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gs:o:1969

1969 - Förderung des Boxsports

Der Leistungssport erhielt mit der Empfehlung vom Politbüro der SED an den DTSB zur Neugliederung des Leistungssports in der DDR die entscheidende Linie für den konzentrierten Einsatz der vorhandenen Mittel auf medaillenträchtige Sportarten bei Olympia. In deren Folge sind einige Sportarten aus der Förderung herausgefallen und die damit frei werdenden Ressourcen konnten ausgewählte Sportarten erhalten. Auch der Boxsport erhielt diese Förderung. Verbunden damit gab es vielfältige Aktivitäten innerhalb des Verbandes. Die Ärztekommission des Verbandes registrierte über mehrere Jahre die Verletzungen durch den Boxsport. Sie stellten folgende Rangfolge bei den Verletzungen fest: 1. Verstauchungen, 2. Prellungen und 3. Muskel oder Bänderschäden. Darüber hinaus widmete man sich auch dem Problem des „Gewichtmachens“, denn nicht jede Mannschaft hatte alle Gewichtsklassen besetzt. Und dann hieß es für die Sportler „Abtrainieren“ oder in einer höheren Gewichtsklasse boxen. Das wurde abgelehnt, aber zu einer festen Regelung ist es nie gekommen. Vielleicht sollten die Ernährungshinweisen in der Boxzeitung dieses Problem entschärfen. Für die Niveausteigerung besonders in den Anfängerbereiche ist das Vorboxen, eine Demonstration der Kampffertigkeiten, eine Pflicht. Nur für Eingeweihte war die Arbeit mit den Leistungsklassen und der Vergabe von Punkten bei Sieg oder Niederlage sichtbar. Sie war als Wettbewerb konzipiert, aber hatte keine für den Zuschauer und den Sportler selbst erkennbare Auswirkung.

Der Europameisterschaft in Rom und den internationalen Turnierbesuchen galt die besondere Aufmerksamkeit im internationalen Rahmen. Für die Sportler bis zum 18. Lebensjahr waren es die Wettkämpfe des Turn-und Sportfestes in Leipzig. Doch auch kleinere Turniere und Wettkämpfe der Mannschaften und Kampfgemeinschaften breiten sich wieder mehr aus.

An den Seniorenwettkämpfe im Rahmen der Meisterschaft beteiligten sich nicht mehr so viele Teilnehmer wie in den vergangenen Jahren. Auf der einen Seite waren es Spitzenkräfte, die den Nachwuchs abhielten zu starten. So standen sich im Bezirksfinale in Frankfurt nur vier Paarungen gegenüber. Das brachte aber bei den Deutschen Meisterschaften der DDR keinen Leistungsrückgang. Denn die Endkämpfe waren stark besetzt (ab Halbfliegengewicht- Sieger zuerst genannt):

Weinhold-Breffke, Grabbe-Warnke, Schulz-John, Bollow-Lang, 
Dunkel-Fambach, Tiepold-Rieger, Wolke-Willum, Dahn-Werner, 
Brauske-Vielhauer, Schlegel-Schulz, Limant-B.Anders. 

Diese schätzte Verbandstrainer Lüdke als gut ein, nahm aber in den Gewichtsklassen eine sehr differenzierte Wertung vor. Hervorgehoben wurden Weinhold, Bollow, Tiepold und wohl der Beste dieser Wettkämpfe, Brauske.

In mehreren internen und internationalen Vergleichen konnten die Meister dann nachweisen, dass sie die besten in ihrer Gewichtsklasse waren und auch international Siegeschancen hatten. Das bewies bei der Europameisterschaft in Bukarest nur Schlegel mit einem 3. Platz. Es war das schlechteste Ergebnis bei Europameisterschaften der vergangenen zehn Jahre. Kurze Zeit nach der Rückkehr zum Trainingsbetrieb und der Suche nach den Ursachen erfolgten mehrere Veränderungen im Trainings- und Leitungsbereich. Sichtbar war es in der Neubesetzung des Generalsekretärs und des Verbandstrainers. Die Erfolge setzten wieder bei den Wettkämpfen zur Sommerspartakiade der befreundeten Armee ein. Dort siegten Beier und Wolke. Silber erkämpften Engelmeier, Fambach und Limant. Ebenso erfolgreich verlief des Gewichtsklassenturnier in Wien, mit den Siegen von Wagner, Maier und Bollow (Bester Techniker).

