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gs:o:1959

1959 - EM - nur zweimal Bronze

Auf der Grundlage der Regeln des Weltverbandes änderte auch der Deutsche Boxverband seine Wettkampfbestimmungen. Das Boxen sollte noch sicherer gemacht werden. Es galt, den k.o. wenn möglich, zu vermeiden bzw. wenn er aufgetreten war, eine ausreichende Regenerationsphase für die Sportler zu schaffen. Der Arzt am Ring erhielt eine größere Mitsprache und im Zusammenhang mit dem Ringrichter eine größere Verantwortung für den Verlauf des Boxgeschehens im Ring.

Aber auch der Einsatz von fünf Kampfrichtern war zur Verbesserung der Leistungsbewertung und zur Erhöhung der Attraktivität des Boxens gedacht. Das war ein Schritt, um die in vergangenen Jahr sich vollzogenen Entwicklung- die Anzahl der Boxsporttreibenden war gleich geblieben und neue hinzugekommen aber viele ältere Boxer waren zu frühzeitig ausgeschieden und die Wettkampfmöglichkeiten hatte sich verringert – aufzuhalten.

Nach den Bezirksmeisterschaften begannen die Gruppenkämpfe. Bei denen erfolgte die offene Wertung – nach jeder Runde konnten die Zuschauer die vergebenen Punkte an einer Tafel sehen - praktiziert. Die besten Boxer wurden in vier Gruppen eingeteilt und „gesetzt“. Das bedeutete, sie durften erst in den Gruppenkämpfen eingreifen. Der Vorteil bestand darin, den Nachwuchskräften eine Bewährung bis zu den Gruppenkämpfen zu geben und sie dann erst gegen Spitzenboxer antreten zu lassen. Aber auch die leistungsstärksten Boxer wurden so geschont, doch die Attraktivität der Kämpfe auf den unteren Ebenen verlor an Niveau.

Am 22. März 1959 fanden in Berlin die Meisterschaften ihren Abschluss. Vom Fliegen- bis Schwergewicht errangen folgende Sportler den Titel:

Harry Schwer, SC Rotation Berlin, 146 Kämpfe bisher ausgetragen
Robert Büchner, SG Dynamo Magdeburg, 156 Kämpfe
Heinz Schulz, ASK Vorwärts Berlin, 142 Kämpfe
Wolfgang Labahn, SC Traktor Schwerin, 133 Kämpfe
Conrad Gutschmidt, BSG Stahl Riesa, 206 Kämpfe
Bruno Guse, SC Traktor Schwerin, 88 Kämpfe
Rolf Caroli, SC Chemie Halle, 211 Kämpfe
Paul Nickel, SC Traktor Schwerin, 202 Kämpfe
Hans-Ullrich Krause, SC Traktor Schwerin, 127 Kämpfe
Heinz Pingel, HSG Humboldt-Universität Berlin, 87 Kämpfe

Nach den Finalkämpfen der 14 – 16 jährigen in Zittau fanden die Juniorenmeisterschaften in der Stadthalle von Görlitz statt. Den Titel: „ Deutscher Juniorenmeister 1959 „ errangen:

Papiergewicht C :	Steyke, Dynamo Perleberg
Fliegengewicht :	Kala, Empor Seelenbinder Berlin
Bantamgewicht :		Poser, Dynamo Leipzig
Federgewicht :		Harbig, Stahl Riesa
Halbweltergewicht:	Constantin, Empor Erfurt
Weltergewicht :		Rast, Lok Delitzsch
Halbmittelgewicht:	B. Manthey, SC Traktor Schwerin
Mittelgewicht :		U, Manthey, SC Traktor Schwerin
Halbschwergewicht :	Hoppenheit, Rotation Prenzlauer Berg
Schwergewicht:		Tobschall, SC Aktivist

Schon bei der Betrachtung der Heimatsportgemeinschaften der Juniorenmeister wird deutlich, dass die Sportclubs im Aufbau der Nachwuchskräfte nicht entsprechend ihrer Möglichkeiten vertreten waren. In der Liste der Nachwuchskernmannschaft, die im Boxring 1) veröffentlicht war, sind die Meister im Fliegengewicht, Halbweltergewicht, Weltergewicht, Halbmittelgewicht, Mittelgewicht und Schwergewicht nicht berücksichtigt. In diesen Gewichtsklassen waren die Vertreter der Sportclubs genannt.

