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gs:o:1965

1965 - Nachwuchssicherung

In der ersten Veröffentlichung des Boxring stellte Karl-Heinz Wehr als Mitglied der Verbandsleitung kritisch fest, dass die Ergebnisse in der Nachwuchsarbeit nicht ausreichten. Er orientierte auf die Spartakiaden (Meisterschaften) in den Bezirken und auf die 1966 stattfindende 1. Kinder- und Jugendspartakiade der DDR. Gleichzeitig waren durch zugkräftige Veranstaltungen mehr Zuschauer zu gewinnen, die auch durch die Presse auf die entsprechenden Veranstaltungen hingewiesen werden könnten. Neu war, die Turniere frühzeitig zur Förderung der Spitzenkräfte einzusetzen. Dabei orientierte er auf junge noch unbekannte Boxer. Erstmalig wurden die Namen der Jugend- und Juniorenboxer genannt, die für die Länderkämpfe auf Grund ihrer bisherigen Leistungen berücksichtigt werden sollten 1). Um die kontinuierliche Boxausbildung dieser Nachwuchsathleten zu sichern, war ein Vereinswechsel nur mit der Zustimmung der Verbandsleitung möglich. Dieser Kurs bestimmte auch die Auswahl für die Europameisterschaften in Berlin. Es folgte ein Sichtungsturnier. In dem Turnier, an dem sich viele bekannte Boxer beteiligten, war die Überraschung dabei der Sieg von Wolke im Weltergewicht gegen den wohl bekanntesten Boxer dieser Gewichtsklasse, Bruno Guse, und die Angst vieler Spitzenkräfte vor der Schlaghärte des Wismarer Boxers Stanat. Danach verliefen die Vorbereitungen auf die Europameisterschaften in den Klubs und in Trainingslager auf einheitlicher Basis. Ansonsten verlief das Boxgeschehen in den normalen geplanten Bahnen. Die internationalen Wettkämpfe ( gegen Bulgarien, Ungarn und Rumänien ) dienten der Vorbereitung für die Europameisterschaft.

Die Ligakämpfe bestimmten das Geschehen in den Schlagzeilen: „ Görlitz hatte Pech in Dresden, Rostock stoppte Babelsberg, Freibergs Turbine–Boxer siegten 14: 6 (gegen Mühlhausen/Waltershausen)“. Darüber hinaus waren auch die Kämpfe um den FDJ- Pokal der Bezirke eine Wettkampfbereicherung. Die Boxwelt schaute in den Maitagen jedoch auf Berlin, wo die Europameisterschaften begannen. Die Staffel der DDR bestand aus jungen Athleten: Fliegengewichtler Klaus John war 22 Jahre alt und hatte 47 Kämpfe ausgetragen. Im Bantam startete Rainer Poser, 24 Jahre mit Erfahrungen von 120 Kämpfen. Federgewichtler Wolfgang Hübner, 25 Jahre, hatte 155 Kämpfe ausgetragen. Hans Seyfert im Leichtgewicht war 22 Jahre alt und konnte auf 50 Siege verweisen. (wegen einer Erkrankung trat er nicht an). Dafür ist 48 Stunden vor dem Meldetermin Teuber berufen, der auch erst zu diesem Zeitpunkt von seiner Nominierung erfuhr. Der 26-jährige Werner Busse im Halbweltergewicht bestritt 140 Kämpfe. Auch Bruno Guse, der bereits auf 3. Plätze bei Europameisterschaften verweisen konnte, war bereits 26 Jahre alt und brachte die Erfahrungen von 190 Kämpfen mit. 21 Jahre alt und 79 Kämpfe hatte Hans Jürgen Voigtländer bisher ausgetragen. Der Schmied, Achim Bedau, war 25 Jahre alt und brachte die Erfahrungen von 162 Kämpfen mit. Auf 9o Kämpfen konnte der 23 jährige Bernd Anders verweisen. Der Verband unter der Leitung von Trainer Erich Sonnenberg stellte im Schwergewicht den 3. der EM 1963, Karl Degenhardt – 106 Kämpfe –auf.

Die Ergebnisse dieser Europameisterschaft für die DDR blieben unter den Erwartungen. Denn in eigenem Land und unter günstigen Auslosungen hätte mehr erreicht werden können 2). Obwohl verschiedenen Faktoren immer einen Wettkampf beeinflussen. So schied Klaus John hoffnungsvoll im Wettkampf mit einer Verletzung aus. Und bei D. Dahn sahen die Kampfrichter ein anderes Ergebnis als die Außenstehenden. So reichte es zu 3. Plätzen durch:

Federgewichtler Hübner
Weltergewichtler Dahn
Mittelgewichtler Trodler
Halbschwergewichtler Anders

Auch die anderen leistungsstarken Boxer fanden in internationalen Turnieren ihre Anerkennung. Bei der Dynamo-Spartakiade in Karlovy Vary konnten 3-mal Gold und Bronze und 2-mal Silber errungen werden. Besonders überzeugend war der Dynamoboxer Günter Wensierski, der in fünf eingesetzten Turnieren jedes Mal den 1.Platz belegte.

Die Meisterschaften nahmen einen breiten Raum im Wettkampfgeschehen ein. Für die Schüler unter 14 Jahren war es die Pionierspartakiade, wo die Besten aus den Bezirken gegeneinander kämpften. Sieger 1965 war die Auswahl aus Leipzig.

Bei den Deutschen Meisterschaften gewannen den Titel in den Jugendklassen: Herrmann, Ramin, Klein, Schriewer, Schultz, Rusika, Dille, Sabottka, Klaus, Naumann, Fischer, Metzner und Mau, bei den Junioren ( Pastawa, Martin, Schulz, Beyer, Schweighardt, Neumann, Wendland, Willum, Hell, Hubert und Willems.

Die Seniorenmeisterschaften gewannen: Cybinski ,Juterzenka, Drgala, Kirsch, Winter, Dahn, Voigtländer, Graf, Schlegel, Limant. Hier zeigte sich, dass die jungen Kämpfer immer mehr das Geschehen bestimmten, denn in sechs Gewichtsklassen waren die Meister nicht älter als 22 Jahre. Den Titel eines Mannschaftsmeisters errang die Staffel des ASK Berlin.

Eine Schlagzeile gab es aber dennoch: „Frauen nicht am Boxring“. Aus einer Anfrage entstand die Anlehnung in der Überschrift. Ein Sportbegeisteter hatte angefragt, ob nicht auch Frauen, wie in anderen Ländern auch, mit am Ring amtieren könnten. Diese Anfrage erhielt eine Ablehnung, denn Frauen am und im Ring waren ein dekadente Erscheinung des Westens 3). Damit sind viele Frauen ignoriert worden, die durch Bindung ihrer Männer und Kinder an den Boxsport sich auch selbst gern an der aktiven Arbeit beteiligt hätten.

AIBA-Präsident Russel und der Präsident des DBV Musiolek eröffnen die Europameisterschaften 1965 in Berlin

1) Boxring1965, Nr. 1, S. 6
2) Boxring 1965, Nr. 6, S. 17
3) Boxring7/1965, S. 22
gs/o/1965.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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