Benutzer-Werkzeuge

Webseiten-Werkzeuge


gs:o:1956

1956 - Olympia

Die Vorbereitungen für das Olympiajahr hatten mit der Planung und der Terminfestlegung bereits zwei Jahre früher begonnen. Akzente für den weiteren Ausbau des Boxsports sollten gesetzt werden, die besonders in der weiteren Förderung der Nachwuchsarbeit lagen, um auch der Leistungsspitze weitere Impulse zu verleihen. Die staatliche Auszeichnung des Boxers Rolf Caroli mit dem Titel „Meister des Sports“ war ein Signal, das die hohe Wertschätzung des Sports für viele gesellschaftliche und politische Aspekte setzte. Besondere Förderung erhielt die Boxjugend. So war die Ausschreibung des Gesamtberliner Nachwuchsturniers mit fast 500 Startern 1) ein vielseitiges Signal. Der Ausschluss eines Sportlers wegen fehlenden sportlichen und beruflichen Strebens 2) ein Weg zur Formung eines sportlichen Menschenbildes und die Übernahme der Staffel der BSG Riesa in den Sportklub Stahl Riesa ein Weg in den Leistungssport. Einerseits gab es viel Kontakt zwischen den Boxsportvereinen in Ost und West, über die objektiv sportlich Berichte zu lesen waren, anderseits setzten aber auch Reaktionen ein, die den Weg von Ost nach West erschwerten 3).

Für die Olympischen Spiele war nur eine deutsche Mannschaft zugelassen. Dafür waren Ausscheidungskämpfe geplant. Die Sportler, die die Sektion Boxen der DDR dann vertreten sollten, wurden von der Trainerkommission ausgewählt. Sie kämpften bei den Prüfungswettkämpfen gegeneinander um einen Platz 1 bis 4 der Kernmannschaft. Aus diesen Prüfungen gingen die Sportler hervor, die bei den Ausscheidungskämpfen mit dem DABV die Farben der Sektion Boxen der DDR vertraten: (vom Fliegen- bis Schwergewicht je zwei Vertreter / Gewichtsklasse ). Das waren die DDR Starter:

Schwer und Millek, Brien und Behrend, Schröter und Schulz, 
Liwowski und Labahn, Guthschmidt und Gohlke, 
Büchsenschuß und Posorski, R. Caroli und Nagel, 
Lüdemann und Pracht, Nitschke und Robak, 
Krüger und Pingel. 

Diese Wettkämpfe, die eine sportliche Höchstleistung von den Athleten bereits vor Olympia verlangten, waren in sportlicher Sicht ein Handicap. Sie verliefen unter der Leitung ausländischer Ringrichter ausgewogen, obwohl es zu einzelnen Kämpfen unterschiedliche Pressemeinungen gab. So nominierten die Vertreter beider Verbände eine deutsche Mannschaft, die nur Boxer berücksichtigte, die auch eine Chance bei der Vergabe vorderer Plätze hatten. Im Welter- und im Schwergewicht konnte keiner der Bewerber aufgestellt werden. Die gesamtdeutschen Vertreter bei den Olympischen Spielen im Boxsport in einer Boxstaffel waren :

Fliegengew.:		Basel
Bantamgew.:		Behrendt
Fedegew.:		Schröter
Leichtgew.:		Kurschat
Halbweltergew.:		Roth
Weltergew.:		kein Vertreter
Halbmittelgew.:		Kienast
Mittelgew.:		Wemhöner
Halbschwergew.:		Nitschke
Schwergew.:		kein Vertreter
Behrendt-Selbstporträt in Melbourne
Für die guten Leistungen als Kampfrichter beim Olympiaturnier wurde Horst Hertel geehrt.

Den ersten Olympiasieg für den DDR-Boxsport in der gemeinsamen deutschen Mannschaft errang Wolfgang Behrendt.

Das sportliche Leben erhielt durch die Olympiavorbereitungen keine Unterbrechung, ja es erhielt sogar einen Auftrieb. Denn die Turn-und Sportfeste in Leipzig trugen den olympischen Gedanken in viele Teilnehmerherzen. Über 300 Aktive und Trainer und Kampfrichter nahmen an diesem nationalen Sportfest vom 2.- 5. August 1956 in Leipzig teil.

