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gs:o:1954

1954 -Erste Leistungsorientierungen

Das Jahr 1954 begann verheißungsvoll. Die Nominierung der Kernmannschaft (also jener Sportler, für die später der Begriff Nationalmannschaft galt) erfolgte unter der Leitung von Fred Fischer. Für den Nachwuchs wurden die Juniorenpokale der Bezirke ausgeschrieben und einheitliche Ausbildungspläne verabschiedet. Doch die Effektivität dieser Maßnahmen war noch nicht ausreichend Deshalb entstand gegen Ende des Jahres unter der Leitung des Staatlichen Komitees der Trainerrat aus den Trainern der führenden Sportvereinigungen. Dieser legte Rahmenbedingungen für Leistungssteigerungen fest. So unter anderem:

  • Talente sind in die Clubmannschaften zu delegieren
  • Leistungsaufträge für die Kernmannschaft und talentierte Junioren sind zu erteilen.
  • Das Training sollte systematischer gestaltet werden, um Technik, Taktik und Kondition zu verbessern.

Damit war eine langfristige Linie vorgegeben.

Die Präsidenten der Sektion Boxen der DDR, Langheinrich und des DABV der BRD, Dietrich tauschten Absichtserklärungen aus, die aber nicht zu Vereinbarungen führten. Der Versuch, gesamtdeutsche Meisterschaften durchzuführen, scheiterte an der Forderung des DABV, mehr Finalisten zu stellen als die Sektion Boxen. Der Sportverkehr zwischen Mannschaften beider deutscher Sportorganisationen geht aber weiter. So unter anderem:

BSG Empor Ost Halle      –     BC Ahlen
Magdeburg                –     FSV Borussia Kiel
Motor Freiberg           –     Helios München
Fortschritt Weißenfels   –     BC Hameln

Die Berichte im Boxring dazu sind kurz und objektiv 1).

Auf der Bezirksebene begannen die Meisterschaften. Hier zeigte sich bereits ein Rückgang des Umfanges des Boxsports. In Potsdam waren zu Durchführung der Männermeisterschaft nur 11 Kämpfe notwendig 2). In Frankfurt können, ebenso wie in Neubrandenburg, nicht in allen Gesichtsklassen Finalpaarungen stattfinden. Es fehlen die Gegner.

Anfang März fanden die Gruppenkämpfe statt. So sind in der Gruppe I die Vertreter aus Magdeburg, Neubrandenburg, Rostock und die Sportvereinigung Vorwärts zusammengefasst. Die Sieger trafen dann in der Vorschlussrunde an zwei Tagen in Berlin aufeinander. Und einen Tag später, am 14. März, erfolgte das Finale. Vom Fliegen- bis Schwergewicht standen sich gegenüber (Sieger zuerst genannt ):

Brien, Berlin		-	Krause, Großräschen 
Büchner, Magdeburg	-	Ambroß, Karl-Marx-Stadt 
Voigt, Espenhain 	-	Sahm, Berlin 
Schumann, Halle 	-	Rosowski, Brandenburg 
Gutschmidt, Brandenburg	-	Caroli III, Halle 
Caroli I, Halle 	-	Müller, Stendal
Geserich, Berlin 	-	Caroli II, Halle 	
Winneburg, Erfurt	-	Lasch, Berlin
Motzkus, Berlin		-	Robak, Cottbus 
Stubnick, Berlin 	-	Wallner, Schwerin 

Diese Meisterschaft verdeutlicht, dass die Sieger aus vielen Gemeinschaften kommen und ein Leistungssportkonzept mit der Zusammenfassung der Besten in den Sportclubs noch nicht umgesetzt werden konnte.

1954 fanden nach 1952 erneut die Juniorenmeisterschaften in Görlitz statt. Hier deutete sich bereits an, dass sich die Orientierung auf die Jugendarbeit in verbesserter Technik und einem gesteigerten psychischen Kampfesswillen zeigte. Den Titel eines DDR- Juniorenmeisters erreichten (vom Fliegen- bis Schwergewicht ):

Bruno Witkowski (SV Vorwärts), Manfred Witkowsky (Chemie Wittenberge), 
Reinhard Dräger (Empor Tangermünde), Ulrich Birkner (Motor Plagwitz ), 
Rolf Irmisch (Chemie Colditz), Klaus Berg (Aktivist Espenhain), 
Erich Barnick (Chemie Schönebeck ), Hans-Ullrich Krause (SV Vorwärts), 
Hans Böttcher (Chemie Bernburg ), Achim Kolenda (HSG Uni Berlin ).

In der Auswertung der Meisterschaften kam die Leitung der Sektion Boxen zu den Schlussfolgerungen, dass der Trainingsprozess unzureichend, nicht hart genug und auf unzureichender allgemein-athletischer Basis aufbaute 3). Die Trainer mussten qualifiziert werden. Diese Aufgabe übernahm die DHfK in Leipzig. Sie führte die Trainer innerhalb von 10 Monaten zu einem wissenschaftlichen Abschluss.

Fast gleichzeitig, neben den Meisterschaften, fanden auch Bestenermittlungen statt. So bewarben sich 56 Wettkämpfer um den Sieg beim Turnier der Sportvereinigung Lokomotive.

Um die Breitenentwicklung zu fördern, die lokalen Sportvereine wieder besser mit dem Publikum zu verbinden, begannen wieder Mannschaftsmeisterschaften. Unter der Leitung des Trainers Erich Sonnenberg wird die BSG Empor Nord Berlin DDR Mannschaftsmeister 1954. Trotz dieser Wettkämpfe fehlen für die besten Boxsportler noch internationale Vergleiche. Mit dem II. Deutschlandtreffen der Jugend 1954 bot sich eine gute Möglichkeit. Es erfolgte eine Turnierausschreibung in sechs Gewichtsklassen. In drei Gewichtsklassen stellte die Sektion Boxen mit Werner Müller, Ulrich Nitschke und Erich Stubnik die Sieger.

Ein weiterer internationaler Höhepunkt war der Sieg von Ulrich Nitschke bei den Akademischen Sommerspielen in Budapest. Er wurde Studentenweltmeister.


1) vergl.: Boxring Nr. 9/1954
2) Boxring Nr. 4/1954, S. 3
3) Boxring 10/1954, S.10
gs/o/1954.txt · Zuletzt geändert: 2012/09/24 13:20 (Externe Bearbeitung)

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