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gs:o:1958

1958- Leistungssteigerungen

In der letzten Ausgabe des Boxring 1) erschien der „Perspektivplan der Sektion Boxen der DDR 1958“. Schwerpunkt Nr. I war die zu verbessernde Erziehungsarbeit, die vom Funktionär über den Trainer bis zum Sportler reichen sollte. An zweiter Stelle stand die Förderung des Kinder- und Jugendsports. Durch detaillierte Vorgaben, die von der Werbung der Kinder, der Trainerausbildung und der Wettkampfgestaltung ausgingen, sollte die Anzahl der in den Boxsektionen erfassten Kinder auf 4000 steigen. Das Teilnehmerfeld der boxenden Jugendlichen sollte um 50 % erhöht werden 2).

Die Leistungssteigerungen im Boxsport waren auf das Ziel ausgerichtet, Westdeutschland in den Leistungen zu überholen, bzw. in den Mannschaftsvergleichen die Überlegenheit weiter auszubauen. Über den Trainerrat und die Clubtrainer waren Kader für die gegenwärtige und perspektivische Nationalmannschaft festzulegen und in die nationale und internationale Vorbereitung mit Leistungsaufträgen einzubeziehen.

Durch die weitere Qualifizierung der Trainer, die Zusammenarbeit mit den Sportmedizinern und eine bessere Einbindung der Kampfrichter und ein System der Kontrolle sollten die gestellten Ziele erreicht werden. Dieser Leistungsgedanke war auch Gegenstand der III. Bundesvorstandssitzung des DTSB vom 4./5.März 1958 3). Nach der Feststellung, dass die Überlegenheit gegenüber der BRD nicht in allen sportlichen Bereichen gelungen ist, wurde auf die Konzentration sowohl von Sportarten als auch der Kader orientiert und die wissenschaftliche Begleitung der sportlichen Leistungen hervorgehoben.

Auch der Komplex der Führung des Boxsportes wurde konzentrierter, effektiver gestaltet. Seinen Ausdruck findet es darin, dass auf der Delegiertenversammlung der Bezirke und Sportvereinigungen am 3.und 4.Mai in Berlin sich der „Deutsche Box-Verband“ gegründete.

Die Landesmeisterschaften begannen mit den Bezirksmeisterschaften und den Wettkämpfen der Armeesportvereinigung . Die Meister der Bezirke und der Armee 1958 :

Bezirk Dresden: (vom Fliegengewicht bis Schwergew.)
Lucas, Purwin, Radke, Gutschmidt, Schwengfelder, Posorski, Michel, Venske, Kreisel
Bezirk Gera:
Müller, Popel, Löffler, Beer, Jäger, Palmi, Rothe, Wallot, Hai, Prautsch
Bezirk Halle:
D. Dzikus, Klöppel, Schulz. Schröter, Luckau, Thielicke, W. CaroliIII, 
Kratsch, Danielczyk, Andl
Bezirk Karl.Marx-Stadt:
Reinke, A.Schmieder, S. Schmieder, Tetzner, Kaczeroweski, Schulz, Frenzel, 
Braun, Hertel, Werner
Bezirk Berlin:
Schwer, Lautenschlag, Maehs, Liwowski, Lempio, Haas, Schöne, Voss, Apel, Preuß
Bezirk Neubrandenburg:
Niemann, Jacobi, Wildermann, Radloff, Ellermann II, Erdmann, Ellermann I, 
Gustke, Buß
Bezirk Rostock:
Harting, Piontek, Lerche, Nicklich, Schalk, Behrens, Fick, Witt, Ohl, Huth
Bezirk Schwerin:
Schlink, Muschack, Bittmann, Wittkowski, Matthäus, Marquardt, Nagel, Nickel, 
Krause, Krüger
Armeesportvereinigung (ASK):
Rothe, Wagner, Kästner, Hille, Zentner, Münnich, Büchsenschuß, Suetovius, 
Robak, Grüneberg
Bezirk Erfurt:
Albrecht, Möhwald, Lohse, Teuchert, -------, Müller, Fahrenberger, 
Schumacher, Illginnis, Kaufmann
Bezirk Leipzig:
Babiasch, A., Müller, Amelung, Förster, Rödel, Petermann, Brabandt, Graf, 
Albrecht, Roth
Bezirk Suhl:
Hemmling, Steffen, Ehrhardt, Schmidt, Fuchs, Oginski, Pohl, Liste, Roth
Bezirk Cottbus:
Kirsch, Krause, Barbyr, Scholz, Voigt, Sawistovski, Haase, Kinischefski, 
Schümann, Tobschall
Bezirk Frankfurt:
Conrad, Rockstädt, Christoff, Haar, Schütz, Raddatz, Hensel, Kipper, 
Müller, Wagenknecht
Bezirk Magdeburg:
Tschepe, Büchner, Ritterbusch, Waga, Weidner, Tomas, Thomson, Grothe, 
Göppner, Kohnert
Bezirk Potsdam:
---------, Benda, L.Anderscheck, D. Anderscheck, Gohlke, Bujarski, 
Brümmer, Pech, Hanslik, Nützmann

Seit den Anfängen begleiteten die Punkt- und Ringrichter die Entwicklung des Boxsports, so unter anderem Hertel und Wolf.

