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gs:o:1961

1961 – Neue Wege

Nach der Vorstellung des Präsidiums des DBV, fixiert im Perspektivplan, waren die Möglichkeiten gegeben, für den Boxsport eine Massenbasis zu schaffen. Es galt die Leistungen der Spitzenkräfte zu verbessern und zu stabilisieren. Somit könnte eine verstärkte Werbewirkung einsetzen, um die Jugend mehr für den Boxsport zu begeistern. Das war notwendig, da sich die Zahlen der Aktiven verringerten. So auch beim Berliner Helmut – Just- Turnier. Gab es 1959 noch 346 Meldungen, reduzierten sie sich 1960 auf 318 und sanken 1961 unter 300.

Die Anzahl der Wettkampfveranstaltungen verringerten sich und damit sanken auch die Zuschauerzahlen. Die Verbandsleitung reagierte auf allen Ebenen, um diesen Prozess entgegen zu wirken. Die Schulung der Verbandsfunktionäre, bessere Anleitungen für die Anfängerausbildung und eine Erhöhung der Wettkampfmöglichkeiten für alle Altersgruppen begannen verstärkt. Der Boxsport erhielt die Möglichkeit, als obligatorischer Teil im Sportunterricht seine Potenzen in der Erziehung und Bildung zu verwirklichen. Gleichzeitig waren Boxveranstaltungen in Großbetrieben und in Kleinstädten und Gemeinden vorgesehen, die keine Boxabteilungen mehr hatten. Dort entstanden Stützpunkte für die größeren Vereine. In den Ferienzeiten fanden die Wettkämpfe für die Pokale der Pioniere, der Jugend und Junioren statt. Darüber hinaus gab es Aktivitäten zur Förderung der Ausbreitung des Boxens durch Boxkurse in den Ferienlagern und für die Sportlehrer.

Für die Nationalmannschaft waren in jeder Gewichtsklasse immer 2 Sportler nominiert. 1961 waren es: (Fliegen- bis Schwergewicht) Tschäpe und Fielitz, Ahrendt und Poser, Schulz und Kirsch, Harbig und Martsch, Busse und Labahn, Guse und Petermann, Neidel und Posorski, Heinrich und Bischof, Brabnick und Schumacher, Siegmund und Wollner 1).

Um die leistungsstärksten Boxer zu fördern, gab es Wettkämpfe auf vielen Ebenen auch außerhalb der DDR. Länderkämpfe gegen Bulgarien, Ghana, Schottland und Polen standen ebenso auf dem Programm, wie Vergleiche gegen Mannschaften aus der Bundesrepublik ( SC Traktor/SC Rotation – Hamburg; Herta BSC - Motor Berolina, Turbine Erfurt – Offenbach, Chemie Bernburg – Hildesheim ).

Darüber hinaus beteiligten sich die Boxsportler an vielen internationalen Turnieren. Bei der Sommerspartakiade der Armeen (SKDA- Meisterschaften) des Warschauer Vertrages vom 17. bis 23 September 1961 in Plowdiw erreichte Weltergewichtler Wulf den 1. Platz. Silbermedaillen errangen: Schulz, Martsch, Ladwig, Olesch, und Büchsenschuß. Fliegengewichtler Milek errang Bronze. Bei den Internationalen Dynamomeisterschaften im September in Bukarest erkämpften 1. Plätze : Wenserski und Wittkowski, Lempoi und Graf errangen Silber und III. Plätze gingen an: Slabon, Piesker, Liwowski und Kiepfer 2).

Bei den internationalen Eisenbahnermeisterschaften im Juli in der Giesler-Halle in Magdburg folgten 2700 Besucher den Kämpfen und Erfolgen von: Katschmann, Müller, Petermann, Bedau, Mehrwald, Brabniik und Steunborn.

Im nationalen Rahmen spielten die Meisterschaften in den Bezirken eine große Rolle. Waren sie doch ein Gradmesser für die Umsetzung der Verbandsrichtlinien. Der Pionierpokal für die 12 bis 14 jährigen begann in den Bezirken und setzte sich für die Sieger mit den Pokalkämpfen der Bezirke untereinander fort. Abgesichert werden konnten diese Veranstaltungen durch die in jedem Bezirk tätigen Bezirkstrainer. Sie waren auch die Organisatoren der Bezirksmeisterschaften.

