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gs:o:1972

1972 - Die Olympiade in München

Das war der Kampf der beiden Systeme auf deutschen Boden und die Herausforderung für den DDR-Sport. Auch für den Boxsport! Bereits 1969 waren auf der Präsidiumssitzung des DTSB der DDR die Grundlinien für die Festigung des Leistungssports mit der besonderen Förderung von medaillenträchtigen Sportarten und deren Sportler aufgezeigt. So war der Weg für Olympia bereits durch die Vorbereitungen der vergangenen Jahre abgesteckt. Er umfasste immer die Vorbereitung der Spitzenathleten und die Entwicklung der nachdrängenden jungen Boxer.

Der Spitzennachwuchs war es auch, der beim zum siebenten Mal ausgetragenen „Turnier der Freundschaft“ der sozialistischen Länder in Havanna (Kuba) das Wettkampfjahr eröffnete. Dabei konnte Lutz Heine bis ins Finale vordringen. Die 3. Plätze durch Langer, Gath und Schnieber waren aber kein voller Erfolg für die umfangreiche Nachwuchsförderung.

Bereits sechs Wochen später fand die Meisterschaftsendrunde für die 40 besten Boxsportler in Schwerin statt. In den 11 Gewichtsklassen zeigte sich die langfristige Förderung im Boxsport. So standen sich im Halbfliegengewicht der 18 Jahre alte Jochen Rocke (3. Pl. Bei der Jugend – und Juniorenmeisterschaft, Spartakiadesieger und Juniorenmeister 1971 ) und der 17-jährige Wolfgang Liebing (Juniorenvizemeister 1971 und Titelträger im Jugendbereich ) gegenüber. Den Ausgang des Kampfes bestimmte die größere technische Reife von Rocke. Im Fliegengewicht war es Blum der Gertenbach besiegte. Auch beide mit vielen Titeln im Jugend und Juniorenbereich dekoriert, wie auch die Athleten in den anderen Gewichtsklassen.

Im Bantamgewicht siegte Förster über Zornow. Bachfeld gewann gegen Helmbold. Radowski setzte sich gegen Fambach durch. Der 24 jährige Beyer besiegte den 18-jährigen Vogelreuter. Weidner schlägt im Weltergewicht Spilski. Tipold besiegte den 18-jährigen Abraham. Der 21 jährige Wittenburg schlägt den nach einer Verletzung eingeschränkt wirkenden bewährten und erfahrenen 28 jährigen Brauske. Sachse siegte über Knut Anders und Fanghänel schlug den fünfmaligen Seniorenmeister Limant. Doch das war noch nicht allein die Fahrkarte für Olympia. Empfehlen konnten sich noch andere Spitzenboxer bei internationalen Vergleichen. Wolke gelang es mit Siegen gegen den Bulgaren Welew und Doitschew und den UdSSR Boxer Beresjuk.

Auch der Chemiepokal in Halle war ein weiterer Prüfstein für die Olympiaauswahl für die insgesamt 26 Aktiven. Dort setzten sich die erfahrenen Kämpfer des DBV der DDR sieben Mal gegen erfahrene internationale Konkurrenz durch. Mit Förster, Bachfeld, Beyer, Tiepold, Brauske und Sachse wurden bereits international bekannte Kämpfer in die Siegerlisten eingetragen. Das mit Spannung erwartete Duell Wolke gegen Weidner gewann Wolke, da der Gegner verletzt war. Als Olympiastarter kam dann noch der Schwergewichtler Fanghänel hinzu.

Olympia in München, das war das bis dahin größte Boxturnier. Denn 357 Boxer kämpften um die 44 olympischen Medaillen. Von den Olympiasiegern von 1968 waren noch Rodriguez (Venezuela) und Wolke im Turnier. Wenn sich am Ende nur ein Boxer der DDR, Peter Tiepold, auf einem Medaillenplatz wiederfand, schränkte das die Leistungen der Kämpfer keineswegs ein. Denn sie verloren gegen die Sportler, die dann im Finale standen Und so boxten sie:

Förster verliert nach 2 siegreichen Kämpfen gegen Zamora (Mexiko) der Silber gewann.
Bachfeld verliert nach siegreich gestalteten Kämpfen gegen Pometcu (Rumänien)
Beyer verliert gegen Seals (USA), den späteren Olympiasieger
Wolke verletzt sich gegen den späteren Olympiasieger Correra (Kuba) 
Tiepold erringt Bronze 
Mittelgewichtler Brauske verliert gegen Lemesev (UdSSR), den späteren Goldmedaillengewinner.
Halbschwergewichtler Sachse verliert.
Fanghänel konnte nach einem k. o. Sieg im ersten Kampf eine 
Punktniederlage gegen Alexe (Rumänien - später Silbermedaille) nicht verhindern. 

Der sowjetische Trainer Gardepolow bescheinigte dem Boxturnier: .. „ein Leistungsniveau, wie ich es noch nie erlebt habe“1). Die Kampfrichter hatten sich in einem Seminar bereits im Mai in Halle mit einer einheitlichen Regelauslegung, mit abgestimmten Gesten für Punktrichter und Zuschauer auf dieses Turnier vorbereitet.

Auch in der Zeit der Spiele fand ein internationales Symposium zum Thema „Schutz des Boxers“ statt. Einen sehr interessanten Vortrag hielt der japanische Professor Yoschida über die Entwicklung der Schlagkraft und die Verletzung des Kopfes. Er zeigte auf, dass 1200 kg an Schlagkraft auf den Schädel einwirken müssten, um organische Schäden hervorzurufen. Damit widerlegte er Untersuchungen von Unterharnscheidt, der von Tierexperimenten auf den Menschen und dessen Verletzungen geschlossen hatte. Die soziologische Seite betrachtete Dr. Novich (USA), der mit dem Boxsport viele soziale Aspekte (wie Selbstbeherrschung und Durchsetzungsvermögen ) hervorhob.

Doch auch für die vielen Boxer, die noch nicht zur absoluten Spitze gehörten, gab es Vergleichsmöglichkeiten. Den Höhepunkt für den Nachwuchs bildete die DDR-Spartakiade für die Schüler, Jugendliche und Junioren. Dabei lassen sich die Siegernamen teilweise von den Schülern bis zum Olympiasieg verfolgen. Zu den Spartakiadesiegern 1972 zählten unter anderen: Rudi Fink, der mit 14 Jahren schon 57 Kämpfe absolvierte und davon 51 gewann- ein späterer Olympiasieger.

Doch auch die Namen von Dietmar Geilich, Lutz Käsebier und Richard Nowakowski sind in den Siegerlisten verzeichnet.

Darüber hinaus gab es Vergleichskämpfe, die in dieser Form wohl nur kurzzeitig existierten. So kämpften fünf Mannschaften der Volksmarine um einen Mannschaftspokal 2). Die Armeemeisterschaften erfassten breite Kreise von Athleten aus der zweiten und dritten Reihe. Den I. Platz bei diesen Titelkämpfen errangen (Halbfliegen- bis Schwergewicht):

Seiler, Hesse, Haring, Gross, Hoff, Dischmann, Te Kiela, 
Müller, Buss, G.Sachse und Thurau. 

Doch viele Turniere und deren Beteiligte können wir nicht benennen. So waren Sportler bei den Eisenbahnermeiserschschaften (USIC ) erfolgreich (Klaus Werner), bei den Meisterschaften der Armeen des Waschauer Vertrages (SKDA) aber auch bei dem Internationalen Juniorenturnier der Sportvereinigung Dynamo.


1) Boxsport 21/1972, S. 3
2) Boxring 16/1972, S. 2
gs/o/1972.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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