In den Länderkämpfen wurden Gegner gesucht, die sich gut in die allgemeine Vorbereitung ein passen ließen und noch keine absoluten Spitzenleistungen verlangten. Dazu zählten die Länderkampfsiege gegen Finnland (18:2 und 10:8) und der Wettkampf gegen Schottland (16:4). Trotz der Siege war die Verbandsleitung nicht mit den Erfolgen zufrieden, da sich die Überlegenheit in technisch-taktischen Belangen nicht in eindeutigen Erfolgen manifestierte.

Die Starter von 20 Jahren und jünger, die beim V. Turnier in Lodz antraten, hatten internationale Spitzengegner. Dennoch gab es gut Ergebnisse. Es siegten Fliegengewichtler Warnke und der Halbschwere Sachse. Weitere Medaillen sicherten Thurau (2. Platz) und Halbfliegengewichtler Haring (3. Platz).

Die Junioren kürten folgende Meister (ab Papier C):Haring, Langer, Urban, Weidner, Voigt, Roth, Spilski, Heimann, Zimpelt, Sachse, Findeisen. Bereits im Länderkampf gegen Polen konnten sie ihre Stärke demonstrieren. Sie siegten mit 14:8. Weitere Meisterschaften gab es in der Sportvereinigung Dynamo und der NVA.

Wie breit die Boxbewegung war und mit welchem Aufwand die Förderung des Sportnachwuchses betrieben werden konnte, sollen einige Beispiele belegen. In Halle begann ein Nachwuchsturnier, das am Ende 99 Turniersieger kürte. Zu den Siegern in den unterschiedlichen Gewichts- und Altersklassen zählten unter anderem: Köber -Naumburg (A-Schüler), Förster aus Aschersleben und auch Marschner und Straßburg von Chemie Halle. Die unfangreichsten Wettkämpfe starteten aber bei den III. Pioniermeisterschaften mit 364 Kämpfen. Hier finden wir unter den Schüler der Altersgruppe B (bis 12 Jahre) auch folgende Namen, die später im Boxsport lange Zeit mit das Niveau bestimmten. So Ruhnau, den späteren Olympiasieger Fink und auch den Schwergewichtler Dietmar Meier. Bei den A-Schülern sind es Nowakowski, Rostankowski , Bodo Andreas und auch R. Köber. Die Namen der ersten Drei in allen Gewichtsklassen ist auf der Ehrentafel der III. Pioniermeisterschaft nachzulesen.

Die Mannschaftsmeisterschaften der Senioren gewann in der Oberliga der TSC Berlin. Weil es aber den führenden Klubs nicht möglich war in allen Gewichtsklassen starke Boxer aufzustellen, sollte diese Wettkämpfe in kommenden Jahr ausgesetzt werden. In der 1. Liga waren die Magdeburger erfolgreich. Neben der Juniorenliga ermittelten in der Altersklasse 12-14 die Schüler den Sieger für den Pionierpokal. Zu diesen Wettkämpfen war jeder Bezirksvorstand verpflichtet, eine Mannschaft zu stellen.

Die Wettkämpfe der Klubs gegen übernationale Gegner spielten nur eine untergeordnete Rolle. Sie fanden vorwiegend als Vergleich innerhalb der sozialistischen Staaten statt. So zum Beispiel Gera gegen Vasas Budapest (13:7).

In diesem Jahr begann in Berlin unter der Leitung von M. Bergs das I. Internationale Boxturnier, welches über 30 Jahre viele der weltbesten Boxer in diesem Ring führte. Zu den Siegern dieses Jahres zählten Schulz (54 kg), Brauske (75 kg), Schlegel (81 kg) und B. Anders (91 kg).


gs/o/1969.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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