakob, Adam, Rauchfuß, Steffens, Pilz.

Während in anderen Ländern über eine Einschränkung des Boxens nachgedacht wurde, sicherte der DBV eine beispielhafte medizinische Betreuung, die von der umfassenden Voruntersuchung, der Betreuung im Wettkampf bis zur Einhaltung von Schutzmaßnamen reichte. Dazu gab es Veröffentlichungen in der Zeitschrift: „Medizin und Sport“ unter anderem von: Grebe, Gürtler, Märker und Schwarz.


1) Boxring3/1978, S. 11
2) Boxring 7/1978, S.3 ff
gs/o/1978.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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