Bei den Junioren , die das Finale der Meisterschaft am 24 . März in der Dynamo-Sporthalle in Berlin austrugen, gab es 10 neue Titelträger. Nur Hielscher, im Halbmittelgewicht, konnte seinen Titel erfolgreich verteidigen. Neu zu Juniorenmeisterehren kamen: Gronau, Hoffmann, Winter, Wolke, Heymann, Müller, Schindel, Stoletzki, Brandes und Knofe 3). Gleichzeitig muss aber vermerkt werden, dass nicht alle Bezirke mit einer vollen Mannschaft an den Kämpfen teilgenommen hat. Neubrandenburg fehlte ganz, in Gera fehlten sechs Kämpfer. Nur Karl-Marx-Stadt, Berlin und Magdeburg stellen komplette Staffeln.

Ein fast geschlossenes Feld in allen Gewichtsklassen bewarb sich bei den Meisterschaften der Männer. Die neuen Meister hatte der Boxring4) vorgestellt:

Otto Babiasch (BSG Motor Berolina Berlin), 24 Jahre alt, Maschinenschlosser, 
bestritt 108 Kämpfe, gewann 81,verlor 23 und gestaltete 4 unentschieden. 
Deutscher Meister 1956 im Fliegengewicht, 
Trainer: Fritz Partner
Robert Büchner (Dynamo Magdeburg), 26 Jahre, Beruf Volkspolizist, 
bestritt 180 Kämpfe, gewann 140, verlor 27 und gestaltete 3 unentschieden. 
Er ist Meister des Sports und war 1954, 1956, 1958 und 1959 Deutscher Meister im Bantamgewicht. 
Trainer Wendhaus
Manfred Maehs (Lok Berlin) 26 Jahre, Kraftfahrzeugschlosser, 
bestritt 134 Kämpfe, gewann 106, verlor 19 und gestaltete 9 unentschieden. 
Trainer: „Orje“ Tietzsch
Herbert Olesch (ASK Vorwärts Berlin), 25 Jahre, Armee-Angehöriger, 
bestritt 184 Kämpfe, gewann 132, verlor 37, gestaltete 15 unentschieden. 
1953 Deutscher Juniorenmeister, 
Trainer: Kernberger
Werner Busse (SC Rotation Berlin), 21 Jahre, Beruf: Bäcker, 
bestritt 81 Kämpfe, gewann 68, verlor 9, gestaltete 4 unentschieden. 
1960 Deutscher Meister in Halbweltergewicht, 
Trainer: Debert
Bruno Guse (SC Traktor Schwerin) 21 Jahre, Beruf: Schmied, 
bestritt 134 Kämpfe, gewann 115, verlor 13 und gestaltete 6 unentschieden. 
Er ist Meister des Sports. 1956 und 1957 Deutscher Juniorenmeister, 
1959 und 1960 Deutscher Meister im Weltergewicht. 
Trainer: Eylert/Lüdke
Günter Wensierski (SC Dynamo Berlin) 23 Jahre, Beruf: Maurer, 
bestritt 103 Kämpfe, gewann72, verlor 17 und gestaltete 14 unentschieden. 
Trainer: Gülle
Edgar Frenzel (SC Motor Karl-Marx-Stadt) 26 Jahre, Beruf: Schweißer, 
bestritt 181 Kämpfe, gewann 107, verlor 30 und gestaltete 44 unentschieden. 
Trainer: Tauber
Bruno Wittkowski (SC Dynamo Berlin) 23 Jahre, Volkspolizist, 
bestritt 160 Kämpfe, gewann 115, verlor 25 und gestaltete 20 unentschieden. 
Trainer: Brien
Günter Siegmund (ASK Vorwärts Berlin), 24 Jahre, Armee-Angehöriger, 
bestritt 70 Kämpfe, gewann 50, verlor 18 und gestaltete 2 unentschieden. 
Verdienter Meister des Sports, Bronzemedaille bei Olympia 1960 in Rom, 
Deutscher Meister im Schwergewicht, 
Trainer: Kernberger 

Die Teilnehmer für die Europameisterschaften vom 03. bis 10. Juni 1961 in Belgrad qualifizierten sich in internen Veranstaltungen. Es starteten: Babiasch, Poser, Schulz, Olesch, Busse, Guse, Neidel, ohne Mittel- und Halbschwergewicht, Siegmund. Platzierungen errangen: Neidel mit der Silbermedaille und 3. Plätze gingen an Babiasch, Schulz, und Siegmund.