Die neuen Deutschen Meister der DDR 1958 :

Werner Rothe, Robert Büchner, Manfred Maehs, Hans Liwowski, Harry Lempio, 
Hans Petermann, Detlef Büchsenschuß, Paul Nickel, Hans Robak, Werner Kohnert.

Hans Robak von 1948 bis 1960 aktiv und 5 Mal DDR Meister und 4 Mal Vizemeister im Halbschwergewicht

Kurz nach den Seniorenmeisterschaften kürten auch die Junioren ihre Meister:

Papiergewicht C: Jürgen Stuckart, Dynamo Frankfurt; 
Fliegengew.: Holm Dallmeier, Turbine Freiberg;       
Bantamgew.: Hans Henning, Dynamo Frankfurt; 
Federgew.: Jürgen Martzsch, Motor Rosswein; 
Leichtgew:   Wilfried Lattke, Empor Erfurt; 
Halweltergew: Jürgen Wulf, BSG Empor Nord ;
Weltergew.:Reinhard Butters, Dynamo Schwerin; 
Halbmittelgew.: Rainer Knackfuss, Vorwärts Leipzig; 
Mittelgew.: Harry Fritze, Motor Altenburg; 
Halbschwergew.: Klaus Schmidt, Lok Königswusterhausen; 
Schwergew.: Wolfram Conradi, SC Aufbau.

Während bei den Senioren die Meister überwiegend aus den Clubs kommen, war der Nachwuchs in den kleineren Gemeinschaften zu Hause. Nach dem Willen der Sportführung waren diese befähigten Nachwuchsboxer in die Leistungszentren zu delegieren. Bleiben aber damit noch für die kleineren Vereine genügend Kader übrig, um ansprechendes Boxen zukünftig zu zeigen, die eigene Leistung hoch zu halten? Gleichzeitig war ein Klassifizierungssystem eingeführt worden, um die Leistungsfähigkeit aller Sportler schnell zu erfassen und einen Wettbewerb um höhere Einstufungen zu erreichen. So erreichte ein Boxer in einem Wettkampf gegen einen gleich qualifizierten Kämpfer einen Punkt, wenn er gewann. Kämpfte er gegen einen niedriger eingestuften, erhielt er keinen Punkt.

Auch die relativ breite Ausbildung sollte durch den Erwerb des Sportabzeichens in die Klassifizierung mit eingehen.

Die Konzentration von guten Boxsportlern in den Klubs zeigten Erfolge. So ist im Boxring 4) zu lesen: Die Überraschung von Halle: Verstärkte Wissenschafts-Staffel schaffte 10 : 10 ( gegen die SV Arbeitsreserven der Sowjetunion ). Fast 10 000 Zuschauer verfolgten in dieser Freiluftveranstaltung dem Wettkampfgeschehen.

Dass der Boxsport im internationalen Rahmen bereits erste Erfolge ausweisen konnte, zeigten die Länderkämpfe gegen Schottland, Finnland CSR, Bulgarien, Polen, Rumänien, und Ungarn. Von den 66 internationalen Vergleichskämpfen konnten bisher 35 gewonnen und 16 unentschieden gestaltet werden. Doch nicht nur die Konzentration von guten Sportlern in Klubs ging voran, sondern auch die Zusammenlegung von mehreren Vereinen zu einer kampfstärkeren Gemeinschaft wie am Beispiel der SV Lokomotive Berlin. Es gab weniger Vereine, aber eine größere Ausstrahlung im sportlichen Vergleich war das Ziel.

Um die Leistungsfähigkeit der Sportler durch internationale Vergleiche weiter zu erhöhen, wurde die I. Sommerspartakiade der an die Sowjetunion gebundenen Armeen organisiert. Vom 20.–28. September fanden in Leipzig, Döbeln, Dessau, Erfurt und Magdeburg Wettkämpfe statt. Eine Medaille errangen:

Milleck, Gold
Schulz, Silber
Büchsenschuß, Gold

Von den 10 teilnehmenden Ländern konnte die DDR nach der Sowjetunion den 2. Platz belegen. Nachdem bereits 1952 der Berufsboxsport keine Unterstützung mehr erhielt, sich die politischen Entscheidungen gegen ihn wandten, der Boxring immer weniger über ihn berichtet weil er mit negativen Image behaftet war, setzte nochmals eine Diskussion ein.

Der Übertritt von U. Nitschke ins Profilager, sein Ausschluss aus der DDR Sportwelt wurde mit abwartenden Haltungen quittiert. Gleichzeitig gab er den Kräften recht, die vor dem Berufssport und seinen Unwägbarkeiten warnten, die negativen Seiten der vergangenen Jahre als Charakteristikum des Profitums und damit die BRD kennzeichneten. Ein anderer politischer Höhepunkt war die Möglichkeit der Mitarbeit in der AIBA, dem Weltboxverband, wenn auch nicht in tragenden Funktionen.


1) 51/1957, S. 10
2) ebenda
3) Vgl.: Boxsport 11/1958, S. 2
4) 17/1958, S.2
gs/o/1958.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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