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gs:o:1960

1960 – Und wieder Olympia

Das Jahr 1960 bot wie immer den festen Rahmen mit den Meisterschaften der Senioren, Jugend und Junioren. Untergeordnet war alles den Vorbereitungen auf die Olympischen Spiele. Vor den Spielen waren die Ausscheidungskämpfe mit dem DABV um die Fahrkarten für die gemeinsame deutsche Mannschaft, wo es um den Nachweis ging, besser als die Sportler der BRD zu sein.

Die Grundlagen dafür waren ein qualifiziertes Training. Neben der Fortbildung der Trainer veröffentlichte der Boxsport Hinweise, die von der Planung im Jahresverlauf, die Boxtechnik und deren Vermittlung bis hin zur Schulung konditioneller und koordinativen Fähigkeiten reichten. Denn die neuen Aufgaben, der Auf- und Ausbau des Schülerboxens aber auch die Gründung von Boxsportgemeinschaften auf dem Lande 1) setzten ausgebildete Übungsleiter und Funktionäre 2) voraus. Jedoch fehlten diese noch bei der ehrgeizigen Planung zum Ausbau des Boxsportes 3). Auch waren im zurückliegenden Jahr nicht alle geplanten Ziele erreicht worden. Denn ein Bezirk wie Dresden spielte bei Meisterschaften und Vergleichen nur eine untergeordnete Rolle. Trainerkonflikte und eine schlechte materielle Basis, unzureichende Werbung (z. B. unter Studenten 4) ) und zaghafte Leitungstätigkeit waren wohl die entscheidenden Ursachen. Die Bezirksmeisterschaften der Senioren zeigten, dass komplette leistungsstarke Staffeln in der Mehrheit der Bezirke fehlten. Einige Lücken waren nicht zu übersehen. Nicht besetzt waren im Bezirk Rostock das Halbscher- und Schwergewicht, in Schwerin das Fliegen- und Weltergewicht, in Neubrandenburg des Federgewicht, in Potsdam und Erfurt das Fliegengewicht, in Suhl das Feder-, Halbschwer- und Schwergewicht, in Gera das Bantam- und Halbweltergewicht und in Cottbus das Schwergewicht. Die Bezirke setzten somit nur Sportler ein, die immer auch ein „Stolperstein“ für Spitzenleute sein konnten.

Die Meisterschaften der Senioren endeten mit dem Finale am 5. Juni in Schwerin. Meister wurden ( von Fliegen- bis Schwergewicht ):

Kurt Milleck				ASK Vorwärts Berlin 
Heinz Schulz				ASK Vorwärts Berlin
Wolfgang Behrendt			SC Rotation Berlin
Harry Lempio				SC Dynamo Berlin
Werner Busse			 	SC Rotation Berlin
Bruno Guse				SC Traktor Schwerin
Rolf Caroli				SC Chemie Halle
Heinz Nagel				SC Traktor Schwerin
Paul Nickel				SC Traktor Schwerin
Günter Siegmund		        	ASK Vorwärts Berlin

Drei Wochen später waren die Qualifikationskämpfe um die Olympiafahrkarten geplant. Am 1.Juli in West-Berlin und einen Tag später in Schwerin begannen die Ausscheidungskämpfe mit dem DABV um die gemeinsame Olympiamannschaft. Zwei Mannschaften, eine A und eine B Mannschaft stellten beide Vertretungen. Die Sieger aus diesen Kämpfen vertraten in der gemeinsamen deutschen Mannschaft die beiden unterschiedlichen Verbände DBV und DABV bei Olympia.

Die Ausscheidungskämpfe gewannen: Kirsch, Lempio, Busse, Guse, Caroli, Siegmund (alle DDR ) und Homberg, Rascher, Radzik und Willer ( alle BRD ). Auch diese Vergleiche fanden unter starkem politischem Druck statt. Die Embleme der DDR sollten nicht gezeigt werden. Aber auch ein Punktrichter fand sich, der nicht zu objektiven Bewertungen bereit war. 5)

Das olympische Turnier begann für die Boxer erfolgversprechend. Doch es endete nicht wie bisher gewohnt. Nur eine Medaille konnte die gemeinsame deutsche Mannschaft erringen. Der Schwergewichtler Günter Siegmund erkämpfte eine Bronzemedaille.

Die Meisterschaften der Junioren begannen auf Bezirksebene. Bis auf den Bezirk Schwerin konnten alle anderen Bezirke nicht alle Gewichtsklassen besetzen.6) Und das nach den vielen Aktivitäten zur Gewinnung von Nachwuchsboxern. Es beteiligten sich ca. 750 Wettkämpfer 7) der Jugend und Junioren an den Meisterschaften. In jedem Bezirk gab es somit ca. 50 leistungsstarke Boxer. Wenn das auf die 20 Gewichtsklassen verteilt wird, stehen in jeder Gewichtsklasse zwei Wettkämpfer bereit. Doch durch bisherige intensive Förderung konnte ein ansprechendes Niveau geboten werden. Es siegten:

Weinhold- Dresden, Ketelhut- Rostock, Schaffranek- Leipzig, Willert - Neubrandenburg, 
Schmidt- Gera, Gennat- Potsdam, Hielscher- Berlin, Schäfer- Gera, Anders- Berlin, 
Schipke- Berlin, Degenhardt- Halle.

Die Wettkämpfe um die Mannschaftsmeisterschaft setzten sich wie bisher aus der Oberliga, der I. und der II. Liga zusammen. Der Sieger der Oberliga stellte den Mannschaftsmeister. Der SC Traktor Schwerin erkämpfte zum dritten Mal den Titel eines Mannschaftsmeisters. Zum zweiten Mal standen sich im Finale SC Traktor Schwerin und der SC Motor Karl-Marx-Stadt gegenüber. Mit 16 : 4 konnten die Schweriner diesen Wettkampf gewinnen.

Der FDJ–Pokal ging an die Juniorenstaffel des Bezirkes Rostock. Die Berliner Vertretung errang den 2. Platz.


1) vgl.: Boxring 24/1960, S. 2
2) vgl.: Boxring 25/1960, S.2
3) Vgl.: Boxring, 44/1960, S. 9
4) vgl.: Boxring 10/1960, S. 6
5) vgl.: Boxring 27/1960, S. 3
6) vgl.: Boxring12/1960, S. 5
7) vgl.: Boxring 15/1960, S. 5
gs/o/1960.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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