Dass der Sport, die sportliche Leistung eine politische Wertung besaß, zeigten im Juli die Auszeichnungen mit dem Titel: „Meister des Sports „ für: Babiasch, Kaczerowski, Neidel und Petermann. Der Sport erhielt eine umfangreiche Förderung. Vergleiche mit Mannschaften aus der BRD fanden statt, auch wenn ein Sieg nicht unbedingt erreichbar war. So starteten:

SC Traktor Schwerin gegen die Boxsportfreunde Hamborn, 
Senftenberg in Duisburg und Hamborn, 
Turbine Erfurt gegen Offenbach, 
Hamburgs Wilhelmsberger Boxclub – Rostock. 

Um die westeuropäische Blockade zu durchbrechen, bemühte sich der Boxverband um internationale Veranstaltungen. Deshalb war die Möglichkeit zur Austragung der internationalen Eisenbahnermeisterschaft auch eine politische Aktivität. Es starteten: Katschmann, Schneider, Müller, Wien, Heinrich , Pertermann, Bedau, Mehrwald, Brabnik und Steinborn. Dabei konnten in der Hälfte der Gewichtsklassen die 1. Plätze erreicht werden. Bei der II. Internationalen Dynamo-Meisterschaft in Bukarest errangen Wensierski und Witkowski einen ersten Platz. Zwei Silber- und vier Bronzemedaillen markierten die erfolgreiche Arbeit.

Um diesen Stand weiter auszubauen, gab es vielseitige Aktivitäten zur Förderung der Kinder und Jugendlichen im Boxsport. Bekannt wurde das Boxturnier der Oberschulen von Lauchhammer 5). Im Pionierlager am Störitzsee meldeten sich 150 Jungen für den Boxlehrgang und zeigten vor 1000 Schülern im Wettkampf, was sie nach 14 Tagen gelernt hatten. Aber auch die Mädchen, die in einem anderen Ferienlager das Boxen beobachteten, wollten selbst mit starten 6). Doch die Verbandsleitung entschied nach vielen Gesprächen, dass der Boxsport doch nur ein Sport für Männer ist.

Mit Gewichtsklassenturnieren und Bezirksvergleichen der Junioren setzte sich die Nachwuchsförderung fort. Doch all diese Aktivitäten reichten nicht aus, um die im Perspektivplan genannten Ziele der Steigerung der aktiven Boxer um 50 Prozent, in vier Jahren, anzusteuern. Gingen sich doch bekannten Mannschaften und Spitzenleute bei Vergleichen aus dem Wege und die Junioren traten kaum vor großem Publikum auf 7).

Vor zehn Jahren fanden die letzten Meisterschaften der Studenten statt. Im Dezember 1961 erhielten sie in Leipzig wieder Leben eingehaucht. In 10 Gewichtsklassen konnten Sieger ermittelt werden. Fliegengewichtler Ramthun, Klimpke, Kitschke, Wagner, Haubrich, Behrend (Uwe), Drechsler, Kortstock, Hannes und Schwergewichtler Lehmann erkämpften sich den Studentenmeistertitel. Es waren 41 Kämpfe notwendig, bis sie als Sieger feststanden.

Doch das Jahr 1961 brachte auch einen Bruch der Sportbeziehungen durch Bonn nach dem Ausbau aller Grenzen durch die DDR. Hier begannt eine neue Etappe für die Eigenständigkeit des DDR- Sports.


1) Boxring, 3/1962, S. 4
2) Boxsport, 37/1962, S. 3
3) Boxring, 14/1961,S.1
4) vergl.: Boxring 18/1961
5) Boxring1961, S. 7
6) Boxring 1961, Nr.34, S.5f
7) Boxring1961,Nr.50, S.7
gs/o/1961.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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