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gs:o:1970

1970 - Chemiepokalturnier beginnt

Der Jahresablauf im Boxsport spiegelte die Schwerpunkte wider, die der DDR-Verband im Rahmen der Sportpolitik übernommen hatte. Denn die nationale Entwicklung sollte sich auch in den Erfolgen des Sports zeigen. Das erforderte den Weg der Jugendförderung fortzusetzen. Die Meisterschaften der Schüler ab dem 10. Lebensjahr, der Jugend- und Juniorenmeisterschaften und die Mannschaftskämpfe im Rahmen des Pionier- und FDJ-Pokals waren ein fester Bestandteil des Wettkampfkalenders. Für die Junioren gab es eine eigene Liga in zwei Staffeln, die in Turnierform den Mannschaftsmeister ermittelten.

Auch die Werbung für den Boxsport ging trotz der Erfolge weiter. Um die Attraktivität des Boxsports für die Schüler zu erhöhen, stellten sich bekannte Sportler wie Guse und Labahn als Übungsleiter für die Schulsportgemeinschaften zur Verfügung 1). Viele Namen tauchten bei diesen Meisterschaften auf, die im späteren Boxsport in den Club- und Nationalmannschaften für Spitzenleistungen sorgten. So der Jugendliche Straßburg von SC Chemie Halle, die Junioren Zornow und Ketelhut aus Schwerin, aber auch Käsebier von Dynamo Schönebeck. Sie sollten zu dem Ideal des Boxer herangebildet werden, der den intelligenten aber auch hart fightenden Techniker darstellt, der im Kampf mitdenkt.

Für Athleten, die zum Nachwuchs für Spitzenleistungen zählten, waren internationale Vergleiche zur Standortbestimmung notwendig. Mit dem Messeboxturnier in Leipzig begann der sich langsam aufbauende jährliche Turnierrhythmus. Als technisch bester Boxer konnte Ulrich Beyer ausgezeichnet werden. Bein Honved-Boxturnier in Budapest gewannen die neun DDR-Boxer sechs Medallien. Davon drei Mal den 1. Platz durch Grabbe, Beyer und Schlegel 2).

Dass die Turniere wie internationale Meisterschaften das große Interesse vieler Boxnationen besaßen, zeigte sich bereits beim I. Internationalen Boxturnier um den Chemie-Pokal 1970 in Halle. Bei diesem Turnier waren Vertreter aus 12 Nationen im und am Ring. Die DDR stellte mit 2 Staffeln die meisten Teilnehmer und erreichte unter diesen günstigen Bedingungen auch die meisten Medaillen. Die ersten Plätze für die DDR gingen an Beyer, Wolke, Bieber, Brauske und Sachse.

Besonders hervorheben ist aber auch Weidner vom SC Traktor Schwerin, dem es gelang, die Turniere in Magdeburg, Wien und in Budapest zu gewinnen. Im Oktober startete der nächste Höhepunkt im Boxsport mit dem II. Internationalen TSC-Turnier von Berlin.

Es folgten viele internationale Wettkämpfe mit polnischen, ungarischen und tschechischen Sportlern, die teilweise auch in Turnierform stattfanden. Da der Staat die finanzielle Absicherung garantierte, konnten im Oktober, beim internationalen Turnier in Kuba und im November in Leningrad Vergleiche mit den Weltbesten erfolgen.

Diese vielen internationalen Starts setzten eine breite staatliche Unterstützung, eine Finanzierung auch für den Nachwuchsbereich voraus, denn in Vorbereitung auf die erstmals auszutragenden Junioren-Europameisterschaften begann der Nachwuchs in einer eigenen Juniorenliga und reiste zu Länderkämpfen gegen Rumänien (2 Mal 10 : 12 verloren) und gegen Polen (2 Mal 12 : 10 gewonnen).

Vom 07.- 15.November starteten die I. Europameisterschaften der Junioren in Miskolc –Ungarn-. Es gab lange Verhandlungen über die Durchführung. Startberechtigt waren nur (Europameister und Platzierte bei Olympia waren ausgeschlossen) Sportler der Altersgruppe von 17 bis 21 Jahren. Unter den 186 Boxern waren auch die kompletten Staffeln der DDR und der BRD. Für die DDR starteten:

Blachfeld	2. Platz
Langer		3. Platz
Förster
Warnke			
Voigt		3. Platz
Weidner		3. Platz
Spilski	
Heimann		3. Platz
Zimpel		3. Platz
Sachse		1. Platz
Findeisen	3. Platz	

Bereits kurze Zeit nach diesen Europameisterschaften begannen die seit 1965 ausgetragenen „Jugendwettkämpfe der Freundschaft“ im bulgarischen Widin, an den 11 Länder teilnahmen. Einen I. Platz konnte sich Wittenburg erkämpfen, der durch 2. Plätze von Zornow, Klotzsch und Domack und die zwei 3. Plätze durch Warnke und Zimmermann ergänzt waren. Nach der UdSSR und Bulgarien rangierte die DDR auf dem 3. Platz, eine Länderwertungssicht, die immer einen Vergleich mit anderen Sportverbänden diente und politisch motiviert war.

In der DDR fanden die kleineren Meisterschaften genügend Resonanz. So gab es Armeemeisterschaften und auch die Titelkämpfe der Studenten. Jene fanden in Apolda, Weimar und Jena statt. Neben Boxsportlern, die ihre Wettkämpfe in kleineren Sportvereinen begannen, wie die Gebrüder Hanfler waren auch aus dem Leistungssport bekannte Sportler wie Voigtländer, Radowski und Möhring unter den Siegern.

Ungenannt bleiben die vielen Wettkämpfe innerhalb der Bezirke, die Meisterschaften um die Pokale und die Clubvergleiche, die ein breites sportliches Leben charakterisierten. International konstituierte sich die Europäische Boxföderation als eine territoriale Gliederung des Boxweltverbandes.


1) Boxring 1970, Nr. 6, S. 7
2) Boxring 1970,Nr.8, S. 3
gs/o/1970.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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