Lange und intensiv bereiteten sich die Boxsportler auf die Europameisterschaften vom 23. – 31. Mai 1959 in Luzern vor. Nach dem 2., den 4. und den 5. Tag konnten die Zeitungen noch berichten : Wolfgang Behrendt schlug Olympiasieger Safronow, Nickel hatte Walasek am Rande einer Niederlage gebracht, Guse hatte Ex- Europameister Drogosz am Boden. Doch dann folgte die Ernüchterung mit dem Ergebnis: Nur zweimal Bronze für die DDR durch Caroli und Guse.

Da Faktoren wie beispielsweise das System der Auslosung, nicht immer gerechte Urteile der Kampfrichter aber auch Verletzungen eine Rolle bei diesen europäischen Titelkämpfen spielten, war eine vom polnischen Journalisten Zmarzlik veröffentlichte Bestenliste von zehn Kämpfern je Gewichtsklasse sehr interessant.

Im Fliegengewicht Platz eins für Homberg ,BRD und Platz neun für Milleck , DDR. Im Bantamgewicht war Rascher , BRD auf Platz eins und Büchner auf Platz sieben. Federgewichtler Behrendt, DDR, belegte Platz zwei und Goschka, BRD, Platz drei. Platz vier im Leichtgewicht war von Herper, BRD, und Platz neun von Labahn, DDR, besetzt. Im Halbweltergewicht war nur Guthschmidt auf Platz acht zu finden. Guse , DDR, belegte den dritten und Dieter, BRD, den zehnten Platz im Weltergewicht. Platz vier und fünf für Caroli , DDR, und Kienast, BDR, im Halbmittelgewicht. Im Mittelgewicht war nur Nickel, DDR, verzeichnet. Platz acht und neun waren vergeben an Krause , DDR, und Kopitschke, BRD, im Halbschwer. Im Schwergewicht war Siegmund, DDR, auf Platz fünf eingeordnet.

Im Rahmen des III.Turn – und Sportfestes in Leipzig veranstaltete der Boxverband mit einem Gewichtsklassenturnier, den Wettkämpfen um den FDJ-Pokal der Bezirksmannschaften und den Mannschaftsmeisterschaften der Senioren viele sportliche Höhepunkte. In der Mannschaftsmeisterschaft konnte vor über 2000 Zuschauern der SC Traktor Schwerin mit 16: 4 deutlich den Mitbewerber SC Motor Karl-Marx-Stadt auf den 2. Platz verweisen.

Im FDJ-Pokal um die beste Bezirksvertretung siegten die Berliner Vertreter mit 16 : 4 über die Boxer aus dem Bezirk Erfurt.

Bei internationalen Wettkämpfen hatten die Boxer aus der DDR beachtliche Erfolge. So konnte die ungarische Nationalmannschaft mit 16 : 4 und die CSR- Vertretung mit 12 : 8 besiegt werden. Doch die Leistungen der Aktiven waren noch zu instabil, wie die Ergebnisse von Luzern dann zeigten.

Im Sportverkehr zwischen beiden deutschen Verbänden gab es viele Vergleiche, jedoch auch noch offene Fragen. So sollte ein Sportler, der den Verband wechseln wollte, die Freigabe vom Verband erhalten, um im anderen Verband startberechtigt zu sein. Dazu waren Gespräche zwischen den Vertretern beider deutschen Verbände notwendig. In Streitfällen sollte die AIBA schlichten 2). Damit waren auch wesentliche Voraussetzungen für die kommenden Kämpfe um einen Startplatz bei Olympia zwischen den beiden deutschen Verbänden gegeben.


1) Nr. 15/1959, S. 2
2) vgl.: Boxring 51/1959,S.3
gs/o/1959.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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