Am Mannschaftsturnier beteiligten sich die führenden Box-Klubs der DDR. Allerdings traten nach der Meldung einige nicht an, unter anderem der SC Wissenschaft Halle, so dass es noch nicht die geplante Boxgala aller Aktiven war. In diesem Turnier setzte sich der SC Rotation Berlin gegen Vorwärts Leipzig durch.

Im Juniorenturnier der noch verbliebenen vier besten Bezirksauswahlmannschaften von Magdeburg, Dresden, Berlin und Karl-Marx-Stadt konnte sich Magdeburg den FDJ-Pokal sichern. Im späterem Gewichtsklassen-Turnier, zu dem es 160 Meldungen gab, wurden Namen wie: Beer, Kühne oder Schaller erstmals genannt, die später im Boxsport der einzelnen Bezirke doch eine entscheidende Rolle spielten sollten.

Die Juniorenmeisterschaften der DDR fanden in Pisteritz statt. Sie zeigten gegenüber den Titelkämpfen des Jahres 1955 nach den Worten des Vorsitzenden der Sektion Boxen der DDR, Hannes Saueracker, einen Leistungsanstieg, der auch im Boxring 4) begründet wurde. Aber nicht alle Stimmten dem zu. So formulierte Hans Borowski (Einheit Berlin ): „Besser als 1955 ?“ auf keinem Fall ! 5) Die technische Ausbildung, besonders in den oberen Klassen, war noch nicht ausreichend. Es fehlten qualitative Vergleichskämpfe. Dennoch sind einige der Namen dieser Junioren später in Boxkreisen überall bekannt. In Finale dieser Juniorenmeisterschaft standen sich gegenüber:

Fliegengew.:		Sattler, 	Leipzig 	-	Henning, 	Frankfurt
Bantamgew.:		Schrader,	Magdeburg	-	Lohlein,	Halle 
Federgew.:		Müller		(Berlin)	-	Klawitter	(Leipzig)
Leichtgew.:		Guse,		Schwerin	-	kampflos
Halbweltergew.		Neidel,		Magdeburg	-	Barabus,	Dresden
Weltergew.:		Kreutzer,	Cottbus 	-	Zöller,		Erfurt
Halbmittelgew.:		Sack,		Halle		-	Brümmer,	Potsdam
Mittelgew.:		Maltusch,	Cottbus		-	Finger,		Halle
Halbschwergew.:		Walter,		Leipzig		-	Seidel,		Karl-Marx-Stadt 
Schwergew.:		Sprenger,	Potsdam		-	Fengler,	Gera

Die Bestenermittlungen der Sportgemeinschaften begann die SV Empor mit neuen Ausschreibungen, die in den anderen Sportvereinigungen noch nicht Anklang fanden. Sie führten auch Wettkämpfe für Jugend, Junioren und Senioren durch, teilten die aber noch einmal in Fortgeschrittene und Leistungsklasse auf, um zu erreichen, dass alle ausreichend Wettkampfmöglichkeiten fanden. Doch in der Praxis sah es dann anders aus. Zur Vorrunde waren 17 Kämpfe eingeplant, aber nur fünf Paarungen konnten zusammengestellt werden 6). Anders dagegen die Wettkämpfe der SV Motor. 2500 Zuschauer waren in der Erfurter Halle anwesend. Die Aktiven starteten am Nachmittag in einigen Gewichtsklassen, um dann am Abend in die Finalrunde zu kommen. Hier zeigt sich das unterschiedliche Niveau der Boxausbildung in den einzelnen Sportvereinigungen. Doch durch die leistungssportliche Förderung gab es immer eine stabile Spitze, die sich bei den Meisterschaften vorstellte. Folgende Sportler konnten nach den Siegen bei den SV Bestenermittlungen an der DDR-Meisterschaft 1956 teilnehmen:

errangen den Meistertitel: Babiasch, Büchner, Lempio, Liwowski, Birke, Müller, R.Caroli, Rogge, Grothe, Preuß


1) Boxring 5/1956, S.6
2) Boxring 5/1956, S. 11
3) Boxring 7/ 1956, S. 9, Menschenhändler..
4) 12/1956, S.5
5) ebenda, S. 4
6) Boxring 18/1956, S.5
gs/o/1956.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 14:47 von je

Seiten-Werkzeuge