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gs:o:1963

1963 - Drei Bronzemedaillen

Das Boxjahr begann nicht ganz so wie die vorherigen, denn die Zeitung Boxsport konnte in den ersten Monaten nicht erscheinen. Doch die Informationen innerhalb des Verbandes funktionierten gut. Auf den Präsidiumssitzung waren die aktuellen Fragen Gegenstand der Erörterung, doch der Schwerpunkt der Arbeit lag auf strategischen Überlegungen zur Gestaltung der Öffentlichkeitsarbeit, der Realisierung der gesteckten Ziele in der Mitgliedergewinnung (nur die Bezirke Frankfurt, Schwerin und Halle erreichten die angestrebten Mitgliederzahlen), der Leistungssteigerung und den dazu nötigen Forschungsarbeiten. Berichte über den Boxsport in der BRD spielten kaum eine Rolle in der Fachpresse. Dagegen führte der Vorschlag von Brandt, die Olympiade 1968 nach Berlin zu holen - weder mit der politischen Führung oder den Sportfunktionären der DDR abgesprochen - nicht zur Verbesserung der Sportkontakte.

Auch die Sicherung der materiellen Basis spielte immer wieder eine Rolle. So verschob sich der Beginn der Meisterschaften in einigen Bezirken, da nicht überall ausreichend beheizte Hallen für Training und Wettkampf zur Verfügung standen. Dennoch verliefen die Meisterschaften zügig und ohne größere Probleme. Die Juniorenmeister des Jahres 1963: (vom Fliegen-Schwergewicht)

Juterzenka, Fambach, Wegner, Eistel, Kamm, Backhaus, Kaffka, 
Voß, Schuhmacher und Limant. 

Da diese Kämpfer aus acht Bezirken kamen, war noch nicht von einer effektiven Nachwuchsarbeit in führenden Klubs auszugehen.

Die Meisterschaft der Senioren begannen auch in den Bezirken. Dann erfolgten die Gruppenkämpfe. Sie erfasste in der Gruppe 1 die Bezirksmeister von Erfurt, Magdeburg, Suhl, Leipzig und die gesetzten Kader der Gruppe 1. In der Gruppe II kämpften die Bezirksmeister von Dresden, Karl-Marx-Stadt, Gera und Halle. Die Gruppe III vereinigte die Kämpfer von Frankfurt, Berlin, Cottbus und Neubrandenburg. In der Gruppe IV starteten die Kämpfer der Bezirke Rostock, Schwerin, Potsdam und die Boxer der Kader II.

Die Sieger dieser Gruppenkämpfe starteten in der Werner-Seelenbinder-Halle in Berlin zu den Endkämpfen. Von den zehn Deutschen Meistern waren fünf in Berlin zu Hause. Zwei stellten Cottbus und Schwerin und einer kam aus Halle. Den Titel erkämpften sich: Babiasch, Poser, Radnick, Kirsch, Hillmann, Guse, S. Olesch, B. Anders, Wittkowski und Degenhardt. Interessant ist, dass von den Gesetzten im Feder (Schulz, Dragalla) und Leichtgewicht ( Rühl, Harbig) keiner seine Meisterschaftsansprüche durchsetzen konnte.

Nach der Einschätzung der Verbandstrainer Sonnenberg und Lüdtke gab es deutliche Fortschritte in der Taktik des Kampfes. Es wurde mehr gekontert. Doch die Mängel im Nahkampf waren nicht zu übersehen. Aber auch Nachwuchsleute wie Wolke, Dahn und Brauske zeigten hervorzuhebende Leistungen. Nach internen Ausscheidungsverfahren konnten sich für die Europameisterschaften Schulz und Rühl gegen Radnick und Hillmann qualifizieren. In den anderen Gewichtsklassen hatten die Meister ihre Vormachtstellung bestätigt. Bei der Europameisterschaft in Moskau gewannen Poser, Olesch und Degenhardt eine Bronze-Medaille.

Für die Sportler, die nicht im internationalen Wettkampf fest eingebunden waren, gab es einen breiten Wettkampfkalender. Die Zeitung „Freie Presse“ veranstaltete ein Gewichtsklassenturnier. Im September begann das Internationale Dynamoturnier in Berlin. Boxsportler unter 18 Jahren waren in die Kämpfe des FDJ-Pokals eingebunden. Im Finale standen sich Berlin und Leipzig (17:5) gegenüber. Die Berliner hatten bereits 1958, 1959 und 1962 diesen Wettkampf gewonnen. Der Pionierpokal – ausgekämpft im Rahmen des IV. Turn-und Sportfestes in Leipzig- gewannen die Leipziger gegen Magdeburg (24:6).

Welches Leistungsvermögen die Boxsportler hatten, zeigte sich in den Vergleichen gegen Bulgarien mit einem vielbeachteten Sieg (12:8), aber der 6:14 Niederlage gegen Polen und auf der anderen Seite die Siege gegen Syrien (18:2 und 16:0). Gegen Jugoslawien dagegen hatte die zweite A-Vertretung keinen Erfolg (6:14), dafür aber gelang gegen Polen später ein beachtliches 10:10.

Die jährlich ausgetragenen SKDA Meisterschaften, diesmal in Lodz (Polen), konnten mit Silber- und Bronzemedaillen, ohne einen 1. Platz, nicht an die Leistungen der vorangegangenen Jahre anknüpfen. Der geplanten Länderkämpfe gegen Frankreich fiel wegen politischer Interventionen aus. Bedeutend stärker trumpften die Junioren auf. Sie siegten gegen Polen mit 14:6 und 12:8 und erreichten gegen die CSSR das gleiche Ergebnis. Deutete sich hier an, dass die Förderung des Nachwuchses sich in gesteigerter Leistungsfähigkeit zeigte? In Leipzig startete Anfang Mai ein Schülerboxturnier der Klassen 9 - 12 und der Berufsschulen (Boxen war im Lehrplan als Teildisziplin ausgewiesen). Mit 12 Unzen und über verkürzten Rundenzeiten konnten 58 Kämpfe ausgetragen werden. Das war ein Versuch von vielen, den Boxsport in den Schulen anzusiedeln. Schülerarbeitsgemeinschaften und Schulsportgruppen etablierten sich aber nur in einigen Städten.

Ein anderer fester Baustein der Nachwuchsschulung war der Pionierpokal der Bezirksvertretungen mit dem Höhepunkt der V. Pionierspartakiade im Rahmen des Turn- und Sportfestes in Leipzig. Dabei war es ein Hauptziel, die Jungen nicht nur für den Boxsport zu begeistern, sondern sie zur sportlichen Lebenseinstellung zu erziehen. Auch der Stolz auf die DDR und die erreichten sportlichen Leistungen spielten eine große Rolle. Selbst die bekanntesten Ringrichter waren bei den Nachwuchskämpfen eingesetzt.

Wenn auch die Ring- und Punktrichter zu den Schulungen gingen, dann nicht nur um die Sachkompetenz zu verbessern. Für die geleistete herausragende Arbeit konnten Mathay, Leske, Schütze, Wolske und Sattler mit der Verdienstmedaille des DBV ausgezeichnet werden.

Um die internationalen Erfahrungen für die politische Stabilität der DDR zu nutzen, bewarb sich der DBV um die Ausrichtung der Europameisterschaften 1965.


gs/o/1963.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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